Zum Tod von Hilla Becher

Hilla Becher ist tot. Sie und ihr Mann Bernd Becher haben mit ihren Fotografien von Fachwerkhäusern, Bergwerken, Hüttenanlagen, Wassertürmen und anderen Industrieanlagen und ihrer berühmten Klasse an der Kunstakademie Düsseldorf die wohl einflussreichste Kunstrichtung aus Deutschland seit dem Bauhaus geprägt. Zu ihren Studenten gehörten unter anderem Stars wie Andreas Gursky, Thomas Ruff, Thomas Struth, Candida Höfer, Boris Becker, Axel Hütte, Elger Esser, Jörg Sasse, Laurenz Berges, Simone Nieweg und Petra Wunderlich.

Ich persönlich habe mich sehr lange sehr schwer mit ihren Arbeiten getan, aber im Laufe der Zeit habe ich einen großen Respekt vor ihrem Lebenswerk, vor ihrem Ehrgeiz und vor ihrer Konzentration auf das eine Thema entwickelt. Außerdem hatte ich das Glück, Hilla Becher mehrfach persönlich bei Veranstaltungen und Ausstellungen zu treffen und habe sie als sehr intelligente und reflektierte Gesprächspartnerin erlebt, die immer eine Bereicherung und Inspiration für mich war. Sie wird zweifelsohne eine Lücke hinterlassen.

Mein Nachruf auf Hilla Becher ist in Der Standard erschienen und gibt es hier als PDF.

Hilla Becher

Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare

Wenders, Lindbergh und Rakete im Gespräch

Podiumsgespräch mit Jim Rakete (l.), Peter Lindbergh (M.) und Wim Wenders (r.). Foto: Damian Zimmermann

Gestern Abend fand im Museum Kunstpalast in Düsseldorf das Künstlergespräch zwischen Wim Wenders und Peter Lindbergh, moderiert von Jim Rakete, statt. Rund 800 Leute kamen zu diesem durchaus unterhaltsamen Abend mit den drei sehr unterschiedlichen Charakterköpfen. Es gab viele nette Anekdoten und etwas Philosophie, aber leider auch einige Allgemeinplätze über Fotografie (Wim Wenders: „Eine Kamera kann auch zeigen, was nicht auf dem Foto ist“; Peter Lindbergh: „Schönheit ist heute, wenn jede Erfahrung aus dem Gesicht retuschiert wird und eine leere Hülle übrig bleibt, die überall gleich aussieht.“). Dafür gab es dann ausgerechnet aus der Mode- und Werbestadt Düsseldorf Applaus.

Ansonsten haben sich die älteren Herren die meiste Zeit über gegenseitig versichert, wie sehr sie die Arbeit des anderen schätzen. Wim Wenders klopfte oder streichelte Peter Lindbergh in sentimentalen Situationen ständig onkelhaft über den Arm oder die Hand, Peter Lindbergh war in seiner Schlichtheit sehr erfrischend und erntete den größten Lacher, wo er ihn gar nicht haben wollte, und Jim Rakete versuchte als Moderator seine persönlichen Anekdoten und Fragen unterzubringen, die dann doch häufig nur den Star-Status der beiden untermauerten. Das Wohlfühlprogramm eben.

Vermisst habe ich allerdings, dass einige Behauptungen einfach stehen gelassen wurden. So sagte Wenders sinngemäß, dass er in seinen Landschaftsfotografien die Wahrheit zeige und er gleichzeitig die nachkommende Fotografen-Generation bedauere, „weil unsere Welt heute so viel komplexer/komplizierter geworden ist, dass man die Wahrheit darin kaum noch finden kann.“ Da hätte man doch prima nachhaken können, ob Wenders tatsächlich der Meinung sei, er könne in seinen Landschaftsfotografien die Wahrheit zeigen (oder ob nicht jede Fotografie immer auch die Wahrheit des Fotografen zeigt) und ob es die nachfolgende Generation deshalb nicht genauso leicht oder schwer habe wie die Generationen davor?

Insgesamt war es ein unterhaltsamer Abend, der inhaltlich aber nicht so viel bot wie beispielsweise die Podiumsdiskussion drei Jahre zuvor mit Andreas Gursky, Hilla Becher, Michael Schmidt, Moritz Wegwerth, Annette Kelm, Beat Wismer und Thomas Weski. Ich bin aber auf jeden Fall schon einmal auf die nächste Veranstaltung gespannt!

Die Ausstellung “4 Real & True 2″ von Wim Wenders ist noch bis zum 16. August im Museum Kunstpalast, DĂĽsseldorf, zu sehen.

Link: Museum Kunstpalast

Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare

Fotobuchweihnachtsverlosung 5/6

Die fĂĽnfte und vorletzte Runde meiner weihnachtlichen Fotobuchverlosungsaktion, bei der ich von den Verlagen Hatje Cantz, Kehrer, Peperoni Books, Phaidon, Prestel sowie Scheidegger & Spiess unterstĂĽtzt werde, hat begonnen.

Heute mĂĽsst ihr euch entscheiden, denn es gibt sogar zwei verschiedene BĂĽcher zu gewinnen! Der Verlag Scheidegger & Spiess hat mir sowohl ein Exemplar von Ansichtssache als auch ein Exemplar von Concrete fĂĽr die Aktion zur VerfĂĽgung gestellt. In “Ansichtssache” von Stephan Kunz und Köbi Gantenbein geht es um den  Stellenwert, den die Architektur im schweizerischen GraubĂĽnden seit dem 19. Jahrhundert hat. Das klingt SEHR speziell und ist es auch – und dennoch ein wundbares Lese-Foto-Buch, das ich allen Architekturfotografiefans ans Herz legen möchte. “Weil aber in erster Linie Fotografien betrachtet werden, steht nicht die Geschichte der Architektur in diesem Kanton im Zentrum. Vielmehr geht es um die Sicht der Fotografen und um die Frage, wie sich diese im Laufe der Zeit verändert hat. Was steht wann, wie und warum im Fokus?”, erklären die Herausgeber im Vorwort und unterstreichen diesen besonderen Aspekt direkt mit einer Reihe von Aufnahmen, die die Fotografen Katalin DeĂ©r, Christian Kerez, Claudio Moser, Stephan Schenk und Gaudenz Signorell von der St. Nepomuk-Kapelle in Oberrealta gemacht haben. “Ansichtssache” hat 384 Seiten mit 117 farbigen und 136 schwarzweiĂźe Abbildungen und kostet 48 Euro.

Ganz ähnlich, dabei jedoch nicht auf einen einzigen Ort konzentriert ist “Concrete”. Herausgegeben wurde es von Daniela Janser, Thomas Seelig und Urs Stahel und zeigt Fotografien unter anderem von William Henry Fox Talbot, Hiroshi Sugimoto, Tobias Zielony, Michael Wesely, Georg Aerni, Andreas Gursky, Walker Evans und Moriz Nähr. Ausgangspunkt des Buches ist, dass Architektur das Motiv des ersten fotografischen Bildes ĂĽberhaupt war: Joseph NicĂ©phore Nièpces Sicht aus seinem Arbeitszimmer auf die Häuser im französischen Le Gras von 1826. In “Concrete”, das ich bereits als Standard-Werk fĂĽr die Architekturfotografie ansehe, geht es um das Wechselspiel zweier Weltanschauungen, die miteinander kooperieren. Auf der einen Seite die Architektur als Spiegel der Zeit, auf der anderen Seite eben die Fotografie jener Zeit mit all ihren eigenen EinflĂĽssen, die auf die aktuelle oder bereits ältere Architektur schaut. “Concrete” hat 440 Seiten mit 156 farbigen und 157 schwarzweiĂźen Abbildungen und kostet 87 Euro.

Wenn ihr ein Exemplar von “Ansichtssache” oder “Concrete” gewinnen wollt, mĂĽsst ihr unter diesem Beitrag nur einen Kommentar mit eurem vollständigen Namen und eurer E-Mail-Adresse bis heute um 23.59 Uhr hinterlassen. Bitte schreibt auĂźerdem dazu, welches Buch ihr haben möchtet! Unter allen Teilnehmern wird per Zufallsgenerator ein Exemplar verlost. Der Gewinner wird unter dem Beitrag genannt und erhält das Buch direkt vom Verlag zugesendet – allerdings nur an Postadressen in Deutschland, Ă–sterreich und der Schweiz. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Gewinne können nicht in bar ausgezahlt werden. Viel GlĂĽck und viel SpaĂź!

UPDATE: Der Zufallsgenerator hat entschieden. Gewinner von “Ansichtssache” ist Kommentar 10, Verena Loewenhaupt. Gewinner von “Concrete” ist Kommentar 7, Marcel Haag. Herzlichen GlĂĽckwunsch und viel SpaĂź mit den BĂĽchern!

Amazon: Ansichtssache.150 Jahre Architekturfotografie in GraubĂĽnden, Concrete – Architektur und Fotografie

Geschrieben in FotobĂĽcher, Verlosung | 26 Kommentare

Podiumsdiskussion “Fotografische Positionen”

Im Rahmen der Andreas Gursky-Retrospektive fand im DĂĽsseldorfer Museum Kunstpalast die Podiumsdiskussion “Fotografische Positionen” statt. Mit dabei waren Hilla Becher, Michael Schmidt, Moritz Wegwerth, Annette Kelm, Beat Wismer und Andreas Gursky selbst. Moderiert wurde die Veranstaltung, zu der mehr als 800 Besucher kamen, von Thomas Weski.

Es wurde dabei viel ĂĽber das Verhältnis der Fotografie zur Malerei gesprochen, es gab den ein oder anderen interessanten Einblick und das ein oder andere “Geständnis” der Beteiligten und Michael Schmidt regte sich am Ende sogar darĂĽber auf, dass Kunsthistoriker die Fotografie bis heute nicht wirklich als selbstständige Position wahrnehmen und immer mit der Malerei vergleichen wĂĽrden. Bei Gursky und (den Kunsthistorikern) Weski und Wismer erntete er damit wenig Verständnis, Hilla Becher gab ihm hingegen Recht, brach aber auch eine Lanze fĂĽr sie: “Sie haben es einfach nicht anders gelernt: Es fehlt ihnen an einem eigenen Vokabular fĂĽr die Fotografie.“

Mein ausführlicher Artikel dazu ist nun in der Photonews erschienen.

Geschrieben in Allgemein | 2 Kommentare

Andreas Gursky im Museum Kunstpalast

Die große Andreas Gursky-Retrospektive im Museum Kunstpalast in Düsseldorf läuft ja schon eine ganze Weile, allerdings ist meine ausführliche Besprechung erst jetzt in der taz erschienen.

Inhaltlich bin ich weniger auf die Ausstellung selbst eingegangen – die meisten Arbeiten kennt man ohnehin. Mich hat vielmehr die Person Gursky und ihre Inszenierung und Mythisierung interessiert: Auch während der Pressekonferenz mit Kunstpalast-Generaldirektor Beat Wismer (ich war noch nie auf einer Fotografie-Pressekonferenz, an der so viele Journalisten teilgenommen haben!) wurde wieder viel von Intuition gesprochen, obwohl sie Genie meinten, was sicherlich auf viele Fotografen zutrifft – nur nicht auf einen alles bis ins Detail planenden, kontrollierenden und manipulierenden Andreas Gursky. Auf die schöne Frage eines Kollegen, wie Gursky damit umgehe, dass er als größter lebender Fotograf gehandelt werde, sagte er zudem, dass er Jeff Wall und Wolfgang Tillmans “als gleichwertig ansehe”. Wenn das als Ausdruck seiner Bescheidenheit gemeint war, dĂĽrfte das eher nach hinten losgegangen sein.

Wer mag, kann sich meinen Artikel hier durchlesen.

Link: Museum Kunstpalast

Geschrieben in Ausstellungen | 5 Kommentare

“State of the Art Photography” im NRW-Forum

Der Chef des NRW-Forum, Werner Lippert, hat befreundete Fotografie-Experten wie Andreas Gursky, F. C. Grundlach, Udo Kittelmann und AndrĂ©a Holzherr nach Fotografen befragt, die ihrer Meinung nach die Diskussion der kommenden Jahre bestimmen werden. 41 dieser KĂĽnstler werden nun noch bis zum 6. Mai im NRW-Forum unter dem wenig bescheidenen Titel “State of the Art Photography” präsentiert – darunter unter anderem Olaf Otto Becker, Andreas MĂĽhe, Asger Carlsen, Jacob Aue Sobol, Peter Ainsworth, Pepa Hristova, Kathrin Sonntag, Mischa Kuball und Katalin DeĂ©r sowie die KĂĽnstlerduos Thijs groot Wassink und Ruben Lundgren alias WassinkLundgren, Taiyo Onorato und Nico Krebs sowie Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse.

Zwar finde ich den Grundgedanken dieser streng subjektiven Auswahl spannend, gleichzeitig macht es die Ausstellung den Besuchern alles andere als leicht. Warum das so ist, erfahrt ihr in meinem Artikel, der heute im Ksta erschienen ist.

Link: NRW-Forum

Geschrieben in Ausstellungen | Keine Kommentare

Das Museum Ludwig und die “Zwischenstadt”

Die Ausstellung “Nachrichten aus der Zwischenstadt” im Museum Ludwig beschäftigt sich mit dem Begriff der Zwischenstadt, den der deutsche Architekt Thomas Sieverts 1995 geprägt hat. DafĂĽr versammelte Kuratorin Barbara Engelbach neben Videos und Skulpturen vor allem jedoch Fotografien von Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky, Thomas Struth, Thomas Ruff, William Eggleston, Joachim Brohm, Peter Piller und Chargesheimer.

Alle gezeigten Arbeiten stammen aus der museumseigenen Sammlung. Warum ich der Meinung bin, dass damit jedoch auch eine Chance vergeben wurde, könnt ihr in meinem Artikel nachlesen, der heute im Ksta erschienen ist.

Link: Museum Ludwig

Geschrieben in Ausstellungen | Keine Kommentare

Jeff Wall im Bozar in BrĂĽssel

Der Kanadier Jeff Wall gehört zu den wichtigsten Fotografen der Gegenwart. In seinen Bildern zitiert er häufig die Kunstgeschichte, ohne dass sie deshalb nüchtern oder akademisch wirken. Vor allem gelingt es ihm meist, dass seine Bilder wie Dokumentationen wirken, tatsächlich aber bis ins kleinste Detail inszeniert sind.

In der groĂźen Ausstellung “The Crooked Path” zeigt der Palast der Schönen KĂĽnste – Bozar in BrĂĽssel nun 25 Arbeiten von Jeff Wall und stellt sie 130 Arbeiten anderer KĂĽnstler gegenĂĽber, die Wall inspirieren und begleiten – darunter natĂĽrlich auch zahlreiche Fotografen wie August Sander, Bernd und Hilla Becher, Hans-Peter Feldmann, Andreas Gursky, Thomas Struth, Stephen Shore, Walker Evans und Robert Frank.

Meine ausführliche Besprechung über diese besondere Ausstellung ist heute im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen und gibt es hier.

Link: Bozar

Geschrieben in Ausstellungen | Keine Kommentare

“Der rote Bulli” im NRW-Forum

Das DĂĽsseldorfer NRW-Forum zeigt noch bis zum 16. Januar 2011 die Ausstellung “Der rote Bulli – Stephen Shore und die Neue DĂĽsseldorfer Fotografie”. In der von Christoph Schaden kuratierten Schau geht es um den Einfluss, den Stephen Shore mit seinen Farbfotografien auf die Studenten von Bernd und Hilla Becher hatte – und der kann ganz offensichtlich gar nicht groĂź genug eingeschätzt werden. FĂĽr mich ist die Ausstellung jedenfalls die wichtigste, die ich in diesem Jahr gesehen habe, weil sie ein abgegrastes Thema wie die Becher-Klasse in einen neuen, spannenden und vor allem einleuchtenden Zusammenhang bringt.

Meine ausführliche Besprechung dazu ist heute in der taz erschienen.

Geschrieben in Ausstellungen | Keine Kommentare

Kraut: neues “Magazin fĂĽr angewandte Kultur”

Kraut ist zwar kein expliziertes Fotografie-Magazin, aber zumindest die Erstausgabe dreht sich schwerpunktmäßig um die DĂĽsseldorfer Fotografie – passend zur aktuellen Ausstellung “Der rote Bulli” im NRW-Forum. Neben einem sehr anschaulich geschriebenen Artikel ĂĽber das Leben von Stephen Shore finden sich darin noch Interviews mit Stefan Schneider, seines Zeichens Musiker und Becher-Absolvent, ein launiger und vor allem vollständiger “Stammbaum” der “Familie Becher” mit all ihren Studenten sowie einen sehr spannenden Direkt-Vergleich der Fotografien “DĂĽsseldorf, Flugzeug” (1989) von Andreas Gursky mit einem Landschaftsbild aus Montana von Stephen Shore aus dem Jahr 1982.

Herausgegeben wird Kraut ĂĽbrigens vom NRW-Forum in DĂĽsseldorf, das im Magazin sein drittes Standbein neben den Ausstellungen und dem Internetauftritt sieht.

Ich wĂĽrde sagen, dass das auf jeden Fall gut investierte 4,50 Euro sind.

Geschrieben in FotobĂĽcher | Keine Kommentare

Most Popular Tags