Paareprojekt – Das Buch. Jetzt vorbestellen!

Endlich ist es so weit: Im Oktober erscheint unser Buch “Paare – Menschenbilder aus der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts” im Verlag Kettler.

Bis zum 15. September gibt es eine Subskriptionsphase, in der ihr das Buch zum sagenhaften Preis von 22 Euro vorbestellen könnt! Im Handel wird das Buch regulär 28 Euro kosten. Nutzt also die Gelegenheit und bestellt euch schon ein oder mehr Exemplare – für euch und als Geschenk, denn Weihnachten ist schneller da als man denkt.
http://www.verlag-kettler.de/programm/paare

Anmerkung: Das Cover ist nur ein vorläufiges Cover, das sich noch ändern wird. Die Paare, die auf dem jetzigen Cover zu sehen sind, sind nicht unbedingt die, die auch im Buch sein werden. Der aktuelle Stand der Planung sieht 109 Paare vor. Hier findet ihr eine Übersicht dieser Paare.

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Die inszenierte Flucht auf Instagram

Ein junger Senegalese flüchtet nach Europa. So weit, so normal. Ungewöhnlich ist, dass der 22-jährige Abdou Diouf seine Odyssee von Dakar nach Spanien mit 15 Fotos und einem Video auf Instagram dokumentiert hat. Naja, hat er nicht wirklich, aber viele Internetnutzer haben es geglaubt. Ich fand es von Anfang an merkwürdig – die Fotos wirkten wie nach einem Drehbuch abfotografiert, es fehlten mir die Belanglosigkeiten und die Hab-ich-so-noch-nicht-gesehen-Momente. Dann wurde bekannt gegeben, dass es eigentlich eine PR-Aktion für das Fotografie-Festival im spanischen Getxo war. Erst war ich etwas sauer. Dann irritiert. Und mittlerweile fast begeistert.

Hier ist mein Artikel zu der Geschichte, erschienen im Kölner Stadt-Anzeiger.

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Interview mit Böhm/Kobayashi

Katja Stuke: “Bilder im öffentlichen Raum waren damals einfach schon richtig geil. Und ich bin heute jedes Mal enttäuscht, wenn wieder mal irgend so ein Mist plakatiert wird, weil sich niemand mehr wirklich für dieses Medium interessiert.”

Oliver Sieber: “Larry Sultan und Mike Mandel haben ja auch diese Billboard-Aktionen in den 70er Jahren gemacht und beziehen sich quasi auf Marshall McLuhan, den Medientheoretiker. Also dem Nutzen von Plakatwänden und was die für eine Wirkung auf die Gesellschaft haben. Deswegen kriege ich vielleicht so einen schmelzigen Ton, wenn ich an die Motive von damals denke und wie sich das Stadtbild anders dargestellt hat.”

In der Ausgabe 97 von European Photography ist mein Interview mit Katja Stuke und Oliver Sieber alias Böhm/Kobayashi erschienen. Darin spricht das Künstlerduo über Selfpublishing, die Anfänge ihrer Böhm-Hefte, den Reiz von Werbeplakaten, ihr Antifoto-Manifest und was passiert, wenn das eigene Buch plötzlich zum “Photobook of the Year“ gewählt wird.

Link: Böhm/Kobayashi, European Photography

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Portfolio Review beim Fotofestival Mannheim

Portfolio Review

Am Donnerstag, 17. September, eröffnet das 6. Fotofestivals Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg – das größte kuratierte Fotofestival in Deutschland. Als Kurator für diese Ausgabe zeichnet Urs Stahel verantwortlich: [7] Orte [7] Prekäre Felder heißt die Ausstellung, die an sieben Ausstellungsorten in drei Städten in zwei Bundesländern gezeigt wird und jeweils einem Unterthema gewidmet ist.

Im Rahmen des Fotofestivals findet am Samstag, 19. September, zudem ein Portfolio Review mit dem Thema “Neue Realitäten in der Dokumentarischen Fotografie” statt, an dem ich auch selbst als Reviewer neben Simone Demandt, Lukas Einsele, Alexandra Lechner, Frederic Lezmi, Esther Ruelfs, Thomas Schirmböck, Claude W. Sui und Henrik Spohler teilnehmen werde. Es richtet sich insbesondere an Studierende der Fotografie, Kunst und Gestaltung sowie an Künstler und Fotografen.

Zusätzlich zu meinem Lebenslauf wurde ich um ein Statement zur zeitgenössischen Fotografie gebeten:

Je länger ich mich mit dem Medium Fotografie beschäftige, desto unklarer wird für mich, was eigentlich unter dem Begriff „Dokumentarfotografie“ bzw. „Fotografie im dokumentarischen Stil“, wie ihn Walker Evans geprägt hat, zu verstehen ist. Nahezu jeder Fotografie haftet per se eine Zeugenschaft an, gleichzeitig ist ein Foto eben immer auch bloß eine von nahezu unendlich vielen Sichtweisen auf unsere Welt. Der Begriff suggeriert eine neutrale Sichtweise, die aber in den allermeisten Fällen nicht vorhanden ist, so lange die Fotos von Menschen gemacht, ausgewählt und betrachtet werden.

Link: Fotofestival Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg

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Wenders, Lindbergh und Rakete im Gespräch

Podiumsgespräch mit Jim Rakete (l.), Peter Lindbergh (M.) und Wim Wenders (r.). Foto: Damian Zimmermann

Gestern Abend fand im Museum Kunstpalast in Düsseldorf das Künstlergespräch zwischen Wim Wenders und Peter Lindbergh, moderiert von Jim Rakete, statt. Rund 800 Leute kamen zu diesem durchaus unterhaltsamen Abend mit den drei sehr unterschiedlichen Charakterköpfen. Es gab viele nette Anekdoten und etwas Philosophie, aber leider auch einige Allgemeinplätze über Fotografie (Wim Wenders: „Eine Kamera kann auch zeigen, was nicht auf dem Foto ist“; Peter Lindbergh: „Schönheit ist heute, wenn jede Erfahrung aus dem Gesicht retuschiert wird und eine leere Hülle übrig bleibt, die überall gleich aussieht.“). Dafür gab es dann ausgerechnet aus der Mode- und Werbestadt Düsseldorf Applaus.

Ansonsten haben sich die älteren Herren die meiste Zeit über gegenseitig versichert, wie sehr sie die Arbeit des anderen schätzen. Wim Wenders klopfte oder streichelte Peter Lindbergh in sentimentalen Situationen ständig onkelhaft über den Arm oder die Hand, Peter Lindbergh war in seiner Schlichtheit sehr erfrischend und erntete den größten Lacher, wo er ihn gar nicht haben wollte, und Jim Rakete versuchte als Moderator seine persönlichen Anekdoten und Fragen unterzubringen, die dann doch häufig nur den Star-Status der beiden untermauerten. Das Wohlfühlprogramm eben.

Vermisst habe ich allerdings, dass einige Behauptungen einfach stehen gelassen wurden. So sagte Wenders sinngemäß, dass er in seinen Landschaftsfotografien die Wahrheit zeige und er gleichzeitig die nachkommende Fotografen-Generation bedauere, „weil unsere Welt heute so viel komplexer/komplizierter geworden ist, dass man die Wahrheit darin kaum noch finden kann.“ Da hätte man doch prima nachhaken können, ob Wenders tatsächlich der Meinung sei, er könne in seinen Landschaftsfotografien die Wahrheit zeigen (oder ob nicht jede Fotografie immer auch die Wahrheit des Fotografen zeigt) und ob es die nachfolgende Generation deshalb nicht genauso leicht oder schwer habe wie die Generationen davor?

Insgesamt war es ein unterhaltsamer Abend, der inhaltlich aber nicht so viel bot wie beispielsweise die Podiumsdiskussion drei Jahre zuvor mit Andreas Gursky, Hilla Becher, Michael Schmidt, Moritz Wegwerth, Annette Kelm, Beat Wismer und Thomas Weski. Ich bin aber auf jeden Fall schon einmal auf die nächste Veranstaltung gespannt!

Die Ausstellung “4 Real & True 2″ von Wim Wenders ist noch bis zum 16. August im Museum Kunstpalast, Düsseldorf, zu sehen.

Link: Museum Kunstpalast

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„Catch“ von Wolfgang Zurborn

Wolfgang Zurborn versteht es wie kaum ein Zweiter das Besondere im Alltäglichen, ach was: im Belanglosen zu finden und dabei dem überstrapazierten „entscheidenden Augenblick“ eine neue Bedeutung entgegenzuhalten: Wenn Henri Cartier-Bresson Klassik ist, dann ist Wolfgang Zurborn Free-Jazz. Und manchmal sogar Punk. Denn bei ihm verschwimmen Vorder-, Mittel- und Hintergrund mit- und ineinander, Transparenz und Reflexion sind genauso wichtige Bestandteile seiner Bildsprache wie unerwartete Durchblicke und Sichtachsen, Witz und Ernsthaftigkeit. Zurborn ist der vielschichtige Konstruktivist in der Street-Photography.

Sein neues, wunderbar konsequent gestaltetes Buch „Catch“ (Kettler Verlag, 38 Euro) verdeutlicht zudem, was er mit dem von ihm geprägten Begriff „The Theatre of Real Life“ meint: Es gibt keine Fotografie, die die Wirklichkeit objektiv abbildet und damit die „Wahrheit“ sagt, sondern sie ist immer auch eine persönliche Konstruktion der Welt – und somit eine Inszenierung. In dieses Chaos des Alltags bringt der Fotograf, Galerist und Dozent Zurborn also Ordnung – zumindest für eine 125tel Sekunde.

Link: Kettler

Amazon: Wolfgang Zurborn- Catch

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„The Nordic Book“ von Søren Rønholt

The Nordic Book“ (Seltmann+Söhne, 45 Euro)  ist ein Buch mit Landschaften, Studioporträts und Aktfotos aus dem europäischen Norden. Beim Letzteren hat Søren Rønholt penibel darauf geachtet, die Frauen möglichst „natürlich“ in Szene zu setzen: Sie stehen, sitzen oder liegen in ihrem eigenen Zuhause und sind teilweise recht weit davon entfernt dem medial kommunizierten Schönheitsideal zu entsprechen. Sie entspringen der rauen, mitgenommenen und dennoch vertraut-romantischen Natur Skandinaviens und das soll man ihnen auch anmerken.

Das ist eine zeitlang schön anzuschauen, aber leider genauso ein Klischee wie die betont artifiziell-heroischen Studioporträts, mit denen Rønholt gleichzeitig die Charakterzüge der nordischen Persönlichkeit darstellen will – und die sich so extrem von den Aktaufnahmen unterscheiden, dass man sie beim besten Willen nicht zusammenkriegt. Abgesehen davon ist das Layout mit seinem weißen Streifen auf der unteren Bildseite, der plumpen Typo und den Fotos, die in schlimmster “Family of Man”-Manier auf anderen Fotos drauf montiert sind, teilweise eine Zumutung. Hier hätte ein anderes Editing und eine andere Bildauswahl gut getan.

Link: Seltmann+Söhne

Amazon: The Nordic Book: An unpolished journey in Nordic identity and life


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„The Hereditary Estate“ von Daniel W. Coburn

Im Grunde sind auch Alben mit Familienfotos Fotobücher. Diese unterliegen jedoch der meist unausgesprochenen Propaganda, stehts die „guten“ und „besonderen“ Momente darzustellen, an die man sich auch in 20 oder 50 Jahren noch erinnern soll. Tragödien, Konflikte und Trauer finden in der Regel keinen Einlass.

Daniel W. Coburn möchte mit seinem Buch “The Hereditary Estate” (Kehrer Verlag, 39,90 euro) dieser eindimensionalen Sichtweise auf das immer gleiche Klischee des (amerikanischen) Traums eine eigene entgegensetzen. Dabei geht es ihm aber nicht allein darum, auch weniger schöne, aber dennoch allgemeingültige Momente festzuhalten, sondern seine ganz eigene, streng subjektive Familiengeschichte zu erzählen.

Aus Mangel an Bildmaterial nimmt Coburn auch eigene Beobachtungen und Inszenierungen hinzu und manipuliert zudem gefundenes Fremdmaterial zu einer mitunter surrealen, düsteren und nicht immer entschlüsselbaren, aber dennoch sehr emotionalen Geschichte. Ein solches Familienalbum würde ein Normales niemals ersetzen können. Aber zumindest doch wunderbar ergänzen.

Link: Kehrer

Amazon: The Hereditary Estate


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Können Fotografien Konflikte erklären?

Diese und ähnliche Fragen hat sich das Miesiąc Fotografii w Krakowie, auch bekannt als Photomonth Krakow, als Prämisse für ihr Festival 2015 gewählt. Insgesamt neun Ausstellungen versuchen diese Frage zu beantworten – unter anderem die umfangreiche Schau “Track-22″ von Markus Schaden, in der er neun Fotobücher “an die Wand” bringt als Beispiele für eine deutliche Autorenschaft und authentische Zeugnisse, um Konflikten zu folgen und sie als persönliches Erleben wahrzunehmen. Darin zeigt er unter anderem „The World from my Front Porch“ von Larry Towell, „Hundred Portraits“ von Emeric Lhuisset, “Taksim Calling” von Frederic Lezmi, “Esto ha sido” von Luis Weinstein und “The Legitimacy of Landscape” von Yaakov Israel. In anderen Ausstellungen sind beispielsweise Josef Koudelkas “Invasion Prague 68″, Sophie Ristelhuebers “Every One”, Indrė Šerpytytės1944–1991″, Joanna Piotrowskas “Frowst” sowie Zhang Dalis “A Second History” zu sehen.

Mein ausführlicher Artikel ist in Der Standard erschienen. Weil es bislang ein paar Verwirrungen gab: Mein Text versucht den Ausgangsfragen des Krakauer Festivals auf die Spur zu gehen und aufzuzeigen, welche Möglichkeiten die Fotografie bei der Erklärung und Vermittlung von Konflikten (und auch anderen komplexen Zusammenhängen) hat. Mein Artikel ist in keinster Weise eine Besprechung des Festivals oder der einzelnen Ausstellungen selbst.

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„Escape“ von Danila Tkachenko

Das letzte Foto in dem Buch zeigt uns eine dünne Linie aus Fichtenzapfen und kleinen Steinen, die über den Waldboden gezogen wurde. Es ist eine fragile Grenze. Sie sagt uns: Hier fängt das Grundstück eines anderen an.

So fragil wie diese Linie sind auch die Fotografien in “Escape” von Danila Tkachenko, erschienen bei Peperoni Books, 40 Euro. Zunächst „laufen“ wir durch einen dichten, dunklen Wald bis uns schließlich unvermittelt ein älterer Mann anschaut. Die Falten sind tief, das Haar wirr, die Jacke dreckig. Er ist der erste von acht „Entkommenen“, die Tkachenko porträtiert hat. Acht Männer, die der Gesellschaft den Rücken gekehrt haben, und die nun als Einsiedler in Hütten, Höhlen oder Erdlöchern in russischen und ukrainischen Wäldern leben. Manches sieht fast paradiesisch oder zumindest fantastisch aus, anderes geradezu mitleiderregend erbärmlich.

Die Gründe für ihre „Flucht“ werden am Ende des Buches genannt. Einer konnte sich den Mord an einen Mann nicht vergeben, jemand anderes hat den Tod seiner Frau nicht verkraftet, andere suchen einfach die Einsamkeit. Für jemanden, der sich fest in der Gesellschaft verankert fühlt, ist das nicht immer nachvollziehbar. Aber immer sehr berührend.

Link: Peperoni Books

Amazon: Escape

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