“J’ai perdu ma tête” von Peter Granser

Peter Gransers neues Buch ist von der Stiftung Buchkunst zu einem der „fünf schönsten deutschen Bücher 2014“ gewählt worden. Aus gutem Grund: Die zurückhaltende Gestaltung erinnert an einen reizarmen Raum im Therapiebereich und genau darum geht es auch: „J´ai perdu ma tête“, also „Ich habe den Verstand verloren“, zeigt Aufnahmen aus einer Psychiatrie: Wir sehen Detailaufnahmen wie die Delle in der Wand über einem Stuhl, einen kleinen Plastikbecher für Medikamente, Kritzeleien, Kreuze und Kreise auf einem gefliesten Fußboden, als hätte jemand Tic Tac Toe ohne jegliche Begrenzung gespielt. Granser zeigt uns zudem einige Patientenporträts und Aufnahmen von Tonfiguren, die die Patienten in der Kunsttherapie angefertigt haben. Schnell stelle ich mir die Frage, ob man als Verrückter eingeliefert wird oder erst dort verrückt wird.

Konsequent ist auch, dass wir im gesamten Buch keinen einzigen Buchstaben finden, der von den Bildern ablenkt. Der einzige Text wurde auf eine Klappkarte ausgelagert und auch die wenigen Außenaufnahmen sind herausnehmbar. Dafür klebt auf dem Cover eine kleine Plastikhülle, in dem ein Foto steckt wie in den Kliniken normalerweise die Namen der Patienten am Bett. Es zeigt einen leuchtend gelben Fußball, eingeklemmt zwischen rosaüberzogenen Matratzen und Wänden. Lebensfreude sieht anders aus.

“J´ai perdu ma tête” ist in der Edition Taube erschienen, hat 104 Seiten und kostet 32 Euro.

Link: Edition Taube

Amazon: J’ai perdu ma tête

Geschrieben in Fotobücher | Keine Kommentare

Zum Tod von René Burri

Am Montag ist Magnum-Legende René Burri im Alter von 81 Jahren in Zürich gestorben. Mit seinem Porträt von Ernesto “Che” Guevara hat er 1963 zwar eine Medienikone geschaffen, aber auch mit seinen anderen Fotos von Künstlern und anderen Berühmtheiten sowie mit seinem Werk “Die Deutschen” wird er uns in Erinnerung bleiben.

Mein Nachruf auf diesen großen Fotografen des 20. Jahrhunderts ist im österreichischen Standard erschienen.

Kontaktbogen von René Burri, als er 1963 Ernesto "Che" Guevara fotografierte und mit Negativ 23 eine Ikone schuf.

Geschrieben in Allgemein, Porträt | Keine Kommentare

Klaus Honnef zum 75sten Geburtstag

Klaus Honnef feiert heute seinen 75. Geburtstag. Er gehört zu den renommiertesten Fotografie-Experten weltweit, hat den Begriff der “Autorenfotografe” geprägt und zeigte auf der documenta 6 im Jahr 1977 erstmals überhaupt die gesamte Bandbreite der Fotografie. Bis heute arbeitet er als Kritiker und Kurator.

Mein Kurzporträt ist im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen und gibt es hier.

Geschrieben in Allgemein | 1 Kommentar

Chargesheimer Reloaded – Köln 5 Uhr 30

Im Juli und August habe ich für die Photoszene den Fotowettbewerb Chargesheimer Reloaded – Köln 5 Uhr 30 organisiert, bei dem die Kölner aufgefordert wurden, ihre menschenleere Stadt zu fotografieren – und zwar morgens gegen 5.30 Uhr, wenn die Sonne langsam aufgeht, die Stadt aber noch schläft. Eine Jury, bestehend aus Markus Schaden, Wolfgang Zurborn, Tina Schelhorn und mir, hat unter mehr als 600 Einsendungen die besten 111 Fotografien von 81 Fotografen ausgewählt.

Nun erscheint das Buch dazu, gedruckt von unserem Partner Pixum. Wer bis zum 31. Oktober per Mail an 5uhr30@photoszene.de bestellt, erhält das Buch für 25 Euro und hilft uns gleichzeitig, die Auflagenhöhe besser zu kalkulieren. Danach wird das Buch 30 Euro kosten.

Link: Photoszene

Geschrieben in Allgemein, Fotobücher, Photoszene | Keine Kommentare

Die digitalen Fotogramme des Thomas Ruff

Ich bin heute noch einmal durch die Düsseldorfer Kunsthalle geschlendert und habe mir die Ausstellung “Lichten” von Thomas Ruff angeschaut. Die Schau zeigt Ar­bei­ten der
ver­gan­ge­nen 35 Jah­re aus fünf Werk­grup­pen, die alle samt das Licht selbst behandeln – oder behandeln sollen. Bei vier von fünf Serien ist das auch ganz offensichtlich, bei seinen Interieurs wirkt es allerdings doch etwas arg aufgesetzt auf mich.

Doch sei’s drum, mich interessieren ohnehin vor allem seine Fotogramme. Ich habe die Ausstellung bereits im S.M.A.K. in Gent gesehen und war von seiner Arbeitsweise in der digitalen Dunkelkammer fasziniert und von seinen Ergebnissen absolut begeistert. Daran hat sich auch bei meinem heutigen Besuch nichts geändert.

Meinen ausführlichen Artikel, erschienen in der Photonews 7-8/2014, findet ihr hier als PDF.

Link: Kunsthalle Düsseldorf

Amazon: Thomas Ruff – Lichten

Geschrieben in Ausstellungen | Keine Kommentare

Photoszene-Festival: Party!

Das Photoszene-Festival ist im vollem Gange: Bis einschließlich Sonntag finden neben den 78 Fotografieausstellungen auch zahlreiche Talks, Diskussionsrunden, Vorträge, Führungen und Workshops statt. Das ausführliche Programm findet ihr auf der Homepage, aber ihr könnt euch auch in den beiden Festivalzentren im PhotoBookMuseum und im Museum für Angewandte Kunst Köln sowie auf unserem Stand auf der Photokina (Halle 9.1 B054) bestens informieren.

Doch bei dem ganzen Programm sollte man das Feiern nicht vergessen, weshalb ich noch einmal ausdrücklich auf die große Photoszene-Party am Samstag, 20. September, ab 22 Uhr im PhotoBookMuseum hinweisen möchte. Kommt alle und feiert mit uns in der schon jetzt legendären Café Lehmitz Bar!

Links: Photoszene, The PhotoBookMuseum, Museum für Angewandte Kunst Köln, Photokina

The PhotoBookMuseum - opening - copyright by Daniel Zakharov 03

Geschrieben in Allgemein, Ausstellungen, Bildung, Festivals & Messen, Fotobücher, Photoszene | Keine Kommentare

“An American Odyssey”

Der prächtige und mächtig schwere Bildband “An American Odyssey” (Taschen, 612 Seiten, 150 Euro) zeigt eine Auswahl an farbigen Fotochromen und Phostint-Postkarten aus der Privatsammlung Marc Walters, die zwischen 1888 und 1924 von der Detroit Photographic Company produziert wurden. Der Betrachter wird mitgenommen auf eine Zeitreise zurück zu den großen Entdeckungen und Abenteuer in Nordamerika von der Ost- bis zur Westküste – und all das in Farbe.

Allerdings mit einer Einschränkung, denn die Fotochrome waren keine „echten“ Farbfotos wie die späteren Autochrome. Ihnen lag immer ein Schwarzweiß-Bild zur Grundlage, das im Flachdruckverfahren als Farbfoto interpretiert wurde. Zudem führte der Druck auch zu Ungenauigkeiten und Unschärfen, so dass die hin und wieder eingestreuten Schwarzweiß-Fotos jener Zeit deutlich „realistischer“ erscheinen – auch wenn ihnen die Farbe fehlt. Der Faszination für diese uns durch Kino und Fernsehen sehr vertraute und doch vollkommen fremde Welt tut dies jedoch keinen Abbruch.

Link: Taschen

Geschrieben in Fotobücher | Keine Kommentare

Hilla Becher zum 80. Geburtstag

Mit Hilla Becher ist heute eine der einflussreichsten Fotografinnen der Welt 80 Jahre alt geworden. Mit ihren Bildern von Industrieanlagen konnte ich mich lange Zeit nicht so richtig anfreunden, doch das ändert sich allmählich. Unabhängig davon habe ich jedoch den größten Respekt vor der Lebensleistung von Hilla Becher und ihrem bereits 2007 verstorbenen Mann Bernd Becher.

Im Kölner Stadt-Anzeiger widme ich ihr zu diesem Jubiläum ein kleines Porträt, das ihr hier nachlesen könnt.

Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare

L. Fritz – das Magazin der Photoszene

Darf ich vorstellen: L. Fritz – das Magazin der Photoszene ist erschienen. Benannt nach L. Fritz Gruber wollen wir mit diesem Magazin Kuratoren, Galeristen und Verleger, Studenten und Sammler, Fotografen und Designer, Profis und Amateure gleichermaßen ansprechen. Deshalb ist L. Fritz auch mehr als nur ein Medium – er ist ein lebendiger Bestandteil der Fotografieszene, er ist ein Freund und Experte, dem man vertraut, den man um Rat fragen kann und den man gerne an seiner Seite hat. Vor allem aber liegt L. Fritz kostenlos aus – in Köln sowieso, aber auch an wichtigen Fotografie-Einrichtungen in Deutschland und ganz Europa. Eine genaue Auflistung wird auf der Photoszene-Website folgen. Außerdem könnt ihr euch L. Fritz auch schon auf Issuu ansehen – dort findet ihr übrigens auch den Photoszene-Festivalguide.

Die erste Ausgabe beschäftigt sich vor allem mit dem bevorstehenden Photoszene-Festival und stellt einige Ausstellungen vor. Unter anderem gibt es einen achtseitigen Teil über das PhotoBookMuseum von Markus Schaden, ein Interview mit Bettina Flitner, die Fotostrecke “Wolfskinder” von Fabian Weiß und ein Interview mit der Photoszene-Geschäftsführerin Heide Häusler. Außerdem geht Klaus Honnef in einem Essay der Frage nach, wie sehr Fotografien unsere Wahrnehmung von Realität verändert haben. Viel Vergnügen mit L. Fritz!

Link: Photoszene

"L. Fritz - Das Magazin der Photoszene", No.1, 2014, Cover-Photo: Chargesheimer, „L. Fritz Gruber“, Köln 1955, Museum Ludwig, Fotografische Sammlung, ML/F 1993/150

Geschrieben in Allgemein, Ausstellungen, Festivals & Messen, Fotozeitschriften, Interviews, Photoszene | Keine Kommentare

Essay zum Thema Bilderflut

Seit der Erfindung der Fotografie vor 175 Jahren wurden mehr als 3,5 Billionen Fotos aufgenommen, doch allein zehn Prozent davon entstanden innerhalb von nur zwölf Monaten. Heute wird alle zwei Minuten genauso viel fotografiert wie im gesamten 19. Jahrhundert. Doch gleichzeitig kann diese Bilderflut auch ein Geschenk sein – weil sie eine Dokumentation unserer Zeit ist.

Für das Magazin des Kölner Stadt-Anzeiger habe ich meine Gedanken dazu in ein Essay gepackt. Den gesamten Artikel gibt es hier als PDF.

Bilderflut

Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare

Most Popular Tags