Photoszene-Ausflug zu Larry Sultan nach Gent

Die Photoszene Köln bietet einen Ausflug zum S.M.A.K. nach Gent/Belgien an. Zeitlich parallel zur Ausstellung im Kunstmuseum Bonn ist dort noch bis Ende Mai eine große Larry-Sultan-Ausstellung zu sehen. Der deutschsprachige Kurator Martin Germann wird uns durch die Ausstellung führen.

Als offenes Angebot an alle Interessierten bietet die Photoszene eine eintägige Busreise von Köln-Ehrenfeld nach Gent an, die neben dem gemeinsamen Ausstellungsbesuch noch ein bisschen Zeit zum Besuch dieser großartigen Stadt lässt. Die Kosten für die Busreise betragen 35 Euro pro Person, der Eintritt ins Museum zusätzlich 6 Euro. Außerdem ist ein gemeinsames Mittagessen in Gent geplant.

Wer gerade gar nicht weiß, wer überhaupt Larry Sultan ist: Hier mein Artikel zur Ausstellung in Bonn.

Link: Photoszene

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“Poststructure II” von Josef Schulz

Für seine aktuelle Serie „Poststructure“ hat der Düsseldorfer Fotograf Josef Schulz seine bisherige Arbeit konsequent weiter- und zusammengeführt: In düsteren Farb- und Schwarzweiß-Fotografien präsentiert er uns leere Geschäfte, Tankstellen, Imbissbuden und Supermärkte in ländlichen Regionen der USA – und stellt damit eine direkte Nähe zum legendären Projekt der Farm Security Administration (FSA) aus den 1930er Jahren her.

Im Kölner Stadt-Anzeiger ist mein Kurzbericht zur Ausstellung in der Galerie Fiebach, Minninger erschienen.

Link: Fiebach, Minninger, Poststructure Video

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“The Asylum of the Birds” von Roger Ballen

Mit seinen Fotografien löst Roger Ballen heftige Reaktionen aus: Entweder man lehnt seine Fotos ab oder man ist begeistert. Etwas dazwischen scheint es kaum zu geben.

Mit seiner aktuellen Serie “The Asylum of the Birds” hat der Wahl-Südafrikaner seine Bildsprache nun erneut verändert – war Ballen in den 1990er Jahren noch ein Reportagefotograf, entwickelte er sich zum großen Inszenierer, der seinen extravaganten Protagonisten vom Rande der Gesellschaft aber auch viel Raum ließ. Heute ersetzt er deren Gesichter durch Masken und Zeichnungen, weil das menschliche Gesicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht – für den promovierten Geologen sind jedoch alle Bildelemente gleich wichtig.

In der März-Ausgabe der Photographie bin ich auf diese Entwicklung ausführlich eingegangen, den Artikel gibt es hier.

Gleichzeitig möchte ich schon einmal auf die nächste Ausstellung von Roger Ballen in der Galerie Karsten Greve in Köln hinweisen, die am 30. Mai 2015 eröffnet wird.

Link: Roger Ballen, I Fink U Freeky, Karsten Greve

Amazon: The Asylum of the Birds

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“Fullmoon” von Darren Almond

Ich liebe die Fotografien von Darren Almond. Da kommt der Romantiker in mir durch. Seit 1998 fotografiert der Engländer Landschaften im Licht des Vollmondes. Es sind Landschaften gefangen in Raum und Zeit, mystisch aufgeladen durch das ungewöhnliche Sonnenlicht, das durch unseren Erdtrabanten wie von einem riesigen Aufheller reflektiert wird und das in dieser Intensivität mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist.

Am eindringlichsten sind Almonds Bilder, wenn wir teilhaben dürfen an seinem subjektiven, fast schlaftrunkenen Blick, der gerade durch das Geäst der Bäume hindurch oder an einem Felsvorsprung vorbei etwas in der Ferne erspäht hat – einen Gipfel, einen Strand, einen Wasserfall, eine Lichtung oder einfach nur die Spiegelglatte See vor der japanischen Küste. Man hat das Gefühl in Landschaften einzutauchen, die noch nie ein Mensch betreten hat. Oder die gerade erst von Menschen nach ihren Idealvorstellungen erschaffen wurden. Der Geist eines Caspar David Friedrich ist in fast jedem Bild spürbar.

Nun sind diese Bilder in dem schweren Bildband “Fullmoon” zusammengefasst (Taschen Verlag, 400 Seiten, 49,99 Euro). Meine Buchvorstellung aus der Photonews gibt es hier.

Link: Taschen

Amazon: Darren Almond. Fullmoon

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“Fotopraxis mit Perspektive” von M. Mettner

Okay, ich muss zugeben, der Titel und das Cover haben mich abgeschreckt. Sehr sogar. “Fotopraxis mit Perspektive. 16 erfolgreiche Projekte und ihre Macher” klingt für mich jedenfalls alles andere als sexy und bedient meiner Meinung nach die gleiche Zielgruppe, die auch Bücher wie “Elf Tipps für perfekte Landschaftsfotos” oder ähnliches kaufen.

Doch weit gefehlt. Das Buch (erschienen im Fotofeinkost-Verlag, 216 Seiten, 39,80 Euro) von Martina Mettner versammelt neben einer ausführlichen Einleitung, in der sie auf die Problematik eingeht, heutezutage mit Fotografie Geld zu verdienen und welche Möglichkeiten freie Projekte für Fotografen bieten, äußerst interessante und vor allem ausführliche Interviews, die Martina Mettner mit Fotografen über deren Fotografieprojekte geführt hat – darunter freie Projekte genauso wie außergewöhnliche Auftragsarbeiten. Gleich das erste Gespräch ist mit Carlos Spottorno, dem Fotografen von “The Pigs” – einem meiner Lieblingsbücher 2013. Dabei geht die Autorin auf das gesamte Konzept dieser besonderen Publikation genauso ein wie auf einzelne Bilder und auch Spottornos Hintergrund als Werber.

Andere Interviews hat Mettner beispielsweise mit Andreas Meichsner über sein Buch “The Beauty of Serious Work”, mit David Hiepler und Fritz Brunier von hiepler, brunier, über ihren Fotoauftrag für den Schweizer Großkonzern Holcim und mit James Mollison über seine typologische Herangehensweise geführt. Ebenfalls zu Wort kommen Ekkehart Keintzel, Christian Ahrens und Silvia Kröger-Steinbach, Jürgen Scriba, Mathias Braschler und Monika Fischer, Robert Maybach, Oliver Stegmann, Alexander Schneider, Ulla Lohmann, Julia Runge, Kai Löffelbein, Patrick Willocq und Bénédicte Vanderreydt.

Was mich neben dem Titel des Buches allerdings auch noch stört ist die biedere Aufmachung und den meiner Meinung nach zu hohen Verkaufspreis. Für eine Zusammenstellung von Interviews hätte man jedenfalls kein Hardcover mit Leinenbezug wählen müssen. Dass das Buch so aussieht, wie es aussieht, weil es in einer ganzen Veröffentlichungsreihe des Verlages steht, verstehe ich ja – ich hätte mir dennoch eine ganz andere, viel leichtere Präsentation gewünscht.

Link: Fotofeinkost

Amazon: Fotopraxis mit Perspektive: 16 erfolgreiche Projekte und ihre Macher

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Larry Sultan im Kunstmuseum Bonn

Der Amerikaner Larry Sultan (1946-2009) ist Fotografie-Fans in Deutschland am ehesten durch seine Serie “The Valley” ein Begriff. 2004 als Buch erschienen zeigt er uns darin seinen Blick auf Pornodreharbeiten im San Fernando Valley nordwestlich von Los Angeles. Vielleicht kennt man auch noch seine Serie “Evidence”, für die er gemeinsam mit seinem Kollegen Mike Mandel zwei Jahre lang zwei Millionen Fotos in 77 Archiven unterschiedlichster Institute, Behörden und Firmen gesichtet hat und aus denen sie schließlich 59 ausgewählt haben. Damit gehörten sie 1977 zu den Vorreitern der Appropriation Art“ und haben gleichzeitig den Begriff der Dokumentarfotografie massiv in Frage gestellt – durch die Isolierung und Dekontextualisierung verlieren die Fotografien ihre Beweiskraft und geben stattdessen neue Rätsel auf.

Das Kunstmuseum Bonn widmet Larry Sultan nun nach eigener Aussage die erste museale Retrospektive in Europa. Meinen Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger gibt es hier. Im Kerber Verlag ist zudem ein Katalog zur Ausstellung erschienen, der aus allen Serien nur wenige Beispielbilder zeigt und vor allem als Lesebuch verstanden werden will.

Links: Kunstmuseum Bonn, Kerber Verlag

Amazon: Larry Sultan

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“Purity” von David Magnusson

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon einmal mit einer Fotoprojekt-Rezension Leser so dermaßen verärgert habe wie ich es nun mit “Purity” von David Magnusson getan habe. Dabei geht es bei den Reaktionen gar nicht darum, dass ich das Buch zu Unrecht gelobt oder zerrissen hätte (tatsächlich finde ich das Buch großartig!). Nein, es geht darum, dass sich die beiden Leserbriefschreiber massiv darüber beschweren, dass ich die Bilder nicht vorurteilsfrei betrachten und den Leser durch meine Meinung zu sehr beeinflussen würde. Einer der beiden Leser hat dann auch direkt sein Photonews-Abo gekündigt, was ich schon eine arg heftige Reaktion finde – als wenn die Photonews nur aus meinen Texten bestünde.

Naja, urteilt selbst, ob ich hier über die Stränge geschlagen habe. Meine Titelgeschichte zu “Purity” (das Buch ist im schwedischen Verlag Max Ström erschienen und kostet etwa 34 Euro) könnt ihr hier als PDF nachlesen. Außerdem haben wir “Purity” auch beim Fotobuch-Salon im Rahmen des Photoszene-Festivals besprochen. Das Video dazu findet ihr bei FotoTV und auf Vimeo.

Link: Max Ström

Amazon: David Magnusson: Purity

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“Face to Face” von Bettina Flitner

Eigentlich bin ich kein Freund von Bild-Text-Kombinationen – viel zu oft verlassen sich Fotografen bei diesem Prinzip auf die Bedeutung des Wortes während die Fotos quasi austauschbar sind.

Diese Gefahr besteht natürlich grundsätzlich auch bei Bettina Flitner, aber ich finde, dass sie in den meisten Fällen sehr geschickt mit ihren Inszenierungen umgeht und die Bilder durch die Zitate der Abgebildeten bekräftigt, nicht aber komplett getragen werden. Und das ist ein großer Unterschied: Bekommt das Bild eine Zusatzinformation oder wird das Bild durch die Information eigentlich komplett überflüssig?

Die Retrospektive “Face to Face” in den Kunsträumen der Michael-Horbach-Stiftung versammelt nun erstmals ihre politischen Serien aus den vergangenen 25 Jahren – darunter ihre “Freier” genauso wie “Ich bin stolz, ein Rechter zu sein”, “Mein Feind” und “Reportage aus dem Niemandsland”. Sehr beachtlich finde ich übrigens  auch “Sextouristen” – sie ist die einzige Serie in der Ausstellung, die ohne Texte auskommt und an ihr ist sehr schön zu sehen, wie Flitner dafür eine komplett andere Bildsprache gewählt hat, weil das einzige Foto viel mehr transportieren muss als wenn noch Text daneben stünde.

Mein Artikel ist im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen und gibt es hier. Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. April.

Link: Michael-Horbach-Stiftung, Bettina Flitner

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“Sitting” von John K. bei Susanne Zander

Das Foto irritiert. Wir sehen einen Frauenakt von hinten und gleichzeitig ein Stillleben. Denn die nackte Frau sitzt auf einem Tisch. Genauer: Auf einem großen Laib Brot, der auf einer silbernen Platte auf einem mit einer Decke geschmückten Tisch liegt. Die Dame greift nach einem gläsernen Krug, der nur halb ins Bild ragt. Teller gibt es keine, dafür einen Salatkopf (?) sowie einige Gabeln und Löffel. Auf der Wand im Hintergrund zeichnet sich der doppelte Schatten der Nackten ab und verrät, dass der Fotograf John K. mit zwei Lampen gearbeitet hat. Aus heutiger Sicht wirken die Schatten eher amateurhaft, doch sind sie wohl dem Zeitgeist geschuldet: Das Foto wurde wahrscheinlich zwischen 1959 und 1976 aufgenommen und erinnert an die dramatische Ästhetik von alten Hollywood-Fotos.

Das Bild stammt aus einer ganzen Reihe sehr ähnlicher Aufnahmen, die noch bis zum 13. Februar in der Ausstellung “Sitting” in der Galerie Susanne Zander zu sehen ist. Wie der Name verrät, sehen wir dabei größtenteils nackte Frauen, die auf irgendetwas sitzen: Mal sind es Nahrungsmittel wie eben Brot, ein Kürbis oder eine Wassermelone, oder es sind Einrichtungsgegenstände wie ein Kissen, eine Stuhllehne oder ein Nachttopf. Aber es gibt auch Fotos von liegenden oder stehenden Frauen, z.B. vor einem (erbärmlich geschmückten) Weihnachtsbaum.

Verwendet hat John K. die Fotos teilweise als Vorlagen für Gemälde, womit sie beispielsweise an die Fotografien von Robert Longo, die 2009 in dem Buch Men in the Cities erschienen sind, oder Andy Warhols Polaroids erinnern. Dennoch haben sie einen ganz eigenen sprichwörtlichen Reiz: John K.s Umgang mit diesem Fetisch, der zweifelsohne erotisch ist und dennoch gleichzeitig ein absurdes Kopfkino auslöst, sowie die Inszenierungen, die zwischen präzise-liebevoll und nachlässig-schlampig pendelt, verleihen ihnen etwas sehr ambivalentes: Für Amateurfotografien sind sie zu gut und für professionelle Fotos zu schlecht. Das Spiel mit den Genres und der eindeutigen und dennoch fast beiläufigen Erotik machen die Aufnahmen für mich jedenfalls viel viel interessanter als 95 Prozent der üblichen langweiligen Aktfotografie. Und das ist doch schon mal was.

Link: Susanne Zander

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“View, Kyoto” von Jacqueline Hassink

Die niederländische Fotografin Jacqueline Hassink beschäftigt sich viel mit der Identität von Räumen, die den meisten Menschen vorenthalten bleiben. In ihrer Serie “The Table of Power” hat sie die Konferenztische der 40 größten multinationalen Unternehmen in Europa fotografiert hat – an ihnen werden Entscheidungen getroffen, die Einfluss auf Millionen, wenn nicht sogar Milliarden von Menschen haben. Und für “Haute Couture Fitting Rooms” war sie bei Dior, Chanel und Armani in den privaten Umkleideräumen, die für Normalsterbliche ebenfalls unzugänglich sind.

In der Galerie Kaune, Posnik, Spohr zeigt sie nun ihre aktuelle Serie “View, Kyoto” über buddhistische Tempelanlagen. Meinen Artikel, erschienen im Kölner Stadt-Anzeiger, gibt es hier.

Außerdem möchte ich noch auf das Buch “View, Kyoto” aufmerksam machen. Es wurde von Irma Boom gestaltet, ist bei Hatje Cantz erschienen und kostet 68 Euro. Und es ist ganz wunderbar geworden mit seinem “falschen” amerikanischen Schutzumschlag, der das Innere nach Außen kehrt und doch nicht vollständig zu entfalten. Die Fotografien sind schlicht aber intelligent platziert und es geht kaum etwas durch die Buchfalz verloren. Im Gegenteil: Einige Innenraumansichten wie beispielsweise  “Kaisan-do/summer” gewinnen sogar dadurch, weil die Zweiteilung des Bildes sogar noch dezent unterstrichen wird.

Links: Kaune, Posnik, Spohr, Hatje Cantz

Amazon: Jacqueline Hassink: View, Kyoto On Japanese Gardens and Temples

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