Fotobuchrezensionen XV

Eigentlich sollte an dieser Stelle mein Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger stehen, doch leider wurde meine Text, in dem ich wieder vier aktuelle Fotobücher vorstelle, zehn Wochen lang geschoben und nun endgültig gecancelt. Aber was soll’s – dann gibt es drei Bücher-Tipps schon einmal an dieser Stelle hier, das vierte Buch wird eventuell doch noch gesondert im Ksta vorgestellt.

Zugegeben: Unter einem Garten stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor. Dennoch hat der Italiener Alessandro Imbriaco den richtigen Titel für sein mit dem European Publisher Award for Photography geadelten und vom Kehrer Verlag in Deutschland veröffentlichten Buch „Der Garten“ gewählt (72 Seiten, 32 Fotografien, 35 Euro). Der Betrachter läuft darin durch ein undurchdringlich scheinendes, waldiges Sumpfgebiet, auf dem zweiten Bild ist schemenhaft eine Person zu sehen, dann folgen wieder Bäume und Gestrüpp, die den „Paradies“-Bildern eines Thomas Struth nicht unähnlich sind – nur deutlich dunkler, fast düster, denn Imbriaco fotografiert offensichtlich immer erst spät am Abend und belichtet seine Fotos mindestens zwei Blenden unter. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt in den nur scheinbar chaotischen Kompositionen aber auch Anzeichen von Zivilisation – ein Straßenschild etwa oder ein Häuserblock. Und dann taucht plötzlich ein Mädchen auf, das geborgen an einem Baumstamm lehnt und schläft. Später ist noch eine Hütte im Wald zu sehen, woanders eine provisorische Küche, noch später eine Art Notunterkunft unter einer Schnellstraßenbrücke mitten in Rom. Sie ist das Zuhause der sechsjährigen Angela und ihrer Eltern Piero und Lupa. Imbriaco hat sie entdeckt und ihren harten Alltag unter der Brücke ohne fließend Wasser und Strom in stillen, etwas verträumten, aber dennoch nicht beschönigenden Bildern festgehalten. Im Anschluss gibt es zudem einen exzellenten und kurzweiligen Text von Bill Kouwenhoven, der nicht nur Informationen zu den Bildern, sondern zur Fotografiegeschichte allgemein liefert.

Von einem harten Leben und vor allem von der dazugehörigen harten Arbeit berichtet auch Tomasz Gudzowaty in seinem Fotoessay „Keiko“ (Hatje Cantz Verlag, 148 Seiten, 66 Fotografien, 45 Euro). Bereits das Cover ist überwältigend und fast grausam – es zeigt einen riesigen Schiffsspropeller, unter dem zwei Männer stehen beziehungsweise vor dem sie sich ducken müssen. „Keiko“ ist der Name dieses Schiffes und das Buch handelt davon, wie es Stück für Stück auseinandergenommen und verschrottet wird. Es ist gleichzeitig das Porträt der zweitgrößten Stadt Bangladeschs, Chittagong, in der etwa ein Drittel der jährlich 700 außer Dienst gestellten Hochseeschiffe ausgeschlachtet werden. Und Gudzowaty lässt keinen Zweifel daran aufkommen, was er davon hält, denn seine Schwarzweiß-Bilder sind vor allem von harten Hell-Dunkel-Kontrasten und einem außergewöhnlich groben Korn geprägt. Gestalterisch dominiert fast immer das Schiff, dieses stählerne Monstrum, das wie der Kadaver eines gestrandeten Wales am Strand liegt, verfaulend, und in das die Arbeiter hinein klettern wie kleine, hungrige Tiere, wie Ameisen, die ihn zersägen und auf ihn einhämmern, an ihm ziehen und seine Einzelteile wegtragen. „Keiko“ ist kein Buch, das Mitleid weckt. Es zeigt vielmehr den Wahnsinn dieser Arbeit, die keinen Platz für Träume und Zukunftspläne der Einzelnen lässt.

Wem das alles zu schwer verdaulich ist, dem sei „World without men“ des 2004 verstorbenen Helmut Newton empfohlen. Der gilt als einer der einflussreichsten Fotografen überhaupt und ist für seine erotischen Fotografien bekannt, auf denen – stark vereinfacht gesagt – meist nackte Frauen in Stöckelschuhen zu sehen sind. Im Taschen Verlag ist nun eine Auswahl seiner Bilder erschienen, die die Entwicklung seines Stils als Modefotograf zwischen Mitte der 1960er und den 1980er Jahren dokumentiert („World without Men“, 188 Seiten, 39,99 Euro ). Hin und wieder sind tagebuchartige Notizen eingestreut, die durchaus interessante Einblicke in Newtons Arbeitsalltag zulassen. Da sie allerdings fast nie zu den dazugehörigen Fotos, sondern quer durch das ganze Buch verteilt abgedruckt sind, ist die Zuordnung leider mit viel Blätterei verbunden.

Links: Kehrer, Hatje Cantz, Taschen

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“Fotonovelas” von George Friedman

Ich erinnere mich noch gut an die Foto-Lovestories aus der Bravo, diese comicartigen Geschichten mit Fotografien statt Illustrationen. Die waren damals schon schlecht produziert, und gerade habe ich mich davon überzeugt, dass sich daran bis heute nichts geändert hat.

Mit dieser Billig-Variante des Fotoromans haben die Fotonovelas von George Friedman allerdings nichts gemein – seine Inszenierungen sind im wahrsten Sinne des Wortes “ganz großes Kino”. Der 1910 als György Friedmann geborene Ungar arbeitete als Kameramann bei Filmproduktionen in London und Hollywood sowie als Fotograf für diverse Magazine wie Vu, Paris Match, Time und Life bevor er 1939 nach Buenos Aires zog. Dort gründete er in den 50er Jahren die lose Fotografengruppe “La Carpeta de los Diez” (”Die Gruppe der Zehn”) mit, die einen großen ästhetischen Einfluss auf die argentinische Fotografie hatte. Friedman (der übrigens seinen Landsmann André Friedman dazu gebracht haben soll, sich in Robert Capa umzubenennen, um nicht länger mit ihm verwechselt zu werden) stand auf der einen Seite in der humanistischer Tradition, wurde von Edward Steichens “Family of Man”-Ausstellung geprägt und fotografierte das Leben einfacher Menschen wie Minenarbeiter und Gauchos. Auf der anderen Seite war er aber auch ein großartiger Inszenierer, Auftrags- und Publikumsfotograf, der seine Erfahrungen als Spielfilm-Kameramann nutzte, um Fotos auf hohem technischen und gestalterischen Niveau für eben jene Fotonovelas zu produzieren.

Aber das Genre war für ihn mehr als bloß ein Broterwerb – auch in seinem künstlerischen Schaffen setzte sich Friedman mit dem Medium dieser Popkultur auseinander. Dabei schuf er Bilder, die nicht einfach bloß an Filme erinnern sollen wie es etwa Cindy Sherman mit ihren “Untitled Film Stills” tat (und die ich für nicht einmal besonders gut gelungen halte), sondern die der Leinwand geradezu entsprungen zu sein scheinen – Filmstills im wörtlichen Sinne also.

Das Forum für Fotografie in Köln zeigt noch bis zum 30. Juni eine Auswahl dieser Fotografien, und ich habe es sehr genossen, zwischen ihnen zu wandeln, sie zu betrachten und mich zu wundern. Zu wundern über die Wirkung, die Präzision, die Technik. Was zeichnet die Fotografien aus, was ist ihr Geheimnis, warum funktionieren sie als Filmstills besser als die Fotos von eben Cindy Sherman oder auch Gregory Crewdson, der ja nicht nur Fotos macht, die wie Filmszenen aussehen, sondern der sie ja auch genauso aufwändig inszeniert.

Zwei Gründe habe ich dafür gefunden. Zum einen ist es das Licht, dieses mondäne Filmlicht der frühen Hollywood-Jahre, das nicht gespenstisch wirkt wie bei Crewdson, sondern glamourös. Das von irgendwo her zu kommen scheint und das keinen zusätzlichen Aufheller benötigt, der alles weichspült. Das deshalb auch tiefe Schatten verursacht, die man als heutiger Betrachter sofort mit den “guten alten Zeiten” von Hollywood verbinden, in denen Männer noch Männer und Frauen noch Frauen waren. Zumindest auf der Leinwand.

Der andere Grund, warum diese Bilder so gut funktionieren, ist schlicht die hervorragende Regie Friedmans. Er fotografiert die Fotos nicht wie Fotos, sondern wie Filme. Die Menschen scheinen tatsächlich zu agieren und nicht für den Fotoapparat in einer plakativen Schlüsselszene zu erstarren. Das klingt banal, macht aber den entscheidenen Unterschied. Diese Mischung aus der Künstlichkeit des Lichts und der Authentizität der Bewegung  und Handlung macht den Reiz aus, lässt die Bilder lebendig werden und sie Geschichten erzählen. Diese Wirkung ist so stark, dass den meisten Betrachtern wahrscheinlich erst auf den zweiten Blick (oder auch gar nicht) auffällt, dass der Großteil der Fotos Hochformate sind, womit es ja schon per se kein Filmstill sein kann.

In der Ausstellung kann man übrigens auch sehen, was passiert, wenn einer dieser beiden Aspekte fehlt. Dann wird das Bild entweder zum Modefoto oder zur Reportage. Die sind dann noch immer gut, aber es fehlt der Zauber, das gewisse Etwas. Und wer sehen will, was passiert, wenn man weder die eine noch die andere Zutat berücksichtigt, der kann sich ja die Foto-Lovestories in der Bravo anschauen.

Link: Forum für Fotografie

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“Ages” in der SK Stiftung Kultur

Um die äußere Erscheinung von Dingen, Lebewesen oder Zuständen miteinander vergleichen zu können, bietet sich kein anderes Medium so gut an wie die Fotografie. Gleichzeitig führt uns wohl auch kein anderes unsere eigene Vergänglichkeit so sehr vor Augen, ist doch der Moment der Aufnahme, dieses leise Klicken des Verschlusses, genauso ein akustisch-metaphorisches Signal wie das Ticken einer Uhr, die uns geradezu anbrüllt: “Deine Zeit läuft ab”.

In der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Köln ist aktuell die Ausstellung “Ages – Porträts vom Älterwerden” zu sehen, in der sich 15 meist seriell angelegte Arbeiten mit genau diesem Phänomen auseinandersetzen – unter anderem die von mir sehr geliebten Serien “The Brown Sisters” von Nicholas Nixon und “Almerisa” von Rineke Dijkstra sowie Positionen von Richard Avedon, Christian Borchert, Seiichi Furuya, Stefanie Grebe, Roni Horn, Wilma Hurskainen, Anna Jermolaewa, Friedl Kubelka, Andreas Mader, Michael Mauracher, Roman Opalka, Helga Paris und Thomas Struth. Die sind mal dokumentarisch-nüchtern (z.B. bei Friedl Kubelka), meist jedoch sehr emotional – kein Wunder, schließlich geht es beim Älterwerden immer auch um unsere eigene Vergänglichkeit.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Juli in der SK Stiftung Köln zu sehen, im November wird “Ages” dann in der Landesgalerie Linz gezeigt. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen (168 Seiten, 25 Euro).

Meine ausführliche Besprechung aus der aktuellen Photonews gibt es hier.

Link: SK Stiftung Kultur

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“Breathing the Same Air” von Nelli Palomäki

Als weitere Vertreterin der seit einigen Jahren vielbeachteten Helsinki-School hat die 1981 geborene Porträtfotografin Nelli Palomäki nun ihr Buch “Breathing the Same Air” im Hatje Cantz-Verlag veröffentlicht. Für sie ist jedes Porträt auch eine Art Selbstporträt. Gleichzeitig interessiert sie sich für die unterschiedlichen Rollen, die Männer und vor allem Frauen einnehmen.

Meine ausführliche Besprechung ist in der aktuellen Photonews erschienen.

Link: Hatje Cantz

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“Kosovo” von Bertrand Cottet

“Kosovo” lautet der einfache Titel dieses schmalen und unscheinbaren Büchleins. Oder sollte ich besser

KO

SO

VO

schreiben, denn so, in seine einzelnen Silben zerhackstückelt, steht der Name in großen, gelben Buchstaben auf dem grauen Cover und deutet die Uneinigkeit dieses kleinen, uns unbekannten Landes bereits an.

Sechs Mal ist der französische Fotograf, Journalist und Ethnologe Bertrand Cottet, der auf dem Gebiet der Menschen- und Asylrechte arbeitet, in den Kosovo gereist und hat dort, bei allen Konflikten zwischen Albanern und Serben, die gleichen Werte entdeckt: “Ein ausgeprägter Sinn für Gastfreundschaft, eine selbstlose Großzügigkeit, ein tief verankerter Ehrenkodex und der Wille, Teil des modernen und demokratischen Europas zu sein”, schreibt Cottet zu Beginn. Und zwar als eigene, unabhängige Republik, die der Kosovo seit dem 17. Februar 2008 ist.

Das Buch öffnet dann auch mit einem Foto, das verdeutlicht, dass es ein weiter Weg gewesen sein muss bis dahin: Es zeigt den Schriftzug “Kosovo Pavarsi”, was so viel wie “unabhängiges Kosovo” bedeutet, als Graffito auf einer verrosteten Leitplanke auf einer scheinbar einsamen, auf jeden Fall eher ländlich gelegenen Straße irgendwo imNirgendwo. Die folgenden Aufnahmen aus Pristina sind nicht minder pessimistisch: Schnee auf einem Pickup, das mit einem Airbrush eines Surfers im Sonnenuntergang verschönert wurde; Kinder beim Schlittenfahren in einer Wohnsiedlung, wobei der Schnee bereits zu einer dunkelbraunen Matsche zerfahren wurde; zerfetzte Wahlplakate auf einem Zaun, der wie Gitterstäbe wirkt. Es folgen Porträts und Landschaften, mal eher nüchtern, dann wieder doppeldeutig, poetisch, absurd fotografiert. Der Viehmarkt in Lipjan mit seinen Pferdegespannen lässt einem an der Zukunftsfähigkeit dieses arg gebeutelten Landes zweifeln, direkt danach folgen Bilder von neugebauten Industriezonen und das tiefe Loch eines Fundaments, auf dem ein Einkaufszentrum entstehen soll.

Cottets Bilder sind oft geprägt von Gegensätzen, Anspielungen und einer poetischen Melancholie. Der Roma-Junge, der in einem uralten, verrosteten Kettenkarussell steht, während im Hintergrund die offene Tür eines Wohnanhängers zu sehen ist. Die Telefonzelle im Stadtzentrum von Gjilan, über der zahlreiche Werbeschilder auf die Dienste von Dolmetschern und Rechtsanwälten aufmerksam machen: Ein Foto, das man schnell übersehen kann, und das doch sinnbildlich für die nicht vorhandene Kommunikation zwischen Albanern und Serben steht.

Nicht ganz zufrieden bin ich allerdings mit der Gestaltung des Buches. Da es ausschließlich Querformate zeigt, verstehe ich nicht ganz, warum für das Buch ein Hochformat gewählt wurde, so dass die Bilder lediglich mit 11 mal 14 Zentimeter und sehr viel Weiß drumherum abgebildet werden.

Erschienen ist “Kosovo” im Benteli Verlag. Es zeigt 91 Farbfotografien auf 128 Seiten und kostet 29,80 Euro.

Link: Benteli

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150 Jahre Architekturfotografie in Graubünden

Und noch ein Buch über Fotografie und die Berge. Naja, zumindest könnte man das beim Anblick vieler Bilder aus “Ansichtssachen” meinen. Doch bereits der Untertitel verrät, dass es eigentlich um etwas anderes geht: “150 Jahre Architekturfotografie in Graubünden”.

Herausgegeben wurde das Buch (384 Seiten, 117 farbige und 136 schwarzweiße Abbildungen, 48 Euro) von Stephan Kunz und Köbi Gantenbein, und es ist zur gleichnamigen Ausstellung im Bündner Kunstmuseum Chur im Verlag Scheidegger & Spiess erschienen. Darin gehen sie dem Stellenwert nach, den die Architektur im schweizerischen Graubünden seit dem 19. Jahrhundert hat. “Weil aber in erster Linie Fotografien betrachtet werden, steht nicht die Geschichte der Architetkur in diesem Kanton im Zentrum. Vielmehr geht es um die Sicht der Fotografen und um die Frage, wie sich diese im Laufe der Zeit verändert hat. Was steht wann, wie und warum im Fokus?”, erklären die Herausgeber im Vorwort und unterstreichen diesen besonderen Aspekt direkt mit einer Reihe von Aufnahmen, die die Fotografen Katalin Deér, Christian Kerez, Claudio Moser, Stephan Schenk, Gaudenz Signorell von der St. Nepomuk-Kapelle in Oberrealta gemacht haben.

Dennoch ist es kein klassisches Fotobuch, sondern eher ein reich bebildertes Lesebuch, das in Aufsätzen die je spezifische Sicht von Architekten, Ingenieuren und Fotografen aufzeigt. So lernen wir unter anderem den Fotografen Christian Ferdinand Meisner (1863-1929) kennen, der sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hatte, die Bündner Täler und Ortschaften zu dokumentieren, dabei aber auch die Landschaft auf sehr eigenwillige Art interpretiert. Oder wir entdecken Albert Steiner (1877-1965), der die Natur liebt und dem Architektur darin wie Fremdkörper vorkommt – auf mich wirkt er wie eine Art schweizerischer Ansel Adams. Die Spannweite erstreckt sich schließlich bis zu kritischen Fotografen der Jetztzeit, in denen die Postkartenidylle von Fotografen wie Hans Steiner, Paolo Rosselli, Marcel Hoffmann und Jules Spinatsch hinterfragt und auch zerstört wird.

Diese Mischung macht den Reiz und den Wert von “Ansichtssache” aus. Zugleich kann man anhand dieses überschaubaren Gebietes die Entwicklung der Architekturfotografiegeschichte im Allgemeinen verdeutlichen.

Link: Scheidegger & Spiess

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Rineke Dijkstra im MMK Frankfurt

Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, kurz MMK, zeigt in der großangelegten Ausstellung “The Krazy House” erstmals alle Videoarbeiten der vor allem als Fotografin bekannten Niederländerin Rineke Dijkstra. Es ist gleichzeitig ihre umfangreichste Ausstellung in Deutschland überhaupt. Eine Retrospektive ist es dennoch nicht geworden, da von ihren Fotoserien lediglich eine vollständig präsentiert wird. Dafür hat sich Dijkstra in der Sammlung des MMK umgeschaut und Kunstwerke anderer ihren eigenen Arbeiten mehr oder weniger gegenübergestellt – unter anderem von Jeff Wall, Andy Warhol, Isa Gensken, Tobias Rehberger, On Kawara und Bruce Nauman.

Die Ausstellung hat ihren Reiz und ihre Höhepunkt, wirkt auf der anderen Seite aber auch überladen und unübersichtlich und vergibt zugleich eine große Chance. Warum, erfahrt ihr in meinem Artikel in der Photonews.

Link: MMK

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Gebirgsfotografie früher und heute

In der neuen Ausgabe der Photonews habe ich zwei aktuelle Bücher von Fotografen vorgestellt, die sich beide mit der Hochgebirgsfotografie auseinandersetzen – allerdings zu sehr unterschiedlichen Zeiten. Bei “Jules Beck – Der erste Schweizer Hochgebirgsfotograf” verrät der Titel bereits viel über den Inhalt, und die Aufnahmen Becks waren allein deshalb schon etwas Besonderes, weil Ende des 19. Jahrhunderts kaum jemand in Höhen über 4000 Meter mit einer Kamera unterwegs war.

Das Buch “The Aspen Series” stammt hingegen von Walter Niedermayr, spielt im Hier und Jetzt und stellt das Gegenteil von Beck dar: Das Hochgebirge ist nicht länger etwas für Extremsportler, sondern dient längst als Kulisse für den Masssentourismus mit seinen Folgen.

Meinen Text gibt es hier als PDF.

Link: Scheidegger & Spiess, Hatje Cantz

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“Out of Focus” von Peter Olpe

Das Design des Buches ist so schlicht wie das einer selbstgebauten Camera Obscura – der Buchblock ist nackt und zeigt die gebundenen Seiten, die graue Pappe des Covers könnte (sieht man einmal von der Prägung des Titels ab) funktionaler kaum sein. Dennoch hat es ein Highlight versteckt – ein klitzekleines Highlight, möchte ich sagen, denn der Titel hat in der Mitte eine zwei Zentimeter große, kreisrunde Öffnung, in der wiederum eine schwarze Lochblende eingelassen wurde – theoretisch könnte man dadurch also fotografieren. Das braucht man aber nicht, denn das haben schon drei Dutzend andere Fotografen für uns gemacht. Aber der Reihe nach.

25 Jahre lang hat der Schweizer Grafiker Peter Olpe Lochkameras entworfen, gebaut und zeitweise auch vertrieben. Bei den Renovierungsplanungen für sein Haus stellte er sich 2008 schließlich die Frage, was mit den ganzen schwarzen Kästen in seinen Schränken geschehen soll. Auf der einen Seite nehmen sie nur Platz weg, auf der anderen Seite konnte er sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass sie nach seinem Tod möglicherweise einfach so in der “Kehrichtverbrennung” entsorgt werden würden (obwohl sie seiner Meinung nach bestimmt “hervorragend brennen” würden). Also fasste er sich ein Herz und fragte im Musée suisse de l’appareil photographique in Vevey nach, ob sie vielleicht Interesse hätten, seine bescheidenen Kameras in ihrer Sammlung aufzunehmen. Und das hatten sie. Und sogar mehr, denn die Direktoren Pascale Bonnard und Jean-Marc Yersin boten Olpe sogar an, eine Ausstellung mit seinen Kameras zu machen. Und weil Olpe ja zusätzlich Grafiker ist, bot er an, den Katalog zur Ausstellung selbst zu gestalten.

Dies alles wäre nun eine feine, aber nicht weiter aufregende Anekdote über die Hintergründe einer Ausstellung. Doch Peter Olpe wollte noch mehr. “Geben bekannte Hersteller [...] nicht auch Bücher heraus, die dokumentieren, was bedeutende Fotografen mit ihren Produkten anstellen? Wenn ich schon einmal – wenn auch nur kurz – dazugehört habe, möchte ich auch so ein Buch mit Bildern, die Fotografen und Künstler mit meinen Kameras realisiert haben”, sagt er in selbstironischer Bescheidenheit in seinem sehr lesenswerten Vorwort zum Buch “Out of Focus”.  Mit 36 Gestaltern, Künstlern und Fotografen ging er deswegen einen Tauschhandel ein (übrigens ganz ähnlich wie es beispielsweise früher Polaroid gemacht hat): Jeder bekam eine von Olpe selbst hergestellte Lochkamera und konnte sie auch behalten, wenn er im Gegenzug mit dieser Kamera eine kleine Serie von mindestens drei Bildern aufnimmt, die Olpe für seinen Ausstellungskatalog verwenden darf. Die Teilnehmerliste ist dabei durchaus interessant und vor allem sehr gemischt. Mit dabei sind unter anderem Georg Aerni, Alec Soth (von dem nur ein einziges Bild zu sehen ist),Volkmar Herre, das Duo Taiyo Onorato/Nico Krebs, Marc Räder, Joël TettamantiOliviero Toscani, Christian Vogt (der gleich drei Kameras erhalten hat) und Herlinde Koelbl.

Unter den Bildstrecken findet man jeweils eine Biografie, einen kurzen Text sowie ein Foto der Kamera, mit der die Bilder aufgenommen worden sind, samt “Datenblatt”. Das ist insofern interessant, weil Hobbyfotografen sich ja meistens nur über genau diese Daten austauschen, selten aber über Bildgestaltung und -konzeption. In diesem Fall macht es aber Sinn, weil die Kameras erstens schön und skurril und extrem zugleich sind (eine Blende von 1:190 kommt in der klassischen Fotografie ja eher selten vor) und sie zweitens natürlich großen Einfluss auf das Bild selbst haben. Letztlich bleibt es aber beim Nutzer selbst, was er daraus macht – und da ist die Bandbreite auch in diesem Buch gewaltig.

Darüber hinaus gibt es diverse Statements und zahlreiche Abbildungen der Kameras, die Olpe dem Museum vermacht hat. Allein die sind schon aufregend anzuschauen, weil sie so archaisch und individuell und vor allem extrem einfach sind.

Das Buch “Out of Focus” ist im Schweizer Niggli Verlag erschienen. Es zeigt rund 850 Fotografien auf 432 Seiten und kostet 62 Euro.

Link: Niggli, Cameramuseum Vevey

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Neue Website online!

Nach monatelangem “Vor-mir-Herschiebens” und gut einem Monat Arbeit ist heute endlich meine neue Fotografen-Website online gegangen. Darauf zeige ich nun nicht mehr nur meine freie Arbeiten, sondern vor allem auch Auftragsfotografien, meist aus den Bereichen Porträt und Architektur, aber auch Editorial und Commercial.

Im Gegensatz zu den meisten Webauftritten von Fotografen habe ich mich allerdings dagegen entschieden, bloß ein Best-of aus einzelnen Bereichen zu präsentieren, und zeige stattdessen die einzelnen Aufträge, womit die Website auch eher einen Blog-Character erhält, auf der neue Aufträge einfach und übersichtlich hinzugefügt werden können.

Die neue Seite wird mittelfristig auch zu Veränderungen auf diesem Blog führen. Ursprünglich hatte ich ja geplant, hier neben den Besprechungen von Fotobüchern und Fotoausstellungen auch eigene Fotoaufträge zu posten, aber das wurde mit der Zeit immer weniger und ich schätze mal, dass die meisten Leser ohnehin mehr an den Kunstbesprechungen interessiert sind als an meinen Auftragsarbeiten. Die beiden Rubriken “freie Arbeiten” und “Auftragsfotografie” werde ich deshalb entfernen und eventuell durch andere, passendere Kategorien für meine Texte ersetzen. Falls jemand Ideen hat: Ich freue mich über Vorschläge.

Parallel denke ich darüber nach, dem Blog ein ganz neues Erscheinungsbild zu verpassen und es insgesamt eher “magaziniger” aussehen zu lassen. Noch hält mich allerdings die Angst, meine bisherigen 300 Einträge nicht einfach übernehmen zu können, davon ab.

Link: damianzimmermann.de

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