“An American Odyssey”

Der prächtige und mächtig schwere Bildband “An American Odyssey” (Taschen, 612 Seiten, 150 Euro) zeigt eine Auswahl an farbigen Fotochromen und Phostint-Postkarten aus der Privatsammlung Marc Walters, die zwischen 1888 und 1924 von der Detroit Photographic Company produziert wurden. Der Betrachter wird mitgenommen auf eine Zeitreise zurück zu den großen Entdeckungen und Abenteuer in Nordamerika von der Ost- bis zur Westküste – und all das in Farbe.

Allerdings mit einer Einschränkung, denn die Fotochrome waren keine „echten“ Farbfotos wie die späteren Autochrome. Ihnen lag immer ein Schwarzweiß-Bild zur Grundlage, das im Flachdruckverfahren als Farbfoto interpretiert wurde. Zudem führte der Druck auch zu Ungenauigkeiten und Unschärfen, so dass die hin und wieder eingestreuten Schwarzweiß-Fotos jener Zeit deutlich „realistischer“ erscheinen – auch wenn ihnen die Farbe fehlt. Der Faszination für diese uns durch Kino und Fernsehen sehr vertraute und doch vollkommen fremde Welt tut dies jedoch keinen Abbruch.

Link: Taschen

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Hilla Becher zum 80. Geburtstag

Mit Hilla Becher ist heute eine der einflussreichsten Fotografinnen der Welt 80 Jahre alt geworden. Mit ihren Bildern von Industrieanlagen konnte ich mich lange Zeit nicht so richtig anfreunden, doch das ändert sich allmählich. Unabhängig davon habe ich jedoch den größten Respekt vor der Lebensleistung von Hilla Becher und ihrem bereits 2007 verstorbenen Mann Bernd Becher.

Im Kölner Stadt-Anzeiger widme ich ihr zu diesem Jubiläum ein kleines Porträt, das ihr hier nachlesen könnt.

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L. Fritz – das Magazin der Photoszene

Darf ich vorstellen: L. Fritz – das Magazin der Photoszene ist erschienen. Benannt nach L. Fritz Gruber wollen wir mit diesem Magazin Kuratoren, Galeristen und Verleger, Studenten und Sammler, Fotografen und Designer, Profis und Amateure gleichermaßen ansprechen. Deshalb ist L. Fritz auch mehr als nur ein Medium – er ist ein lebendiger Bestandteil der Fotografieszene, er ist ein Freund und Experte, dem man vertraut, den man um Rat fragen kann und den man gerne an seiner Seite hat. Vor allem aber liegt L. Fritz kostenlos aus – in Köln sowieso, aber auch an wichtigen Fotografie-Einrichtungen in Deutschland und ganz Europa. Eine genaue Auflistung wird auf der Photoszene-Website folgen. Außerdem könnt ihr euch L. Fritz auch schon auf Issuu ansehen – dort findet ihr übrigens auch den Photoszene-Festivalguide.

Die erste Ausgabe beschäftigt sich vor allem mit dem bevorstehenden Photoszene-Festival und stellt einige Ausstellungen vor. Unter anderem gibt es einen achtseitigen Teil über das PhotoBookMuseum von Markus Schaden, ein Interview mit Bettina Flitner, die Fotostrecke “Wolfskinder” von Fabian Weiß und ein Interview mit der Photoszene-Geschäftsführerin Heide Häusler. Außerdem geht Klaus Honnef in einem Essay der Frage nach, wie sehr Fotografien unsere Wahrnehmung von Realität verändert haben. Viel Vergnügen mit L. Fritz!

Link: Photoszene

"L. Fritz - Das Magazin der Photoszene", No.1, 2014, Cover-Photo: Chargesheimer, „L. Fritz Gruber“, Köln 1955, Museum Ludwig, Fotografische Sammlung, ML/F 1993/150

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Essay zum Thema Bilderflut

Seit der Erfindung der Fotografie vor 175 Jahren wurden mehr als 3,5 Billionen Fotos aufgenommen, doch allein zehn Prozent davon entstanden innerhalb von nur zwölf Monaten. Heute wird alle zwei Minuten genauso viel fotografiert wie im gesamten 19. Jahrhundert. Doch gleichzeitig kann diese Bilderflut auch ein Geschenk sein – weil sie eine Dokumentation unserer Zeit ist.

Für das Magazin des Kölner Stadt-Anzeiger habe ich meine Gedanken dazu in ein Essay gepackt. Den gesamten Artikel gibt es hier als PDF.

Bilderflut

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Chargesheimer Reloaded – Köln 5 Uhr 30

1970 veröffentlichte der Kölner Fotograf Chargesheimer sein letztes und berühmtestes Fotobuch: „Köln 5 Uhr 30“. Es zeigt seine Heimatstadt, wie man sie bis dahin noch nicht gesehen hatte: Scheinbar nüchtern-dokumentarisch fotografiert zeigt es seinen düster-depressiven Blick auf eine menschenleere und vom Wiederaufbau zum zweiten Mal zerstörte Stadt. „Köln 5 Uhr 30“ ist ein kritisch-melancholischer Abgesang auf ein liebenswertes und zugleich sehr hässliches Köln.

Die Internationale Photoszene Köln, das PhotoBookMuseum, die Galerie Lichtblick und Pixum laden alle Kölner dazu ein, ihr bis zum 19. August (dem 175. Geburtstag der Fotografie!) ihre ganz persönliche Sicht auf ihre Stadt zu schicken. Voraussetzung: Die Fotos sollen eine menschenleere Stadt zeigen und sie müssen morgens gegen 5 Uhr 30 fotografiert werden – also dann, wenn die Sonne langsam aufgeht, die Stadt aber noch schläft.

Eine Jury, bestehend aus Markus Schaden, Wolfgang Zurborn und Tina Schelhorn, wird unter allen Einsendungen die besten Fotografien auswählen. Diese werden am Abend des 19. August im neueröffneten PhotoBookMuseum im Carlswerk projiziert und in einem Fotobuch unseres Partners Pixum veröffentlicht. Die Sieger erhalten ein kostenloses Exemplar des Buches, außerdem bekommen alle Teilnehmer einen Gutschein für ein Pixum-Gratisposter ihres Fotos.

Link: Chargesheimer Reloaded

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Das Fotobuch Quartett

Am Freitag haben Markus Schaden, Oliver Rausch, Frank Dürrach, Wolfgang Zurborn und ich zum ersten Mal unser neues, gemeinsames Format Das Fotobuch Quartett vor etwa 60 geladenen Gästen im Atelier Colonia getestet. Die Idee dahinter: Die Fotografie gilt als Leitmedium unserer Zeit. Sie wird gerne als visuelles Esperanto bezeichnet, als eine Sprache, die auf der ganzen Welt verstanden wird. Doch gleichzeitig gibt es kaum eine Diskussions- und Streitkultur ÜBER die Fotografie wie es beispielsweise in der Literatur, der Musik oder dem Film selbstverständlich ist. Das wollen wir ändern.

Angelehnt an das legendäre „Literarische Quartett“ haben wir die vier Fotobücher “Genesis” von Sebastião Salgado, “War Porn” von Christoph Bangert, “A Period of Juvenile Prosperity” von Mike Brodie und “The Valley” von Larry Sultan besprochen. Dabei diskutierten wir eineinhalb Stunden lang mal liebevoll und wohlwollend, mal gemein und fast bösartig.

Und was soll ich sagen? Es war einfach großartig! Wir haben von allen Besuchern sehr viel Zuspruch und Unterstützung bekommen, dass wir in unserem Bestreben, dieses Format zu etablieren und damit der fotografischen Sprachlosigkeit etwas entgegenzusetzen, extrem motiviert wurden. Wir freuen uns jedenfalls schon sehr auf die erste öffentliche Veranstaltung am Sonntag, 21. September, im Museum für Angewandte Kunst Köln im Rahmen des Photoszene-Festivals!

Ach, vielleicht noch zur Erklärung, weil das naheliegend häufig angesprochen wird: Wir sind zwar aktuell zu Fünft, aber wir haben das Format dennoch Quartett genannt. Das “Quartett” bezieht sich auf die Anzahl der Bücher, die wir immer besprechen wollen.

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“Zusammenleben” von Ute Mahler

Zwischen 1972 und 1988 hat Ute Mahler immer wieder ihre Kamera auf die Menschen um sie herum gerichtet. „Ich wollte herausfinden, wie sie das organisieren, ihr Leben miteinander.“ Entstanden sind unaufgeregte Aufnahmen des DDR-Alltags. Die Bilder sprechen mit uns, aber sie schreien nicht. Sie sind ein intimes Flüstern, ein gegenseitiges Beobachten. Es sind Anordnungen von Männern, Frauen, Kindern, Freunden und Fremden. Und immer wieder Menschen, die gemeinsam an Tischen sitzen – schweigend, sprechend, innehaltend. Es sind Orte, an denen das Zusammenleben einen festen Platz hat, symbolisch und vergleichbar wird. Aber Mahler hat auch viele Straßenszenen festgehalten – zufällige Begegnungen und poetische Entdeckungen. „1988 hatte ich das Gefühl, diese Arbeit sei an ihr Ende gelangt. Ich meinte, etwas verstanden zu haben. Das mag an der Zeit des politischen Umbruchs gelegen zu haben, aber sicher bin ich mir da nicht.“

Das Buch “Zusammenleben” ist im Hatje Cantz Verlag erscihienen, hat 144 Seiten und kostet 35 Euro.

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Appropriation Art in der Fotokunst

In der zweiten Ausgabe des neuen Swiridoff-Magazins, das sich dem Schwerpunktthema Fotografie widmet, habe ich einen Artikel über Appropriation Art und Found Footage in der zeitgenössischen Fotografie geschrieben. Dabei gehe ich auf die Arbeiten von Andrea Stultiens, KesselsKramer, Doug Rickard, Simon Menner, Martina Bacigalupo und Frederic Lezmi ein.

Den Artikel gibt es hier als PDF.



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“High Hopes” von Vitus Saloshanka

Beim Fotobook Festival in Kassel hatte mir Vitus Saloshanka erstmals von seiner Arbeit “High Hopes” erzählt, mit dem er seit 2010 die Entwicklung im Vorfeld der Olympischen Winterspiele von Sotschi dokumentiert hat. Es ist damit ähnlich wie The Sochi Project von Rob Hornstra und Arnold van Bruggen ein Langzeitprojekt zu diesem Thema, allerdings konzentriert sich Saloshanka vor allem auf die Orte entlang der neuen Verbindungsstraße zwischen Sotschi und Adler, die zu den teuersten Straßen der Welt gezählt wird, während Hornstra/van Bruggen die gesamte Region mit ihrem ungeheuren Konfliktpotential in “Slow Journalism”-Manier bereist haben.

Mittlerweile ist Saloshankas Buch in einer 150er Auflage im Eigenverlag erschienen (96 Seiten, 39 Euro) und auf dem SCHAU-Festival in Dortmund konnte ich mir eines der letzten Exemplare sichern. Es ist angemessen schlicht, aber dennoch elegant gestaltet – beispielsweise hat der kartonartige Schutzumschlag eine Prägung mit den Olympischen Ringen, die sehr schön verdeutlicht, dass sich die mit den Spielen verbundenen Hoffnungen der Bevölkerung bereits im Verblassen befinden. Denn ähnlich wie beim Sochi-Project merkt der Betrachter schnell, dass die Einwohner selbst nichts von den Milliardensummen, die in Sotschi ausgegeben wurden, abbekommen. Dafür aber eine Menge Umweltzerstörung und -verschmutzung durch die zahlreichen Großbaustellen.

Dennoch unterscheidet sich Saloshankas Arbeit stark von der Rob Hornstras. In “High Hopes” sehen wir ein fotografisches Essay, konzentriert auch auf die jüngere Generation. Die Personen in Saloshankas Porträts wirken durch das rein natürliche Licht in sich gekehrter, nachdenklich und teilweise nicht wirklich anwesend, während Hornstra seine Protagonisten fast immer in die Bildmitte und in das für ihn typisches Blitzlicht setzt und die Personen fast immer direkt in die Kamera schauen, was diese unheimlich präsent erscheinen lässt. Wenn Saloshanka wie ein stiller Begleiter auftritt, wirkt Hornstra daneben wie ein Inszenierer.

Beim PhotoIreland Festival, das am 2. Juli eröffnet wird, werden “High Hopes” und “The Sochi Project” erstmals gemeinsam zu sehen sein.

Link: Vitus Saloshanka, PhotoIreland

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Marina Gadonneix und Leica-Meisterwerke

Zwei sehr unterschiedliche Fotografie-Ausstellungen sind zurzeit in Köln zu sehen. Zum einen zeigt die Galerie Kaune, Posnik, Spohr Arbeiten der Französin Marina Gadonneix, die sich mit Inszenierung und Simulation von Wirklichkeit beschäftigt und dafür leere Blue- und Greenboxes in Filmstudios sowie Fotostudios von Auktionshäusern fotografiert hat. Zum anderen zeigt das Forum für Fotografie Meisterwerke berühmter Leica-Fotografen aus der Sammlung Knut Kühn-Leitz wie beispielsweise Henri Cartier-Bresson, Robert Lebeck und Thomas Hoepker.

Meinen Artikel, erschienen im Kölner Stadt-Anzeiger, gibt es hier.

Links: Galerie Kaune, Posnik, Spohr, Forum für Fotografie

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