Warum wir (gute) Fotomuseen brauchen

Karl Kraus soll ja einmal gesagt haben: „Wenn die Welt untergeht, dann gehe ich nach Wien. Dort passiert alles zehn Jahre spĂ€ter.“ Wenn ich heute als Außenstehender auf die Diskussion um die NeugrĂŒndung eines Fotografiemuseums in Wien oder Salzburg blicke, dann gewinne ich den Eindruck, dass der Satz stimmen könnte. Denn eigentlich haben wir genau diese Diskussion doch schon lĂ€ngst gefĂŒhrt und fĂŒr beendet erklĂ€rt. Dachte ich zumindest. TatsĂ€chlich jedoch werden diese Auseinandersetzungen immer wieder auf’s Neue gefĂŒhrt – egal in welcher Stadt oder in welchem Land. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind vielfĂ€ltig, der Hauptgrund ist jedoch die sehr unterschiedliche Sicht auf und das sehr unterschiedliche Interesse an dem Medium Fotografie.

FĂŒr den Standard aus Wien habe ich deshalb die wichtigsten drei Punkte zusammengefasst und dabei mit Stefan Gronert vom Sprengel Museum in Hannover, Ingo Taubhorn vom Haus der Photographie in Hamburg, Felix Hoffmann von der C/O Berlin und Urs Stahel, GrĂŒnder und langjĂ€hrigr Leiter des Fotomuseums Winterthur gesprochen. Meinen ausfĂŒhrlichen Artikel gibt es hier als PDF, zudem findet ihr den Artikel auch online.

Links: C/O Berlin, Fotomuseum Winterthur, Haus der Photographie, Sprengel Foto-Blog, Le Bal, Jeu de Paume, Foundation Henri Cartier-Bresson, Maison Européenne de la Photographie


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Wolfgang Tillmans in der Fondation Beyeler

Erstmals in ihrer 20-jĂ€hrigen Geschichte widmet sich die Fondation Beyeler in Basel ausfĂŒhrlich dem Medium Fotografie und tut dies mit einer Einzelausstellung von Wolfgang Tillmans. Der 48-JĂ€hrige zeigt in dem von Renzo Piano entworfenen GebĂ€ude einen Überblick ĂŒber 30 Jahre seines Schaffens – von PortrĂ€ts ĂŒber Landschaften und Stillleben bis zu seinen Sequenzen und Experimenten mit der Konkreten Fotografie.

Auf den ersten Blick erwartet den Besucher eine typische Tillmans-Ausstellung – mit Tesastreifen, Binder Clips und einer intuitiven HĂ€ngung, bei der alles miteinander kombiniert werden kann und doch jedes Bild fĂŒr sich steht. Doch sowohl dem KĂŒnstler als auch der Kuratorin Theodora Vischer geht es in dieser Schau vor allem um den Blick auf die bewusste Gestaltung der Bilder. Das ist ein wichtiger Punkt. Ein vielleicht sogar so wichtiger Punkt, dass er fast ĂŒberflĂŒssig weil offensichtlich klingt. Und dem die Ausstellung zugleich doch nicht gerecht wird.

Meine ausfĂŒhrliche Besprechung ist heute in der taz erschienen und gibt es hier als PDF.

Link: Fondation Beyeler, Hatje Cantz

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„Mit anderen Augen“ in Köln und Bonn

Ich habe mich sehr auf die Doppelausstellung „Mit anderen Augen“ in Köln und Bonn gefreut – ein so wichtiges Feld wie die PortrĂ€tfotografie einmal unter die Lupe zu nehmen, erschien mir nicht nur wichtig, sondern geradezu notwendig. 50 KĂŒnstler werden gezeigt, die Spannweite reicht von Thomas Struth, Thomas Ruff, Wolfgang Tillmans und Pieter Hugo ĂŒber Barbara Probst, Erik Kessels, Albrecht Fuchs, Oliver Sieber und Katja Stuke bis Pepa Hristova, Charles FrĂ©ger, Clegg & Guttmann, Jan Paul Evers und Tobias Zielony.

Dabei haben die Kuratoren Stefan Gronert und Barbara Hofmann-Johnson fĂŒr das Kunstmuseum Bonn (bis 8. Mai) und Gabriele Conrath-Scholl und Claudia Schubert fĂŒr die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur (bis 29. Mai) meiner Meinung nach sehr vieles richtig und nur ein wenig falsch gemacht. Was das genau ist, erfahrt ihr aus meiner ausfĂŒhrlichen Besprechung, die im aktuellen fotoMagazin erschienen ist und die es hier als PDF gibt.

Link: Mit anderen Augen

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Fotostadt Köln: DGPh

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Photographie, kurz DGPh, wurde von L. Fritz Gruber initiiert und von Kölns OberbĂŒrgermeister Robert Görlinger 1951 gegrĂŒndet. Heute zĂ€hlt sie mit ĂŒber 1000 berufenen Mitgliedern zu den wichtigsten Organisationen fĂŒr Fotografie in Deutschland und vergibt unter anderem den Kulturpreis und den Dr.-Erich-Salomon-Preis.

Im Rahmen der Serie Fotostadt Köln des Kölner Stadt-Anzeiger stelle ich die Arbeit der DGPh vor.  Meinen Text gibt es hier als PDF.

Link: DGPh

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„Foto A-Z“ im NRW-Forum

Das war’s also. Nach 15 Jahren schließt das DĂŒsseldorfer Ausstellungshaus NRW-Forum zum Jahreswechsel seine TĂŒren. Die beiden Initiatoren und Ausstellungsmanager Werner Lippert und Petra Wenzel haben nach der vierten VertragsverlĂ€ngerung entschieden, dass sie definitiv aufhören wollen. Zum Abschluss zeigen sie nun noch einmal „Fotografen, die wir gezeigt haben, und die, die wir immer schon gerne gezeigt hĂ€tten“. Der Titel der Ausstellung lautet schlicht „Foto A-Z“ und prĂ€sentiert unter anderem Arbeiten von Nobuyoshi Araki, Guy Bourdin, Anton Corbijn, Philip-Lorca diCorcia, William Eggleston, Nan Goldin, Joel Sternfeld, Wolfgang Tillmans, David LaChapelle, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Paul Outerbridge,  Thomas Ruff, Cindy Sherman und Jeff Wall.

Und auch Candida Höfer ist dabei mit ihrer „On Kawara“-Serie, die hier sehr schön in Vitrinen ausgelegt ist – es bleibt eine der wenigen Serien, die ich von ihr mag. Ähnliches gilt fĂŒr Richard Prince, dessen Marlboro-Cowboys ich noch nie so ĂŒberzeugend gesehen habe wie hier. Die Ausstellung lĂ€uft noch bis zum 5. Januar 2014.

In der aktuellen Photonews ist ein lĂ€ngerer Artikel erschienen, indem ich auch ausfĂŒhrlich auf die Geschichte und die Zukunft des NRW-Forums eingehe. Den Text gibt es hier.

Link: NRW-Forum

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Wolfgang Tillmans im DĂŒsseldorfer K21

Das K21 StĂ€ndehaus in DĂŒsseldorf zeigt bis zum 7. Juli eine große Überblicksausstellung von Wolfgang Tillmans. Der 44-JĂ€hrige hat 14 RĂ€ume mit seinen All-Over-Installationen bespielt und zeigt dabei Arbeiten aus den vergangenen 25 Jahren – eine gute Gelegenheit, um sich einmal intensiv mit dem gebĂŒrtigen Remscheider, der den Turner-Prize genauso erhalten hat wie den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Photographie, auseinanderzusetzen.

Meine ausfĂŒhrliche Besprechung ist heute in der taz erschienen.

Link: Kunstsammlung NRW

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Andreas Gursky im Museum Kunstpalast

Die große Andreas Gursky-Retrospektive im Museum Kunstpalast in DĂŒsseldorf lĂ€uft ja schon eine ganze Weile, allerdings ist meine ausfĂŒhrliche Besprechung erst jetzt in der taz erschienen.

Inhaltlich bin ich weniger auf die Ausstellung selbst eingegangen – die meisten Arbeiten kennt man ohnehin. Mich hat vielmehr die Person Gursky und ihre Inszenierung und Mythisierung interessiert: Auch wĂ€hrend der Pressekonferenz mit Kunstpalast-Generaldirektor Beat Wismer (ich war noch nie auf einer Fotografie-Pressekonferenz, an der so viele Journalisten teilgenommen haben!) wurde wieder viel von Intuition gesprochen, obwohl sie Genie meinten, was sicherlich auf viele Fotografen zutrifft – nur nicht auf einen alles bis ins Detail planenden, kontrollierenden und manipulierenden Andreas Gursky. Auf die schöne Frage eines Kollegen, wie Gursky damit umgehe, dass er als grĂ¶ĂŸter lebender Fotograf gehandelt werde, sagte er zudem, dass er Jeff Wall und Wolfgang Tillmans „als gleichwertig ansehe“. Wenn das als Ausdruck seiner Bescheidenheit gemeint war, dĂŒrfte das eher nach hinten losgegangen sein.

Wer mag, kann sich meinen Artikel hier durchlesen.

Link: Museum Kunstpalast

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Neue Fotobuch-Empfehlungen im Ksta

Nach einer lĂ€ngeren Pause ist am Wochenende wieder vier Fotobuchrezensionen von mir im Magazin des Kölner Stadt-Anzeiger erschienen. „Power“ von Platon Antoniou und „Illuminance“ von Rinko Kawauchi habe ich an anderer Stelle ja schon besprochen, ich stelle aber auch das neue Buch „Abstract Pictures“ von Wolfgang Tillmans sowie die nicht gerade billige, aber fĂŒr Fotohistoriker quasi unverzichtbare Reproduktion des ersten Fotobuches ĂŒberhaupt vor: „The Pencil of Nature“ von William Henry Fox Talbot.

Meine Besprechung findet ihr hier.

Links: Schirmer/Mosel, Kehrer, Hatje Cantz, Hirmer

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„Fotografen A-Z“ von Hans-Michael Koetzle

Das Fotobuch lebt. Das merke ich nicht nur daran, dass die Zahl der Publikationen, speziellen BuchlĂ€den, Internetblogs, Festivals und nicht zuletzt auch die Preise fĂŒr vergriffene Exemplare stĂ€ndig steigen. Ich merke es auch, weil der Kölner Taschen Verlag, der ja eher fĂŒr Mainstream-Ware bekannt ist, nun einen dicken WĂ€lzer (444 Seiten, 49,99 Euro) zu diesem Thema herausgebracht hat. Der Titel „Fotografen A-Z“ suggeriert eher ein Fotografen-Lexikon wie die ebenfalls bei Taschen erschienene Foto:Box, doch es geht in dem Buch von Autor Hans-Michael Koetzle tatsĂ€chlich weniger um die Fotografen, sondern vielmehr um ihre „schönsten Monografien“, wie es in der Pressemitteilung heißt.

So ist das Buch nun auch eine Art EnzyklopĂ€die geworden, streng alphabetisch (und nicht etwa chronologisch) geordnet, die kompetent Auskunft geben will, die aber nicht den Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit erhebt. Wie soll sie auch? DafĂŒr lĂ€dt sie ein zum ziellosen BlĂ€ttern, Stöbern, Surfen – kurz: zum Entdecken. Und zu entdecken gibt es viel, denn das Buch geizt nicht mit großen, populĂ€ren Namen wie Nobuyoshi Araki, Diane Arbus, Richard Avedon, Anton Corbijn, Peter Lindbergh, Man Ray, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Leni Riefenstahl, Cindy Sherman, Wolfgang Tillmans, Ellen von Unwerth und Weegee, stellt aber auch weniger bekannte vor.

Das ist zwar alles schön und gut und lockt sicherlich auch Kunden an, die sich sonst eher nicht mit dem Thema Fotobuch auseinandersetzen wĂŒrden. Wahrscheinlich aber auch nur die. Denn die Texte, die Koetzle dem interessierten „Leser“ liefert, sind wenig aufschlussreich: Ein als Fließtext getarnter Lebenslauf wird durch die Auflistung von Ausstellungen und weiteren BĂŒchern des Fotografen angereichert. Auf die Bilder geht Koetzle kaum, auf die vorgestellten Monografien gar nicht ein. DafĂŒr werden Journalisten, Kuratoren, Sammler, Fotografen und weitere „Foto-Prominente“ kurz zitiert und beziehen so wenigstens ein wenig Stellung.

NatĂŒrlich ist es nicht einfach, ein gescheites Buch ĂŒber FotobĂŒcher herauszubringen, schließlich haben Martin Parr und Gerry Badger mit „The Photobook: A History“ die Messlatte sehr hoch gelegt: Die zweibĂ€ndige Publikation gilt heute als Kanon, Standardwerk und Bestellkatalog fĂŒr Sammler zugleich. Der Taschen Verlag tut gut daran, sie nicht einfach zu kopieren. Gleichzeitig muss er dem Leser, der immerhin 50 Euro fĂŒr „Fotografen A-Z“ hinblĂ€ttern soll, inhaltlich mehr liefern als bloße Faksimiles aus BĂŒchern und Zeitschriften. In der jetzigen Form wirkt es jedenfalls wie ein Schnellschuss aus der HĂŒfte und verkommt zum bloßen Coffee Table Book. Und genau das sollen gute FotobĂŒcher ja eben nicht sein.

Links: Taschen Verlag

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