“Beyond Borders” von Frederic Lezmi

Als mir Frederic Lezmi sein neues Buch “Beyond Borders – From Vienna to Beirut” auf der Paris Photo in die Hand drückte, dachte ich zuerst “Ach, schon wieder ein Leporello” – diese extravagante und irgendwie auch altmodische Buchbindung wird mir in letzter Zeit doch ein wenig zu inflationär eingesetzt. Beim schnellen Durchblättern wurde mir aber sofort klar, dass es eigentlich die einzig denkbare Form ist, um diese Fotostrecke zu präsentieren, geht es doch um eine Reise quer durch Europa bis in den Nahen Osten, auf der die Grenzen zu verschwimmen scheinen. So hat der Betrachter die Möglichkeit, sich die gesamte Reise als elf Meter langen Streifen anzuschauen oder sich in den Details des Faltbuches zu verlieren – und davon gibt es in den insgesamt 32 Arbeiten viele zu entdecken.

Ein ganz Offensichtliches ist – vor allem zu Beginn des Buches – die Nähe zu Wolfgang Zurborn. Kein Wunder – schließlich hat Lezmi dem Kölner Fotografen und Galeristen ein Jahr lang assistiert, bevor er an der Folkwang Hochschule in Essen studierte. Oft fällt es in seinen Bildern schwer, die Orientierung zu bewahren. Geschickt spielt der 1978 geborene Lezmi mit den sich ständig überlagernden und wieder öffnenden Ebenen, Durchbrüchen, Spiegelungen und Gegensätzen. Was ist real, was eine Spiegelung und was bloß eine Fassade? Wie in einem Kaleidoskop überlagern sich die (Re-)Konstruktionen vielfarbiger fragmentarischer Eindrücke, Architekturen und sozialen Lebens – auf der einen Seite kann man sich nicht auf das Gesehene verlassen, auf der anderen Seite sind die Bilder nur selten geografisch zu verorten.

Zwischenzeitlich ändert Lezmi zwar die Bildsprache, quasi als Hinweis für einen Grenzwechsel. Der wird jedoch nur scheinbar vollzogen, denn gleich danach haut er dem Betrachter Absurditäten und neue Überlagerungen “um die Augen”: Kitschige Elefanten und Palmen aus Autoreifen vor dem Parlament in Bukarest wechseln sich mit einer rostenden Miniaturrakete am Straßenrand in der Türkei ab, die ironischerweise genauso aussieht wie das im Hintergrund emporragende Minarett.

Am kommenden Donnerstag, 10. Dezember 2009, 19 Uhr, präsentiert Frederic Lezmi sein Buch, das auf 150 handgefertigte Exemplare limitiert ist und 88 Euro kostet, in der Galerie Lichtblick, Steinberger Straße 21, in Köln-Nippes. Auf die Homepage von Frederic Lezmi kommt ihr hier.

Geschrieben in Fotobücher | 2 Kommentare

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  1. 18. Mai 2010 um 01:05 Uhr

    Fotobook Festival Kassel auf Damian Zimmermann sagt,

    [...] gefreut hat mich ebenfalls, dass neben Nollywood von Pieter Hugo auch Beyond Borders von Frederic Lezmi unter den 24 Büchern des Photobook Awards waren, unter denen ansonsten vor [...]

  2. [...] Kölner Fotografen Frederic Lezmi habe ich bereits mit seinem sehr schönen Leporello Beyond Borders vorgestellt, in dem er eine Reise quer durch Europa bis in den Nahen Osten zeigt, auf der die [...]

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