Africa under the Prism

Der tiefschwarze Umschlag ist beeindruckend: Auf dem Titel sehen wir einen alten Kassetten-Radio-Rekorder, der auf einem einfachen Holztisch steht. Die Antenne ragt gekr√ľmmt nach oben ‚Äď als w√ľrde sie im Nichts nach Empfang suchen. Teile des Ger√§ts sind mit Goldlack √ľberzogen, genauso wie der Titel: “Africa Under the Prism” (Hatje Cantz Verlag, 45 Euro).

Auf dem wei√üen Buchblock erkennt man die farbigen Kapitelmarkierungen ‚Äď das Buch will das Prisma sein, dass die zahlreichen Facetten der afrikanischen Fotografie aufzeigt. Warum es allerdings mehr einem fl√ľchtigen Kaleidoskop gleicht, erfahrt ihr in meiner¬†Kurzbesprechung, die in der Photographie erschienen ist.

Link: Hatje Cantz

Amazon: Africa under the Prism: Contemporary African Photography from LagosPhoto Festival

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Deutscher Fotobuchpreis 2011

W√§hrend ihrer Tour hat die Wanderausstellung Deutscher Fotobuchpreis 2011 im K√∂lner Forum f√ľr Fotografie einen Halt eingelegt. Zu sehen sind die 20 mit “Gold” und “Silber” ausgezeichneten B√ľcher sowie die zahlreichen Nominierungen aus den Kategorien “Fotobildb√§nde”, “Fototheorie” und “Fotolehrbuch” – darunter auch einige Fotob√ľcher, die ich bereits auf meinem Blog oder im K√∂lner Stadt-Anzeiger vorgestellt habe: “Gold” haben beispielsweise Black Passport – Journal eines Kriegsfotografen, Yangtze – The Long River und Tropical Gift: The Business of Oil and Gas in Nigeria erhalten, “Silber”¬† unter anderem Recollection und Tokyo Compression.

Aber nat√ľrlich sind noch zahlreiche weitere gro√üartige B√ľcher vertreten wie zum Beispiel “Latitude Zero” von Monique Stauder und “Oil” von Edward Burtynsky. Au√üerdem habe ich drei sehr sch√∂ne Neuentdeckungen gemacht. Da w√§re zum einen das sehr sch√∂n gestaltete und mit sehr straighten Portr√§ts und Landschaftsaufnahmen bebilderte “East of a New Eden” von Yann Mingard und Alban Kakulya √ľber die neue Ostgrenze der EU von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Sehr gut gefallen hat mir auch das ironische “Fluffy Clouds” von J√ľrgen Nefzger: Es zeigt mehr oder weniger idyllische Landschaften in Europa – allerdings mit eingebauten Bildst√∂rungen, denn im Hintergrund sind immer auch K√ľhlt√ľrme und Kernreaktoren zu sehen, die das romantische Bild zerst√∂ren.

Meine pers√∂nliche Neuentdeckung Nummer Drei ist au√üerdem “Die letzten J√§ger der Arktis” des isl√§ndischen Fotografen Ragnar Axelsson. Bereits der Anfang mit den Farbfotos ist sehr gut, mir pers√∂nlich aber ein wenig zu bunt und glatt. Der zweite Teil mit den Schwarz-Wei√ü-Aufnahmen hat mich dann aber fast von den Socken gehauen. Das hat nichts mehr von irgendeiner gef√§lligen Reportagefotografie f√ľr den Massengeschmack einer Geo-Leserschaft. Axelsson zeigt den Alltag der Inuit auf Gr√∂nland und ihre Jagd auf Wale, Seehunde und Robben bei minus 40 Grad – und das ist selten idyllisch. Auf YouTube gibt es dazu auch eine beeindruckende Diashow.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. M√§rz in K√∂ln und danach in Friedrichshafen, Br√ľssel, Dornbirn, Karlsruhe, Hamburg, Frankfurt und sogar in Jakarta und in Manila zu sehen.

Links: Deutscher Fotobuchpreis, Forum f√ľr Fotografie

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“Der Fotograf” von Didier Lef√®vre

Heute stelle ich ein bereits zwei Jahre altes, aber erst jetzt von mir entdecktes, au√üergew√∂hnliches Buch vor – au√üergew√∂hnlich deshalb, weil es eigentlich ein Comic ist. Allerdings ganz besonders gestaltet, denn er erz√§hlt nicht nur die Geschichte des Fotografen Didier Lef√®vre, der 1986 ein Team von “√Ąrzte ohne Grenzen” nach Afghanistan begleitet, sondern es zeigt auch seine Fotografien, chronologisch eingebettet in die Handlung, so dass der Betrachter und Leser seine Fotos an der Stelle sieht, an der er sie auch gemacht hat. Alles, was er erlebt, aber nicht fotografiert hat, wurde von Emmanuel Guibert gezeichnet, was meine Meinung nach eine simple und doch geniale Art ist, Fotoreportagen zu pr√§sentieren – besonders, wenn ich an die zahlreichen mit Musik und Kommentar unterlegten Slideshows denke, die sich Fotografen heutzutage ausdenken. Nat√ľrlich ist ein Comic ungleich aufw√§ndiger, und es funktioniert auch nicht √ľberall so gut wie in der Triologie “Der Fotograf” – aber es zeigt auf, was m√∂glich ist, wenn man unorthodoxe Wege einschl√§gt.

Die Geschichte selbst ist eine Art Tagebuch – nicht von ungef√§hr hat es mich sogar ein wenig an Black Passport von Stanley Greene erinnert, wenngleich es vollkommen unterschiedlich ist. Gemein haben beide die visuelle Kraft und den sehr pers√∂nlichen, erz√§hlerischen Eindruck, der vermittelt wird. Beides sind Tageb√ľcher von Kriegs- und Krisenfotografen, die dem Betrachter an ihrem Erlebten Teil haben lassen. In weiten Teilen wird der Leser von der einfachen, aber spannenden Geschichten vereinahmt, die Fotografien selbst treten in den Hintergrund und sind meist auch gar nicht sonderlich aufregend oder au√üergew√∂hnlich. Durch die Kombination aus Zeichnung und Fotografie wird der Leser aber immer wieder zur√ľck auf den Boden der Tatsachen geholt: Das ist eine wahre Geschichte. Denn so, wie man sich heutzutage viele Fotografien anschaut und gleichzeitig wei√ü, dass sie niemals die ganze Wahrheit sagen, so wird dieses Ph√§nomen hier quasi umgedreht: Die Bilder sind “echter” als die Wirklichkeit, weil die ja nur gezeichnet ist.

Wirklich gute Fotografien habe ich Рzumindest in Band 1 Рhingegen selten gesehen. Meistens sind sie auch sehr klein präsentiert, so dass sie sich der Größe der einzelnen Zeichnungen anpassen. Wirklich gute, ja: großartige Bilder bekommen dann hingegen ihren ganz speziellen Raum zugesprochen und werden dann sogar halbseitig präsentiert, wie ihr im unten gezeigten Beispiel der drei aufeinander folgenden Seiten sehen könnt. Das mag man bemängeln, aber unterm Strich ist es eben authentisch, da man tatsächlich eine autobiografische Geschichte erzählt bekommt Рund im richtigen Leben ist nun einmal nicht jeder Schuss ein Treffer.

“Der Fotograf” ist als Trilogie bei Edition Moderne erschienen und kostet je Band 24 bzw 28 Euro.

Links: Edition Moderne

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“Consequences by Noor” in der Agentur laif

Die 20. Internationale Photoszene K√∂ln ist offiziell vor√ľber, aber die meiner Meinung nach beeindruckendste und zugleich bedr√ľckendste Ausstellung habe ich erst am letzten offiziellen Festivaltag gesehen – und das, obwohl mich das Einladungsbild von Yuri Kozyrev bereits seit August begeistert:¬† “Consequences by Noor” besch√§ftigt sich in neun Reportagen (unter anderem auch von Stanley Greene) mit den weltweiten Folgen des Klimawandels. Erg√§nzt werden die Bilder, die im Keller der Agentur laif, Merowingerstra√üe 5-7, noch bis zum 10. Oktober zu sehen sind, durch einen 45-min√ľtigen Film, den man sich auf jeden Fall auch anschauen muss.

Meine ausf√ľhrlichere Besprechung aus dem heutigen Ksta gibt es hier.

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Vier neue Fotob√ľcher im Ksta

Das Magazin des K√∂lner Stadt-Anzeiger hat heute vier neue Fotobuchrezensionen von mir ver√∂ffentlicht.¬† Mit “Black Passport” von Stanley Greene und “Rituale” von Giorgia Fiorio (deren Ausstellung in der C/O Berlin ich bereits im April auf meinem Blog besprochen habe), sind dieses mal nur zwei Monographien dabei. Die beiden anderen B√ľcher, “Magnum am Set” und “Starburst”, behandeln hingegen die Arbeiten von Magnum-Fotografen w√§hrend legend√§rer Filmarbeiten sowie die Wurzeln der “New Color Photography” in den 1970er Jahren.

Den Artikel könnt ihr euch hier als PDF herunterladen.

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Fotobook Festival Kassel

In Kassel hat von Donnerstag bis Sonntag das 3. Internationale Fotobook Festival stattgefunden. Ich habe mir gleich alle vier Tage gegeben und bin auch sehr froh dar√ľber, denn abgesehen von der etwas unvorbereitet wirkenden Organisation war die Veranstaltung ein Treffpunkt des “Who’s who” der internationalen Fotobuchszene: Martin Parr, Gerry Badger, Rinko Kawauchi, Alec Soth und Paul Graham geh√∂ren sicherlich zu den bekanntesten Vertretern (wobei mich der eitle Vortrag Grahams eher aggressiv gemacht hat). Sehr gut gefallen hat mir hingegen der informative und kurzweilige Beitrag des Kunsthistorikers und Experten f√ľr japanische Fotografie, Ferdinand Br√ľggemann, √ľber “Japanische Fotografinnen der Gegenwart” und Rob Hornstra, der nicht nur tolle Bilder und B√ľcher macht, sondern der auch ein eigensinniges, aber ausget√ľfteltes Marketing- und Finanzierungssystem daf√ľr entwickelt hat.

Sehr gefreut hat mich ebenfalls, dass neben Nollywood von Pieter Hugo auch Beyond Borders von Frederic Lezmi unter den 24 B√ľchern des Photobook Awards waren, unter denen ansonsten vor allem “Black Passport” des Kriegsfotografen Stanley Greene hervorstach – ein verst√∂rendes Buch in einer sehr eigenen, direkten Gestaltung.

Viel Zeit habe ich auch bei den B√ľchern des Dummy-Preises verbracht, wobei die drei Preistr√§ger Werner Amann mit¬†American. (hier als kleiner Auszug), Chad States mit “Cruisin’” und Axel Beyer mit¬† Bebra Curiosa nicht unbedingt meine Favoriten waren. Ziemlich gut fand ich Richard Kurc Konzeptportr√§ts mit¬†Kinder, Eltern, Autos – Familienportraits in mobilen Rahmen und Alexander Labrentz mit seiner Dokumentation Arbeit und Leben √ľber Massentierhaltung. √úber die Fotos aus dem Buch Wunschkinder von Ursula Becker habe ich gelacht wie selten bei einem Fotobuch, allerdings fand ich das Buch selbst ziemlich schwach gestaltet. √Ąhnlich erging es mir bei Arnd Weider und seinem theater – starke Fotos und ein angemessenes Layout, aber eine furchtbare Typo. Etwas zu lang, aber insgesamt dennoch ganz gut fand ich Florian Generotzky mit Risse im Beton (vor allem das Bild auf Seite 26 hat es mir angetan). Sehr sch√∂n fand ich auch “Rented Rooms” von Torben H√∂ke √ľber die Billigunterk√ľnfte der Individualreisenden in Indien – ein schlichtes, aber liebevoll gestaltetes Buch mit ruhigen, guten Einzelbildern. Insgesamt am auff√§lligsten war zudem sicherlich das Projekt “Erholungszone Deutschland” des Duos Valeska Achenbach/Isabela Pacini, das aus insgesamt f√ľnf Einzelb√ľchern besteht und mit deutschen Klischees spielt.

Wer mehr √ľber das Festival erfahren m√∂chte, kann sich auch meinen¬†Artikel aus der taz durchlesen.

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