Die Anfänge der Fotografiegeschichte lesen sich so spannend wie ein Thriller – ich wundere mich, dass noch niemand eine Serie daraus gemacht hat. Doch im Wettbewerb der üblichen Erfinder, Tüftler und Pioniere wie Joseph Nicéphire Niépce, Louis Daguerre, William Henry Fox Talbot, John Herschel und Hippolyte Bayard wurde lange Zeit ausgerechnet eine Frau komplett vergessen: die Britin Anna Atkins.

Erst Ende des 20. Jahrhunderts und dank der Arbeit des Fotohistorikers Larry Schaaf wurde ihr der Platz in der Fotografiegeschichte eingeräumt, den sie verdient: Immerhin war sie nicht nur die erste Person, die ein fotografisches Verfahren wissenschaftlich nutzte, sondern auch die erste, die 1843 eine Buchpublikation mit genau diesen Bildern illustrierte. Talbots berühmtes „The Pencil of Nature“ ist erst ein Jahr später erschienen, wobei dieser allerdings auch „richtige“ fotografische Abzüge verwendete. Atkins hingegen nutzte die von Herschel erfundene Cyanotypie, also eine Form des Fotogramms, das diese charakterischen blauen Bilder erzeugt, um die Formen und Strukturen von Algen und Farnen dauerhaft zu fixieren. Diese Technik war wesentlich billiger und einfacher zu handhaben als die Kalotypie Talbots oder die Daguerreotypie Daguerres.

Der Kölner Taschen Verlag würdigt diese Leistung Atkins‘ nun mit einer prächtigen, zweieinhalb Kilo schweren Gesamtausgabe mit 660 Seiten und für stolze 100 Euro. Meine ausführliche Besprechung wurde in der Monopol veröffentlicht.

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