Judith Joy Ross in der SK Stiftung Kultur

In der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur wurde am Freitag die Ausstellung der amerikanischen Porträtfotografin Judith Joy Ross eröffnet. In der Retrospektive werden fast 20 Serien gezeigt, an denen Ross seit 1982 gearbeitet hat.

Bemerkenswert sind neben ihrer konsequente Beschäftigung mit dem Individuum, das die direkte Auswirkung der Politik zu spüren bekommt, auch ihre anachronistischen Papierabzüge, die Kontakte der 8 mal 10 Inch-Negative sind. Ihre Nähe zu August Sander und Diane Arbus ist dabei nicht von der Hand zu weisen, gleichzeitig ist auch der Einfluss auf junge Fotografen wie beispielsweise Ted Partin erkennbar.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Februar 2012 zu sehen. Außerdem ist bei Schirmer/Mosel ein Katalog mit empfehlenswerten Texten erschienen.

Meine Besprechung, erschienen heute im Ksta, gibt es hier.

Link: SK Stiftung Kultur

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“Fotografen A-Z” von Hans-Michael Koetzle

Das Fotobuch lebt. Das merke ich nicht nur daran, dass die Zahl der Publikationen, speziellen Buchläden, Internetblogs, Festivals und nicht zuletzt auch die Preise für vergriffene Exemplare ständig steigen. Ich merke es auch, weil der Kölner Taschen Verlag, der ja eher für Mainstream-Ware bekannt ist, nun einen dicken Wälzer (444 Seiten, 49,99 Euro) zu diesem Thema herausgebracht hat. Der Titel “Fotografen A-Z” suggeriert eher ein Fotografen-Lexikon wie die ebenfalls bei Taschen erschienene Foto:Box, doch es geht in dem Buch von Autor Hans-Michael Koetzle tatsächlich weniger um die Fotografen, sondern vielmehr um ihre “schönsten Monografien”, wie es in der Pressemitteilung heißt.

So ist das Buch nun auch eine Art Enzyklopädie geworden, streng alphabetisch (und nicht etwa chronologisch) geordnet, die kompetent Auskunft geben will, die aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Wie soll sie auch? Dafür lädt sie ein zum ziellosen Blättern, Stöbern, Surfen – kurz: zum Entdecken. Und zu entdecken gibt es viel, denn das Buch geizt nicht mit großen, populären Namen wie Nobuyoshi Araki, Diane Arbus, Richard Avedon, Anton Corbijn, Peter Lindbergh, Man Ray, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Leni Riefenstahl, Cindy Sherman, Wolfgang Tillmans, Ellen von Unwerth und Weegee, stellt aber auch weniger bekannte vor.

Das ist zwar alles schön und gut und lockt sicherlich auch Kunden an, die sich sonst eher nicht mit dem Thema Fotobuch auseinandersetzen würden. Wahrscheinlich aber auch nur die. Denn die Texte, die Koetzle dem interessierten “Leser” liefert, sind wenig aufschlussreich: Ein als Fließtext getarnter Lebenslauf wird durch die Auflistung von Ausstellungen und weiteren Büchern des Fotografen angereichert. Auf die Bilder geht Koetzle kaum, auf die vorgestellten Monografien gar nicht ein. Dafür werden Journalisten, Kuratoren, Sammler, Fotografen und weitere “Foto-Prominente” kurz zitiert und beziehen so wenigstens ein wenig Stellung.

Natürlich ist es nicht einfach, ein gescheites Buch über Fotobücher herauszubringen, schließlich haben Martin Parr und Gerry Badger mit “The Photobook: A History” die Messlatte sehr hoch gelegt: Die zweibändige Publikation gilt heute als Kanon, Standardwerk und Bestellkatalog für Sammler zugleich. Der Taschen Verlag tut gut daran, sie nicht einfach zu kopieren. Gleichzeitig muss er dem Leser, der immerhin 50 Euro für “Fotografen A-Z” hinblättern soll, inhaltlich mehr liefern als bloße Faksimiles aus Büchern und Zeitschriften. In der jetzigen Form wirkt es jedenfalls wie ein Schnellschuss aus der Hüfte und verkommt zum bloßen Coffee Table Book. Und genau das sollen gute Fotobücher ja eben nicht sein.

Links: Taschen Verlag

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“Zeitgeist & Glamour” in Düsseldorf

Nach Sternstunden des Glamour im Museum Ludwig wurde am Freitag die Ausstellung “Zeitgeist und Glamour” im NRW-Forum Düsseldorf eröffnet. Beabsichtigt war diese Parallelität nicht, ermöglicht dem interessierten Besucher jedoch, sich intensiver mit den Themen Starkult und Mode zu beschäftigen, denn “Zeitgeist und Glamour” setzt zeitlich da an, wo die Kölner Ausstellung aufhört: Gezeigt werden in Düsseldorf über 400 Fotografien aus der “Nicola Erni Collection”, die mehr oder weniger unter der Klammer des Jet-Sets der 1960er und 70er Jahre zusammengehalten werden.

Inhaltlich gehen die beiden Ausstellungen allerdings vollkommen andere Wege: Ruhig, sachlich und bescheiden punktet das Museum Ludwig mit den Schätzen aus seiner Fotografischen Sammlung, während das NRW-Forum fast ein wenig aufgeregt überwiegend B-Ware präsentiert – wenn auch aufwändig und sehr schön aufbereitet. Mit dabei sind unter anderem Arbeiten von Richard Avedon, David Bailey, Bert Stern, Jeanloup Sieff und Diane Arbus, Ron Galella, Edward Quinn, Milton Gendel, Fred W. McDarrah, Thomas Hoepker und Rudi Meisel. Wer mehr wissen möchte, kann sich meine ausführliche Besprechung, die heute bei artnet erschienen ist, hier durchlesen.

Außerdem ist im Prestel-Verlag ein sehr schön gestalteter, großformatiger Katalog (368 Seiten, 59 Euro) erschienen. Der ist ganz ähnlich wie die Ausstellung in die Orte, an denen die Szenen spielen, unterteilt: Côte d’Azur/St. Moritz, Paris, London, Rom und New York sowie in die Kapitel “Fashion” und “Faces”. Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, aber “gefühlt” gefällt mir der Katalog sogar besser als die Ausstellung – aber vielleicht ist das gesamte Thema ja auch einfach besser für ein Buch als für eine Ausstellung geeignet.

Links: NRW-Forum, Nicola Erni Collection, Prestel Verlag

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Inta Ruka in der Baukunst Galerie

Man kann Inta Ruka durchaus als Ausnahmefotografin bezeichnen. Die 1958 in Riga geborene Lettin fotografiert seit den 1980er Jahren die Menschen ihres Landes. Immer wieder kehrt sie zu „ihren“ Modellen zurück – mitunter über Jahrzehnte hinweg. Die Kölner Baukunst Galerie zeigt bis zum 14. April nun zwei ihrer Serien – „My Country People“ und „Amalias Street 5“. Und so, wie sich Ruka Zeit genommen hat, die Menschen zu fotografieren, so sollte man sich auch bei deren Betrachtung Zeit und Muße nehmen. Mit jedem Schritt und jedem Bild nähert man sich den gezeigten Personen ein Stückchen mehr und bekommt durch die handschriftlichen und meist kurzen Texte unter den Barytabzügen ein Gespür für die einzelnen Familienmitglieder. Man freut sich, die Kinder wachsen und wird fast ein wenig traurig, die Erwachsenen altern zu sehen.

Einige Porträts sind absurd wie die von Diane Arbus oder erinnern entfernt an die Arbeiten Roger Ballens, andere sind zum Schmunzeln – zum Beispiel, wenn der kleine Edgar in einer selbstgebauten Ritterrüstung aus Birkenrinde (!) seine Schwester verteidigen will und die nur grinsend daneben stehen kann. Auf den jüngsten Bildern von „My Country People“ fehlen die beiden dann, weil sie natürlich längst erwachsen und ausgezogen sind: Edgar lebt heute in Riga und Iveta in Italien. Zurück geblieben ist ihre Mutter Daina – die ist längst eine alte Frau, doch noch immer voller Stolz und Schönheit. Sofort will man mehr über sie erfahren, aber wer um die Wand zu den nächsten Arbeiten läuft, wird enttäuscht – weil es dort nicht weiter geht. Inta Ruka hat ihre Serie an dieser Stelle beendet und fast kommt es einem vor, als würde ein Roman, eine Familiensaga zu Ende gehen – vollkommen unspektakulär, aber dennoch sehr emotional. Stattdessen beginnt dort ihre aktuelle Serie „Amalias Street 5“. Auch hier braucht der Betrachter einige Bilder, um hinein zu kommen – und ist plötzlich mittendrin im Leben von Valentina, Igor und Natasha, dem jungen Mädchen mit der Löwenmähne.

Inta Ruka gehört zweifelsohne zu den humanistischen Vertretern unter den Fotografen, und würde es eine Neuauflage der Family of Man-Ausstellung geben – Inta Rukas einfühlsame Landzeitdokumentationen wären garantiert dabei.

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