Fotofestival “The eye is a lonely hunter”

Die Städte Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg laden noch bis zum 6. November zum 4. Fotofestival ein. Der Titel lautet in diesem Jahr “The eye is a lonely hunter – Images of Humankind”, und das von Katerina Gregos und Solvej Helweg Ovesen kuratierte Festival umfasst fünf Gruppen- und zwei Einzelausstellungen sowie eine Außeninstallation mit insgesamt über 1000 Arbeiten von 56 Künstlern aus 32 Ländern – darunter auch bekannte Fotografen wie Beat Streuli, Rinko Kawauchi, Pieter Hugo, Tobias Zielony, Jacob Holdt, Roger Ballen, Boris Mikhailov, Taryn Simon, Otto Olaf Becker, Ryan McGinley und Edward Burtynsky.

Da das Festival quasi die Neuauflage und Fortführung der legendären “The Family of Man”-Ausstellung aus dem Jahr 1955 sein soll, ist die Künsterauswahl und -zusammensetzung sehr interessant und spannend. Denn im Gegensatz zu Edward Steichen damals geht es Gregors und Ovesen nicht darum, mit den Bildern auf die Gemeinsamkeiten aller Menschen hinzuweisen, sondern möglichst viele unterschiedliche Facetten des Menschseins zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufzuzeigen. Das haben sie insgesamt sehr schön gelöst. Dennoch gibt es auch Kritikpunkte am Festival als solches, das viel zu verstreut ist, als dass wirkliche Festivalstimmung aufkommen könnte.

Wer mag, kann sich meine ausführliche Besprechung, die heute im Artnet Magazin erschienen ist, durchlesen.

P.S. Im Kölner Stadt-Anzeiger ist zudem eine Kurzversion meines Textes erschienen.

Link: 4. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg

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“Aftermath” von Jörn Vanhöfen

Für sein Buch “Aftermath” (Hatje Cantz Verlag, 148 Seiten, 58 Euro) ist Jörn Vanhöfen um den gesamten Erdball gereist und hat Orte aufgesucht, die sich verändern oder an denen sich vorhergegangene Veränderungen zeigen lassen – wobei Veränderungen hier immer eine negative Konnotation hat, schließlich geht es in seinen häufig verstörenden und beängstigenden Bildern um menschliche Hinterlassenschaften. Es sind Orte, die einmal ein Symbol für Fortschritt und Entwicklung waren und heute leer stehen und verfallen wie der niederländische Pavillon auf dem Expo-Gelände in Hannover oder das fensterlose Backsteingebäude in der ehemaligen Autostadt Detroit, vor dem schwarze Limousinen wie Teilnehmer eines Trauerzuges stehen. Es sind aber auch Industriebrachen und Müllhalden, nuklear oder chemisch verseuchte Landschaften  oder menschenfeindliche, urbane Ballungsräume.

Leider liegt genau da die Schwäche von “Aftermath”. Vanhöfen sind zweifelsohne großartige Fotografien „vom Zustand unserer Welt“ gelungen, aber er spannt den ganz großen Bogen – und will dadurch vielleicht ein bisschen zu viel. Während sich Edward Burtynsky mit “Oil” auf den Weg des Erdöls von der Förderung über die Weiterverarbeitung und den Konsum bis zur Entsorgung konzentriert, Pieter Hugo mit „Permanent Error“ den brutalen Alltag auf einer einzige Müllhalde für Elektroschrott in Agbogbloshie in Ghana zeigt und Georg Aerni in „Sites & Signs“ den Einfluss von Architektur auf unser Leben darstellt, sensibilisieren sie den Betrachter gleichzeitig für diese Themen. Der 1961 in Dinslaken geborene Vanhöfen greift hingegen zu viele komplexe Themen auf einmal auf und springt mit ihnen hin und her. Dadurch entstehen zwar gute Querverbindungen, sorgen aber auch für ein Gefühl, dem Einzelnen nicht gerecht werden zu können. Im Grunde hätte er aus „Aftermath“ auch zwei oder drei Bücher machen können. Oder müssen.

Hinzu kommt, dass mich einige Bilder stark an Arbeiten anderer erinnern. Das liegt meist natürlich am nüchternen New Topographics-Blick, der nun einmal weit verbreitet ist. Manchmal liegt es aber auch daran, dass ich manche Motive nahezu genauso schon woanders gesehen habe. So hat Vanhöfen ein Haus unter einer Brücke in Zürich abgelichtet, das Georg Aerni bereits sieben Jahre zuvor (besser) fotografiert hat. Ein sehr ähnliches Foto, das ebenfalls im Buch vorkommt, hat Vanhöfen übrigens bereits 2005 in Duisburg aufgenommen. Und sein Bild Asok #797 von 2010 erinnert gleich in mehreren Details an Thomas Struths “Samsung Apartments”, die er 2007 in Seoul fotografiert hat. Insofern ist meine anfängliche Begeisterung für “Aftermath” dann leider doch einer gewissen Ernüchterung gewichen.

Links: Hatje Cantz

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Edward Burtynsky in der Galerie Stefan Röpke

Die erste museale Einzelausstellung von Edward Burtynsky in der Altona Kulturstiftung in Bad Homburg Anfang dieses Jahres habe ich leider verpasst. Glücklicherweise zeigt die Galerie Stefan Röpke noch bis zum 4. Juni einige Bilder aus seinen Serien, mit denen er eine Verbindung zwischen den beiden für ihn wichtigen Thema “Öl” und “Wasser” herstellt. Anlass dazu war die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vor einem Jahr, die er aus der Luft fotografiert hat. Auch hier schafft er es wieder, in höchst ästhetischen Bilder auf die dramatischen Umweltzerstörungen aufmerksam zu machen.

Meine Besprechung aus dem Kölner Stadt-Anzeiger gibt es hier.

Link: Galerie Stefan Röpke, Altana Kulturstiftung

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Deutscher Fotobuchpreis 2011

Während ihrer Tour hat die Wanderausstellung Deutscher Fotobuchpreis 2011 im Kölner Forum für Fotografie einen Halt eingelegt. Zu sehen sind die 20 mit “Gold” und “Silber” ausgezeichneten Bücher sowie die zahlreichen Nominierungen aus den Kategorien “Fotobildbände”, “Fototheorie” und “Fotolehrbuch” – darunter auch einige Fotobücher, die ich bereits auf meinem Blog oder im Kölner Stadt-Anzeiger vorgestellt habe: “Gold” haben beispielsweise Black Passport – Journal eines Kriegsfotografen, Yangtze – The Long River und Tropical Gift: The Business of Oil and Gas in Nigeria erhalten, “Silber”  unter anderem Recollection und Tokyo Compression.

Aber natürlich sind noch zahlreiche weitere großartige Bücher vertreten wie zum Beispiel “Latitude Zero” von Monique Stauder und “Oil” von Edward Burtynsky. Außerdem habe ich drei sehr schöne Neuentdeckungen gemacht. Da wäre zum einen das sehr schön gestaltete und mit sehr straighten Porträts und Landschaftsaufnahmen bebilderte “East of a New Eden” von Yann Mingard und Alban Kakulya über die neue Ostgrenze der EU von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Sehr gut gefallen hat mir auch das ironische “Fluffy Clouds” von Jürgen Nefzger: Es zeigt mehr oder weniger idyllische Landschaften in Europa – allerdings mit eingebauten Bildstörungen, denn im Hintergrund sind immer auch Kühltürme und Kernreaktoren zu sehen, die das romantische Bild zerstören.

Meine persönliche Neuentdeckung Nummer Drei ist außerdem “Die letzten Jäger der Arktis” des isländischen Fotografen Ragnar Axelsson. Bereits der Anfang mit den Farbfotos ist sehr gut, mir persönlich aber ein wenig zu bunt und glatt. Der zweite Teil mit den Schwarz-Weiß-Aufnahmen hat mich dann aber fast von den Socken gehauen. Das hat nichts mehr von irgendeiner gefälligen Reportagefotografie für den Massengeschmack einer Geo-Leserschaft. Axelsson zeigt den Alltag der Inuit auf Grönland und ihre Jagd auf Wale, Seehunde und Robben bei minus 40 Grad – und das ist selten idyllisch. Auf YouTube gibt es dazu auch eine beeindruckende Diashow.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. März in Köln und danach in Friedrichshafen, Brüssel, Dornbirn, Karlsruhe, Hamburg, Frankfurt und sogar in Jakarta und in Manila zu sehen.

Links: Deutscher Fotobuchpreis, Forum für Fotografie

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