„Swarm“ von Lukas Felzmann

Schon wieder ein Fotobuch mit Vögeln als Titelhelden. Doch „Swarm“ von Lukas Felzmann kommt gänzlich anders daher als Paloma al Aire von Ricardo Cases – wo Cases männliche Rituale, das Balzverhalten von Tauben und einen eigenwilligen mallorquinischen Volkssport in bunt-absurden Bildern einfängt und miteinander vermischt, interessiert sich Felzmann für die Schwarmbewegungen von Zugvögeln – und hält diese in melancholischen bis düsteren Schwarzweißfotografien fest, die manchmal sogar eine gewisse abstrakte zeichnerische Qualität haben.

Das Individuum spielt dabei keine Rolle: Während bei Cases jede einzelne Taube durch einen speziellen Farbcode (zumindest für die Teilnehmer des Wettbewerbs) identifizierbar bleibt, wirkt bei Felzmann jeder Vogel wie der andere, so dass der Laie nicht einmal im Stande sein dürfte, Arten zu unterscheiden. Den 1959 in Zürich geborenen Felzmann interessieren vielmehr komplexe Verhaltens- und Bewegungsmuster. Schwarmintelligenz ist das Schlagwort, das sich gerade in den vergangenen Jahren zum Mode-Unwort für zahlreiche passende und unpassende Zusammenhänge vor allem im Bereich Social Media entwickelt hat.

Das Verhalten der Vogelschwärme bleibt hingegen ein faszinierendes, weil für den Menschen nicht wirklich nachzuvollziehendes Phänomen. Wir können lediglich beobachten und die pulsierende Struktur der Masse bewundern und darüber staunen. Felzmann zeigt uns dazu neben Einzelbildern auch Sequenzen, in denen er die ständige Veränderung des durch die Landschaft gleitenden Schwarms eindrucksvoll dokumentiert. Die Tiere verdunkeln den Himmel und besetzen, nein: überfallen Straßen, Felder und Bäume. Und manchmal wirken seine Aufnahmen dabei so skurril, dass ich mich stark an die analogen Bildmanipulationen von Taiyo Onorato und Nico Krebs in The Great Unreal erinnert fühle.

Genau das macht die Stärke des insgesamt auch sehr schön gestalteten Buches aus. Ein wenig erschöpfend ist allerdings der Umfang – nach einer gewissen Zeit kann sich die Lektüre des 240 Seiten starken Buches durchaus in die Länge ziehen und eine gewisse Übersättigung stellt sich ein. Ein bisschen weniger der sich wiederholenden Motive wäre mehr gewesen (Lars Müllers Publishers, 50 Euro).

Link: Lars Müller Publishers