{"id":248,"date":"2009-07-22T17:27:52","date_gmt":"2009-07-22T15:27:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/?p=248"},"modified":"2019-03-29T16:25:09","modified_gmt":"2019-03-29T15:25:09","slug":"kulturpreis-fur-steven-j-sasson-und-ed-ruscha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/kulturpreis-fur-steven-j-sasson-und-ed-ruscha\/","title":{"rendered":"DGPh-Kulturpreis f\u00fcr Steven J. Sasson"},"content":{"rendered":"<p>Die Erfindung des Amerikaners<strong> Steven J. Sasson<\/strong> hat die Fotografie und vor allem den Umgang mit dem Medium grundlegend ver\u00e4ndert &#8211; schlie\u00dflich hat er 1975 die erste Digitalkamera der Welt gebaut. Dennoch kennt ihn (fast) niemand. Die <strong>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Photographie<\/strong> (DGPh) m\u00f6chte das \u00e4ndern und hat ihm deshalb 2008 den Kulturpreis verliehen.<\/p>\n<p>Den Artikel \u00fcber den unbekannten Erfinder findet ihr <a href=\"http:\/\/www.artnet.de\/magazine\/kulturpreis-der-dgph-fur-steven-j-sasson\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> als Link zu Artnet.<\/p>\n<p><em>Nachtrag: Weil das Artnet-Magazin leider nicht mehr existiert, gibt es meinen Artikel nun hier. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 class=\"western\">Der \u201eToaster\u201c, der die Fotografie revolutionierte<\/h1>\n<p class=\"western\">Als Steven J. Sasson 1975 mit seinem selbst zusammengeschusterten Apparat das erste digitale Foto der Welt aufnahm und damit die Digitalkamera erfand, wusste er noch nicht, welche weitreichenden Folgen dies auf die Welt der Fotografie haben w\u00fcrde. Das wurde ihm erst rund 20 Jahre sp\u00e4ter bewusst, als er Mitte der 90er Jahre mit seiner Frau Urlaub im Yellowstone-Nationalpark machte. Eine Gruppe von Touristen wartete mit ihren Kameras auf den Ausbruch eines Geysirs \u2013 darunter waren auch einige mit den ersten handels\u00fcblichen Digicams. \u201eDa habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass sich etwas ver\u00e4ndert\u201c, erinnert sich Sasson im Interview. Bis heute beruhen praktisch alle verkauften digitalen Kameras \u2013 von der hochaufl\u00f6senden Profi-Ausr\u00fcstung bis zur Handy-Knipse &#8211; auf seiner Entwicklung. Von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Photographie (DGPh) hat er daf\u00fcr nun w\u00e4hrend der Photokina in K\u00f6ln den Kulturpreis erhalten. Er ist die h\u00f6chste Auszeichnung, die die Gesellschaft f\u00fcr wegweisende Leistungen auf wissenschaftlichem, k\u00fcnstlerischem, kulturellem oder humanit\u00e4rem Gebiet seit 1959 verleiht.<\/p>\n<p class=\"western\">Dabei hat alles recht harmlos angefangen, als Sasson 1973 im Alter von 23 Jahren gleich nach dem Studium im Labor f\u00fcr angewandte Forschung bei Eastman Kodak in Rochester landete. Seine damalige Freundin gab ihm den Tipp, dass die Firma nach Ingenieuren suche, weil Kameras zunehmend Elektronik enthielten, um Automatikfunktionen zu steuern. Doch erst als ihn sein Chef Gareth A. Lloyd beauftragte, sich einen neuartigen CCD-Chip anzusehen, der Licht in elektronische Daten umwandelt und speichert, kam ihm der Gedanke, gleich eine neuartige Kamera zu bauen, die eine \u201efilmlose Fotografie\u201c erm\u00f6glichen sollte \u2013 aus heutiger Sicht blanke Ironie, schlie\u00dflich geh\u00f6rte Kodak zu den gr\u00f6\u00dften Film-Herstellern der Welt und sollte sich mit einer solchen Entwicklung nur selbst Konkurrenz machen.<\/p>\n<p class=\"western\">Zwei Jahre sp\u00e4ter war es schlie\u00dflich so weit: Steven Sasson und sein Team entwickelten aus einem Analog-Digital-Wandler von Motorola, einer optischen Linse aus einer Kodak-Kamera und einem lichtempfindlichen Chip aus dem Hause Fairchild den ersten Prototypen. Das Ergebnis war \u2013 verglichen mit heutigen Digitalkameras \u2013 mehr als ern\u00fcchternd: Der Prototyp hatte die Ausma\u00dfe eines Toasters, war 3,6 Kilogramm schwer und in der Lage, Schwarzwei\u00df-Aufnahmen mit einer Aufl\u00f6sung von 0,01 Megapixeln &#8211; also gerade einmal 100 mal 100 Punkten &#8211; auf einem digitalen Magnetband zu speichern. Das Ger\u00e4t ben\u00f6tigte 23 Sekunden, um das Bild aufzuzeichnen und nochmals 23 Sekunden, um dieses auf einem Fernseher abzubilden. Und das erste Bild zeigte nicht viel mehr als ein schemenhaftes Etwas, das seine Assistentin Joy Marshall darstellen sollte. Die sollte das \u201eBild\u201c auf dem Fernseher dann auch nur trocken mit dem Satz \u201eDa m\u00fcsst ihr euch wohl nochmal an die Arbeit machen\u201c kommentiert haben.<\/p>\n<h2>Demokratisierung der Fotografie<\/h2>\n<p class=\"western\">Und dennoch: Es war der erste Schritt einer Revolution \u2013 mit all ihren Vor- und Nachteilen. Digitales Fotografien verleite heute zum Knipsen und die Qualit\u00e4t reiche noch immer nicht an die eines guten analogen Films heran, sagen die Kritiker. Doch f\u00fcr Sasson selbst liegt der Unterschied vor allem darin, dass man \u201eErfahrungen miteinander teilen kann\u201c, wie er erkl\u00e4rt. \u201eMeine Kinder nutzen ihre Kamera daf\u00fcr, indem sie ihre wirklich schlechten Bilder st\u00e4ndig an Freunde schicken und sie so an ihrem Leben teilhaben lassen.\u201c Die aktivsten Beispiele im Internet sind wohl Flickr, Facebook und die Bonner Diskussionsplattform \u201efotocommunity\u201c &#8211; allein in der letzteren werden monatlich 300.000 Bilder hochgeladen und fast zwei Millionen Kommentare geschrieben. Insofern kann tats\u00e4chlich von einer Demokratisierung der Fotografie gesprochen werden.<\/p>\n<p class=\"western\">Gleichzeitig hat die digitale Fotografie aber auch Manipulationsversuchen T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet \u2013 mit der Folge, dass der Betrachter pl\u00f6tzlich begann, die Fotografie im Allgemeinen und somit auch die bis dahin als angeblich \u201eunverf\u00e4lscht\u201c geltende analoge Fotografie auf ihren Wahrheitsanspruch hin zu \u00fcberpr\u00fcfen. Als einer der prominentesten Vertreter z\u00e4hlt sicher Andreas Gursky, der die elektronische Bildbearbeitung bereits seit 20 Jahren f\u00fcr seine wie real wirkenden Bilder<\/p>\n<p class=\"western\">Diese Ambivalenz zwischen Bef\u00fcrwortung und Ablehnung der digitalen Fotografie spiegelt sich auch in der Kunst wider. Viele \u201eernsthafte\u201c Fotografen lehnen es bis heute \u2013 meist aus Qualit\u00e4tsgr\u00fcnden &#8211; ab, ihre Projekte digital zu fotografieren und r\u00fcmpfen die Nase, wenn es andere tun. Der Gro\u00dfteil d\u00fcrfte allerdings die Vorteile beider Techniken f\u00fcr sich nutzen: Sie fotografieren noch immer analog, digitalisieren aber anschie\u00dfend ihre Negative oder Dias, um durch die Bildbearbeitung am Computer wesentlich einfacher und perfekter als in der Dunkelkammer die gewollten Ergebnisse zu erzielen.<\/p>\n<p class=\"western\">Und was wird die Zukunft bringen? Auch darauf hat Sasson eine Antwort: \u201eIch glaube, dass sehr viele Menschen dar\u00fcber nachdenken, wie man das Wesentliche einer Situation einfangen kann. Und dazu geh\u00f6rt eben mehr als nur ein zweidimensionales Abbild. Es geht auch um Ger\u00e4usche, Ger\u00fcche und wie man einen Moment erlebt.\u201c So spekulativ das auch klingen mag: Fujifilm hat auf der Fotokina bereits eine neue 3D-Digitalkamera vorgestellt, die mit zwei Objektiven arbeitet und dreidimensionale Fotos und Videos erstellt. Die d\u00fcrfte \u2013 im wahrsten Sinne des Wortes &#8211; ganz neue Perspektiven er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-248 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"404\" height=\"510\" src=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Prototyp_72.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-20754\" srcset=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Prototyp_72.jpg 404w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Prototyp_72-119x150.jpg 119w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Prototyp_72-317x400.jpg 317w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Prototyp_72-210x265.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 404px) 100vw, 404px\" \/>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-20754'>\n\t\t\t\tGro\u00df im Bild: Die erste Digitalkamera der Welt aus dem Jahr 1975. Sie wog 3,6 Kilogramm. Ihre Technik steckt noch heute in fast allen Digitalkameras.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"513\" height=\"337\" src=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/erste_Digitalkamera_72.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-20753\" srcset=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/erste_Digitalkamera_72.jpg 513w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/erste_Digitalkamera_72-200x131.jpg 200w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/erste_Digitalkamera_72-400x263.jpg 400w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/erste_Digitalkamera_72-210x138.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 513px) 100vw, 513px\" \/>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-20753'>\n\t\t\t\tDie erste Digitalkamera zeichnete die Bilder auf Magnetband auf und konnte sie nur auf einem Fernseher wiedergeben.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"588\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Zimmermann-Steven-Sasson-mit-Prototyp.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-20751\" srcset=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Zimmermann-Steven-Sasson-mit-Prototyp.jpg 588w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Zimmermann-Steven-Sasson-mit-Prototyp-110x150.jpg 110w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Zimmermann-Steven-Sasson-mit-Prototyp-294x400.jpg 294w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Zimmermann-Steven-Sasson-mit-Prototyp-210x286.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 588px) 100vw, 588px\" \/>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-20751'>\n\t\t\t\tSteven Sasson mit dem von ihm entwickelten Prototyp einer Digitalkamera. Foto: Damian Zimmermann\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erfindung des Amerikaners Steven J. 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