{"id":2251,"date":"2010-05-11T10:00:53","date_gmt":"2010-05-11T09:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/?p=2251"},"modified":"2019-03-27T18:39:38","modified_gmt":"2019-03-27T17:39:38","slug":"landschaften-ohne-horizont","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/landschaften-ohne-horizont\/","title":{"rendered":"Kein Horizont auf Schloss Moyland"},"content":{"rendered":"<p>Was passiert eigentlich, wenn man in der Landschaftsfotografie auf den trennenden und definierenden Horizont verzichtet? Man verliert die Orientierung. Und wird gezwungen, genau zu Schauen. Und in dem ein oder anderen Fall lohnt sich das sogar, wie das<strong> Museum Schloss Moyland<\/strong> am Niederrhein nun in einer kleinen, aber dennoch ganz sch\u00f6nen Ausstellung mit dem Titel &#8222;Landschaften ohne Horizont &#8211; Nah und Fern in der zeitgen\u00f6ssischen Fotografie&#8220; zeigt. Bis zum 15. August sind Werke von 15 K\u00fcnstlern zu sehen, die mitunter einen ganz eigenen Stil und\/oder Technik entwickelt haben.<\/p>\n<p>Wie zum Beispiel <strong>Andreas Gefeller<\/strong>. F\u00fcr seine spektakul\u00e4r unspektakul\u00e4ren Aufsichten steht die Kamera auf einem Stativ, dessen Fu\u00df er sich gegen den Bauch stemmt. Auf diese Art &#8222;scannt&#8220; er den Boden (oder wahlweise auch den Himmel) vor sich und setzt aus Hunderten Einzelaufnahmen ein Bild zusammen, das einen Blick wie aus einem Hei\u00dfluftballon suggeriert, es aber definitiv nicht ist &#8211; denn alles, was h\u00f6her als zwei Meter ist, verschwindet auf seinen vermeintlichen Luftbildern: Baumkronen zum Beispiel. Oder Decken von Wohnungen, so dass die Bilder aussehen wie architektonische Grundrisse &#8211; nur in real.<\/p>\n<p>Ebenfalls sehr charakteristisch und innovativ f\u00fcr die Landschaftsfotografie sind die Bilder von <strong>Miklos Ga\u00e1l<\/strong>. Mit seinen extremen Unsch\u00e4rfen der Gro\u00dfformatkamera wirken der urbane Raum und vor allem die Menschen darin wie Modelllandschaften. Umgekehrt ist es bei <strong>Thomas Wrede<\/strong> zu bestaunen: Er setzt Modelle von H\u00e4usern in die Landschaft, und Steine werden pl\u00f6tzliche zu riesigen Gebirgen &#8211; die eben noch sch\u00f6ne Natur bekommt etwas Bedrohliches, weil sich die Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse verschieben.<\/p>\n<p>Interessant sind auch die Arbeiten von<strong> Walter Niedermayr<\/strong> und<strong> Timm Ulrichs<\/strong>: W\u00e4hrend Niedermayr winzige Skifahrer in den schneebedeckten Bergen zeigt, pr\u00e4sentiert uns Ulrichs als einziger in der Ausstellung dann doch noch einen Horizont: Nur mit dem Unterschied, dass er gar keine Landschaft fotografiert, sondern lediglich das Ende eines belichteten Kleinbildfilmes verwendet hat: Die ausgefranste Kante wirkt stark vergr\u00f6\u00dfert wie eine abstrakte Landschaft im Sonnenuntergang.<\/p>\n<p>Durch und durch real sind hingegen die Aufnahmen von <strong>Daniel Gustav Cramer<\/strong> &#8211; seine Bilder von W\u00e4ldern aus der ganzen Welt sind klein und unauff\u00e4llig, aber voller stiller Poesie und technisch einwandfrei. In der Ausstellung haben die mir vielleicht sogar am besten gefallen. Direkt danach kamen die Bilder von unterirdischen Steinaufwerfungen von<strong> Naoya Hatakeyama<\/strong> &#8211; in ihrer fast surrealen Romantik erinnerten sie mich an das &#8222;Eismeer&#8220; <strong>Caspar David Friedrichs<\/strong>.<\/p>\n<p>Einen Blick ins den Ausstellungskatalog sollte der Besucher \u00fcbrigens auch werfen &#8211; allein schon deshalb, weil die Arbeit des Chinesen <strong>Zhao Liang<\/strong> meiner Meinung nach dort viel klarer und besser her\u00fcber kommt. F\u00fcr die Ausstellung hat er seine Bilder von dreckigem Wasser auf Reispapier aufgezogen. Damit erinnern sie zwar an den Stil traditioneller chinesischer Landschaftsmalerei, allerdings s\u00e4uft die Farbe auf dem Papier regelrecht ab und das eigentliche Bild ist mitunter nur sehr schwer zu erkennen. Da haben mich die Arbeiten seines Landsmannes <strong>Yao Lu<\/strong>, die ich auf der<a href=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/?p=1008\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Paris Photo<\/a> gesehen habe und die inhaltlich wie formell sehr \u00e4hnlich sind, deutlich mehr \u00fcberzeugt.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-2251 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"753\" src=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/02_andreas_gefeller_ot_rasen1.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-2253\" srcset=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/02_andreas_gefeller_ot_rasen1.jpg 741w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/02_andreas_gefeller_ot_rasen1-123x150.jpg 123w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/02_andreas_gefeller_ot_rasen1-329x400.jpg 329w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-2253'>\n\t\t\t\tAndreas Gefeller, Ohne Titel (Rasen 1), 2002, Lightjetprint, Diasec, 152 x 125 cm \u00a9 Andreas Gefeller, Courtesy Thomas Rehbein Galerie, K\u00f6ln\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"304\" src=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/04_hatakeyama_CT4414.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-2255\" srcset=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/04_hatakeyama_CT4414.jpg 1000w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/04_hatakeyama_CT4414-200x98.jpg 200w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/04_hatakeyama_CT4414-400x196.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-2255'>\n\t\t\t\tNaoya Hatakeyama, Ciel Tomb\u00e9 #4414, 2007, Lambda-Print, 49 x 100 cm \u00a9 Naoya Hatakeyama, Courtesy Taka Ishii Gallery, Tokyo\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"786\" src=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/05_thomas_wrede_bergrutsch.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-2256\" srcset=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/05_thomas_wrede_bergrutsch.jpg 710w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/05_thomas_wrede_bergrutsch-118x150.jpg 118w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/05_thomas_wrede_bergrutsch-315x400.jpg 315w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-2256'>\n\t\t\t\tThomas Wrede, Bergrutsch, 2005, Digital C-Print, Diasec, Ed. 5 + 2 AP, 180 x 150 cm \u00a9 VG Bild-Kunst, Bonn 2010, Courtesy Galerie WAGNER + PARTNER, Berlin\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"496\" src=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/01_zhao_liang_water-9.jpg\" class=\"attachment-large size-large\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-2252\" srcset=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/01_zhao_liang_water-9.jpg 900w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/01_zhao_liang_water-9-187x150.jpg 187w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/01_zhao_liang_water-9-400x320.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-2252'>\n\t\t\t\tZhao Liang, Water, 2006, Pigment-Print auf Reispapier, Ed. 6, 110 x 137,5 cm \u00a9 Zhao Liang, Courtesy L.A. Galerie &#8211; Lothar Albrecht, Frankfurt am Main\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was passiert eigentlich, wenn man in der Landschaftsfotografie auf den trennenden und definierenden Horizont verzichtet? Man verliert die Orientierung. Und wird gezwungen, genau zu Schauen. 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