{"id":20761,"date":"2009-07-22T21:59:39","date_gmt":"2009-07-22T19:59:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/?p=20761"},"modified":"2019-03-29T16:21:44","modified_gmt":"2019-03-29T15:21:44","slug":"dgph-kulturpreis-fuer-ed-ruscha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/dgph-kulturpreis-fuer-ed-ruscha\/","title":{"rendered":"DGPh-Kulturpreis f\u00fcr Ed Ruscha"},"content":{"rendered":"<p>2006 hat die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Photographie ihren Kulturpreis an <strong>Ed Ruscha<\/strong> verliehen. Der ist gar nicht unbedingt so sehr als Fotograf, sondern vielmehr als Konzeptk\u00fcnstler bekannt. Dennoch ging die Auszeichnung vollkommen zu Recht an den Amerikaner.<\/p>\n<p>Warum, k\u00f6nnt ihr <a href=\"http:\/\/www.artnet.de\/magazine\/kulturpreis-der-dgph-fur-ed-ruscha\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> bei Artnet lesen.<\/p>\n<p><em>Nachtrag: Weil das Artnet-Magazin leider nicht mehr existiert, gibt es meinen Artikel nun hier. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Der Anti-Fotograf<\/span><\/h1>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Eines Vorweg: Ed Ruscha kann nicht fotografieren. Zumindest nicht nach klassischen fotografisch-\u00e4sthetischen Gesichtspunkten. Viele seiner Fotos wirken auf den ersten Blick wie n\u00fcchterne Bestandsaufnahmen, wie sie auch Karl Blossfeld oder Bernd und Hilla Becher gemacht haben. Doch er nimmt weder R\u00fccksicht auf Brennweiten und Bildaufbau noch auf Tageszeiten und Wetter. Kurzum: Es sind Schnappsch\u00fcsse.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Dennoch hat Ruscha nun den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Photographie (DGPh) verliehen bekommen. Die Auszeichnung fand im Museum Ludwig in K\u00f6ln statt, das auch seine Ausstellung \u201eEd Ruscha. Photographer\u201c zeigt. Denn der Pop-Art-K\u00fcnstler von der amerikanischen Westk\u00fcste gilt als Wegbereiter der Konzeptkunst. Sein konzeptioneller Ansatz sei wichtig f\u00fcr eine Neubewertung der Fotografie als Kunst, und er habe \u201ein hohem Ma\u00df dazu beigetragen, dass sich k\u00fcnstlerische Arbeit mit Fotografie etablieren konnte. Gleichzeitig ist er Wegbereiter und Revolution\u00e4r f\u00fcr eine ganze Generation j\u00fcngerer K\u00fcnstler\u201c, begr\u00fcndet die DGPh die Verleihung.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Der 1937 im Omaha, Nebraska, geborene Ruscha geh\u00f6rt durch seine Auseinandersetzung mit B\u00fcchern, Film und Grafikdesign zu einem der einflussreichsten Protagonisten amerikanischer Gegenwartkunst. Zwischen 1963 und 1978 ver\u00f6ffentlichte er 16 K\u00fcnstlerb\u00fccher, die ebenso legend\u00e4r wie unpr\u00e4tenti\u00f6s sind. Das Buch \u201eTwentysix Gasoline Stations\u201c zeigt genau das, was der Titel verspricht: 26 Tankstellen. Nicht mehr und nicht weniger. Das Buch brachte Ruscha damals im Eigenverlag heraus, und es kostete vier Dollar. Heute kann man es im Internet bestellen \u2013 die Erstauflage kostet so viel wie ein Kleinwagen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">F\u00fcr das Leporello \u201eEvery Building on The Sunset Strip\u201c fotografierte Ruscha mit einer auf der Ladefl\u00e4che seines Pick-ups installierten Nikon alle Geb\u00e4ude entlang des Stra\u00dfenabschnitts, klebte die Fotos anschlie\u00dfend zusammen und schuf eine Art Panorama, in denen er es mit den Schnittstellen allerdings nicht sonderlich genau nahm. F\u00fcr sein Buch \u201eThirtyfour Parking Lots in Los Angeles\u201c engagierte er sogar einen Berufsfotografen, der die Parkpl\u00e4tze vom Hubschrauber aus fotografierte.<\/span><\/p>\n<h2>Auf der deutschen Version von Wikipedia existiert bis heute kein Eintrag<\/h2>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Sich selbst sieht Ruscha somit auch eher als Maler und Zeichner. Seine Arbeiten werden f\u00fcr Millionen gehandelt, doch Stefan Gronert vom Kunstmuseum Bonn meinte in seiner Laudatio \u00fcber ihn: \u201eEd Ruscha ist ein K\u00fcnstler, dessen Name bekannter ist als sein Werk.\u201c Selbst das ist noch schmeichelnd ausgedr\u00fcckt. Selbst der Pressesprecher der DGPh, Hans-G\u00fcnther von Zydowitz, gibt zu, den Namen Ruscha erstmals geh\u00f6rt zu haben, als dar\u00fcber diskutiert wurde, ihm den Preis zu verleihen. Und auf der deutschen Version von Wikipedia existiert bis heute kein Eintrag unter seinem Namen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Eigentlich wollte die DGPh Ruscha bereits 2005 mit ihrem Kulturpreis auszeichnen. Der konnte damals allerdings aus terminlichen Gr\u00fcnden nicht und so verschob man das ganze auf dieses Jahr. Die Wanderausstellung \u201eEd Ruscha. Photographer\u201c, die unabh\u00e4ngig von der Preisverleihung in New York, Paris, Z\u00fcrich und jetzt eben in K\u00f6ln Station machte, kam der Jury dabei durchaus zu Nutzen, bildet sie doch einen wunderbaren Rahmen, um den einflussreichen K\u00fcnstler in Deutschland bekannter zu machen. Und der befindet sich durchaus in guter Gesellschaft \u2013 schlie\u00dflich z\u00e4hlen zu den Kulturpreistr\u00e4gern auch bekannte Gr\u00f6\u00dfen wie August Sander, Man Ray, Henri Cartier-Bresson, Bernd und Hilla Becher, David Hockney, Andreas Feininger, Wim Wenders und Daido Moriyama. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">Verliehen wird der Preis seit 1959. Er zeichnet \u201eLeistungen aus, die mit Hilfe der Fotografie erzielt wurden, insbesondere auf k\u00fcnstlerischem, humanit\u00e4rem, caritativem, sozialem, technischem, erzieherischem oder wissenschaftlichem Gebiet.\u201c Die DGPh selbst wurde 1951 gegr\u00fcndet und hat ihren Sitz in K\u00f6ln. Sie will ein offenes Forum f\u00fcr alle an der Fotografie interessierten sein und ist in die Sektionen \u201eBild\u201c, \u201eBildung und Weiterbildung\u201c, \u201eGeschichte und Archive\u201c, \u201eKunst, Markt und Recht\u201c, \u201eMedizin- und Wissenschaftsfotografie\u201c sowie \u201eWissenschaft und Technik\u201c gegliedert. Kritiker bel\u00e4cheln die Gesellschaft allerdings als <\/span><span style=\"font-family: Arial, sans-serif;\">\u201elangweilige, alte Dame, die nicht mit der Zeit geht\u201c, wie Pressesprecher von Zydowitz sagt \u2013 und dies nat\u00fcrlich abstreitet. So spiele die digitale Fotografie mit all ihren Problemen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die DGPh eine wichtige Rolle. Au\u00dferdem habe sie einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Einfluss auf die Hochschulen des Landes.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_20757\" style=\"width: 729px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-20757\" class=\"size-full wp-image-20757\" src=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Ed-Ruscha-03.jpg\" alt=\"\" width=\"719\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Ed-Ruscha-03.jpg 719w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Ed-Ruscha-03-108x150.jpg 108w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Ed-Ruscha-03-288x400.jpg 288w, https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Ed-Ruscha-03-210x292.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 719px) 100vw, 719px\" \/><p id=\"caption-attachment-20757\" class=\"wp-caption-text\">Ed Ruscha hat 2006 den Kulturpreis der DGPh erhalten<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2006 hat die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Photographie ihren Kulturpreis an Ed Ruscha verliehen. 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