{"id":12179,"date":"2013-05-11T20:57:22","date_gmt":"2013-05-11T18:57:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/?p=12179"},"modified":"2019-03-25T11:54:32","modified_gmt":"2019-03-25T10:54:32","slug":"fotonovelas-von-george-friedman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.damianzimmermann.de\/blog\/fotonovelas-von-george-friedman\/","title":{"rendered":"&#8222;Fotonovelas&#8220; von George Friedman"},"content":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich noch gut an die Foto-Lovestories aus der Bravo, diese comicartigen Geschichten mit Fotografien statt Illustrationen. Die waren damals schon schlecht produziert, und gerade habe ich mich davon \u00fcberzeugt, dass sich daran bis heute nichts ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Mit dieser Billig-Variante des Fotoromans haben die Fotonovelas von <strong>George Friedman<\/strong> allerdings nichts gemein &#8211; seine Inszenierungen sind im wahrsten Sinne des Wortes &#8222;ganz gro\u00dfes Kino&#8220;. Der 1910 als <strong>Gy\u00f6rgy Friedmann<\/strong> geborene Ungar arbeitete als Kameramann bei Filmproduktionen in London und Hollywood sowie als Fotograf f\u00fcr diverse Magazine wie Vu, Paris Match, Time und Life bevor er 1939 nach Buenos Aires zog. Dort gr\u00fcndete er in den 50er Jahren die lose Fotografengruppe &#8222;La Carpeta de los Diez&#8220; (&#8222;Die Gruppe der Zehn&#8220;) mit, die einen gro\u00dfen \u00e4sthetischen Einfluss auf die argentinische Fotografie hatte. Friedman (der \u00fcbrigens seinen Landsmann <strong>Andr\u00e9 Friedman<\/strong> dazu gebracht haben soll, sich in <strong>Robert Capa<\/strong> umzubenennen, um nicht l\u00e4nger mit ihm verwechselt zu werden) stand auf der einen Seite in der humanistischer Tradition, wurde von Edward Steichens &#8222;Family of Man&#8220;-Ausstellung gepr\u00e4gt und fotografierte das Leben einfacher Menschen wie Minenarbeiter und Gauchos. Auf der anderen Seite war er aber auch ein gro\u00dfartiger Inszenierer, Auftrags- und Publikumsfotograf, der seine Erfahrungen als Spielfilm-Kameramann nutzte, um Fotos auf hohem technischen und gestalterischen Niveau f\u00fcr eben jene Fotonovelas zu produzieren.<\/p>\n<p>Aber das Genre war f\u00fcr ihn mehr als blo\u00df ein Broterwerb &#8211; auch in seinem k\u00fcnstlerischen Schaffen setzte sich Friedman mit dem Medium dieser Popkultur auseinander. Dabei schuf er Bilder, die nicht einfach blo\u00df an Filme erinnern sollen wie es etwa <strong>Cindy Sherman<\/strong> mit ihren &#8222;Untitled Film Stills&#8220; tat (und die ich f\u00fcr nicht einmal besonders gut gelungen halte), sondern die der Leinwand geradezu entsprungen zu sein scheinen &#8211; Filmstills im w\u00f6rtlichen Sinne also.<\/p>\n<p>Das <strong>Forum f\u00fcr Fotografie<\/strong> in K\u00f6ln zeigt noch bis zum 30. Juni eine Auswahl dieser Fotografien, und ich habe es sehr genossen, zwischen ihnen zu wandeln, sie zu betrachten und mich zu wundern. Zu wundern \u00fcber die Wirkung, die Pr\u00e4zision, die Technik. Was zeichnet die Fotografien aus, was ist ihr Geheimnis, warum funktionieren sie als Filmstills besser als die Fotos von eben Cindy Sherman oder auch <strong>Gregory Crewdson<\/strong>, der ja nicht nur Fotos macht, die wie Filmszenen aussehen, sondern der sie ja auch genauso aufw\u00e4ndig inszeniert.<\/p>\n<p>Zwei Gr\u00fcnde habe ich daf\u00fcr gefunden. Zum einen ist es das Licht, dieses mond\u00e4ne Filmlicht der fr\u00fchen Hollywood-Jahre, das nicht gespenstisch wirkt wie bei Crewdson, sondern glamour\u00f6s. Das von irgendwo her zu kommen scheint und das keinen zus\u00e4tzlichen Aufheller ben\u00f6tigt, der alles weichsp\u00fclt. Das deshalb auch tiefe Schatten verursacht, die man als heutiger Betrachter sofort mit den &#8222;guten alten Zeiten&#8220; von Hollywood verbinden, in denen M\u00e4nner noch M\u00e4nner und Frauen noch Frauen waren. Zumindest auf der Leinwand.<\/p>\n<p>Der andere Grund, warum diese Bilder so gut funktionieren, ist schlicht die hervorragende Regie Friedmans. Er fotografiert die Fotos nicht wie Fotos, sondern wie Filme. Die Menschen scheinen tats\u00e4chlich zu agieren und nicht f\u00fcr den Fotoapparat in einer plakativen Schl\u00fcsselszene zu erstarren. Das klingt banal, macht aber den entscheidenen Unterschied. Diese Mischung aus der K\u00fcnstlichkeit des Lichts und der Authentizit\u00e4t der Bewegung\u00a0 und Handlung macht den Reiz aus, l\u00e4sst die Bilder lebendig werden und sie Geschichten erz\u00e4hlen. Diese Wirkung ist so stark, dass den meisten Betrachtern wahrscheinlich erst auf den zweiten Blick (oder auch gar nicht) auff\u00e4llt, dass der Gro\u00dfteil der Fotos Hochformate sind, womit es ja schon per se kein Filmstill sein kann.<\/p>\n<p>In der Ausstellung kann man \u00fcbrigens auch sehen, was passiert, wenn einer dieser beiden Aspekte fehlt. Dann wird das Bild entweder zum Modefoto oder zur Reportage. Die sind dann noch immer gut, aber es fehlt der Zauber, das gewisse Etwas. Und wer sehen will, was passiert, wenn man weder die eine noch die andere Zutat ber\u00fccksichtigt, der kann sich ja die Foto-Lovestories in der Bravo anschauen.<\/p>\n<p>Link: <a href=\"http:\/\/www.forum-fotografie.info\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Forum f\u00fcr Fotografie<\/a><\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 100%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-12179 gallery-columns-1 gallery-size-large'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"620\" height=\"816\" 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