„High Hopes“ von Vitus Saloshanka

Beim Fotobook Festival in Kassel hatte mir Vitus Saloshanka erstmals von seiner Arbeit „High Hopes“ erzählt, mit dem er seit 2010 die Entwicklung im Vorfeld der Olympischen Winterspiele von Sotschi dokumentiert hat. Es ist damit ähnlich wie The Sochi Project von Rob Hornstra und Arnold van Bruggen ein Langzeitprojekt zu diesem Thema, allerdings konzentriert sich Saloshanka vor allem auf die Orte entlang der neuen Verbindungsstraße zwischen Sotschi und Adler, die zu den teuersten Straßen der Welt gezählt wird, während Hornstra/van Bruggen die gesamte Region mit ihrem ungeheuren Konfliktpotential in „Slow Journalism“-Manier bereist haben.

Mittlerweile ist Saloshankas Buch in einer 150er Auflage im Eigenverlag erschienen (96 Seiten, 39 Euro) und auf dem SCHAU-Festival in Dortmund konnte ich mir eines der letzten Exemplare sichern. Es ist angemessen schlicht, aber dennoch elegant gestaltet – beispielsweise hat der kartonartige Schutzumschlag eine Prägung mit den Olympischen Ringen, die sehr schön verdeutlicht, dass sich die mit den Spielen verbundenen Hoffnungen der Bevölkerung bereits im Verblassen befinden. Denn ähnlich wie beim Sochi-Project merkt der Betrachter schnell, dass die Einwohner selbst nichts von den Milliardensummen, die in Sotschi ausgegeben wurden, abbekommen. Dafür aber eine Menge Umweltzerstörung und -verschmutzung durch die zahlreichen Großbaustellen.

Dennoch unterscheidet sich Saloshankas Arbeit stark von der Rob Hornstras. In „High Hopes“ sehen wir ein fotografisches Essay, konzentriert auch auf die jüngere Generation. Die Personen in Saloshankas Porträts wirken durch das rein natürliche Licht in sich gekehrter, nachdenklich und teilweise nicht wirklich anwesend, während Hornstra seine Protagonisten fast immer in die Bildmitte und in das für ihn typisches Blitzlicht setzt und die Personen fast immer direkt in die Kamera schauen, was diese unheimlich präsent erscheinen lässt. Wenn Saloshanka wie ein stiller Begleiter auftritt, wirkt Hornstra daneben wie ein Inszenierer.

Beim PhotoIreland Festival, das am 2. Juli eröffnet wird, werden „High Hopes“ und „The Sochi Project“ erstmals gemeinsam zu sehen sein.

Link: Vitus Saloshanka, PhotoIreland