Die Selbstinszenierungen der Tina Hage

In Zeiten von Corona und Maskenpflicht bekommt die Arbeit „Gestalt“ von Tina Hage eine neue Aktualität und Bedeutungsebene, zeigt sie doch komplett verhüllte Menschen. Allerdings wirken diese Gesichtsmaskierungen merkwürdig verspielt und improvisiert, denn meist bestehen sie einfach nur aus zweckentfremdeten Kleidungsstücken wie Jacken, Pullover oder Schals, die sich ihre Protagonisten komplett um den Kopf gewickelt oder gelegt haben, um sich – ja, vor was eigentlich? – zu schützen? Vor dem Corona-Virus sicherlich nicht, denn dann müssten sie ihre Augen nicht bedecken.

In ihrer Serie „The One That Couldn’t Get Away“ sehen wir scheinbar eine Gruppe von Männern, die sich auf einen unsichtbaren Gegenstand auf dem Fußboden geworfen haben, so dass nur noch ihre Beine aus dem Knäulen herausragen. Doch warum tragen sie alle Business-Anzüge und warum stehen andere Männer um sie herum?

Seit Jahren beschäftigt sich Tina Hage mit Fotografien und Darstellungen in Medien und anderen Publikationen, nimmt diese als Vorlage und inszeniert diese oft eins zu eins in ihrem Studio nach – mit sich selbst als Modell. Dabei findet sie teilweise absurde Rituale wie das „Pancake Greaze“ der elitären Westminster School oder eben Demonstranten, die ihre Gesichter verhüllen und in immer ähnlichen Posen fotografiert werden.

Meine Besprechung ihrer aktuellen Ausstellung in der Thomas Rehbein Galerie ist im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen und gibt es hier als PDF. Die Ausstellung selbst ist noch bis zum 21. August 2021 zu sehen.

Links: Tina Hage, Thomas Rehbein Galerie