„About the days ahead“ von Ingmar Björn Nolting

Natürlich durfte in der neuen L. Fritz-Ausgabe zum Thema „Krise in der Fotografie“ auch die Corona-Pandemie nicht fehlen. Doch ich musste lange überlegen, welche Arbeit ich vorstellen wollte, da natürlich zahlreiche Fotografen auf der ganzen Welt daran gearbeitet haben. Eine Weile habe ich mit der fantastischen Serie „The Border on the Blanket“ des Basler Fotografen Roland Schmid geliebäugelt: Er hat Liebespaare und Freunde fotografiert, die sich während des ersten Lockdowns nur an der „grünen Grenze“ zwischen Deutschland und der Schweiz treffen konnten – beide Personen blieben dabei auf ihren eigenen Staatsgebieten, die durch einen Zaun, Gitter oder auch nur ein Flatterband voneinander getrennt waren. Doch so packend und emotional ich Schmids Arbeit finde (er gewannt mit ihr den zweiten Platz beim World Press Photo Award): Als einzige Corona-Arbeit im L. Fritz war sie mir dann doch zu sehr auf dieses eine Thema fokussiert.

Ich suchte aber nach einer Position, die die Pandemie allgemeiner und umfangreicher dokumentierte und fand schließlich das Langzeitprojekt „About the days ahead“ des jungen deutschen Fotografen Ingmar Björn Nolting. Immer wieder fuhr der Leipziger mit seinem VW-Polo quer durch die Republik und fotografierte die unterschiedlichsten Aspekte und Ereignisse – von den riesigen Messehallen mit Krankenhausbetten über ländliche Hausarztbesuche und Karfreitagsgottesdienste auf einem Parkplatz bis zum Scence-Fiction-Zahnarzt. Und siehe da: Sogar ein Motiv aus dem Grenzgebiet Deutschland-Schweiz gehörte zur Serie.

Mehr als 25.000 Kilometer hat Ingmar zurückgelegt. Den Hauptteil zwar während des ersten Lockdowns, aber er war auch danach und während der zweiten und dritten Welle immer wieder unterwegs, fotografierte die Querdenker-Demonstrationen, Strandurlauber an der Ostsee und Impfaktionen. Seine unglaublich umfangreiche Betrachtung des Themas begeisterte mich genauso wie seine Bildsprache und -ästhetik mit der leichten Überbelichtung und den Verzicht auf komplett dunkle und helle Bereiche, was seinen Fotos etwas fast surreal reales geben.

Meine Besprechung seiner Arbeit im L. Fritz könnt ihr hier als PDF lesen.

Links: Ingmar Björn Nolting, Roland Schmid