Pimp the Timp + 3. Photoszene-Wochenende

Das dritte Wochenende der 21. Internationalen Photoszene Köln steht vor der Tür und hat wieder einiges zu bieten: Jessica Backhaus, Ciro Lauria, Susanne Pareike, Annette Völckner, die Meisterklasse Fotografie der Fachhochschule Dortmund, die Fotogruppe 7vonSieben sowie der Schriftsteller Jürgen Becker zeigen ihre Arbeiten.

Highlight des Wochenendes dürfte allerdings die zweite Ausgabe des außergewöhnlichen Ausstellungsprojektes “Pimp the Timp” sein, das bereits 2010 für einen Überraschungserfolg und lange Warteschlangen am Kölner Heumarkt sorgte. Dieses Mal liegt der Schwerpunkt auf China und Kuratorin Tina Schelhorn zeigt 45 Fotografen aus 13 Ländern wie beispielsweise Wang Qingsong, Liu Jin, Kurt Tong (den ich gerade erst beim London Festival of Photography gesehen habe), Ferit Kuyas, Katharina Hesse, Chili, Tatsumi Orimoto, Sherman Ong, Torben Höke, Michael Christopher Brown , Steven Benson, James Whitlow Delano, Frank Silberbach, Giulio Di Sturco und Wolfgang Zurborn.

Meine ausführliche Ankündigug von “Pimp the Timp Volume II” sowie die Vernissage-Tipps fürs Wochenende gibt es hier als PDF.

Link: Pimp the Timp, 21. Internationale Photoszene Köln

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“Theatre of Real Life” in der Galerie Lichtblick

Für den Fotografen, Galeristen und Dozenten Wolfgang Zurborn gibt es keine Fotografie, die die Wirklichkeit objektiv abbildet und damit die “Wahrheit” sagt. Eine Fotografie sei auch immer eine persönliche Konstruktion der Welt – und somit eine Inszenierung. In der von ihm und Tina Schelhorn vor einem Jahr gegründeten Lichtblick School haben sich die 17 Teilnehmer seiner beiden sechsmonatigen Seminare “The Theatre of Real Life” auf die Suche nach ihrer eigenen fotografischen Wahrheit gemacht und die Ergebnisse nun in einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert.

Die Bandbreite reicht dabei von sehr persönlichen Erfahrungen, wie sie Bogi Bell während eines Krankenhaus-Aufenthaltes in düsteren und stark vignettierten Schwarzweißbildern festgehalten hat (”Agatha – a personal leg”) und geht bis zum scheinbar neutralen Architekturfotografen Wolfgang Sümmermann, der die mitunter absurde Ordnung eines Parkhauses interpretiert (”Kein Winterdienst”). Diese extrem gegensätzlichen Positionen veranschaulichen vielleicht am deutlichsten, wie frei der Seminartitel ausgelegt werden kann, ohne deshalb beliebig zu wirken. In der Ausstellung werden sie deshalb auch gemeinsam präsentiert, während die übrigen 15 Positionen die Bandbreite eher differenzieren.

Da wäre beispielsweise Peter Susewind mit seiner Serie “Zustände”, die als kleine, aber feine Wandinstallation aus Einzelbildern und Gegenüberstellungen hervorragend funktioniert: Der Wandverputzer behauptet sich neben dem verhüllten Motorrad und die Interieur-Aufnahme mit einem alten Fernseher gegen die Palme, die ein wenig an eine Trauerweide erinnert. Werner Mansholts “Senegal”-Serie lässt hingegen auf einen starken Einfluss durch Magnum-Fotograf Alex Webb schließen: Der Titel “Theatre of Real Life” trifft vielleicht auf niemanden so gut zu wie auf seine Aufnahmen, die tatsächlich wie Theaterfotografien wirken, nur, dass er eben keine Bühneninszenierung, sondern im westafrikanischen Alltag fotografiert hat.

Keine einheitliche Bildsprache hat die Serie “Esperanto” von Linn Phyllis Seeger – dafür aber eine klare Handschrift. Die poetisch-surrealen Aufnahmen stammen von Reisen durch ganz Europa, verlieren sich in Spiegelungen und finden sich in beiläufigen Entdeckungen wieder. Seegers Bilder wirken auf den ersten Blick wie Schnappschüsse, sind aber dennoch klar gestaltet. Mit gleich zwei Serien dabei ist zudem “The Sonic Blog”-Betreiber Peter Feldhaus: In seinem Langzeitprojekt “Ordentlich Studierende” stellt er Porträts von Studenten Interieuraufnahmen gegenüber, und in “Wilde Gärtner” geht es um das aktuelle Phänomen des “Urban Gardening” als Alternative zum deutschen Schrebergarten.

Weitere Fotografen der Ausstellung sind Eric Alexander, Marion M. Dittmer, Enrico Duddeck, Christine Fischer, Stefan Hammer, Susanne Heincke, Christian Kosfeld, Can Mileva Rastovic, Gottfried Scheel-Häfele, Michael Schoberth und Ortrun Stumpf. Die Ergebnisse sind noch bis zum 29. Januar in der Galerie Lichtblick, Steinbergerstraße 21, zu sehen.

Links: Lichtblick School

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“Street Photography Now”-Ausstellung in Köln

Das im Herbst 2010 erschienene Buch “Street Photography Now” war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und avancierte zum Kultbuch und Standardwerk zugleich. In der Kölner Galerie Lichtblick, die von Wolfgang Zurborn mitbetrieben wird, ist noch bis zum 30. Januar die dazugehörige Wanderausstellung mit Arbeiten von 23 der insgesamt 46 im Buch vertretenen Fotografen zu sehen.

Meine Besprechung aus dem Kölner Stadt-Anzeiger findet ihr hier.

Links: Galerie Lichtblick, Thames & Hudson

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Photoszene: Pimp the Timp

Die Galerie Lichtblick hat gemeinsam mit dem FENZkunstraum und dem Kunstwerk Nippes eine außergewöhnliche Ausstellung auf die Beine gestellt: Zehn Tage lang bespielen die drei Einrichtungen das leerstehende Hotel Timp, in dem 30 Jahre lang täglich Travestie-Shows stattgefunden haben. Der Titel der Ausstellung “Pimp the Timp – Kunst im Etablissement” verrät ein wenig, was den Besucher in den 15 Zimmern, drei Suiten und dem Tanzsaal so alles erwartet: Von erotisch bis pornografisch, von der feinen Komposition bis zum Snapshot ist alles dabei. Dabei ist die Künstlerauswahl mitunter weltklasse, denn zu sehen sind unter anderem Ann Simmons Myers, Antoine D’Agata, Bogi Bell, Edward Weston, Evgenij Mochorev, Frederic Lezmi, Harvey Benge, J. Jackie Baier, Jürgen Wassmuth, Ken Rosenthal, Larry Fink, Michael Grecco, Pelle Kronestedt, Sergio Purtell, Vasil Stanko, Wolfgang Schulz und Wolfgang Zurborn.

Der Eintritt kostet zwar fünf Euro, aber der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Wer mehr wissen möchte, kann sich meinen Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger durchlesen.

Darüber hinaus sind im Ksta auch meine nächsten Tipps mit neuen Ausstellungen während der 20. Internationalen Photoszene Köln erschienen.

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“Fast Daheim” von Daniel Giesen

Der Kölner Daniel Giesen hat gerade sein Buch “Fast Daheim” in der Buchhandlung Schaden.com vorgestellt. Es ist eine Art düster-melancholischer Spaziergang durch die Domstadt und andere (urbane) Landschaften. Sein fotografischer Stil ist dabei insofern sehr interessant, weil Giesen häufig zwischen streng-subjektiven und verwackelten Hipshots mit teilweise verschiedenen Bildebenen auf der einen Seite und sehr klaren, “gestalteten” Fotografien auf der anderen Seite hin und her wechselt. Das stört jedoch nicht, sondern ist im Gegenteil sogar eine Bereicherung für das Buch, das komplett in Schwarzweiß gehalten ist.

Denn insgesamt sind seine Bilder geprägt von einem ständigen Nicht-weiter-kommen, von sich überlappenden Ebenen, Mauern, Zäunen und Fenstern. Und manchmal auch von allem zusammen, wie beim Foto vom Maschendrahtzaun, hinter dem zusätzlich ein Sichtschutz aus Schilfrohr steht. Die einzige Lücke darin wird wiederum von einem Baum gefüllt, so dass es für den Betrachter definitiv kein Durchkommen geben kann. Zur trostlosen “Garnierung” wächst am Boden noch ordentlich Unkraut.

Aber selbst, wenn Giesen einmal zu einer Art “Überblick” ansetzt, verschwindet die Aufnahme im Nebel wie beim Blick vom Drachenfels hinunter auf den Rhein (bei dem ich übrigens einige Sekunden gebraucht habe, um den Ort wiederzuerkennen, obwohl ich erst zwei Wochen vorher noch selbst dort oben stand!). Oder Giesen fotografiert die Weite eines Nordseestrandes – und zwar so, dass die Spaziergänger im Hintergrund genauso groß (oder klein!) wirken die die Muscheln im Vordergrund. Hoffnung sieht irgendwie anders aus, Poesielosigkeit kann man Giesen allerdings nicht vorwerfen.

Gleichzeitig ist der Einfluss von Daido Moriyama auf seine Arbeiten nicht zu übersehen – und in einem Bild “zitiert” Giesen den Japaner auch direkt, indem er das Ausstellungsplakat zur Moriyama-Retrospektive in der SK Stiftung Kultur zeigt. Wieder woanders taucht eine Szene von der “Schaden.com 10+“-Party vor zwei Jahren auf, in der leicht verschwommen der Kölner Fotograf, Galerist und Dozent Wolfgang Zurborn zu erkennen ist, der sicherlich ebenfalls eine fotografische Referenz für Giesen sein dürfte. Über ihm läuft zudem die Diashow von Ken Schles.

Das Buch “Fast Daheim” hat Daniel Giesen im Eigenverlag und mit Unterstützung von Schaden.com herausgebracht, es hat eine Auflage von 300 Stück, kostet 68 Euro und kann sich etwas genauer hier angeschaut werden.

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“Beyond Borders” von Frederic Lezmi

Als mir Frederic Lezmi sein neues Buch “Beyond Borders – From Vienna to Beirut” auf der Paris Photo in die Hand drückte, dachte ich zuerst “Ach, schon wieder ein Leporello” – diese extravagante und irgendwie auch altmodische Buchbindung wird mir in letzter Zeit doch ein wenig zu inflationär eingesetzt. Beim schnellen Durchblättern wurde mir aber sofort klar, dass es eigentlich die einzig denkbare Form ist, um diese Fotostrecke zu präsentieren, geht es doch um eine Reise quer durch Europa bis in den Nahen Osten, auf der die Grenzen zu verschwimmen scheinen. So hat der Betrachter die Möglichkeit, sich die gesamte Reise als elf Meter langen Streifen anzuschauen oder sich in den Details des Faltbuches zu verlieren – und davon gibt es in den insgesamt 32 Arbeiten viele zu entdecken.

Ein ganz Offensichtliches ist – vor allem zu Beginn des Buches – die Nähe zu Wolfgang Zurborn. Kein Wunder – schließlich hat Lezmi dem Kölner Fotografen und Galeristen ein Jahr lang assistiert, bevor er an der Folkwang Hochschule in Essen studierte. Oft fällt es in seinen Bildern schwer, die Orientierung zu bewahren. Geschickt spielt der 1978 geborene Lezmi mit den sich ständig überlagernden und wieder öffnenden Ebenen, Durchbrüchen, Spiegelungen und Gegensätzen. Was ist real, was eine Spiegelung und was bloß eine Fassade? Wie in einem Kaleidoskop überlagern sich die (Re-)Konstruktionen vielfarbiger fragmentarischer Eindrücke, Architekturen und sozialen Lebens – auf der einen Seite kann man sich nicht auf das Gesehene verlassen, auf der anderen Seite sind die Bilder nur selten geografisch zu verorten.

Zwischenzeitlich ändert Lezmi zwar die Bildsprache, quasi als Hinweis für einen Grenzwechsel. Der wird jedoch nur scheinbar vollzogen, denn gleich danach haut er dem Betrachter Absurditäten und neue Überlagerungen “um die Augen”: Kitschige Elefanten und Palmen aus Autoreifen vor dem Parlament in Bukarest wechseln sich mit einer rostenden Miniaturrakete am Straßenrand in der Türkei ab, die ironischerweise genauso aussieht wie das im Hintergrund emporragende Minarett.

Am kommenden Donnerstag, 10. Dezember 2009, 19 Uhr, präsentiert Frederic Lezmi sein Buch, das auf 150 handgefertigte Exemplare limitiert ist und 88 Euro kostet, in der Galerie Lichtblick, Steinberger Straße 21, in Köln-Nippes. Auf die Homepage von Frederic Lezmi kommt ihr hier.

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