“Ages” in der SK Stiftung Kultur

Um die äußere Erscheinung von Dingen, Lebewesen oder Zuständen miteinander vergleichen zu können, bietet sich kein anderes Medium so gut an wie die Fotografie. Gleichzeitig führt uns wohl auch kein anderes unsere eigene Vergänglichkeit so sehr vor Augen, ist doch der Moment der Aufnahme, dieses leise Klicken des Verschlusses, genauso ein akustisch-metaphorisches Signal wie das Ticken einer Uhr, die uns geradezu anbrüllt: “Deine Zeit läuft ab”.

In der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Köln ist aktuell die Ausstellung “Ages – Porträts vom Älterwerden” zu sehen, in der sich 15 meist seriell angelegte Arbeiten mit genau diesem Phänomen auseinandersetzen – unter anderem die von mir sehr geliebten Serien “The Brown Sisters” von Nicholas Nixon und “Almerisa” von Rineke Dijkstra sowie Positionen von Richard Avedon, Christian Borchert, Seiichi Furuya, Stefanie Grebe, Roni Horn, Wilma Hurskainen, Anna Jermolaewa, Friedl Kubelka, Andreas Mader, Michael Mauracher, Roman Opalka, Helga Paris und Thomas Struth. Die sind mal dokumentarisch-nüchtern (z.B. bei Friedl Kubelka), meist jedoch sehr emotional – kein Wunder, schließlich geht es beim Älterwerden immer auch um unsere eigene Vergänglichkeit.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Juli in der SK Stiftung Köln zu sehen, im November wird “Ages” dann in der Landesgalerie Linz gezeigt. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen (168 Seiten, 25 Euro).

Meine ausführliche Besprechung aus der aktuellen Photonews gibt es hier.

Link: SK Stiftung Kultur

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Friederike von Rauch im Forum für Fotografie

“Sleeping Beauties” nennt Friederike von Rauch ihre aktuelle Serie, für die sie seit 2011 in unterschiedlichen Museen in Europa fotografiert. Mit den Museumsfotografien eines Thomas Struth haben ihre Arbeiten allerdings wenig gemein – das fängt schon damit an, dass sie die Räume außerhalb der Öffnungszeiten und entsprechend auch ohne Besuchermassen fotografiert. Häufig ist die Kunst selbst auch gar nicht auf den Bildern zu sehen, sondern bloß die Leerstellen, die sie hinterlassen, wenn sie für Wartungs- oder Restaurierungsarbeiten entfernt worden sind. Oder von Rauch fotografiert die Objekte in Folien oder Papier eingepackt, so dass man nur ahnen kann, welche Schätze sich möglicherweise unter den abstrakten Formen verbergen mögen.

Durch meist nur enge Bildausschnitte, ihr feines Gespür für die Gestaltung von Flächen und das Spiel mit dem vorhandenen Licht gelingen Friedrerike von Rauch poetische, verträumte und sehr persönliche Ansichten, die zudem in der Präsentation mit dem Baumwollpapier und der hervorragenden Schattenfugen-Rahmung eine weitere Ebene finden: Ihre Fotografien wirken fast wie Malerei, die auf ihnen ja eigentlich fehlt. Es geht also gleich in doppelter Hinsicht um Wahrnehmung und Interpretation von Wirklichkeit.

Die Ausstellung ist noch bis zum 21. April im Forum für Fotografie zu sehen.

Link: Forum für Fotografie

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Fotobuchrezensionen XIV

In der Spezialausgabe des Kölner Stadt-Anzeiger-Magazins “Bücher – Das Beste zum Fest” habe ich auch wieder vier aktuelle und dabei sehr unterschiedliche Fotobücher vorgestellt: Die Retrospektive “hier weit entfernt” des Finnen Pentti Sammallahti, “Unconscious Places”, in dem Thomas Struth seine Werkgruppe der Straßen- und Stadtansichten vereint, “America” mit Panorama-Fotografien von Horst Hamann sowie eine opulente Blumen- und Pflanzen-Enzyklopädie von Makoto Azuma und Shunsuke Shiinoki.

Meine Besprechung aus dem Kölner Stadt-Anzeiger gibt es hier als PDF.

Links: Kehrer, Schirmer/Mosel, Edition Panorama, Lars Müller Publishers

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Schulprojekt “Eine schrecklich nette Familie”

Nach meinem Lehrer-Debüt vor zwei Jahren habe ich nun erneut im Rahmen des NRW-Landesprogramms Kultur & Schule gemeinsam mit der Kunstpädagogin Anna-Maria Loffredo am Europagymnasium in Kerpen eine Unterrichtseinheit zum Thema “Individuum und Gruppe – Inszenierte Gruppenfotos” durchgeführt. Allerdings mit einem Unterschied: Sollten sich die Schüler damals als Berufsgruppe darstellen, galt es dieses Mal, eine fiktive Familie zu repräsentieren.

Als fotografische Referenzen habe ich den Schülern erneut Annie Leibovitz‘ bekanntes Bild von George W. Bush und seiner Crew sowie die Familienbilder von Thomas Struth und Katharina Mayer vorgestellt und diese mit ihnen intensiv besprochen. Wichtige andere Referenzen waren für uns aber auch Richard Renaldi, Dita Pepe und Nicholas Nixon sowie Gregory Crewdson und Jeff Wall.

Nach zwei Zwischenbesprechungen vor der gesamten Gruppe mussten die fertigen Bilder in dieser Woche abgegeben werden. Da ich sowohl von den Schülern insgesamt als auch von den Ergebnissen der einzelnen Gruppen sehr angetan bin, möchte ich sie hier vorstellen. Zur Erklärung: Es war den Schülern freigestellt, ob sie alleine oder in Gruppen arbeiten und ob sie weitere externe Personen für das Foto dazu holen. Dadurch entstanden insgesamt sieben Bilder, wobei zwei Gruppen zunächst Fotos anfertigten, die als Accessoires im Hintergrund der endgültigen Bilder zu sehen sind.

Auffallend fand ich das Interesse der insgesamt 19 Schüler für problemgeladene Inszenierungen, in denen sich die Familienmitglieder deutlich voneinander distanzieren und häufig isoliert dargestellt und Konflikte non-verbal ausgetragen werden. Lediglich in einem Bild wird die Familie als harmonische und im wahrsten Sinne des Wortes miteinander verwobene Einheit dargestellt – ein sehr außergewöhnlicher Lösungsansatz für das Thema, wie ich finde.

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Das Museum Ludwig und die “Zwischenstadt”

Die Ausstellung “Nachrichten aus der Zwischenstadt” im Museum Ludwig beschäftigt sich mit dem Begriff der Zwischenstadt, den der deutsche Architekt Thomas Sieverts 1995 geprägt hat. Dafür versammelte Kuratorin Barbara Engelbach neben Videos und Skulpturen vor allem jedoch Fotografien von Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky, Thomas Struth, Thomas Ruff, William Eggleston, Joachim Brohm, Peter Piller und Chargesheimer.

Alle gezeigten Arbeiten stammen aus der museumseigenen Sammlung. Warum ich der Meinung bin, dass damit jedoch auch eine Chance vergeben wurde, könnt ihr in meinem Artikel nachlesen, der heute im Ksta erschienen ist.

Link: Museum Ludwig

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Thomas Struth und das Queen-Porträt

Die Nachricht erreichte mich über den Presseverteiler des Schirmer/Mosel-Verlages: Thomas Struth hat das offizielle Porträt von Queen Elisabeth II. zum 60. Jahrestag ihrer Thronbesteigung 2012 fotografiert. Das kommt einem Ritterschlag gleich – vor allem aber ist es eine große Bereicherung für seine Werkgruppe der Familienporträts – schließlich hat er die Queen gemeinsam mit ihrem Mann, Prinz Philip, auf Schloss Windsor abgelichtet.

Meinen Artikel, der als Struth-Porträt angelegt und im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen ist, gibt es hier als PDF.

Link: Schirmer/Mosel

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Jeff Wall im Bozar in Brüssel

Der Kanadier Jeff Wall gehört zu den wichtigsten Fotografen der Gegenwart. In seinen Bildern zitiert er häufig die Kunstgeschichte, ohne dass sie deshalb nüchtern oder akademisch wirken. Vor allem gelingt es ihm meist, dass seine Bilder wie Dokumentationen wirken, tatsächlich aber bis ins kleinste Detail inszeniert sind.

In der großen Ausstellung “The Crooked Path” zeigt der Palast der Schönen Künste – Bozar in Brüssel nun 25 Arbeiten von Jeff Wall und stellt sie 130 Arbeiten anderer Künstler gegenüber, die Wall inspirieren und begleiten – darunter natürlich auch zahlreiche Fotografen wie August Sander, Bernd und Hilla Becher, Hans-Peter Feldmann, Andreas Gursky, Thomas Struth, Stephen Shore, Walker Evans und Robert Frank.

Meine ausführliche Besprechung über diese besondere Ausstellung ist heute im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen und gibt es hier.

Link: Bozar

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“Aftermath” von Jörn Vanhöfen

Für sein Buch “Aftermath” (Hatje Cantz Verlag, 148 Seiten, 58 Euro) ist Jörn Vanhöfen um den gesamten Erdball gereist und hat Orte aufgesucht, die sich verändern oder an denen sich vorhergegangene Veränderungen zeigen lassen – wobei Veränderungen hier immer eine negative Konnotation hat, schließlich geht es in seinen häufig verstörenden und beängstigenden Bildern um menschliche Hinterlassenschaften. Es sind Orte, die einmal ein Symbol für Fortschritt und Entwicklung waren und heute leer stehen und verfallen wie der niederländische Pavillon auf dem Expo-Gelände in Hannover oder das fensterlose Backsteingebäude in der ehemaligen Autostadt Detroit, vor dem schwarze Limousinen wie Teilnehmer eines Trauerzuges stehen. Es sind aber auch Industriebrachen und Müllhalden, nuklear oder chemisch verseuchte Landschaften  oder menschenfeindliche, urbane Ballungsräume.

Leider liegt genau da die Schwäche von “Aftermath”. Vanhöfen sind zweifelsohne großartige Fotografien „vom Zustand unserer Welt“ gelungen, aber er spannt den ganz großen Bogen – und will dadurch vielleicht ein bisschen zu viel. Während sich Edward Burtynsky mit “Oil” auf den Weg des Erdöls von der Förderung über die Weiterverarbeitung und den Konsum bis zur Entsorgung konzentriert, Pieter Hugo mit „Permanent Error“ den brutalen Alltag auf einer einzige Müllhalde für Elektroschrott in Agbogbloshie in Ghana zeigt und Georg Aerni in „Sites & Signs“ den Einfluss von Architektur auf unser Leben darstellt, sensibilisieren sie den Betrachter gleichzeitig für diese Themen. Der 1961 in Dinslaken geborene Vanhöfen greift hingegen zu viele komplexe Themen auf einmal auf und springt mit ihnen hin und her. Dadurch entstehen zwar gute Querverbindungen, sorgen aber auch für ein Gefühl, dem Einzelnen nicht gerecht werden zu können. Im Grunde hätte er aus „Aftermath“ auch zwei oder drei Bücher machen können. Oder müssen.

Hinzu kommt, dass mich einige Bilder stark an Arbeiten anderer erinnern. Das liegt meist natürlich am nüchternen New Topographics-Blick, der nun einmal weit verbreitet ist. Manchmal liegt es aber auch daran, dass ich manche Motive nahezu genauso schon woanders gesehen habe. So hat Vanhöfen ein Haus unter einer Brücke in Zürich abgelichtet, das Georg Aerni bereits sieben Jahre zuvor (besser) fotografiert hat. Ein sehr ähnliches Foto, das ebenfalls im Buch vorkommt, hat Vanhöfen übrigens bereits 2005 in Duisburg aufgenommen. Und sein Bild Asok #797 von 2010 erinnert gleich in mehreren Details an Thomas Struths “Samsung Apartments”, die er 2007 in Seoul fotografiert hat. Insofern ist meine anfängliche Begeisterung für “Aftermath” dann leider doch einer gewissen Ernüchterung gewichen.

Links: Hatje Cantz

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Thomas Struth: Fotografien 1978 bis 2010

Im K20 der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf wurde Ende vergangener Woche die große Retrospektive von Thomas Struth eröffnet. Mehr als 100 Arbeiten aus drei Jahrzehnten sind in zwei Hallen zu sehen – darunter natürlich seine Museumsfotografien und die Familienporträts, aber auch seine Werkgruppe “Paradise” mit den Dschungelbildern, alte und neuere Straßenansichten, die Reihen “Unconscious Places” und “Kultstätten” sowie seine aktuelle Serie, für die er sich technologischen Sujets und der Visualisierung des Fortschrittsgedankens widmet.

Meine ausführliche Besprechung könnt ihr bei Artnet nachlesen.

Link: Kunstsammlung NRW

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“Der rote Bulli” im NRW-Forum

Das Düsseldorfer NRW-Forum zeigt noch bis zum 16. Januar 2011 die Ausstellung “Der rote Bulli – Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie”. In der von Christoph Schaden kuratierten Schau geht es um den Einfluss, den Stephen Shore mit seinen Farbfotografien auf die Studenten von Bernd und Hilla Becher hatte – und der kann ganz offensichtlich gar nicht groß genug eingeschätzt werden. Für mich ist die Ausstellung jedenfalls die wichtigste, die ich in diesem Jahr gesehen habe, weil sie ein abgegrastes Thema wie die Becher-Klasse in einen neuen, spannenden und vor allem einleuchtenden Zusammenhang bringt.

Meine ausführliche Besprechung dazu ist heute in der taz erschienen.

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