“Mit anderen Augen” in K√∂ln und Bonn

Ich habe mich sehr auf die Doppelausstellung ‚ÄěMit anderen Augen‚Äú in K√∂ln und Bonn gefreut – ein so wichtiges Feld wie die Portr√§tfotografie einmal unter die Lupe zu nehmen, erschien mir nicht nur wichtig, sondern geradezu notwendig. 50 K√ľnstler werden gezeigt, die Spannweite reicht von Thomas Struth, Thomas Ruff, Wolfgang Tillmans und Pieter Hugo √ľber Barbara Probst, Erik Kessels, Albrecht Fuchs, Oliver Sieber und Katja Stuke bis Pepa Hristova, Charles Fr√©ger, Clegg & Guttmann, Jan Paul Evers und Tobias Zielony.

Dabei haben die Kuratoren Stefan Gronert und Barbara Hofmann-Johnson f√ľr das Kunstmuseum Bonn (bis 8. Mai) und Gabriele Conrath-Scholl und Claudia Schubert f√ľr die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur (bis 29. Mai) meiner Meinung nach sehr vieles richtig und nur ein wenig falsch gemacht. Was das genau ist, erfahrt ihr aus meiner ausf√ľhrlichen Besprechung, die im aktuellen fotoMagazin erschienen ist und die es hier als PDF gibt.

Link: Mit anderen Augen

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Zum Tod von Hilla Becher

Hilla Becher ist tot. Sie und ihr Mann Bernd Becher haben mit ihren Fotografien von Fachwerkh√§usern, Bergwerken, H√ľttenanlagen, Wassert√ľrmen und anderen Industrieanlagen und ihrer ber√ľhmten Klasse an der Kunstakademie D√ľsseldorf die wohl einflussreichste Kunstrichtung aus Deutschland seit dem Bauhaus gepr√§gt. Zu ihren Studenten geh√∂rten unter anderem Stars wie Andreas Gursky, Thomas Ruff, Thomas Struth, Candida H√∂fer, Boris Becker, Axel H√ľtte, Elger Esser, J√∂rg Sasse, Laurenz Berges, Simone Nieweg und Petra Wunderlich.

Ich pers√∂nlich habe mich sehr lange sehr schwer mit ihren Arbeiten getan, aber im Laufe der Zeit habe ich einen gro√üen Respekt vor ihrem Lebenswerk, vor ihrem Ehrgeiz und vor ihrer Konzentration auf das eine Thema entwickelt. Au√üerdem hatte ich das Gl√ľck, Hilla Becher mehrfach pers√∂nlich bei Veranstaltungen und Ausstellungen zu treffen und habe sie als sehr intelligente und reflektierte Gespr√§chspartnerin erlebt, die immer eine Bereicherung und Inspiration f√ľr mich war. Sie wird zweifelsohne eine L√ľcke hinterlassen.

Mein Nachruf auf Hilla Becher ist in Der Standard erschienen und gibt es hier als PDF.

Hilla Becher

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Die digitalen Fotogramme des Thomas Ruff

Ich bin heute noch einmal durch die D√ľsseldorfer Kunsthalle geschlendert und habe mir die Ausstellung “Lichten” von Thomas Ruff angeschaut. Die Schau zeigt Ar¬≠bei¬≠ten der
ver¬≠gan¬≠ge¬≠nen 35 Jah¬≠re aus f√ľnf Werk¬≠grup¬≠pen, die alle samt das Licht selbst behandeln – oder behandeln sollen. Bei vier von f√ľnf Serien ist das auch ganz offensichtlich, bei seinen Interieurs wirkt es allerdings doch etwas arg aufgesetzt auf mich.

Doch sei’s drum, mich interessieren ohnehin vor allem seine Fotogramme. Ich habe die Ausstellung bereits im S.M.A.K. in Gent gesehen und war von seiner Arbeitsweise in der digitalen Dunkelkammer fasziniert und von seinen Ergebnissen absolut begeistert. Daran hat sich auch bei meinem heutigen Besuch nichts ge√§ndert.

Meinen ausf√ľhrlichen Artikel, erschienen in der Photonews 7-8/2014, findet ihr hier als PDF.

Link: Kunsthalle D√ľsseldorf

Amazon: Thomas Ruff – Lichten

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“Foto A-Z” im NRW-Forum

Das war’s also. Nach 15 Jahren schlie√üt das D√ľsseldorfer Ausstellungshaus NRW-Forum zum Jahreswechsel seine T√ľren. Die beiden Initiatoren und Ausstellungsmanager Werner Lippert und Petra Wenzel haben nach der vierten Vertragsverl√§ngerung entschieden, dass sie definitiv aufh√∂ren wollen. Zum Abschluss zeigen sie nun noch einmal ‚ÄěFotografen, die wir gezeigt haben, und die, die wir immer schon gerne gezeigt h√§tten‚Äú. Der Titel der Ausstellung lautet schlicht ‚ÄěFoto A-Z‚Äú und pr√§sentiert unter anderem Arbeiten von Nobuyoshi Araki, Guy Bourdin, Anton Corbijn, Philip-Lorca diCorcia, William Eggleston, Nan Goldin, Joel Sternfeld, Wolfgang Tillmans, David LaChapelle, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Paul Outerbridge,¬† Thomas Ruff, Cindy Sherman und Jeff Wall.

Und auch Candida H√∂fer ist dabei mit ihrer “On Kawara”-Serie, die hier sehr sch√∂n in Vitrinen ausgelegt ist – es bleibt eine der wenigen Serien, die ich von ihr mag. √Ąhnliches gilt f√ľr Richard Prince, dessen Marlboro-Cowboys ich noch nie so √ľberzeugend gesehen habe wie hier. Die Ausstellung l√§uft noch bis zum 5. Januar 2014.

In der aktuellen Photonews ist ein l√§ngerer Artikel erschienen, indem ich auch ausf√ľhrlich auf die Geschichte und die Zukunft des NRW-Forums eingehe. Den Text gibt es hier.

Link: NRW-Forum

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“Tagesform” von Peter Litvai

Bei meinem Besuch in Landshut vor einem Monat habe ich auch den dortigen Fotografen Peter Litvai in seiner Studio-Galerie besucht. Dabei ist mir seine Serie “Tagesform” aus dem Jahr 2010 ganz besonders in Erinnerung geblieben.

Ausgegangen ist er von der (nicht ganz neuen) Idee, verschiedene Menschen einer mehr oder weniger losen Gruppe zu portr√§tieren und diese Fotografien gleichberechtigt √ľbereinander zu belichten, so dass am Ende ein einziges (Durchschnitts)gesicht entsteht. Solche Bilder kenne ich bereits von Ken Kitano und Michael Wesely und auch Thomas Ruff hat mit seinen “Anderen Portr√§ts”, f√ľr die er in Phantombild-Manier Gesichter zusammenstellte, einen ganz √§hnlichen Ansatz gehabt.

Was mich nun beeindruckt, ist die Art und Weise, wie Litvai diese Technik und den gedanklichen Ansatz weitergedacht hat: Statt 20 oder gar 50 unterschiedliche Gesichter zu montieren, hat er Personen jeweils einen Tag lang begleitet und sie jede halbe Stunde fotografiert. Aus den dabei entstandenen 24 Aufnahmen hat er dann ein Durchschnittsgesicht einer einzigen Person gemacht: Die Augen befinden sich als Fixpunkte immer an den gleichen Stellen, aber deswegen m√ľssen nicht zwangsl√§ufig auch Nase, Mund und Ohren, Haare, Falten und Kinn immer an den selben Positionen sitzen. Nat√ľrlich ist es nicht wirklich erstaunlich, das Aufnahmewinkel, Licht, Tageszeit, M√ľdigkeit, Vertrautheit, Stress und all diese Faktoren ein Gesicht ver√§ndern (man muss sich nur die zahlreichen Serien von Amateurfotografen im Internet anschauen, die sich t√§glich selbst fotografieren) – es wurde nur selten so konsequent und au√üergew√∂hnlich dargestellt.

Die Personen erhalten in Litvais Aufnahmen eine nebul√∂se Aura, die jedem gew√∂hnlichen Portr√§t die Daseinsberechtigung nimmt. Das kann man, denke ich, im direkten Vergleich unten sehen: In der Thumbnail-Ansicht wirken die Portr√§ts noch recht “normal”. Das Absurde: Macht man sie gr√∂√üer, geht man also quasi n√§her an die Person heran, wird diese immer undeutlicher und verschwommener. Das ist nicht immer schmeichelhaft f√ľr die Portr√§tierten – aber darum geht es hier auch nicht. Bezogen auf die Fotografie im Allgemeinen kann man sagen: Allen immer wiederkehrenden Behauptungen zum Trotz kann kein Portr√§t das vielschichtige Wesen eines Menschen auch nur ann√§hernd festhalten. Im besten Fall h√§lt der Fotograf nur seine Sicht der Dinge (in dem Fall: seine Sicht auf die Person) fest. Die Serie “Tagesform” zeigt, dass selbst dies umgangen werden kann.

Etwas irritierend k√∂nnen √ľbrigens die Strukturen und nicht weiter zu definierende Objekte in einigen Portr√§ts sein. Die kommen daher, weil Litvai zus√§tzlich auch das ein oder andere Foto aus der Umgebung des Portr√§tierten aufnimmt und in das Bild mit einbaut. Da bin ich mir noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll: Auf der einen Seite “verw√§ssert” es das Konzept ein wenig, auf der anderen Seite finde ich, geben sie den Bildern eine weitere (dezente) Ebene, die nicht interpretiert werden braucht, weil sie daf√ľr zu abstrakt ist.

Link: Peter Litvai

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Das Museum Ludwig und die “Zwischenstadt”

Die Ausstellung “Nachrichten aus der Zwischenstadt” im Museum Ludwig besch√§ftigt sich mit dem Begriff der Zwischenstadt, den der deutsche Architekt Thomas Sieverts 1995 gepr√§gt hat. Daf√ľr versammelte Kuratorin Barbara Engelbach neben Videos und Skulpturen vor allem jedoch Fotografien von Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky, Thomas Struth, Thomas Ruff, William Eggleston, Joachim Brohm, Peter Piller und Chargesheimer.

Alle gezeigten Arbeiten stammen aus der museumseigenen Sammlung. Warum ich der Meinung bin, dass damit jedoch auch eine Chance vergeben wurde, könnt ihr in meinem Artikel nachlesen, der heute im Ksta erschienen ist.

Link: Museum Ludwig

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Martina Sauter bei Marion Scharmann

Die 1974 geborene Martina Sauter zeigt in der Galerie Marion Scharmann neue Arbeiten. Besonders ist dabei ihr Vorgehen: Die Meistersch√ľlerin von Thomas Ruff an der Kunstakademie in D√ľsseldorf nutzt meist zwei Fotografien, die sie trotz ihrer sehr klassischen Pr√§sentation auf Dibond oder im gerahmten Passepartout √ľbereinander legt.

Meine Besprechung, die heute im Ksta erschienen ist, findet ihr hier.

Link: Galerie Marion Scharmann

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“Der rote Bulli” im NRW-Forum

Das D√ľsseldorfer NRW-Forum zeigt noch bis zum 16. Januar 2011 die Ausstellung “Der rote Bulli – Stephen Shore und die Neue D√ľsseldorfer Fotografie”. In der von Christoph Schaden kuratierten Schau geht es um den Einfluss, den Stephen Shore mit seinen Farbfotografien auf die Studenten von Bernd und Hilla Becher hatte – und der kann ganz offensichtlich gar nicht gro√ü genug eingesch√§tzt werden. F√ľr mich ist die Ausstellung jedenfalls die wichtigste, die ich in diesem Jahr gesehen habe, weil sie ein abgegrastes Thema wie die Becher-Klasse in einen neuen, spannenden und vor allem einleuchtenden Zusammenhang bringt.

Meine ausf√ľhrliche¬†Besprechung dazu ist heute in der taz erschienen.

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“Die D√ľsseldorfer Photoschule” von S. Gronert

Es ist eigentlich erstaunlich, dass es bislang keine ausf√ľhrliche Publikation zur “D√ľsseldorfer Photoschule” gegeben hat, hat dieses “Ph√§nomen” doch Kunstmarkt und Kunstgeschichte der letzten Jahrzehnte entschieden beeinflusst. Lothar Schirmer spricht gar davon, dass “wahrscheinlich seit dem Bauhaus keine Kunstrichtung aus Deutschland eine solche weltweite Ausstrahlung entfaltet und Anerkennung erfahren” habe.

Diese L√ľcke wird nun mit dem Buch Die D√ľsseldorfer Photoschule gef√ľllt: In einem ausf√ľhrlichen Essay verdeutlicht der Autor Stefan Gronert die Bedeutung und vor allem den Hintergrund der Becher-Schule – ein Begriff, der √ľbrigens von der Kritikerin Isabelle Graw anl√§sslich einer Ausstellung 1988 in der K√∂lner Galerie Johnen & Sch√∂ttle erstmals benutzt wurde. Da es DIE Becher-Klasse aber gar nicht gibt, widmet sich Gronert nur den seiner Meinung nach zehn wichtigsten Absolventen Thomas Struth, Thomas Ruff und Andreas Gursky (die in einem Atemzug auch gerne als Struffsky bezeichnet werden, obwohl sie nicht viel gemeinsam haben), Candida H√∂fer,¬† Petra Wunderlich, Axel H√ľtte, J√∂rg Sasse, Elger Esser, Laurenz Berges, Petra Wunderlich und Simone Nieweg. Aber auch die in Vergessenheit geratenen Tata Ronkholz und Volker D√∂hne werden zumindest angesprochen.

Ein Extrakapitel bekommt zudem die monumentale Gr√∂√üe der Bilder, f√ľr die viele der Fotografen bekannt sind, auch wenn die Bechers selbst immer nur mit kleinen Abz√ľgen von 40 x 30 Zentimeter gearbeitet haben. Aber – wie hat Andreas Gursky auf meine Frage diesbez√ľglich w√§hrend seiner Ausstellung Andreas Gursky – Werke 80-08 in Krefeld so sch√∂n ehrlich geantwortet: “Kleines Format, kleines Geld.” Neben den insgesamt sehr guten Texten beinhaltet das Buch zudem Portfolios jedes K√ľnstlers, die einen guten √úberblick liefern und dem Buch somit vollends das Pr√§dikat “Pflichtlekt√ľre” verleihen.

Das Buch “Die D√ľsseldorfer Photoschule” ist im Verlag Schirmer/Mosel erschienen, hat 320 Seiten und kostet 68 Euro.

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