Rob Hornstra und The Sochi Project

Während der Photokina-Woche ist das neue Jahrbuch “frame #4″ der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) erschienen. Darin habe ich einen ausführlichen Artikel über “The Sochi Project” des niederländischen Fotografen Rob Hornstra berichtet. In bester Slow Media-Manier reist er zusammen mit dem Autoren und Filmemacher Arnold van Bruggen fünf Jahre lang immer wieder an die russische Schwarzmeerküste, um das Leben und die Veränderungen vor Beginn der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi festzuhalten. Finanziert wird das Projekt über deren eigene Crowdfunding-Website sowie über Bücher, Poster und Postkarten-Sets, die sie regelmäßig veröffentlichen.

Meinen Artikel findet ihr hier als PDF. Aber natürlich empfehle ich auch den Kauf von “frame #4″ – die beiden Schwerpunktthemen sind “Farbphotographie” sowie “Photografie denken”. Das Buch ist bei Steidl erschienen, hat 232 Seiten und kostet 25 Euro.

Links: The Sochi Project, DGPh

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World Press Photo

Im Kölner Hauptbahnhof wurde gestern die Ausstellung zum World Press Photo Award 2012 eröffnet. Neben dem Siegerfoto von Samuel Aranda aus Spanien sind natürlich auch wieder zahlreiche andere erstklassige Aufnahmen und Fotoserien von unter anderem Stephanie Sinclair, Rob Hornstra, Niclas Hammarström, Damir Sagolj, Alejandro Kirchuk, Brent Stirton, Ton Koene, Adam Pretty und Carsten Peter zu sehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. September, danach wandert sie weiter nach Dresden-Neustadt (28. September bis 8. Oktober) und Berlin-Friedrichstraße (12. bis 22. Oktober).

Meine Kurzbesprechung aus dem Ksta gibt es hier.

Link: World Press Photo

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Paareprojekt on Tour

Zum dritten und letzten Mal fahren Nadine und ich los, um Paare zu fotografieren. Dieses Mal verschlägt es uns in die neuen Bundesländer – wir fotografieren am 20. April in der Nähe von Templin in der Uckermark, am 22. und 23. April in Berlin sowie am 27. April in Leipzig. Da wir noch in allen Städten freie Termine haben, können sich interessierte Paare, die mitmachen möchten, sehr gerne bei uns melden! Weitere Infos bekommt ihr auf der Internetseite des Paareprojektes.

Für damianzimmermann.de bedeutet dies (wie bereits bei der Südtour auch), dass ich in den nächsten zwei, drei Wochen wohl eher nichts online stellen kann. Ab Mai geht es dann aber auch hier wieder los – unter anderem mit Besprechungen der Ausstellungen von Lewis Baltz in Bonn, von Wilhelm Schürmann in Köln sowie mit einer ausführlichen Fotobuchrezension zu “Die Fabrik” von Jakob Tuggener. Außerdem werde ich “The Sochi Project” von Rob Hornstra vorstellen sowie über die Bedeutung von August Sander für die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur berichten. Also: Schaut einfach regelmäßig hier vorbei.

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“One Day” vs. “Ein Tag Deutschland”

Bereits im Oktober hat mich das Buch “Ein Tag Deutschland”, herausgegeben von Freelens, erreicht. Mit großer Vorfreude habe ich mir einen freien Nachmittag Zeit genommen, um mich in Ruhe dem Buch zu widmen. Zuvor musste ich mich bereits ein wenig mit Nadine streiten, weil ich sie erst dazu genötigt habe, sich das Buch anzuschauen, und dann fand sie es auch noch furchtbar, was ich als pure Trotz-Reaktion verurteilte. Als ich mir das Buch dann endlich selbst anschauen konnte, musste ich ihr allerdings leider zustimmen.

Dabei finde ich die Intention, an einem festgelegten Tag (in diesem Fall der 7. Mai 2010) einen Haufen Fotografen loszuschicken und deren Bilder gemeinsam zu veröffentlichen, weiterhin sehr sympathisch, weil sie für mich für eine sehr neugierige und humanistische Attitüde steht und mich beispielsweise an das “Bildersammeln” von Edward Steichens Family of Man-Idee erinnert. Leider hapert es bei der Umsetzung von “Ein Tag Deutschland” aber an allen Ecken, denn das Buch erweckt den Eindruck, lediglich ein über 600 Seiten starker Übersichtskatalog der Freelens-Mitglieder sein zu wollen – immerhin haben 432 Fotografen teilgenommen! Eine Vorauswahl scheint nicht stattgefunden zu haben, und so wirkt ein Großteil der Arbeiten dann auch entsprechend beliebig und austauschbar. Gute Bilder stehen hingegen völlig isoliert da und werden ohne größeren Zusammenhang präsentiert, da trotz der Buchstärke nicht genügend Platz vorhanden ist. Was bleibt, sind einige wenige gute Einzelaufnahmen in einem Haufen Banalität, der zudem auch noch durch ein schwaches Layout weiter heruntergezogen wird (dpunkt.verlag, 49,90 Euro).

Ironischerweise hat ebenfalls ein Heidelberger Verlag keine zwei Monate später eine weitere Publikation veröffentlicht, die genau das gleiche Thema behandelt, es allerdings vollkommen anders angeht: “One Day” ist eine Sammlung von zehn kleinen Büchern der bekannten Fotografen Alec Soth, Eva Maria Ocherbauer, Gerry Badger, Harvey Benge, Jessica Backhaus, John Gossage, Martin Parr, Rinko Kawauchi, Rob Hornstra und Todd Hido. Sie alle haben am 21. Juni und somit am Tag der Sonnenwende an unterschiedlichen Orten und ebenfalls ohne thematische Vorgabe fotografiert. Herausgekommen ist ein Kaleidoskop unterschiedlicher Eindrücke. Die zehn Bücher sind nicht alle gleich stark, aber im Gesamtkontext ist “One Day” doch deutlich harmonischer, einfallsreicher und nachhaltiger als “Ein Tag Deutschland” – vom schlichten, aber edlen Design dieses Schmuckstücks mal ganz abgesehen, der sich allerdings auch im stolzen Preis von 148 Euro widerspiegelt.

Mitunter hat mich das Buch sogar überrascht, denn sowohl mit Martin Parrs als auch Alex Soths Ergebnis habe ich nicht gerechnet: Parr hat seine alltäglichen Rituale daheim festgehalten – vom Zähneputzen übers Gassigehen mit Hundedame Ruby und dem Empfang neuer Fotobücher bis zu seiner merkwürdigen Angewohnheit, Lachs in der Spülmaschine zu kochen. Soth hat hingegen am Vatertag, der nur einen Tag zuvor war, von seinem dreijährigen Sohn Gus eine Polaroidkamera geschenkt bekommen (behauptet er zumindest) und hält diesen nun in ebenfalls persönlichen Aufnahmen fest. Rob Hornstra hat mich mit einer sehr feinen Reihe über zwei außergewöhnliche Charaktere in Utrecht begeistert, während Todd Hido eine durchinszenierte und sexuell aufgeladene Geschichte erzählt. Naja – “andeutet” wäre vielleicht das bessere Wort.

Die Idee zu dem Buchprojekt kam übrigens Harvey Benge und Gerry Badger während der Paris Photo 2009, wo sie sich auch gleich einige Weggefährten suchten – inklusive Klaus Kehrer als Verleger. Ein halbes Jahr später traf man sich auf dem Internationalen Fotobook Festival in Kassel erneut, holte noch schnell Soth, Kawauchi und Hido mit ins Boot und machte den Sack schließlich zu. Dort entstand auch die Namensliste, hingekritzelt auf einen Notizzettel des Schlosshotels Wilhelmshöhe. Mich würde es nicht wundern, wenn die Liste in einigen Jahren auf irgendeiner Fotografie-Auktion auftaucht.

Unterm Strich halte ich “One Day” nicht nur für das deutlich bessere Buch, sondern es ist auch ein Muss für Sammler von Fotobüchern. Kritik hätte ich höchstens an der Zusammensetzung der Künstler, deren Arbeiten sich manchmal doch etwas zu stark ähneln. Gerne hätte ich auch einen eindeutigen Porträtfotografen wie Pieter Hugo oder Ted Partin darin gesehen. Ein positives Beispiel ist für mich hingegen Eva Maria Ocherbauer, mit deren Arbeit ich zwar nicht sonderlich viel anfangen kann, die aber mit ihren surrealen Collagen eine ganz eigene Note in das Projekt gebracht hat.

Links: dpunkt.verlag, Freelens, Kehrer

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Kleiner Kunstkauf am Rande

Ich möchte kurz auf das Projekt von Daniel Hofer hinweisen. Der braucht dringend Geld, um seine Diplomarbeit “BIG L” über das Leben am bolivianischen Salzsee Salar de Uyuni zu finanzieren – und hat dabei einen eher unkonventionellen Weg eingeschlagen: Ab einer Spende von 50 Euro erhält der Unterstützer ein Bild Hofers als Fine-Art-Print in einer unlimitierten Sonderedition.

Ich habe auch mitgemacht – und mich für einen seiner Bergmänner entschieden. Den fand ich schon in der Gruppenausstellung “I, Object” in Düsseldorf vor eineinhalb Jahren sehr toll, aber ein 80 mal 110 Zentimeter großes Porträt hängt man sich ja nicht so ohne weiteres in die Bude. In 20 mal 30 dann vielleicht schon eher. Und außerdem ist es ja für einen guten Zweck.

Daniel Hofer, aus der Serie "Bergwerk Ost", 2007

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Fotobook Festival Kassel

In Kassel hat von Donnerstag bis Sonntag das 3. Internationale Fotobook Festival stattgefunden. Ich habe mir gleich alle vier Tage gegeben und bin auch sehr froh darüber, denn abgesehen von der etwas unvorbereitet wirkenden Organisation war die Veranstaltung ein Treffpunkt des “Who’s who” der internationalen Fotobuchszene: Martin Parr, Gerry Badger, Rinko Kawauchi, Alec Soth und Paul Graham gehören sicherlich zu den bekanntesten Vertretern (wobei mich der eitle Vortrag Grahams eher aggressiv gemacht hat). Sehr gut gefallen hat mir hingegen der informative und kurzweilige Beitrag des Kunsthistorikers und Experten für japanische Fotografie, Ferdinand Brüggemann, über “Japanische Fotografinnen der Gegenwart” und Rob Hornstra, der nicht nur tolle Bilder und Bücher macht, sondern der auch ein eigensinniges, aber ausgetüfteltes Marketing- und Finanzierungssystem dafür entwickelt hat.

Sehr gefreut hat mich ebenfalls, dass neben Nollywood von Pieter Hugo auch Beyond Borders von Frederic Lezmi unter den 24 Büchern des Photobook Awards waren, unter denen ansonsten vor allem “Black Passport” des Kriegsfotografen Stanley Greene hervorstach – ein verstörendes Buch in einer sehr eigenen, direkten Gestaltung.

Viel Zeit habe ich auch bei den Büchern des Dummy-Preises verbracht, wobei die drei Preisträger Werner Amann mit American. (hier als kleiner Auszug), Chad States mit “Cruisin’” und Axel Beyer mit  Bebra Curiosa nicht unbedingt meine Favoriten waren. Ziemlich gut fand ich Richard Kurc Konzeptporträts mit Kinder, Eltern, Autos – Familienportraits in mobilen Rahmen und Alexander Labrentz mit seiner Dokumentation Arbeit und Leben über Massentierhaltung. Über die Fotos aus dem Buch Wunschkinder von Ursula Becker habe ich gelacht wie selten bei einem Fotobuch, allerdings fand ich das Buch selbst ziemlich schwach gestaltet. Ähnlich erging es mir bei Arnd Weider und seinem theater – starke Fotos und ein angemessenes Layout, aber eine furchtbare Typo. Etwas zu lang, aber insgesamt dennoch ganz gut fand ich Florian Generotzky mit Risse im Beton (vor allem das Bild auf Seite 26 hat es mir angetan). Sehr schön fand ich auch “Rented Rooms” von Torben Höke über die Billigunterkünfte der Individualreisenden in Indien – ein schlichtes, aber liebevoll gestaltetes Buch mit ruhigen, guten Einzelbildern. Insgesamt am auffälligsten war zudem sicherlich das Projekt “Erholungszone Deutschland” des Duos Valeska Achenbach/Isabela Pacini, das aus insgesamt fünf Einzelbüchern besteht und mit deutschen Klischees spielt.

Wer mehr über das Festival erfahren möchte, kann sich auch meinen Artikel aus der taz durchlesen.

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