Der Traum vom eigenen Fotobuch

Fotobücher erleben seit mehr als zehn Jahren einen Boom. Die Zahl der Veröffentlichungen ist enorm gestiegen, ebenso die Zahl der Verlage. Auf Fotofestivals und Fotokunstmessen ist das Fotobuch mit Verkaufsständen von Verlagen und Händlern, Preisverleihungen und Signierstunden der Künstler längst ein fester Bestandteil. In Kassel, Wien und Istanbul haben sich sogar Festivals gegründet, die sich nur diesem Medium widmen.  Heute kann jeder Fotograf sein eigenes Buch veröffentlichen – und gefühlt muss er das auch, wenn er eine gewisse Anerkennung für seine Arbeit bekommen möchte.

Für das fotoMagazin habe ich Fotografen, Künstler und Verleger wie Frederik Busch, Klaus Kehrer, David Klammer, Juliane Herrmann, Rob Hornstra und Linn Phyllis Seeger nach ihren Erfahrungen beim Machen von Fotobüchern gefragt und bin auch auf die Vor- und Nachteile des Selfpublishings eingegangen. Den Artikel gibt es hier als PDF.

Geschrieben in Allgemein, FotobĂĽcher | Kommentare aus

“High Hopes” von Vitus Saloshanka

Beim Fotobook Festival in Kassel hatte mir Vitus Saloshanka erstmals von seiner Arbeit “High Hopes” erzählt, mit dem er seit 2010 die Entwicklung im Vorfeld der Olympischen Winterspiele von Sotschi dokumentiert hat. Es ist damit ähnlich wie The Sochi Project von Rob Hornstra und Arnold van Bruggen ein Langzeitprojekt zu diesem Thema, allerdings konzentriert sich Saloshanka vor allem auf die Orte entlang der neuen VerbindungsstraĂźe zwischen Sotschi und Adler, die zu den teuersten StraĂźen der Welt gezählt wird, während Hornstra/van Bruggen die gesamte Region mit ihrem ungeheuren Konfliktpotential in “Slow Journalism”-Manier bereist haben.

Mittlerweile ist Saloshankas Buch in einer 150er Auflage im Eigenverlag erschienen (96 Seiten, 39 Euro) und auf dem SCHAU-Festival in Dortmund konnte ich mir eines der letzten Exemplare sichern. Es ist angemessen schlicht, aber dennoch elegant gestaltet – beispielsweise hat der kartonartige Schutzumschlag eine Prägung mit den Olympischen Ringen, die sehr schön verdeutlicht, dass sich die mit den Spielen verbundenen Hoffnungen der Bevölkerung bereits im Verblassen befinden. Denn ähnlich wie beim Sochi-Project merkt der Betrachter schnell, dass die Einwohner selbst nichts von den Milliardensummen, die in Sotschi ausgegeben wurden, abbekommen. DafĂĽr aber eine Menge Umweltzerstörung und -verschmutzung durch die zahlreichen GroĂźbaustellen.

Dennoch unterscheidet sich Saloshankas Arbeit stark von der Rob Hornstras. In “High Hopes” sehen wir ein fotografisches Essay, konzentriert auch auf die jĂĽngere Generation. Die Personen in Saloshankas Porträts wirken durch das rein natĂĽrliche Licht in sich gekehrter, nachdenklich und teilweise nicht wirklich anwesend, während Hornstra seine Protagonisten fast immer in die Bildmitte und in das fĂĽr ihn typisches Blitzlicht setzt und die Personen fast immer direkt in die Kamera schauen, was diese unheimlich präsent erscheinen lässt. Wenn Saloshanka wie ein stiller Begleiter auftritt, wirkt Hornstra daneben wie ein Inszenierer.

Beim PhotoIreland Festival, das am 2. Juli eröffnet wird, werden “High Hopes” und “The Sochi Project” erstmals gemeinsam zu sehen sein.

Link: Vitus Saloshanka, PhotoIreland

Geschrieben in Ausstellungen, FotobĂĽcher | Kommentare aus

ViennaPhotoBookFestival

Heute und morgen findet in Wien das zweite ViennaPhotoBookFestival statt. Neben Vorträgen und Gesprächen von Rob Hornstra, Horacio Fernández, Irene Attinger, Josef Koudelka, Erik Kessels und Manfred Heiting wird es (natürlich) vor allem zahlreiche Stände von Fotobuchverlagen und -händlern geben.

Meine AnkĂĽndigung dazu ist gestern in Der Standard erschienen.

Link: ViennaPhotoBookFestival

Geschrieben in Festivals & Messen, FotobĂĽcher | Kommentare aus

Rob Hornstras “The Sochi Project”

Ăśber die Langzeitdokumentation “The Sochi Project” der Niederländer Rob Hornstra und Arnold van Bruggen, die insgesamt elf Mal in die Kaukasusregion gereist sind, um auf die Situation und die Veränderungen vor Ort aufmerksam zu machen, habe ich in der Vergangenheit bereits in zwei Artikeln berichtet.

Nun ist in der April-Ausgabe der Photographie mein ausführlicher Abschlussbericht zu diesem außergewöhnlichen Projekt erschienen. Den gesamten Artikel gibt es hier als PDF.

AuĂźerdem besteht in diesem Jahr gleich mehrfach, die Ausstellung zu besuchen – bis zum 22. Juni beispielsweise beim Noorderlicht Fotofestival im niederländischen Groningen.

Links: The Sochi Project, Noorderlicht, Aperture

Geschrieben in Ausstellungen, FotobĂĽcher | 1 Kommentar

“The Sochi Project” einen Monat vor Olympia

Am 7. Februar werden die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi eröffnet – und damit erstmals in einer subtropischen und von Konflikten geprägten Region. Der Fotograf Rob Hornstra und der Autor Arnold van Bruggen sind aus diesem Grund seit 2009 insgesamt elf Mal in die Kaukasusregion gereist – um zu dokumentieren, zu beobachten und zu verstehen. “The Sochi Project” balanciert zwischen engagiertem Journalismus und Kunst, finanziert wurde es zudem zum ĂĽberwiegenden Teil ĂĽber Crowdfunding.

Im Standard aus Wien ist heute mein Artikel dazu erschienen – und zwar im Sportteil, was ich persönlich ziemlich gut finde: Bislang hat “The Sochi Project” vor allem Aufmerksamkeit aus der Kunstszene erhalten, aus dem Bereich Sport hat sich bislang eigentlich fast nie jemand fĂĽr die Probleme vor Ort interessiert. Schön, dass sich das ändert.

Im Fotomuseum Antwerpen läuft ĂĽbrigens noch bis zum 2. März die groĂźe Ausstellung zu “The Sochi Project”. Und ab 31. Januar ist eine kleinere Version in der Galerie Fotohof in Salzburg zu sehen.

Links: The Sochi Project, FotoMuseum Antwerpen, Fotohof

Amazon: The Sochi Project: An Atlas of War and Tourism in the Caucasus

Geschrieben in Ausstellungen, FotobĂĽcher | Kommentare aus

Die Paris Photo im Grand Palais

Die Paris Photo war bislang die wichtigste Messe fĂĽr Fotografie. Doch unter der Leitung von Direktor Julien Frydman entwickelt sie sich immer weiter und steht heute als Synonym fĂĽr die wohl wichtigste Plattform fĂĽr Fotografie ĂĽberhaupt. Denn das umfangreiche Angebot vereint neben den 136 Galerien auch ganz selbstverständlich 28 Fotobuchverlage und -händler sowie mehrere Ausstellungen und ĂĽber 200 Signierstunden unter der wunderbaren Kuppel des Grand Palais. NatĂĽrlich geht es hier ums Verkaufen von Bildern – aber der Ansatz, dass Fotografien zwischen zwei Buchdeckeln mindestens die gleiche Berechtigung haben wie an der Wand, ist durchaus beachtlich und wird meiner Meinung nach in der ĂĽblichen Messeberichterstattung viel zu wenig bis gar nicht berĂĽcksichtigt.

In meiner Besprechung im Standard wollte ich das ein wenig ändern.

Link: Paris Photo

Geschrieben in Allgemein, Festivals & Messen | Kommentare aus

Rob Hornstra und “The Sochi Project”

Während der Photokina-Woche ist das neue Jahrbuch “frame #4″ der Deutschen Gesellschaft fĂĽr Photographie (DGPh) erschienen. Darin habe ich einen ausfĂĽhrlichen Artikel ĂĽber “The Sochi Project” des niederländischen Fotografen Rob Hornstra berichtet. In bester Slow Media-Manier reist er zusammen mit dem Autoren und Filmemacher Arnold van Bruggen fĂĽnf Jahre lang immer wieder an die russische SchwarzmeerkĂĽste, um das Leben und die Veränderungen vor Beginn der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi festzuhalten. Finanziert wird das Projekt ĂĽber deren eigene Crowdfunding-Website sowie ĂĽber BĂĽcher, Poster und Postkarten-Sets, die sie regelmäßig veröffentlichen.

Meinen Artikel findet ihr hier als PDF. Aber natĂĽrlich empfehle ich auch den Kauf von “frame #4″ – die beiden Schwerpunktthemen sind “Farbphotographie” sowie “Photografie denken”. Das Buch ist bei Steidl erschienen, hat 232 Seiten und kostet 25 Euro.

Links: The Sochi Project, DGPh

Geschrieben in Allgemein, FotobĂĽcher | Kommentare aus

World Press Photo

Im Kölner Hauptbahnhof wurde gestern die Ausstellung zum World Press Photo Award 2012 eröffnet. Neben dem Siegerfoto von Samuel Aranda aus Spanien sind natürlich auch wieder zahlreiche andere erstklassige Aufnahmen und Fotoserien von unter anderem Stephanie Sinclair, Rob Hornstra, Niclas Hammarström, Damir Sagolj, Alejandro Kirchuk, Brent Stirton, Ton Koene, Adam Pretty und Carsten Peter zu sehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. September, danach wandert sie weiter nach Dresden-Neustadt (28. September bis 8. Oktober) und Berlin-Friedrichstraße (12. bis 22. Oktober).

Meine Kurzbesprechung aus dem Ksta gibt es hier.

Link: World Press Photo

Geschrieben in Ausstellungen | Kommentare aus

Paareprojekt on Tour

Zum dritten und letzten Mal fahren Nadine und ich los, um Paare zu fotografieren. Dieses Mal verschlägt es uns in die neuen Bundesländer – wir fotografieren am 20. April in der Nähe von Templin in der Uckermark, am 22. und 23. April in Berlin sowie am 27. April in Leipzig. Da wir noch in allen Städten freie Termine haben, können sich interessierte Paare, die mitmachen möchten, sehr gerne bei uns melden! Weitere Infos bekommt ihr auf der Internetseite des Paareprojektes.

FĂĽr damianzimmermann.de bedeutet dies (wie bereits bei der SĂĽdtour auch), dass ich in den nächsten zwei, drei Wochen wohl eher nichts online stellen kann. Ab Mai geht es dann aber auch hier wieder los – unter anderem mit Besprechungen der Ausstellungen von Lewis Baltz in Bonn, von Wilhelm SchĂĽrmann in Köln sowie mit einer ausfĂĽhrlichen Fotobuchrezension zu “Die Fabrik” von Jakob Tuggener. AuĂźerdem werde ich “The Sochi Project” von Rob Hornstra vorstellen sowie ĂĽber die Bedeutung von August Sander fĂĽr die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur berichten. Also: Schaut einfach regelmäßig hier vorbei.

paare 5  banner blog1

Geschrieben in Paareprojekt | Kommentare aus

“One Day” vs. “Ein Tag Deutschland”

Bereits im Oktober hat mich das Buch “Ein Tag Deutschland”, herausgegeben von Freelens, erreicht. Mit groĂźer Vorfreude habe ich mir einen freien Nachmittag Zeit genommen, um mich in Ruhe dem Buch zu widmen. Zuvor musste ich mich bereits ein wenig mit Nadine streiten, weil ich sie erst dazu genötigt habe, sich das Buch anzuschauen, und dann fand sie es auch noch furchtbar, was ich als pure Trotz-Reaktion verurteilte. Als ich mir das Buch dann endlich selbst anschauen konnte, musste ich ihr allerdings leider zustimmen.

Dabei finde ich die Intention, an einem festgelegten Tag (in diesem Fall der 7. Mai 2010) einen Haufen Fotografen loszuschicken und deren Bilder gemeinsam zu veröffentlichen, weiterhin sehr sympathisch, weil sie fĂĽr mich fĂĽr eine sehr neugierige und humanistische AttitĂĽde steht und mich beispielsweise an das “Bildersammeln” von Edward Steichens Family of Man-Idee erinnert. Leider hapert es bei der Umsetzung von “Ein Tag Deutschland” aber an allen Ecken, denn das Buch erweckt den Eindruck, lediglich ein ĂĽber 600 Seiten starker Ăśbersichtskatalog der Freelens-Mitglieder sein zu wollen – immerhin haben 432 Fotografen teilgenommen! Eine Vorauswahl scheint nicht stattgefunden zu haben, und so wirkt ein GroĂźteil der Arbeiten dann auch entsprechend beliebig und austauschbar. Gute Bilder stehen hingegen völlig isoliert da und werden ohne größeren Zusammenhang präsentiert, da trotz der Buchstärke nicht genĂĽgend Platz vorhanden ist. Was bleibt, sind einige wenige gute Einzelaufnahmen in einem Haufen Banalität, der zudem auch noch durch ein schwaches Layout weiter heruntergezogen wird (dpunkt.verlag, 49,90 Euro).

Ironischerweise hat ebenfalls ein Heidelberger Verlag keine zwei Monate später eine weitere Publikation veröffentlicht, die genau das gleiche Thema behandelt, es allerdings vollkommen anders angeht: “One Day” ist eine Sammlung von zehn kleinen BĂĽchern der bekannten Fotografen Alec Soth, Eva Maria Ocherbauer, Gerry Badger, Harvey Benge, Jessica Backhaus, John Gossage, Martin Parr, Rinko Kawauchi, Rob Hornstra und Todd Hido. Sie alle haben am 21. Juni und somit am Tag der Sonnenwende an unterschiedlichen Orten und ebenfalls ohne thematische Vorgabe fotografiert. Herausgekommen ist ein Kaleidoskop unterschiedlicher EindrĂĽcke. Die zehn BĂĽcher sind nicht alle gleich stark, aber im Gesamtkontext ist “One Day” doch deutlich harmonischer, einfallsreicher und nachhaltiger als “Ein Tag Deutschland” – vom schlichten, aber edlen Design dieses SchmuckstĂĽcks mal ganz abgesehen, der sich allerdings auch im stolzen Preis von 148 Euro widerspiegelt.

Mitunter hat mich das Buch sogar ĂĽberrascht, denn sowohl mit Martin Parrs als auch Alex Soths Ergebnis habe ich nicht gerechnet: Parr hat seine alltäglichen Rituale daheim festgehalten – vom Zähneputzen ĂĽbers Gassigehen mit Hundedame Ruby und dem Empfang neuer FotobĂĽcher bis zu seiner merkwĂĽrdigen Angewohnheit, Lachs in der SpĂĽlmaschine zu kochen. Soth hat hingegen am Vatertag, der nur einen Tag zuvor war, von seinem dreijährigen Sohn Gus eine Polaroidkamera geschenkt bekommen (behauptet er zumindest) und hält diesen nun in ebenfalls persönlichen Aufnahmen fest. Rob Hornstra hat mich mit einer sehr feinen Reihe ĂĽber zwei auĂźergewöhnliche Charaktere in Utrecht begeistert, während Todd Hido eine durchinszenierte und sexuell aufgeladene Geschichte erzählt. Naja – “andeutet” wäre vielleicht das bessere Wort.

Die Idee zu dem Buchprojekt kam ĂĽbrigens Harvey Benge und Gerry Badger während der Paris Photo 2009, wo sie sich auch gleich einige Weggefährten suchten – inklusive Klaus Kehrer als Verleger. Ein halbes Jahr später traf man sich auf dem Internationalen Fotobook Festival in Kassel erneut, holte noch schnell Soth, Kawauchi und Hido mit ins Boot und machte den Sack schlieĂźlich zu. Dort entstand auch die Namensliste, hingekritzelt auf einen Notizzettel des Schlosshotels Wilhelmshöhe. Mich wĂĽrde es nicht wundern, wenn die Liste in einigen Jahren auf irgendeiner Fotografie-Auktion auftaucht.

Unterm Strich halte ich “One Day” nicht nur fĂĽr das deutlich bessere Buch, sondern es ist auch ein Muss fĂĽr Sammler von FotobĂĽchern. Kritik hätte ich höchstens an der Zusammensetzung der KĂĽnstler, deren Arbeiten sich manchmal doch etwas zu stark ähneln. Gerne hätte ich auch einen eindeutigen Porträtfotografen wie Pieter Hugo oder Ted Partin darin gesehen. Ein positives Beispiel ist fĂĽr mich hingegen Eva Maria Ocherbauer, mit deren Arbeit ich zwar nicht sonderlich viel anfangen kann, die aber mit ihren surrealen Collagen eine ganz eigene Note in das Projekt gebracht hat.

Links: dpunkt.verlag, Freelens, Kehrer

Geschrieben in FotobĂĽcher | Kommentare aus