“Mit anderen Augen” in K√∂ln und Bonn

Ich habe mich sehr auf die Doppelausstellung ‚ÄěMit anderen Augen‚Äú in K√∂ln und Bonn gefreut – ein so wichtiges Feld wie die Portr√§tfotografie einmal unter die Lupe zu nehmen, erschien mir nicht nur wichtig, sondern geradezu notwendig. 50 K√ľnstler werden gezeigt, die Spannweite reicht von Thomas Struth, Thomas Ruff, Wolfgang Tillmans und Pieter Hugo √ľber Barbara Probst, Erik Kessels, Albrecht Fuchs, Oliver Sieber und Katja Stuke bis Pepa Hristova, Charles Fr√©ger, Clegg & Guttmann, Jan Paul Evers und Tobias Zielony.

Dabei haben die Kuratoren Stefan Gronert und Barbara Hofmann-Johnson f√ľr das Kunstmuseum Bonn (bis 8. Mai) und Gabriele Conrath-Scholl und Claudia Schubert f√ľr die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur (bis 29. Mai) meiner Meinung nach sehr vieles richtig und nur ein wenig falsch gemacht. Was das genau ist, erfahrt ihr aus meiner ausf√ľhrlichen Besprechung, die im aktuellen fotoMagazin erschienen ist und die es hier als PDF gibt.

Link: Mit anderen Augen

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Taylor Wessing Photographic Portrait Prize

Mit gro√üem Interesse habe ich mir die Ausstellung “Taylor Wessing Photographic Portrait Prize” in der National Portrait Gallery in London angesehen – und war (zun√§chst) sehr entt√§uscht. Obwohl die Jury 6000 Einsendungen von 2400 Fotografen aus der ganzen Welt zur Auswahl hatte, kann man die gezeigte Ausstellung insgesamt als sehr homogen bezeichnen. Homogen deshalb, weil viele Bilder in Aufbau und Konzeption, K√∂rperhaltung und Mimik nahezu identisch sind: Eine Person steht mittig im Bild und schaut teilnahmslos in die Kamera. Dieses Prinzip mag ja eine Zeit lang erfrischend gewesen sein und funktioniert auch heute noch ganz gut in Magazinen wie brand eins – aber von einer Ausstellung in den ehrenwerten R√§umen der National Portrait Gallery erwartete ich mehr – zumindest so lange, bis ich mir die √Ėlgem√§lde in dem viktorianischen Geb√§ude angeschaut habe. Offensichtlich herrscht in der (wechselnden) Jury ein Grundverst√§ndnis f√ľr Portr√§tfotografie vor, das sich an den alten Gem√§lden des 16. bis 20. Jahrhunderts orientiert.

Naja, es gab aber auch ein paar Lichtblicke wie die J√§gerin auf dem Pferd von David Chancellor, die Gruppe Vietnamesinnen von David Graham, das verschachtelte Soldaten-Gruppenportr√§t von Andrea Stern, die Soldatinnen-Aufnahme von Anastasia Taylor-Lind, den Cowboy auf der Bettkante von Jane Hilton, die Zwillingsschwestern von Jeffrey Stockbridge, die Zwillingsbr√ľder von Kenneth O’Halloran und Amy Helene Johanssons Pilgerin aus Bangladesch, die auf den Kupplungen zwischen zwei Waggons reisen muss. Panayiotis Lamprous Aufnahme seiner halbnackten Frau fand ich hingegen eher peinlich – da es nach eigener Aussage ein privater Schnappschuss war, sollte es vielleicht auch im privaten Fotoalbum verweilen. Die Jury sah das jedoch anders – und das Schamlippenbild landete auf dem zweiten Platz.

Wer in den n√§chsten Wochen in London ist, kann sich aber auch selbst ein Bild von der Ausstellung machen – die l√§uft noch bis zum 20. Februar. Ansonsten empfehle ich den Katalog – der funktioniert merkw√ľrdigerweise besser als die Ausstellung selbst und ist mit 15 Pfund auch noch erschwinglich.

Links: National Portrait Gallery, Interview mit Kurator Terence Pepper

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Ken Kitano in der Galerie Priska Pasquer

In der Galerie Priska Pasquer bin ich auf einen mir v√∂llig unbekannten Fotografen gesto√üen, der mich sofort begeistert hat. Der 1968 geborene Japaner Ken Kitano zeigt dort seine Serie “Our Face”, f√ľr die er zwar einzelne Portr√§ts fotografiert, die Negative aber anschlie√üend √ľbereinander belichtet, so dass auf dem Abzug extreme Mehrfachbelichtungen entstehen. Das Ergebnis fasziniert mich sehr – und auch, wenn Michael Wesely bereits f√ľnf Jahre zuvor die selbe Technik und ein √§hnliches Thema behandelt hat, verlieren Kitanos Arbeiten nichts von ihrer Magie.

Wer meine ausf√ľhrliche Besprechung, die heute im K√∂lner Stadt-Anzeiger erschienen ist, lesen m√∂chte, findet sie hier. Die Ausstellung selbst ist noch bis zum 5. Februar zu sehen.

Links: Galerie Priska Pasquer, Ken Kitano

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Ein Jahr “gesehen mit” im K√∂lner Prinz – Teil II

Schon wieder ist ein Jahr herum, in dem ich f√ľr die K√∂lner Ausgabe des Prinz mit unbescholtenen B√ľrgern durch Kunstausstellungen zog, um anschlie√üend ein paar S√§tze dar√ľber zu schreiben.¬† “Gesehen mit” hei√üt die Serie, f√ľr die ich meine Begleiter auch immer in den Galerien und Museen vor, neben, hinter oder in der Kunst fotografiere.¬† Anbei findet ihr meine zw√∂lf Lieblingsbilder aus 2010. Gleichzeitig m√∂chte ich mich nochmals bei Arnd, Jasmin, Philip, Beate, Stefan, Karin, Denis, Nina, Robert, Hazar, Babak und Lisa f√ľr ihre Teilnahme bedanken.

Au√üerdem m√∂chte ich die Gelegenheit nutzen und die Leser meines Blogs ebenfalls zum Mitmachen aufrufen: Falls also auch ihr Interesse habt, in den n√§chsten Monaten bei “gesehen mit” mitzumachen und euch mit mir eine Ausstellung in K√∂ln oder Umgebung anzuschauen, dann meldet euch doch bitte kurz bei mir.

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K√ľnsterportr√§ts f√ľr das neue MOFF

Als im Sommer das neue und sehr ambitioniert betriebe “Magazin – K√∂lner K√ľnstler im Gespr√§ch” erschien, las ich im Vorwort von Stefanie Klingemann, dass f√ľr jede Ausgabe “andere in K√∂ln lebende K√ľnstler, Graphiker und Designer eingeladen w√ľrden, Layout, Cover, grafische Arbeiten, Fotoportr√§ts und Editionen zu gestalten.” Ich f√ľhlte mich angesprochen und schrieb Stefanie eine Mail. Ein paar Wochen sp√§ter stand fest, dass ich f√ľr die zweite Ausgabe alle K√ľnstlerportr√§ts √ľbernehme – nat√ľrlich “f√ľr lau”, was mich aber nicht st√∂rte, da dass gesamte Magazin ehrenamtlich betrieben wird. Dass der bekannte K√∂lner Grafikdesigner Otto Dietrich die Art Direktion sowie die Grafik der n√§chsten Ausgabe √ľbernehmen sollte, freute und motivierte mich nur noch zus√§tzlich.

Am Freitag, 19. November, erscheint nun endlich die neue Ausgabe, die ab jetzt √ľbrigens MOFF – Magazin der K√∂lner Off-Szene hei√üt. Mit dabei sind Gespr√§che und nat√ľrlich meine Fotos von Charlotte Desaga, Christiane Rasch, dem K√ľnstlerduo Dan Dryer alias J√∂rg Koslowski & Astrid Piethan, David Ostrowksi, Dirk Vollenbroich, Eli Corti√Īas, Kathrin Sehl, Patrick Rieve und Ralf Witthaus. Dass David Ostrowski auf dem Foto mal wieder nicht erkannt werden wollte (bei unserem gemeinsamen Besuch im Museum Ludwig f√ľr die Prinz-Serie “gesehen mit” trug er eine gro√üe Sonnenbrille), fand ich erst ein wenig anstregend, aber sobald ich sein Atelier betrat und seine aktuellen Arbeiten sah, war mir klar, dass wir f√ľr sein Bild eine sehr elegante L√∂sung finden w√ľrden. Und dass alle Bilder letztlich nur in Schwarzwei√ü gedruckt werden konnten, fand ich nat√ľrlich auch sehr einschr√§nkend, aber ich muss beim ersten Blick auf das PDF sagen, dass es sogar Bilder gibt, die dadurch eher gewonnen haben. Aber – das m√∂gt ihr vielleicht am besten selbst beurteilen.

“MOFF – Magazin der K√∂lner Off-Szene” liegt in Galerien, Ausstellungsr√§umen, Caf√©s und Bars kostenlos aus.

Links: MOFF, Otto Dietrich

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Kleiner Kunstkauf am Rande II

Ein bisschen verwunderlich ist es ja schon, dass Nadine und ich von Uwe M√ľller ausgerechnet ein streng inszeniertes Portr√§t kaufen – denn eigentlich ist der Meistersch√ľler von Arno Fischer ein klassischer Reportagefotograf.¬† Aber seine Version des Jan Vermeer-Bildes “Das M√§dchen mit dem Perlenohrring” hat uns sofort von den Socken gerissen, als wir es das erste Mal in der Ausstellung “First Class” in der Fotoakademie-Koeln gesehen haben. Mal abgesehen davon, dass M√ľller das Bild mit einfachsten Mitteln nachstellt, schafft es sein Modell (das er √ľbrigens spontan in einer Konditorei angesprochen hat) dem M√§dchen mit diesem ganz besonderen Blick zwischen Neugierde und Sch√ľchternheit, N√§he und Distanz eine ganz neue, moderne Rolle zuzuschreiben, ohne das Original jedoch zu verraten.

Fasziniert bin ich au√üerdem, dass vor allem der Stoff so weich aussieht wie gemalt, w√§hrend das √Ėlgem√§lde von 1665 fast wie fotografiert wirkt. Insofern finde ich Uwe M√ľllers Bild eine perfekte Mischung aus Nachinszenierung und Neuinterpretation. Die andere, sehr bekannte Version im Rahmen der Verfilmung mit Scarlett Johansson wirkt hingegen eher platt und banal, weil es das Original ja nur kopiert – und das ja noch nicht einmal besonders gut.

Links: Uwe M√ľller, Fotoakademie-Koeln

Uwe M√ľller: "Das M√§dchen mit dem Perlenohrring", 2009

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“Alleine Vereint” in K√∂ln zu sehen

Anl√§sslich der Ver√∂ffentlichung in der Photonews habe ich ja bereits auf die Diplom-Arbeit “Alleine Vereint” meiner Freundin Nadine Prei√ü hingewiesen. Wer Lust hat, kann sich die Arbeit in K√∂ln nun auch in einer Ausstellung im Original anschauen. In der B√ľrogemeinschaft Design-Union, Schillingstra√üe 26, wird sie am Sonntag, 19. September, um 16 Uhr er√∂ffnet, und ist danach bis zum 26. September t√§glich von 13 bis 19 Uhr zu sehen.

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Kleiner Kunstkauf am Rande

Ich m√∂chte kurz auf das Projekt von Daniel Hofer hinweisen. Der braucht dringend Geld, um seine Diplomarbeit “BIG L” √ľber das Leben am bolivianischen Salzsee Salar de Uyuni zu finanzieren – und hat dabei einen eher unkonventionellen Weg eingeschlagen: Ab einer Spende von 50 Euro erh√§lt der Unterst√ľtzer ein Bild Hofers als Fine-Art-Print in einer unlimitierten Sonderedition.

Ich habe auch mitgemacht – und mich f√ľr einen seiner Bergm√§nner entschieden. Den fand ich schon in der Gruppenausstellung “I, Object” in D√ľsseldorf vor eineinhalb Jahren sehr toll, aber ein 80 mal 110 Zentimeter gro√ües Portr√§t h√§ngt man sich ja nicht so ohne weiteres in die Bude. In 20 mal 30 dann vielleicht schon eher. Und au√üerdem ist es ja f√ľr einen guten Zweck.

Daniel Hofer, aus der Serie "Bergwerk Ost", 2007

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Ted Partin im Haus Esters in Krefeld

Im Ksta ist meine Besprechung √ľber die Ausstellung von Ted Partin erschienen – da sie allerdings doch stark gek√ľrzt und ohne Bild abgedruckt wurde, gibt es sie hier noch einmal in voller L√§nge:

Ted Partin ist im Rheinland zurzeit das, was gerne ein ‚ÄěGeheimtipp‚Äú genannt wird. Kaum einer kennt den jungen Fotografen aus Brooklyn, aber wer seine Ausstellung im letzten Jahr in der D√ľsseldorfer Galerie Thomas Flor oder aktuell im Museum Haus Esters in Krefeld (noch bis zum 19. September) gesehen hat, spricht meist voller Begeisterung und Bewunderung von den intensiven Portr√§ts des 33-J√§hrigen.

Ihre Wirkung entfalten die Originalabz√ľge sicherlich auch auf Grund der eingesetzten Technik – schlie√ülich fotografiert Partin mit einer gro√üen und schweren Fachkamera der Marke Deardorff, mit der auch schon Richard Avedon gearbeitet hat. Das Negativ, das dabei belichtet wird, ist mit 20 mal 25 Zentimetern etwa sechs mal so gro√ü wie eine durchschnittliche, digitale Kompaktkamera ‚Äď die Brillanz der Abz√ľge l√§sst jeden neuen Megapixelrekord und jede Bildstabilisatoren-Neuheit wie einen Treppenwitz der Fotografiegeschichte dastehen.

Doch all diese technischen Feinheiten nutzen nur wenig, w√ľrde es am entsprechenden Inhalt fehlen. Tut er bei Partin aber nicht. Denn der Amerikaner bewegt sich mit der Ausstellung ‚ÄěEyes look through you‚Äú souver√§n in der Sph√§re zwischen Dokumentar- und Inszenierter Fotografie und zeigt junge Erwachsene zwischen Rebellion und Resignation, zwischen Selbstreflektion und Selbstaufgabe. Partin fotografiert sie durch Fenster und Spiegel, um r√§umliche Situationen zu verschachteln und neue Perspektiven zu kreieren ‚Äď dadurch gewinnt er N√§he und Distanz zugleich. Aber auch ohne solche Hilfsmittel gibt es immer wieder Barrieren, die er zu √ľberwinden versucht ‚Äď zum Beispiel der Hund mit dem Maulkorb auf dem Steg vor ihm, der Mann unter der Wasseroberfl√§che oder der frisch nach einer Operation verklammerte Hinterkopf eines anderen.

Faszinierend ist auch das Portr√§t einer Frau. Sie wirkt merkw√ľrdig fremdartig, als w√§re sie eine Afroamerikanerin mit Albinismus. Doch als w√ľrde dies alleine noch nicht ausreichen, l√§sst Partin sie w√§hrend der Langzeitbelichtung die Lieder schlie√üen. Auf dem Abzug wirkt dies wie ein milchiger Schleier √ľber den Augen als w√§re sie blind. Direkt unter der Oberfl√§che seiner Bilder liegt h√§ufig etwas Dunkles, etwas Verborgenes ‚Äď so auch wie bei der grandiosen Farbaufnahme einer anderen jungen Frau. M√§nnerh√§nde ziehen an ihrer Bluse, so dass eine gro√üe, sternf√∂rmige Narbe auf ihrem Dekollet√© erscheint, die sie sich offensichtlich freiwillig zugezogen hat. Dass Partin dieses Bild direkt auf Cibachromepapier belichtet hat, kann auch als Respekt seinem Modell gegen√ľber verstanden werden, denn bei dieser Technik existiert kein Negativ mehr, und der Abzug wird somit zum Unikat – in der Fotografie eigentlich ein Absurdum.

Der Vergleich mit anderen Portr√§tfotografen wie August Sander, Diana Arbus und Judith Joy Ross dr√§ngt sich auf, schlie√ülich fotografiert Partin ganz in ihrer Tradition. Aber auch Larry Clark, der Jugendliche im Drogen- und Sexrausch fotografierte, steht in gewisser Weise Pate ‚Äď nur, dass Partins Bilder subtiler und weniger aggressiv, seine Modelle eher abgekl√§rt, einsam und melancholisch statt provokativ sind. Ihre Tattoos, Piercings und Narben sind ein Teils ihres Ichs – und nicht allein daf√ľr da, um andere zu schockieren oder weil ihnen langweilig ist. Und anders als bei Clark, bei dem der Betrachter zum Voyeur wird, sind es bei Partin h√§ufig die Betrachter selbst, die angeschaut werden. Es sind ganz fl√ľchtige Augenblicke, und deshalb wirken Partins Fotografien auch so beil√§ufig, so schnappschussartig – obwohl sie in Wirklichkeit von langer Hand geplant und perfekt durchkomponiert sind. Da kommt dann Gregory Crewdson ins Spiel, bei dem er studiert hat ‚Äď nur sind Partins Arbeiten deutlich leichter und viel weniger cineastisch, weil sein Licht nat√ľrlich und nicht dramatisch zugespitzt wirkt.

Trotz der zahlreichen Vergleiche und Parallelen hat sich Ted Partin also eine sehr eigenst√§ndige Handschrift erarbeitet und √∂ffnet dem Betrachter somit eine fotografische Welt, die sich erfrischend von der des vorherrschenden Kunstmarktes abhebt. F√ľr mich ist ‚ÄěEyes look through you‚Äú jedenfalls die bislang beste Fotoausstellung des Jahres.

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Oliver Siebers “Imaginary Club”

Der D√ľsseldorfer Fotograf und Publizist Oliver Sieber ist mir erstmals vor zwei oder drei Jahren mit seiner Serie “Character Thieves” aufgefallen, f√ľr die er Cosplayer auf der ganzen Welt besucht und in ihrem heimischen Umfeld portr√§tiert hat. Der Kontrast zwischen den aufwendigen, extravaganten Fantasiekost√ľmen und den spie√üigen Wohnungen war f√ľr mich das Sinnbild f√ľr eine nach Individualit√§t schreienden, aber dem Konservativmus nicht entfliehen k√∂nnenden Welt.

Nun zeigt Sieber in der Galerie Priska Pasquer seine Ausstellung ‚ÄúImaginary Club‚ÄĚ – und beweist nicht nur, dass er zu den wichtigsten zeitgen√∂ssischen Portr√§tfotografen z√§hlt, sondern auch, dass er seine Arbeiten wundervoll pr√§sentieren kann. Die schwarz gestrichenen Galeriew√§nde sind ein Statement, aber auch eine B√ľhne f√ľr seine Protagonisten, die alle Mitglied in (s)einem ganz besonderen, fiktiven Verein sind. Hier treffen Punks, Visus, Psychobillies und Gothic Lolitas aus Los Angeles, New York, Tokyo, K√∂ln oder Schw√§bisch Hall aufeinander. Es sind Menschen, die ihre Identit√§t durch deutlich sichtbare, aber nicht f√ľr Jedermann verst√§ndliche Codes kommunizieren – um sich von der Masse abzugrenzen und gleichzeitig der eigenen Gruppe zuzuordnen. Erweitert und erg√§nzt werden die Protagonisten seiner bisherigen Serien um schwarzwei√üe Stra√üenszenen und Portr√§ts von Freunden und Bekannten wie der Kunsthistorikerin Nadia Ismail (deren Kontaktlinsen auf dem Bild eine fast verst√∂rende Wirkung haben) und dem Fotografen Ted Partin, so dass eine f√ľr Sieber ideale Gesellschaft, eine Art Utopia entsteht, in der er sich wohl f√ľhlt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. August in der Galerie Priska Pasquer in Köln zu sehen. Im Kölner Stadt-Anzeiger ist mittlerweile außerdem noch eine Rezension erschienen.

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