“Hijacked 2″-Ausstellung im Zephyr

Das Buch Hijacked 2 habe ich bereits auf meinem Blog vorgestellt. Im Zephyr – Raum für Fotografie in Mannheim (genauer: im Museum Weltkulturen der Reiss-Engelhorn-Museen) ist nun die entsprechende Ausstellung zu diesem ehrgeizigen Projekt des Australiers Mark McPherson zu sehen: Er stellt Positionen von Landsleuten wie Narelle Autio, Derek Henderson, Ingvar Kenne, Rebecca Ann Hobbs, Polixeni Papapetrou und Louis Porter 16 deutschen Fotografen gegenüber – darunter Natalie Bothur, Jörg Brüggemann, Thekla Ehling und Anne Lass, Julian Röder, Oliver Sieber, Josef Schulz und Jan von Holleben.

Warum ich glaube, dass dem Projekt (so spannend ich es auch finde) bald die Puste ausgehen wird, steht in meiner Besprechung, die in der aktuellen Photonews erschienen ist und die es hier als PDF gibt.

Link: Zephyr

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Hijacked 2 – Australien/Deutschland

Bereits “Hijacked – Volume One”, erschienen 2008 bei Big City Press, war ein wunderbares Buch. Damals stellte der Initiator und Herausgeber Mark McPherson zusammen mit Max Pam australische und us-amerikanische Fotografen in einem gemeinsamen Band vor – darunter gute bis fantastische Positionen von Robin Schwartz, Brian Cross, Amy Stein, Greta Anderson, Sarah Small und Juha Tolonen.

Nun hat Big City Press gemeinsam mit dem Heidelberger Kehrer-Verlag die Fortsetzung “Hijacked – Volume 2″ in die Läden gebracht – dieses Mal mit australischen und deutschen Fotografen und mitherausgegeben von Ute Noll und Markus Schaden. Das schicke Lesebändchen vom ersten Teil gibt es nicht mehr, dafür bekommt man aber noch mehr Seiten, die auch noch richtig gut gefüllt wurden mit junger, aufrüttelnder, poetischer, verstörender, verträumter Fotografie.

Das fängt schon beim Cover an, das das Bild “Reita” von Oliver Sieber ziert und das zurzeit auch noch in der Ausstellung Imaginary Club in der Kölner Galerie Priska Pasquer zu sehen ist: Warum zum Teufel hat diese Frau eigentlich eine weißes Stirnband quer über das Gesicht laufen, das nur ihre Nase verdeckt? Es geht weiter mit Arbeiten von Josef Schulz, Jan von Holleben, Johanna Ahlert, Olaf Unverzart, Jens Liebchen, Myriam Lutz, Julian Röder, Ivonne Thein, Albrecht Fuchs, Nathalie Bothur, Jörg Brüggemann, Anne Lass, Karsten Kronas, Sascha Weidner und Thekla Ehling – kurzum: fast ausnahmslos sehr gute und eigenständige Positionen, die einen guten Überblick über die junge, zeitgenössische Fotografie bietet – mit einer nicht ganz unwichtigen Ausnahme: Fast keiner der deutschen Fotografen fotografiert deutsch, also im Sinne der Neuen Sachlichkeit und der Becher-Klasse. Offensichtlich wurde viel Wert darauf gelegt zu zeigen, dass man hierzulande auch anders fotografieren kann, was ich persönlich für sehr gut und wichtig halte.

Im Mittelteil gibt es mehrere Texte, dann begegnet dem Betrachter in der australischen Hälfte erst einmal einem jungen, nacktem Paar, das im offenen Kofferraum ihres Kombis sitzt: Bronek Kózka hat im Gregory-Crewdson-Jeff-Wall-Stil inszeniert – allerdings nicht ganz so gut, weil nicht so geheimnisvoll. Andere Arbeiten haben mir da deutlich besser gefallen – zum Beispiel die von Ingvar Kenne, Conor O’Brien, Polixeni Papapetrou, Derek Henderson und auch Louis Porter, Andrew Cowen und Michael Corridore. Sehr amüsiert habe ich mich übrigens auch bei Jackson Eaton und seinem Bild “Hasisi holding my foreskin in her teeth”. Ich denke, ich brauche nicht näher zu beschreiben, was darauf zu sehen ist.

Wenn mir auch persönlich nicht alle Fotografen so ganz zusagen, bleibt mir doch nichts anderes übrig, als für “Hijacked 2″ eine uneingeschränkte Kaufempfehlung auszusprechen: Das Buch ist eine sehr gelungene Zusammenstellung junger, zeitgenössischer Fotografie jenseits des Mainstreams und dürfte auch in Zukunft immer wieder zum Schmökern und Nachschlagen einladen.

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Oliver Siebers “Imaginary Club”

Der Düsseldorfer Fotograf und Publizist Oliver Sieber ist mir erstmals vor zwei oder drei Jahren mit seiner Serie “Character Thieves” aufgefallen, für die er Cosplayer auf der ganzen Welt besucht und in ihrem heimischen Umfeld porträtiert hat. Der Kontrast zwischen den aufwendigen, extravaganten Fantasiekostümen und den spießigen Wohnungen war für mich das Sinnbild für eine nach Individualität schreienden, aber dem Konservativmus nicht entfliehen könnenden Welt.

Nun zeigt Sieber in der Galerie Priska Pasquer seine Ausstellung “Imaginary Club” – und beweist nicht nur, dass er zu den wichtigsten zeitgenössischen Porträtfotografen zählt, sondern auch, dass er seine Arbeiten wundervoll präsentieren kann. Die schwarz gestrichenen Galeriewände sind ein Statement, aber auch eine Bühne für seine Protagonisten, die alle Mitglied in (s)einem ganz besonderen, fiktiven Verein sind. Hier treffen Punks, Visus, Psychobillies und Gothic Lolitas aus Los Angeles, New York, Tokyo, Köln oder Schwäbisch Hall aufeinander. Es sind Menschen, die ihre Identität durch deutlich sichtbare, aber nicht für Jedermann verständliche Codes kommunizieren – um sich von der Masse abzugrenzen und gleichzeitig der eigenen Gruppe zuzuordnen. Erweitert und ergänzt werden die Protagonisten seiner bisherigen Serien um schwarzweiße Straßenszenen und Porträts von Freunden und Bekannten wie der Kunsthistorikerin Nadia Ismail (deren Kontaktlinsen auf dem Bild eine fast verstörende Wirkung haben) und dem Fotografen Ted Partin, so dass eine für Sieber ideale Gesellschaft, eine Art Utopia entsteht, in der er sich wohl fühlt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. August in der Galerie Priska Pasquer in Köln zu sehen. Im Kölner Stadt-Anzeiger ist mittlerweile außerdem noch eine Rezension erschienen.

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Neue Ausstellungen in Köln und Krefeld

In den vergangenen vier Tagen habe ich fünf tolle Fotografie-Ausstellungen in Köln und Krefeld besucht, auf die ich zumindest schon einmal hinweisen möchte, bevor ich meine ausführlichen Besprechungen in den nächsten Wochen nachreichen werde.

Zum einen ist das “Imaginary Club” von Oliver Sieber in der Galerie Priska Pasquer – sowohl die Bilder als auch die Präsentation finde ich sehr gelungen. Sehr begeistert bin ich außerdem von den beiden musealen Ausstellungen “Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Japan und China” im Museum Ludwig und “Eyes look through you” von Ted Partin im Museum Haus Esters in Krefeld. Ebenfalls einen Besuch wert sind “Public Relations” von Gary Winogrand in der Galerie Thomas Zander und “Lightwalls” des Spaniers Aitor Ortiz in der Galerie Stefan Röpke.

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La Brea Matrix und Jan Dziaczkowski

Das Projekt The La Brea Matrix habe ich bereits im September kurz vorgestellt, nun gibt es in der Galerie Kaune, Sudendorf die Auftaktausstellung mit Arbeiten aller sechs Fotografen plus einem großen Originalabzug von eben jener legendären Stephen Shore-Aufnahme aus dem Jahr 1975 zu sehen. Ein Muss für alle Fans der Fotografiegeschichte im Allgemeinen und der New Color- und der New Topographic-Photography im Speziellen.

Außerdem zeigt die kleine V8-Galerie wunderbare Postkartencollagen von Jan Dziaczkowski, der der Frage nachgeht, wie Europa aussähe, wenn sich der Kommunismus bis an den Atlantik ausgebreitet hättet.

Den Artikel über beide Ausstellungen, erschienen im Kölner Stadt-Anzeiger, gibt es hier.

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The La Brea Matrix

Der Kölner Markus Schaden ist nicht nur Fotobuchhändler und Verleger, sondern hat nun auch noch das bemerkenswert ambitionierte Projekt The La Brea Matrix ins Leben gerufen. Die sechs deutschen Fotografen Jens Liebchen, Max Regenberg, Oliver Sieber, Olaf Unverzart, Robert Voit and Janko Woltersmann wurden dazu eingeladen, die bekannte Tankstellen-Aufnahme “La Brea” aus dem Jahr 1975 von Stephen Shore als Ausgangspunkt für ihre eigenen Arbeiten zu nehmen. Im Rahmen eines Artist-in-Residence-Programms in Los Angeles suchen sie nach fotografischen Referenzen und schaffen zugleich eine Hommage an das Bild, das Fotogeschichte geschrieben hat und wie nur wenige andere für “The New Color Photography” steht, durch die sich Farbfotografie überhaupt erst emanzipieren und als Kunst durchsetzen konnte. Das Projekt ist deshalb sowohl ein Blick zurück auf die Wurzeln, will vor allem aber auch nach vorne schauen und aufzeigen, was sich seitdem getan und wie sich die Fotografie weiterentwickelt hat.

Genauere Informationen findet ihr auf der Homepage des bis 2012 angedachte Projekts.

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