“Polaroid Collection” im NRW-Forum

Seit längerer Zeit beobachte ich das verstärkte Interesse sowohl des Kunstmarktes als auch der Endnutzer am alten, analogen Medium Polaroid. Im NRW-Forum ist nun ein Teil der europäischen “Polaroid Collection” zu sehen, die nach der Insolvenz des amerikanischen Unternehmens als Teil der Konkursmasse aufgeteilt und versteigert werden sollte. Der Wiener Peter Coeln hat sie komplett erwerben und somit beisammenhalten können. Nach einer Ausstellung im Westlicht in Wien werden in Düsseldorf nun rund 400 der insgesamt 4400 Polaroids präsentiert – darunter Arbeiten von Oliviero Toscani, Andy Warhol, Ansel Adams, Stephen Shore, Helmut Newton und Nobuyoshi Araki.

Meine ausführliche Ausstellungsbesprechung ist heute in der taz erschienen und hier nachzulesen. Außerdem ist im Hatje Cantz Verlag der Katalog “From Polaroid to Impossible” erschienen, der die Polaroid Collection allerdings streng nach Filmmaterial sortiert (192 Seiten, 39,80 Euro).

Link: NRW-Forum, Hatje Cantz

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Japanische Nachkriegsfotografie in Köln

Zwar ist das Interesse des Westens an der japanischen Fotografie in den vergangenen Jahren stark gestiegen – für die meisten bleibt sie dennoch ein Buch mit sieben Siegeln. Der durchschnittliche europäische Kunstliebhaber mag Namen wie Rinko Kawauchi, Nobuyoshi Araki, Hiroshi Sugimoto und Daidō Moriyama kennen, doch fehlt es insgesamt an Hintergrundwissen, um die sich sehr eigenständig entwickelte japanische Fotografie einordnen und zumindest halbwegs verstehen zu können.

Zwei Kölner Ausstellungen bieten nun Hilfestellungen. Das Japanische Kulturinstitut zeigt noch bis Ende September “Die Metamorphose Japans nach dem Krieg” mit insgesamt 77 Arbeiten von elf Fotografen, die alle zwischen 1901 und 1933 geboren wurden und deren Arbeiten zwischen 1945 und 1965 entstanden – darunter befinden sich auch Hiroshi Hamaya, Ken Domon, Shômei Tômatsu und Eikoh Hosoe.

Als Ergänzung empfiehlt sich zudem der Besuch der Ausstellung in der Galerie Priska Pasquer: Dort sind Arbeiten aus zwei Serien von Shin Yanagisawa zu sehen. Sie entstanden in den 1960er und frühen 70er Jahren und sind zum ersten Mal außerhalb Japans zu sehen.

Wer mehr erfahren möchte, kann sich meine Besprechung aus dem heutigen Kölner Stadt-Anzeiger durchlesen.

Links: Japanisches Kulturinstitut, Galerie Priska Pasquer

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Interview mit Kotaro Iizawa

Gerade ist im Artnet Magazin mein Interview mit dem japanischen Fotografieexperten Kotaro Iizawa erschienen. In dem Gespräch, das wir vor zwei Wochen anlässlich seines Vortrages “Eine Perspektive auf die zeitgenössische japanische Photographie” in Köln geführt haben, geht es viel um die Unterschiede zwischen westlichen und japanischen Fotografen, deutsche Einflüsse und natürlich die Besonderheit des Fotobuches in der japanischen Fotografie.

Das gesamte Interview gibt es hier.

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“Fotografen A-Z” von Hans-Michael Koetzle

Das Fotobuch lebt. Das merke ich nicht nur daran, dass die Zahl der Publikationen, speziellen Buchläden, Internetblogs, Festivals und nicht zuletzt auch die Preise für vergriffene Exemplare ständig steigen. Ich merke es auch, weil der Kölner Taschen Verlag, der ja eher für Mainstream-Ware bekannt ist, nun einen dicken Wälzer (444 Seiten, 49,99 Euro) zu diesem Thema herausgebracht hat. Der Titel “Fotografen A-Z” suggeriert eher ein Fotografen-Lexikon wie die ebenfalls bei Taschen erschienene Foto:Box, doch es geht in dem Buch von Autor Hans-Michael Koetzle tatsächlich weniger um die Fotografen, sondern vielmehr um ihre “schönsten Monografien”, wie es in der Pressemitteilung heißt.

So ist das Buch nun auch eine Art Enzyklopädie geworden, streng alphabetisch (und nicht etwa chronologisch) geordnet, die kompetent Auskunft geben will, die aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Wie soll sie auch? Dafür lädt sie ein zum ziellosen Blättern, Stöbern, Surfen – kurz: zum Entdecken. Und zu entdecken gibt es viel, denn das Buch geizt nicht mit großen, populären Namen wie Nobuyoshi Araki, Diane Arbus, Richard Avedon, Anton Corbijn, Peter Lindbergh, Man Ray, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Leni Riefenstahl, Cindy Sherman, Wolfgang Tillmans, Ellen von Unwerth und Weegee, stellt aber auch weniger bekannte vor.

Das ist zwar alles schön und gut und lockt sicherlich auch Kunden an, die sich sonst eher nicht mit dem Thema Fotobuch auseinandersetzen würden. Wahrscheinlich aber auch nur die. Denn die Texte, die Koetzle dem interessierten “Leser” liefert, sind wenig aufschlussreich: Ein als Fließtext getarnter Lebenslauf wird durch die Auflistung von Ausstellungen und weiteren Büchern des Fotografen angereichert. Auf die Bilder geht Koetzle kaum, auf die vorgestellten Monografien gar nicht ein. Dafür werden Journalisten, Kuratoren, Sammler, Fotografen und weitere “Foto-Prominente” kurz zitiert und beziehen so wenigstens ein wenig Stellung.

Natürlich ist es nicht einfach, ein gescheites Buch über Fotobücher herauszubringen, schließlich haben Martin Parr und Gerry Badger mit “The Photobook: A History” die Messlatte sehr hoch gelegt: Die zweibändige Publikation gilt heute als Kanon, Standardwerk und Bestellkatalog für Sammler zugleich. Der Taschen Verlag tut gut daran, sie nicht einfach zu kopieren. Gleichzeitig muss er dem Leser, der immerhin 50 Euro für “Fotografen A-Z” hinblättern soll, inhaltlich mehr liefern als bloße Faksimiles aus Büchern und Zeitschriften. In der jetzigen Form wirkt es jedenfalls wie ein Schnellschuss aus der Hüfte und verkommt zum bloßen Coffee Table Book. Und genau das sollen gute Fotobücher ja eben nicht sein.

Links: Taschen Verlag

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“Kinbaku” von Nobuyoshi Araki

Mein Verhältnis zum japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki ist sehr ambivalent. Sein Buch “Tokyo Lucky Hole” war das erste, was ich von ihm gesehen habe – es hat mich fasziniert und abgestoßen zugleich.

Die aktuelle Ausstellung “Kinbaku” in der Jablonka Galerie in Köln hat mich ihm und seiner Arbeit nun ein ganzes Stückchen näher gebracht – wenngleich er mit seiner sexuell-exzentrischen und damit ganz und gar “unjapanischen” Art auch weiterhin Fremdscham in mir auslöst.  Dem gegenüber steht sein Frühwerk “Sentimental Journey”, in dem er sehr einfühlsam und poetisch die eigene Hochzeitsreise beziehungsweise 1990 mit “Winter Journey” das Sterben und den Tod seiner Frau dokumentiert. Mein Verhältnis zu Araki bleibt also ambivalent – allerdings ist es um einige spannende Facetten erweitert worden.

Meine Besprechung aus dem Kölner Stadt-Anzeiger findet ihr hier.

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