Interview mit Alec Soth

Auf das Interview mit Alec Soth habe ich mich sehr gefreut – als wir uns dann auf der Paris Photo trafen, war es allerdings etwas … ungew√∂hnlich. Alec hatte zwar eine halbe Stunde Zeit, doch die verbrachten wir nicht irgendwo in einer ruhigen Ecke, sondern am Messestand seines Verlegers, wo er ununterbrochen Berge seines wiederaufgelegten Buches “Sleeping by the Mississippi” signierte, w√§hrend ich etwas eingeengt neben ihm sa√ü. St√§ndig kamen Leute vorbei und unterbrachen uns, weil sie mit ihm reden, ihn fotografieren oder Komplimente loswerden wollten. Naja, dem Interview merkt man es hoffentlich nicht an.

Alec sprach mit mir √ľber seine Mitgliedschaft bei Magnum, den gro√üen Erfolg von eben “Sleeping by the Mississippi”, Roadtrips, seine Sch√ľchternheit und seinen (vielleicht nicht immer nur guten) Einfluss auf die j√ľngere Fotografengeneration.

Das Interview ist in der ProfiFoto erschienen und gibt es hier als PDF.

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Der Traum vom eigenen Fotobuch

Fotob√ľcher erleben seit mehr als zehn Jahren einen Boom. Die Zahl der Ver√∂ffentlichungen ist enorm gestiegen, ebenso die Zahl der Verlage. Auf Fotofestivals und Fotokunstmessen ist das Fotobuch mit Verkaufsst√§nden von Verlagen und H√§ndlern, Preisverleihungen und Signierstunden der K√ľnstler l√§ngst ein fester Bestandteil. In Kassel, Wien und Istanbul haben sich sogar Festivals gegr√ľndet, die sich nur diesem Medium widmen.¬† Heute kann jeder Fotograf sein eigenes Buch ver√∂ffentlichen ‚Äď und gef√ľhlt muss er das auch, wenn er eine gewisse Anerkennung f√ľr seine Arbeit bekommen m√∂chte.

F√ľr das fotoMagazin habe ich Fotografen, K√ľnstler und Verleger wie Frederik Busch, Klaus Kehrer, David Klammer, Juliane Herrmann, Rob Hornstra und Linn Phyllis Seeger nach ihren Erfahrungen beim Machen von Fotob√ľchern gefragt und bin auch auf die Vor- und Nachteile des Selfpublishings eingegangen. Den Artikel gibt es¬†hier als PDF.

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Die Paris Photo im Grand Palais

Die Paris Photo war bislang die wichtigste Messe f√ľr Fotografie. Doch unter der Leitung von Direktor Julien Frydman entwickelt sie sich immer weiter und steht heute als Synonym f√ľr die wohl wichtigste Plattform f√ľr Fotografie √ľberhaupt. Denn das umfangreiche Angebot vereint neben den 136 Galerien auch ganz selbstverst√§ndlich 28 Fotobuchverlage und -h√§ndler sowie mehrere Ausstellungen und √ľber 200 Signierstunden unter der wunderbaren Kuppel des Grand Palais. Nat√ľrlich geht es hier ums Verkaufen von Bildern – aber der Ansatz, dass Fotografien zwischen zwei Buchdeckeln mindestens die gleiche Berechtigung haben wie an der Wand, ist durchaus beachtlich und wird meiner Meinung nach in der √ľblichen Messeberichterstattung viel zu wenig bis gar nicht ber√ľcksichtigt.

In meiner Besprechung im Standard wollte ich das ein wenig ändern.

Link: Paris Photo

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“Life’s a beach” von Martin Parr

Passend zur Urlaubszeit nun ein Buch, das sich mit dem Leben am Strand auseinandersetzt. Ach was, f√ľr Martin Parr ist das ganze Leben ein Strand – entsprechend hei√üt das neue Buch auch “Life’s a beach”.

Eigentlich ist es ein l√§ngt √ľberf√§lliges Buch, schlie√ülich treibt sich Parr schon sein Leben lang an touristischen Promenaden und Str√§nden herum, was ihm 1986 mit “Last Resort” ja auch internationale Anerkennung gebracht hat. Sein New Brighton-Klassiker mit der Frau, die direkt unter einem riesigen Bagger auf dem Beton-Boden liegt, um sich zu sonnen, darf in seinem neuen Buch deshalb nat√ľrlich nicht fehlen. Allerdings sind in “Life’s a beach” so viele komische bis absurde Allt√§glichkeiten dabei, dass man sie hier kaum aufz√§hlen kann. Unterm Strich kann man aber sagen, dass der Parr’sche Mensch mit dem Betreten der Naherholungszone Strand auch seine W√ľrde ablegt und sich merkw√ľrdig bis grotesk verh√§lt z.B. um halbwegs bequem lesen zu k√∂nnen und gleichzeitig nahtlos gebr√§unt zu werden. Eine Beobachtung, die sicherlich nicht neu ist, die aber selten so konzentriert und komisch aufgearbeitet und zusammengefasst wurde wie hier.

Der einzige Wermutstropfen des Buches ist, dass es sich nun um die g√ľnstige Volksausgabe handelt. Sie ist f√ľr 19,90 Euro bei Schirmer/Mosel erschienen. Die ist zugegeben sehr erschwinglich und in sich auch wirklich sch√∂n aufbereitet: Mit dem kleinen Fotoalbum-Format, dem Haiwaii-Hemd-Look auf dem Cover und der Gesamtanmutung hat “Life’s a beach” das Zeug zum Klassiker, den man auch gerne mal verschenkt. Dennoch: Vor einem halben Jahr habe ich die Limited Edition des Buches (erschienen bei Aperture f√ľr 150 Euro oder so, kostet jetzt aber schon eher 300 Euro und mehr, sic!) gesehen. Es ist aufbereitet wie ein gro√ües, schweres Familienalbum mit schweren Seiten und Transparentpapier dazwischen, in dem jedes Foto einzeln gedruckt und mit Fotoecken eingeklebt wurde und wo der Titel handschriftlich daneben steht. Gleichzeitig wird durch diese enorm aufwendige Aufmachung deutlich, wie absurd doch eigentlich die Fotos sind, die die meisten Menschen in Fotoalben kleben (oder fr√ľher geklebt haben), weil dort h√§ufig bereits der gesamte Parr’sche Kosmos verankert ist – nur ohne, dass man es wei√ü oder bemerkt.

Link: Schirmer/Mosel

Amazon: Life’s a Beach

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ViennaPhotoBookFestival

Und noch ein neues Festival am kommenden Wochende: In Wien findet das ViennaPhotoBookFestival statt – inklusive 600 Quadratmeter gro√üen Buchmarkt mit internationalen Verlagen und H√§ndlern sowie Vortr√§ge und Diskussionen rund um das Thema Fotobuch – unter anderem mit Martin Parr und Garry Badger, die den dritten Teil ihrer Anthologie ‚ÄúThe Photobook: A History‚ÄĚ pr√§sentieren, und Markus Schaden, der √ľber die ver√§nderten Vertriebsstrukturen der letzten zwei Jahrzehnte berichten und m√∂gliche Zukunftsszenarien aufzeigen wird.

Mehr Infos gibt es auf dem Hatje Cantz Fotoblog.

Link: ViennaPhotoBookFestival

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“The Americans List” von Jason Eskenazi

Vor ein paar Wochen hatte ich Besuch von Frederic Lezmi aus Istanbul. Im Gep√§ck hatte er ein kleines, d√ľnnes und dennoch ganz besonders B√ľchlein, das er mir da lie√ü: “By the Glow of the Jukebox: The Americans List” vom ebenfalls in Istanbul lebenden Jason Eskenazi. Es ist kein Fotobuch im klassischen Sinn, denn es zeigt kein einziges Bild und sieht auch von au√üen eher wie ein Notizbuch aus. Dennoch behandelt es, wie der Titel bereits andeutet, eines der ber√ľhmtesten Fotob√ľcher √ľberhaupt: “The Americans” von Robert Frank.

“The Americans List” ist aber auch keine Sekund√§rliteratur, obwohl es zahlreiche Texte enth√§lt, die sich mit “The Americans” besch√§ftigen. Vielmehr ist es eine Hommage an das gro√üartige und die Fotografiegeschichte massiv beeinflussende Projekt, das Frank mit Hilfe eines Guggenheim-Stipendiums zwischen 1955 und 1957 auf Reisen durch die USA realisieren konnte: Das B√ľchlein versammelt die Statements von 276 Fotografen, die Eskenazi nach ihrem Lieblingsbild aus “The Americans” befragt hatte – der Fotograf hatte fast zwei Jahre als W√§chter im Metropolitan Museum of Art gearbeitet und dabei auch auf die Ausstellung “The Americans” aufgepasst. Er nutzte die Gelegenheit, sich erstmals eingehend mit den Fotos auseinanderzusetzen. “‘The Americans’ ist wahrscheinlich das Buch, das die meisten Fotografen miteinander verbindet, und w√§hrend ich auf die Ausstellung aufgepasst habe, sah ich zahlreiche Fotografenkollegen, die sie besuchten.”

Diesen Umstand nutzte er f√ľr seine Befragung und auf diese Weise gelang er an Statements von unter anderem Joel Meyerowitz, Ken Schles, Josef Koudelka, Gary Winogrand, Ralph Gibson, Alec Soth, Martin Parr, Mark Steinmetz, Paul Fusco, James Nachtwey, Alex Webb, Anders Petersen, Annie Leibovitz, Roger Ballen, Stephen Gill, Boris Mikhailov und Wolfgang Zurborn. Und er bekam auch eine Antwort von Robert Frank selbst – sein Lieblingsbild ist “San Francisco”, auf dem ein auf einer Wiese liegendes schwarzes Paar zu sehen ist, dass ihn gerade dabei ertappt, wie er sie fotografiert, was ihm offensichtlich schrecklich unangenehm war. Der Blick des Mannes auf dem Bild sieht jedenfalls auch nicht sonderlich freundlich aus. “Diesen Moment werde ich niemals vergessen”, sagt Frank.

Einen Nachteil gibt es allerdings: Weil “The Americans List” keine Fotos hat, muss man “The Americans” immer parallel aufgeschlagen haben. Das w√§re noch halb so wild, doch das Problem ist, dass die Seiten nicht nummeriert sind – zumindest nicht in der mir vorliegenden, aktuellen Ausgabe von Steidl. Ich habe mir deshalb erst einmal alle zehn Seiten kleine Post-Its hineingeklebt, um die entsprechenden Fotos schneller zu finden. Mit dieser Kr√ľcke geht es dann ganz gut und es macht Spa√ü, immer wieder in beiden B√ľchern nachzuschlagen und zu lesen, was dieser oder jener Fotograf zu seinem Lieblingsbild ernannt hat.

“By the Glow of the Jukebox: The Americans List” ist bei Red Hook Editions erschienen und kostet 10 Euro. “The Americans” von Robert Frank gibt es bei Steidl und kostet 30 Euro.

Link: Jason Eskenazi

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London Festival of Photography

Fotografie-Festivals schießen wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Dass es darunter auch weniger schmackhafte gibt, musste ich im Juli leider und ausgerechnet beim London Festival of Photography erleben.

Warum ich so unzufrieden damit bin, könnt ihr in meiner Review in der aktuellen Photonews nachlesen. Oder hier.

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Magnum Contact Sheets

Im K√∂lner Stadt-Anzeiger habe ich den viereinhalb Kilogramm schweren W√§lzer, der Kontaktb√∂gen zahlreicher ber√ľhmter Magnum-Fotografen wie Philippe Halsman, Herbert List, Robert Capa, Martin Parr, Thomas Hoepker und Henri Cartier-Bresson versammelt, bereits vorgestellt.

In der heute erschienenen Februar-Ausgabe der Photonews tue ich es noch einmal – daf√ľr aber deutlich ausf√ľhrlicher. Meinen Artikel findet ihr hier.

Link: Schirmer/Mosel

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Aus f√ľr die Visual Gallery auf der Photokina

Die Photokina hat bekannt gegeben, dass es ab der kommenden Messe im September keine “Visual Gallery” mehr mit Ausstellungen zur k√ľnstlerischen Fotografie geben wird. Zwar soll mit dem “Boulevard of Competition” Ersatz geschaffen werden – allerdings nur f√ľr die Profi-Fotowettbewerbe, die in der Regel weichgesp√ľlte Einheitsfotografie pr√§sentieren. Die Zusammenarbeit mit dem Bund Freischaffender Foto-Designer (BFF) und der Deutschen Gesellschaft f√ľr Photographie (DGPh), die seit 2002 vielbeachtete Ausstellungen unter anderem mit Martin Parr, Anton Corbijn, Michael von Graffenried und Thomas Hoepker auf die Beine gestellt haben, wird jedenfalls nicht l√§nger ben√∂tigt.

Warum dies ein gro√üer Verlust f√ľr den Standort K√∂ln ist und die Messe enorme Kurzsichtigkeit beweist, k√∂nnt ihr in meinem ausf√ľhrlichen Artikel auf Artnet oder kommentiert im¬†K√∂lner Stadt-Anzeiger nachlesen.

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Thomas Wiegand: “Deutschland im Fotobuch”

Ganz sch√∂n schwergewichtig kommt es daher, das neue Fotobuch √ľber Fotob√ľcher. Zu Recht, denn nach Martin Parrs und Gerry Badgers zweib√§ndigen “The Photobook: A History” k√∂nnte das von Thomas Wiegand verfasste und von Manfred Heiting herausgegebene “Deutschland im Fotobuch” ebenfalls zum Klassiker unter den Nachschlagewerken und Bestellkatalogen f√ľr Fotobuch-Sammler avancieren. Das Zeug dazu hat der 492 Seiten starke W√§lzer, der insgesamt 273 B√ľcher auflistet, diese bespricht und Faksimiles der Originalseiten abbildet, jedenfalls schon jetzt.

Zwar beinhaltet “Deutschland im Fotobuch” (erschienen bei Steidl, 75 Euro), wie der Name vermuten l√§sst, nur Fotob√ľcher, die sich in irgendeiner Weise mit dem Thema Deutschland besch√§ftigen – das macht es allerdings sehr umfassend, so dass das Buch in zahlreichen Kapiteln wie Landschaften, St√§dte, Menschen, Arbeit, Architektur, Zeitgeschehen und Grenzen aufgeteilt wurde. Selbstverst√§ndlich kommen viele bekannte Fotografen und B√ľcher wie “Caf√© Lehmitz” von Anders Petersen, “Antlitz der Zeit” von August Sander, “Fachwerkh√§user des Siegener Industriegebietes” von Bernd und Hilla Becher und “Agrarlandschaften” von Heinrich Riebesehl darin vor.

Aber ich habe auch viel Spannendes und f√ľr mich Neues entdeckt – beispielsweise “Der ’statistische’ Mensch” von Hubert Troost, “Reichsautobahn” von Erna Lendvai-Dircksen und “Bundeskanzleramt” von Charles Wilp. Sehr gut gefallen hat mir auch das Kapitel “Typisch deutsch”, in dem “Die Deutschen” von Ren√© Burri nat√ľrlich nicht fehlen darf, das aber auch √úberraschungen wie “The German Soul” von Enver Hirsch und “Sch√∂nes Wochenende” von Hartmut Mirbach im New Topographic-Stil bereith√§lt. Ich pers√∂nlich habe mich nat√ľrlich am meisten dar√ľber gefreut, dass auch “Paare: Menschenbilder aus der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn der siebziger Jahre” von Beate Rose vorgestellt wird – Nadine und mich motiviert das zus√§tzlich, unsere Hommage und Fortf√ľhrung des Projektes weiter voranzutreiben.

Bemerkenswert finde ich √ľbrigens, dass Wiegand und Heiting in ihrer Einleitung die Kriterien, nach denen sie Fotob√ľcher beurteilen, klar offengelegt haben. Dazu geh√∂ren Beispielsweise der innovative Charakter, die historische Bedeutung, der Stellenwert im Oeuvre des Fotografen sowie der Druck und die Ausstattung eines Buches. Dies erm√∂glicht auch den interessierten Laien Entscheidungen nachzuvollziehen – und in Zukunft selbst welche zu treffen.

Link: Steidl

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