Fotostadt Köln: DGPh

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Photographie, kurz DGPh, wurde von L. Fritz Gruber initiiert und von Kölns OberbĂŒrgermeister Robert Görlinger 1951 gegrĂŒndet. Heute zĂ€hlt sie mit ĂŒber 1000 berufenen Mitgliedern zu den wichtigsten Organisationen fĂŒr Fotografie in Deutschland und vergibt unter anderem den Kulturpreis und den Dr.-Erich-Salomon-Preis.

Im Rahmen der Serie Fotostadt Köln des Kölner Stadt-Anzeiger stelle ich die Arbeit der DGPh vor.  Meinen Text gibt es hier als PDF.

Link: DGPh

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„Catch“ von Wolfgang Zurborn

Wolfgang Zurborn versteht es wie kaum ein Zweiter das Besondere im AlltĂ€glichen, ach was: im Belanglosen zu finden und dabei dem ĂŒberstrapazierten „entscheidenden Augenblick“ eine neue Bedeutung entgegenzuhalten: Wenn Henri Cartier-Bresson Klassik ist, dann ist Wolfgang Zurborn Free-Jazz. Und manchmal sogar Punk. Denn bei ihm verschwimmen Vorder-, Mittel- und Hintergrund mit- und ineinander, Transparenz und Reflexion sind genauso wichtige Bestandteile seiner Bildsprache wie unerwartete Durchblicke und Sichtachsen, Witz und Ernsthaftigkeit. Zurborn ist der vielschichtige Konstruktivist in der Street-Photography.

Sein neues, wunderbar konsequent gestaltetes Buch „Catch“ (Kettler Verlag, 38 Euro) verdeutlicht zudem, was er mit dem von ihm geprĂ€gten Begriff „The Theatre of Real Life“ meint: Es gibt keine Fotografie, die die Wirklichkeit objektiv abbildet und damit die „Wahrheit“ sagt, sondern sie ist immer auch eine persönliche Konstruktion der Welt – und somit eine Inszenierung. In dieses Chaos des Alltags bringt der Fotograf, Galerist und Dozent Zurborn also Ordnung – zumindest fĂŒr eine 125tel Sekunde.

Link: Kettler

Amazon: Wolfgang Zurborn- Catch

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Marina Gadonneix und Leica-Meisterwerke

Zwei sehr unterschiedliche Fotografie-Ausstellungen sind zurzeit in Köln zu sehen. Zum einen zeigt die Galerie Kaune, Posnik, Spohr Arbeiten der Französin Marina Gadonneix, die sich mit Inszenierung und Simulation von Wirklichkeit beschĂ€ftigt und dafĂŒr leere Blue- und Greenboxes in Filmstudios sowie Fotostudios von AuktionshĂ€usern fotografiert hat. Zum anderen zeigt das Forum fĂŒr Fotografie Meisterwerke berĂŒhmter Leica-Fotografen aus der Sammlung Knut KĂŒhn-Leitz wie beispielsweise Henri Cartier-Bresson, Robert Lebeck und Thomas Hoepker.

Meinen Artikel, erschienen im Kölner Stadt-Anzeiger, gibt es hier.

Links: Galerie Kaune, Posnik, Spohr, Forum fĂŒr Fotografie

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“Ninetynine Years Leica”

In diesem Jahr feiert die Leica-Kleinbildkamera ihren 100. Geburtstag. Doch bereits Ende 2012 ist ein Buch erschienen, das die Firmengeschichte des legendĂ€ren Kameraherstellers aus Wetzlar in den Mittelpunkt stellt – getreu dem Motto: Auf ein JubilĂ€um warten kann jeder. Deshalb heißt das Buch auch schlicht “Ninetynine Years Leica”. Veröffentlicht wurde es im Verlag 99 Pages, versammelt 700 Fotos und Illustrationen auf 286 Seiten und kommt im schwarzen Schuber daher. Das sieht sehr schick aus, hat aber (typisch Leica) auch einen entsprechend stolzen Preis: 99 Euro kostet das Buch.

DafĂŒr bekommt man eine Art Nachschlagewerk, das jedoch weder reine Unternehmensgeschichte noch Bildband ist und das keine technischen Beschreibungen, Zahlen oder Gebrauchsanweisungen liefert. “Ninetynine Years Leica” ist verspielt, edel und stilvoll. Oder, wie es im Vorwort heißt: “Normal ist anders. Aber Leica ist nicht normal. Und daher ist auch dieses Buch völlig anders als erwartet.” Gut, man kann sich fragen, ob diese drei SĂ€tze inhaltlich so viel Sinn ergeben, aber das Buch will offensichtlich auch viel mehr das Herz als den Kopf des Lesers ansprechen.

Das macht es allerdings ganz gut – wenn man mal vom unglaublich schlechten Vorsatzpapier absieht, auf dem die Mitarbeiter in winzigen PortrĂ€ts gezeigt werden. Ich verstehe nicht, wie ein so wichtiges Unternehmen aus der Fotoindustrie seine Mitarbeiter so furchtbar provinziell prĂ€sentieren kann.

Ansonsten kommt das Buch wie eine riesige BroschĂŒre daher, die informieren, aber niemals ĂŒberfordern will. Große Fotos, Illustrationen und grafische Spielereien lockern die meist kurzen, aber durchaus interessanten Texte von Rainer Schillings auf – er schlendert durch die Fotografiegeschichte, setzt den Krimkrieg 1855 als Beginn des Fotojournalismus, portrĂ€tiert Leica-Fotografen wie Henri Cartier-Bresson und Ilse Bing, nutzt Robert Capas “Falling Soldier” fĂŒr eine kurze Reflexion ĂŒber den Wahrheitsgehalt von Fotografie und ihren Missbrauch zur Propaganda und wirft vor allem Schlaglichter auf Höhepunkte und Wegmarken der Firmengeschichte. Und das kann auch mal sehr kritisch sein – beispielsweise bei den hochnĂ€sigen Fehlentscheidungen, die sich Leica beim Autofokus geleistet hat. Ein Verantwortlicher soll jedenfalls in den 1970ern gesagt haben “Unsere Kunden können fokussieren”, womit Leica den Anschluss an den Markt vollends verpasste und nur noch als Kamera fĂŒr die Elite angesehen wurde.

Leider wiederholte sich diese Arroganz 2004 bei der Frage nach der Zukunft der Digitalfotografie. Der damalige Leica-Chef Hanns-Peter Cohn (im Buch wird er zitiert, aber nicht namentlich genannt!) sagte im Spiegel-Interview: “Die Digitaltechnik ist nur ein Intermezzo. In spĂ€testens 20 Jahren werden wir sicher mit anderen Technologien als heute fotografieren. Aber den Film wird es dann immer noch geben.” Dass Leica trotz dieser Kurzsichtigkeit noch heute exisitert und es der Firma offensichtlich wieder gut geht (der Messeauftritt auf der vergangenen Photokina war jedenfalls beeindruckend), sei laut Schillings “kaum mehr als einer glĂŒcklichen FĂŒgung und einem unerwarteten Trend zu verdanken: Die Rettung gelang, weil ein potenter Investor im letzten Moment das Ruder herumriss und der Markt vor allem nur eines wollte: Vorsprung durch Technik. Und durch QualitĂ€t. Leica nutzte die Chance, Leica is back!”

Das klingt am Ende leider doch etwas dick aufgetragen. Aber vielleicht gehört das zur Marke Leica auch einfach dazu.

Link: 99pages

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Magnum Contact Sheets

Im Kölner Stadt-Anzeiger habe ich den viereinhalb Kilogramm schweren WĂ€lzer, der Kontaktbögen zahlreicher berĂŒhmter Magnum-Fotografen wie Philippe Halsman, Herbert List, Robert Capa, Martin Parr, Thomas Hoepker und Henri Cartier-Bresson versammelt, bereits vorgestellt.

In der heute erschienenen Februar-Ausgabe der Photonews tue ich es noch einmal – dafĂŒr aber deutlich ausfĂŒhrlicher. Meinen Artikel findet ihr hier.

Link: Schirmer/Mosel

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Neue FotobĂŒcher im Ksta

Kurz vor Weihnachten hat das Magazin des Kölner Stadt-Anzeiger wieder vier Fotobuchempfehlungen von mir veröffentlicht. Darin bespreche ich “At War” der deutschen Kriegs- und Krisenfotografin Anja Niedringhaus, “Ama” ĂŒber die  japanischen “Meerfrauen” von Nina Poppe, den neu aufgelegten Klassiker “Subway” von Bruce Davidson sowie den viereinhalb Kilo schweren WĂ€lzer “Magnum Contact Sheets”, das die Kontaktbögen bekannter Fotografen wie Philippe Halsman, Herbert List, Robert Capa und Henri Cartier-Bresson vorstellt, was mitunter zu ernĂŒchternden Ergebnissen fĂŒhrt.

Den ausfĂŒhrlichen Text gibt es hier.

Links: Hatje Cantz, Kehrer, Steidl, Schirmer/Mosel

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“Tokyo Tokyo” von WassinkLundgren

Eigentlich wollte ich schon vor einer Woche das Buch “Tokyo Tokyo” von WassinkLundgren alias Thijs groot Wassink und Ruben Lundgren vorstellen, doch als die schrecklichen und unfassbaren Ereignisse in Japan geschahen, war mir eine Zeit lang nicht so nach japanischen FotobĂŒchern – selbst, wenn sie so außergewöhnlich sind wie dieses. Da ich aber auch nicht aufgrund einer Naturkatastrophe ein Buch nicht vorstellen will, hole ich dies hiermit nach.

Das Duo WassinkLundgren kenne ich seit ihrer Serie “Empty Bottles”, die ich im Rahmen der Martin Parr-Ausstellung “Paarworld” im Haus der Kunst in MĂŒnchen 2008 gesehen habe. Lustigerweise besuchten Nadine und ich ein halbes Jahr spĂ€ter Barbara J. Scheuermann in Berlin – und schliefen in ihrem Ausstellungsraum Babusch, in dem gerade genau diese Serie gezeigt wurde. Es war sehr schön und eindrucksvoll, in der Wandinstallation von “Empty Bottles” einzuschlafen und wieder aufzuwachen.

Nun haben die beiden NiederlĂ€nder, die in London und Peking leben, ihr neues Buch “Tokyo Tokyo” (Kodoji Press, 192 Seiten, 32 Euro) vorgestellt, fĂŒr das sie die Fotos vollkommen “paritĂ€tisch” gemacht haben, denn sie fotografierten die selbe Person im selben Moment – aber aus zwei verschiedenen Perspektiven. Technisch betrachtet gehe ich mal davon aus, das mit dem Auslösen der einen Kamera auch die andere ausgelöst wurde, aber das ist zweitrangig. Ihre Diptychen zeigen jedenfalls Menschen auf der Straße: GeschĂ€ftsleute und Bauarbeiter, Verkehrspolizisten und Jogger, Rentner und SchĂŒler. Ganz normale Menschen eben, nur immer zweimal zur gleichen Zeit fotografiert – meist einmal von links und einmal von rechts, aber auch mal von vorne oder von hinten.

Manchmal ist die Person auf dem einen Foto im Bildmittelpunkt wĂ€hrend sie im anderen an den Rand gedrĂŒckt und angeschnitten wurde oder ĂŒberhaupt nicht zu sehen ist. Entsprechend verĂ€ndert sich damit auch das Umfeld: Wirkt es hier ruhig und geordnet, ist es dort chaotisch und laut. Objekte und Motive ragen in das Bild hinein, die in dem anderen nicht vorhanden waren, und geben zusĂ€tzliche Informationen. Zu meinen Lieblings-GegenĂŒberstellungen gehört das Bild vom ergrauten Arbeiter im Blaumann, der an einem Laternenpfahl lehnt. Auf dem rechten Bild schaut er direkt in die Kamera, die Komposition ist klassisch und das Bild wirkt fast wie inszeniert. Im linken Foto ist er im Profil zu sehen. Er lehnt quasi gegen den Bildrand, die Klappe seines Autos steht offen und er merkt gar nicht, dass er auch von dieser Seite fotografiert wird. HĂ€ufig fragt sich der Betrachter, wo genau der andere gerade stand, um diese Aufnahme zu machen. Hin und wieder verraten die Schatten auf dem Boden die Position, und einmal ragt sogar das Objektiv des anderen ins Bild hinein, doch meist bleibt es der Fantasie des Betrachters ĂŒberlassen.

Andrew Phelps hat die Fotos auf seinem Blog “Buffet” als “Street Photography in 3D” bezeichnet, was ich einen schönen Vergleich finde. Gleichzeitig geht es in den Bildern aber weniger um außergewöhnliche Situationen, die man normalerweise mit der Street Photography verbindet, und schon gar nicht um den ĂŒberstrapazierten “entscheidenenden Augenblick” eines Henri Cartier-Bresson. Im Gegenteil – der wird hier eher ein wenig auf den Arm genommen und entmystifiziert, denn der “entscheidende” ist immer auch ein “streng subjektiver Augenblick” – ein anderer Fotograf wĂŒrde die gleiche Situation anders wahrnehmen, zumindest aber garantiert ein anderes Bild abliefern. Das ist mir persönlich schon hĂ€ufig passiert, und jedes Mal war das Erstaunnen (und manchmal auch der Frust) auf beiden Seiten groß.

Diese Erkenntnis vom “subjektiven Sehen” in der Fotografie mag vielleicht banal klingen – aber WassinkLundgren haben dieses Thema sehr konsequent visualisiert. Und dazu auch noch auf eine sehr unterhaltsame und humorvolle Art und Weise.

Links: WassinkLundgren, Kodoji Press, Babusch, Buffet

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“The Family of Man” in Clervaux

An meinem Geburtstag habe ich mir selbst ein Geschenk gemacht und bin in den kleinen Ort Clervaux nach Luxemburg gefahren. Im dortigen Schloss befindet sich seit 1994 die wohl legendĂ€rste und nach eigenen Angaben “grĂ¶ĂŸte Fotoausstellung der Welt”: The Family of Man.

Die Ausstellung wurde ursprĂŒnglich 1951 von niemand Geringerem als Edward Steichen fĂŒr das MoMA in New York kuratiert, dessen Leiter er damals war. Die Zusammenstellung von ca. 500 Aufnahmen bekannter und vollkommen unbekannter Fotografen zeigt ein sehr umfassendes PortrĂ€t der Menschheit, unterteilt in insgesamt 37 Bereiche wie Geburt, Arbeit, Familie, Kinder, Glaube, Liebe, Krieg und Frieden. Nach dem enormen Erfolg der Ausstellung in New York gingen die Bilder auf Welttournee, bis sie schließlich als Geschenk nach Luxemburg kamen, wo sie nun permanent zu sehen sind.

Es mag aus heutiger Sicht arg naiv wirken, wenn ein Amerikaner kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Menschen dazu auffordert, ihre Bilder einzureichen, um durch diese Humanismus und NĂ€chstenliebe zu verbreiten – und vielleicht sogar zukĂŒnftige Kriege zu verhindern. Vielleicht ist es sogar schon naiv zu glauben, durch eine Fotografieausstellung ĂŒberhaupt ein umfassendes “PortrĂ€t der Menschheit” zu erhalten, bilden die Aufnahmen doch nur ein sehr enges historisches Zeitfenster ab und ĂŒberwiegt doch das eindeutig westlich geprĂ€gte Menschenbild.

Auf der anderen Seite ist diese Ausstellung tatsĂ€chlich ein Geschenk fĂŒr die Menschheit – das muss ich so pathetisch formulieren. Diese große Menge an Bildern unterschiedlicher Fotografen – von BerĂŒhmtheiten wie Henri Cartier-Bresson, Robert Capa und Robert Frank bis hin zu eher Vergessenen wie Howard Sochurek, Wayne Miller, Gjon Mili und Carl Perutz – findet man kein zweites Mal auf so engen Raum und fĂŒr eine so lange Zeit. Nicht umsonst wurde „The Family of Man“ 2003 in das “Memory of the World Register” der Unesco aufgenommen.

Last not least ist es fĂŒr jemanden, der regelmĂ€ĂŸig in Galerien und Museen ist, extrem spannend zu sehen, wie Ausstellungskonzpte vor 50 Jahren entwickelt und umgesetzt wurden – schließlich ist “The Family of Man” in Clervaux nahezu so aufgebaut, wie sie auch ursprĂŒnglich in New York zu sehen war. Dieses Wirrwarr von dicht neben- und ĂŒbereinander (und sogar an der Decke!) hĂ€ngenden Bildern ist in einer Zeit des alles beherrschenden und hĂ€ufig auch kritisierten “White Cubes” absolut beachtenswert. Insofern ist die Ausstellung auch eine kleine Zeitreise zurĂŒck in die 1950er Jahre.


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Arno Fischer-Retrospektive in Bonn

Gestern war ich bei der Pressekonferenz zur großen Arno Fischer-Retrospektive in Bonn. Der gilt ja gemeinhin als wichtigster Fotograf der DDR und Klaus Honnef hat ihn sogar mal als einen der wichtigsten Fotografen Deutschlands ĂŒberhaupt bezeichnet. Behauptet zumindest der Kurator der Ausstellung, Matthias FlĂŒgge. Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, finde ich sein Werk insgesamt doch eher mittelprĂ€chtig. Viele Aufnahmen wirken unentschlossen, außerdem sind sie verwackelt, ohne dass ich dafĂŒr einen inhaltlichen Grund erkennen könnte. Viele sind auch einfach schlecht gestaltet und komponiert. Seine stĂ€rksten Aufnahmen sind die, in denen er unbeobachtet und in Ruhe Menschen fotografieren konnte – von hinten oder wenn sie gerade in einer TĂ€tigkeit vertieft waren. Leider hat er es nicht dabei belassen.

Da ich mich aber gerne eines Besseren belehren lasse, hörte ich aufmerksam zu. Arno Fischer stand dann auch selbst fĂŒr Fragen zur VerfĂŒgung, allerdings bestĂ€tigten seine Antworten, Erinnerungen, Schilderungen und SelbsteinschĂ€tzungen nur mein Bild anstatt es zu widerlegen. So sagt Fischer selbst, er habe  “Hemmungen, die Menschen direkt zu fotografieren“. Also nahm er seine 35mm-Brennweite, einen hochempfindlichen Film, machte die Blende zu und stellte den Fokus auf 1,5 Meter bis unendlich und schoss „wie ein Cowboy aus der HĂŒfte“. So prĂ€pariert hĂ€tte er ja nun gut auf die “Jagd” gehen und ungemein progressiv fotografieren können, aber auch die so entstandenen Aufnahmen bleiben belanglos.

Sehr irritierend finde ich auch seine Einstellung zu Henri Cartier-Bressons “entscheidenden Augenblick”, der ihn offensichtlich gar nicht interessiert. Ihm gehe es vielmehr um den Moment davor und danach. Leider fotografieren 99 Prozent aller Menschen so – was soll jetzt also das Besondere daran sein? Und dass Arno Fischer das “Rennpferd der Modefotografie in der Deutschen Demokratischen“ gewesen sein soll, wie er sagt, ist mir ebenfalls ein RĂ€tsel. Schließlich gibt er zu, dass er nur „wenige technische Kenntnisse“ gehabt habe und er erst im Laufe der Zeit “ein GespĂŒr dafĂŒr entwickelt habe, was Mode sein könne.”  FĂŒr mich klingt das nach einem Schlag ins Gesicht seiner Frau Sibylle Bergemann, die in meinen Augen die weitaus grĂ¶ĂŸere Mode-Fotografin war. Warum bekommt sie eigentlich keine Retrospektive?

Ironischerweise kleben an einer Ausstellungswand auch noch Arno Fischer-Zitate, bei denen ich mich wirklich fragen muss, ob sich die Organisatoren ĂŒberhaupt einmal die dazugehörigen Bilder angeschaut haben. Da steht tatsĂ€chlich: „Man muss nicht komponieren, die Welt ist Komposition“ und „Wenn ich an einer Bushaltestelle einen Mann fotografiere, der auf den Bus wartet, muss auf dem Foto mehr zu sehen sein als ein Mann, der auf einen Bus wartet.“  FĂŒr mich ist Arno Fischer das Gegenteil von Henri Cartier-Bresson. Den halte ich auch nicht fĂŒr so genial wie die Allgemeinheit immer schwĂ€rmt, aber im Vergleich zu Fischer ist er tatsĂ€chlich ein Gott. Ihm hĂ€tte ich diese beiden SĂ€tze kommentarlos abgenommen – Arno Fischer hingegen nicht.

Toll finde ich allerdings seine Polaroids aus dem Garten. Die sind frisch, lebendig und gleichzeitig meditativ. Da muss er aber auch niemandem die Kamera ins Gesicht halten.

Wer mag, kann sich ja ein eigenes Bild von Arno Fischers Werk machen. Gelegenheit dazu gibt es bis zum 3. Januar 2010 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn.

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Henri Cartier-Bresson zum Geburtstag

PĂŒnktlich zum Geburtstag von Henri Cartier-Bresson habe ich noch einmal meinen Artikel herausgekramt, der vor einem Jahr zum 100. Geburtstag im Kölner Stadt-Anzeiger veröffentlicht wurde – schließlich kann man ĂŒber diese Fotografie-Legende gar nicht oft genug schreiben.

Hier also mein Artikel als PDF.

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