„Foto A-Z“ im NRW-Forum

Das war’s also. Nach 15 Jahren schließt das DĂŒsseldorfer Ausstellungshaus NRW-Forum zum Jahreswechsel seine TĂŒren. Die beiden Initiatoren und Ausstellungsmanager Werner Lippert und Petra Wenzel haben nach der vierten VertragsverlĂ€ngerung entschieden, dass sie definitiv aufhören wollen. Zum Abschluss zeigen sie nun noch einmal „Fotografen, die wir gezeigt haben, und die, die wir immer schon gerne gezeigt hĂ€tten“. Der Titel der Ausstellung lautet schlicht „Foto A-Z“ und prĂ€sentiert unter anderem Arbeiten von Nobuyoshi Araki, Guy Bourdin, Anton Corbijn, Philip-Lorca diCorcia, William Eggleston, Nan Goldin, Joel Sternfeld, Wolfgang Tillmans, David LaChapelle, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Paul Outerbridge,  Thomas Ruff, Cindy Sherman und Jeff Wall.

Und auch Candida Höfer ist dabei mit ihrer „On Kawara“-Serie, die hier sehr schön in Vitrinen ausgelegt ist – es bleibt eine der wenigen Serien, die ich von ihr mag. Ähnliches gilt fĂŒr Richard Prince, dessen Marlboro-Cowboys ich noch nie so ĂŒberzeugend gesehen habe wie hier. Die Ausstellung lĂ€uft noch bis zum 5. Januar 2014.

In der aktuellen Photonews ist ein lĂ€ngerer Artikel erschienen, indem ich auch ausfĂŒhrlich auf die Geschichte und die Zukunft des NRW-Forums eingehe. Den Text gibt es hier.

Link: NRW-Forum

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Neue Fotobuch-Tipps im Ksta

Eigentlich sollte an dieser Stelle mein Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger stehen, doch leider wurde meine Text, in dem ich wieder vier aktuelle FotobĂŒcher vorstelle, zehn Wochen lang geschoben und nun endgĂŒltig gecancelt. Aber was soll’s – dann gibt es drei BĂŒcher-Tipps schon einmal an dieser Stelle hier, das vierte Buch wird eventuell doch noch gesondert im Ksta vorgestellt.

Zugegeben: Unter einem Garten stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor. Dennoch hat der Italiener Alessandro Imbriaco den richtigen Titel fĂŒr sein mit dem European Publisher Award for Photography geadelten und vom Kehrer Verlag in Deutschland veröffentlichten Buch „Der Garten“ gewĂ€hlt (72 Seiten, 32 Fotografien, 35 Euro). Der Betrachter lĂ€uft darin durch ein undurchdringlich scheinendes, waldiges Sumpfgebiet, auf dem zweiten Bild ist schemenhaft eine Person zu sehen, dann folgen wieder BĂ€ume und GestrĂŒpp, die den „Paradies“-Bildern eines Thomas Struth nicht unĂ€hnlich sind – nur deutlich dunkler, fast dĂŒster, denn Imbriaco fotografiert offensichtlich immer erst spĂ€t am Abend und belichtet seine Fotos mindestens zwei Blenden unter. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt in den nur scheinbar chaotischen Kompositionen aber auch Anzeichen von Zivilisation – ein Straßenschild etwa oder ein HĂ€userblock. Und dann taucht plötzlich ein MĂ€dchen auf, das geborgen an einem Baumstamm lehnt und schlĂ€ft. SpĂ€ter ist noch eine HĂŒtte im Wald zu sehen, woanders eine provisorische KĂŒche, noch spĂ€ter eine Art Notunterkunft unter einer SchnellstraßenbrĂŒcke mitten in Rom. Sie ist das Zuhause der sechsjĂ€hrigen Angela und ihrer Eltern Piero und Lupa. Imbriaco hat sie entdeckt und ihren harten Alltag unter der BrĂŒcke ohne fließend Wasser und Strom in stillen, etwas vertrĂ€umten, aber dennoch nicht beschönigenden Bildern festgehalten. Im Anschluss gibt es zudem einen exzellenten und kurzweiligen Text von Bill Kouwenhoven, der nicht nur Informationen zu den Bildern, sondern zur Fotografiegeschichte allgemein liefert.

Von einem harten Leben und vor allem von der dazugehörigen harten Arbeit berichtet auch Tomasz Gudzowaty in seinem Fotoessay „Keiko“ (Hatje Cantz Verlag, 148 Seiten, 66 Fotografien, 45 Euro). Bereits das Cover ist ĂŒberwĂ€ltigend und fast grausam – es zeigt einen riesigen Schiffsspropeller, unter dem zwei MĂ€nner stehen beziehungsweise vor dem sie sich ducken mĂŒssen. „Keiko“ ist der Name dieses Schiffes und das Buch handelt davon, wie es StĂŒck fĂŒr StĂŒck auseinandergenommen und verschrottet wird. Es ist gleichzeitig das PortrĂ€t der zweitgrĂ¶ĂŸten Stadt Bangladeschs, Chittagong, in der etwa ein Drittel der jĂ€hrlich 700 außer Dienst gestellten Hochseeschiffe ausgeschlachtet werden. Und Gudzowaty lĂ€sst keinen Zweifel daran aufkommen, was er davon hĂ€lt, denn seine Schwarzweiß-Bilder sind vor allem von harten Hell-Dunkel-Kontrasten und einem außergewöhnlich groben Korn geprĂ€gt. Gestalterisch dominiert fast immer das Schiff, dieses stĂ€hlerne Monstrum, das wie der Kadaver eines gestrandeten Wales am Strand liegt, verfaulend, und in das die Arbeiter hinein klettern wie kleine, hungrige Tiere, wie Ameisen, die ihn zersĂ€gen und auf ihn einhĂ€mmern, an ihm ziehen und seine Einzelteile wegtragen. „Keiko“ ist kein Buch, das Mitleid weckt. Es zeigt vielmehr den Wahnsinn dieser Arbeit, die keinen Platz fĂŒr TrĂ€ume und ZukunftsplĂ€ne der Einzelnen lĂ€sst.

Wem das alles zu schwer verdaulich ist, dem sei „World without men“ des 2004 verstorbenen Helmut Newton empfohlen. Der gilt als einer der einflussreichsten Fotografen ĂŒberhaupt und ist fĂŒr seine erotischen Fotografien bekannt, auf denen – stark vereinfacht gesagt – meist nackte Frauen in Stöckelschuhen zu sehen sind. Im Taschen Verlag ist nun eine Auswahl seiner Bilder erschienen, die die Entwicklung seines Stils als Modefotograf zwischen Mitte der 1960er und den 1980er Jahren dokumentiert („World without Men“, 188 Seiten, 39,99 Euro ). Hin und wieder sind tagebuchartige Notizen eingestreut, die durchaus interessante Einblicke in Newtons Arbeitsalltag zulassen. Da sie allerdings fast nie zu den dazugehörigen Fotos, sondern quer durch das ganze Buch verteilt abgedruckt sind, ist die Zuordnung leider mit viel BlĂ€tterei verbunden.

Links: Kehrer, Hatje Cantz, Taschen

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„Polaroid Collection“ im NRW-Forum

Seit lĂ€ngerer Zeit beobachte ich das verstĂ€rkte Interesse sowohl des Kunstmarktes als auch der Endnutzer am alten, analogen Medium Polaroid. Im NRW-Forum ist nun ein Teil der europĂ€ischen „Polaroid Collection“ zu sehen, die nach der Insolvenz des amerikanischen Unternehmens als Teil der Konkursmasse aufgeteilt und versteigert werden sollte. Der Wiener Peter Coeln hat sie komplett erwerben und somit beisammenhalten können. Nach einer Ausstellung im Westlicht in Wien werden in DĂŒsseldorf nun rund 400 der insgesamt 4400 Polaroids prĂ€sentiert – darunter Arbeiten von Oliviero Toscani, Andy Warhol, Ansel Adams, Stephen Shore, Helmut Newton und Nobuyoshi Araki.

Meine ausfĂŒhrliche Ausstellungsbesprechung ist heute in der taz erschienen und hier nachzulesen. Außerdem ist im Hatje Cantz Verlag der Katalog „From Polaroid to Impossible“ erschienen, der die Polaroid Collection allerdings streng nach Filmmaterial sortiert (192 Seiten, 39,80 Euro).

Link: NRW-Forum, Hatje Cantz

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„3 Boys from Pasadena“ bei Kaune, Sudendorf

Wer einmal Assistent von Helmut Newton war, kann damit seinen Lebenslauf schmĂŒcken. Aber was machen drei ehemalige Assistenten von Helmut Newton, die alle am Art Center College of Design in Pasadena studiert haben und die zufĂ€llig auch noch befreundet sind? Sie heften sich ihr „Label“ ans Revers und stellen gemeinsam aus. Die „Three Boys from Pasadena“ ist so ein Label, mit der sich die drei ehemaligen Assistenten Just Loomis, George Holz und Mark Arbeit durchaus öffentlichkeitswirksam vermarkten können. In der Helmut Newton Foundation in Berlin haben sie bereits 2009 gemeinsam ihre Arbeiten prĂ€sentiert – parallel zur großen Sumo-Ausstellung des 2004 verstorbenen Meisters der Akt- und Modefotografie.

Nun zeigt die Kölner Galerie Kaune, Sudendorf die drei. In den beiden kleinen RĂ€umen wirkt die Mini-Gruppenausstellung der „Drei Jungs aus Pasadena“ allerdings etwas arg beengt – eine „museale“ AtmosphĂ€re entsteht hier jedenfalls nicht. Aber das muss es ja auch nicht. Als Teaser taugt die Three-Man-Show allemal, denn die Arbeiten eines jeden  Ex-Helmut-Newton-Assis hat einen ganz eigenen Reiz.

Zum einen ist da Just Loomis, dem man die Verbindung zum großen Meister gar nicht mehr anmerkt. Sein Buch as we are hat mir ja schon vor eineinhalb Jahren sehr gut gefallen, nun konnte ich seine Fotografien als mittelgroße AbzĂŒge genießen. Vor allem sein Bild von den drei jungen Skatern hat es mir angetan (und es steht auch indirekt fĂŒr die Fotografengruppe selbst), aber auch sein „Birdman“ (das leider nicht in der Ausstellung zu sehen ist) und natĂŒrlich die TĂ€nzerin Danielle aus Las Vegas, die mit dem Kopf nach unten ihre erotische Showeinlage an einer billigen Kleiderstange vollfĂŒhrt. Seine Bilder sind bisweilen entlarvend, hart und absurd, aber niemals zynisch. Loomis macht sich nicht lustig ĂŒber seine Modelle, denn im Grunde ist er ein melancholischer Humanist. Auch, wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht.

Mark Arbeits Fotografien sieht man die Helmut Newton-Vergangenheit durchaus an. Gleichzeitig experimentiert er in seinen freien Arbeiten auch am meisten. Umwerfend ist beispielsweise sein „Fiddlehead Fern“, das eine clevere und zugleich sinnliche Mischung aus einer FarngewĂ€chs-Aufnahme im Stil eines Karl Blossfeldt, dem surrealen „Le Violon d’Ingres“ von Man Ray und einem fast klassischen RĂŒckenakt zu sein scheint. In einer anderen Serie beschĂ€ftigt er sich hingegen mit Kunstgeschichte und den technischen Vorgehensweisen in der Fotografie. Der Akt spielt dabei meist eine untergeordnete Rolle – ist aber dennoch ein wichtiger Bestandteil. So etwa auch bei den beiden Atelieraufnahmen aus Paris, in denen er die nackten Schönheiten in dem Chaos der KĂŒnstlerwerkstĂ€tten arrangiert hat. Gleichzeitig hat Arbeit dort seine Vorliebe fĂŒr indirektes, natĂŒrliches Licht ausgelebt.

Am nĂ€chsten dran am ehemaligen Arbeitgeber Newton ist hingegen George Holz. Seine Modelle strahlen eine desinteressierte Erotik aus, wĂ€hrend sie rauchend auf dem Holzfußboden sitzen, oder Holz macht sie zum Monument in der Lanschaft und stellt sie mit ausgebreiteten Armen auf einen Felsbrocken am Strand. Holz Fotografien sind sehr klassisch und einfach und dennoch hervorragend gestaltet – da rekeln sich Frauenleiber in den natĂŒrlichen Strukturen von Felsen, Strand, WĂŒste, Wasser, Wald und Wiese. Ihre Schwarzweiß-Ästhetik dĂŒrfte besonders Fine Art Print-Liebhaber und Pirelli-Kalender-Sammler ansprechen: Holz‘ Fotografien sind etwas brav und nicht sondernlich innovativ, aber auch einfach sehr gut.

Die Ausstellung „Three Boys from Pasadena“ lĂ€uft noch bis zum 19. Mai.

Link: Kaune, Sudendorf Galerie

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„Fotografen A-Z“ von Hans-Michael Koetzle

Das Fotobuch lebt. Das merke ich nicht nur daran, dass die Zahl der Publikationen, speziellen BuchlĂ€den, Internetblogs, Festivals und nicht zuletzt auch die Preise fĂŒr vergriffene Exemplare stĂ€ndig steigen. Ich merke es auch, weil der Kölner Taschen Verlag, der ja eher fĂŒr Mainstream-Ware bekannt ist, nun einen dicken WĂ€lzer (444 Seiten, 49,99 Euro) zu diesem Thema herausgebracht hat. Der Titel „Fotografen A-Z“ suggeriert eher ein Fotografen-Lexikon wie die ebenfalls bei Taschen erschienene Foto:Box, doch es geht in dem Buch von Autor Hans-Michael Koetzle tatsĂ€chlich weniger um die Fotografen, sondern vielmehr um ihre „schönsten Monografien“, wie es in der Pressemitteilung heißt.

So ist das Buch nun auch eine Art EnzyklopĂ€die geworden, streng alphabetisch (und nicht etwa chronologisch) geordnet, die kompetent Auskunft geben will, die aber nicht den Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit erhebt. Wie soll sie auch? DafĂŒr lĂ€dt sie ein zum ziellosen BlĂ€ttern, Stöbern, Surfen – kurz: zum Entdecken. Und zu entdecken gibt es viel, denn das Buch geizt nicht mit großen, populĂ€ren Namen wie Nobuyoshi Araki, Diane Arbus, Richard Avedon, Anton Corbijn, Peter Lindbergh, Man Ray, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Leni Riefenstahl, Cindy Sherman, Wolfgang Tillmans, Ellen von Unwerth und Weegee, stellt aber auch weniger bekannte vor.

Das ist zwar alles schön und gut und lockt sicherlich auch Kunden an, die sich sonst eher nicht mit dem Thema Fotobuch auseinandersetzen wĂŒrden. Wahrscheinlich aber auch nur die. Denn die Texte, die Koetzle dem interessierten „Leser“ liefert, sind wenig aufschlussreich: Ein als Fließtext getarnter Lebenslauf wird durch die Auflistung von Ausstellungen und weiteren BĂŒchern des Fotografen angereichert. Auf die Bilder geht Koetzle kaum, auf die vorgestellten Monografien gar nicht ein. DafĂŒr werden Journalisten, Kuratoren, Sammler, Fotografen und weitere „Foto-Prominente“ kurz zitiert und beziehen so wenigstens ein wenig Stellung.

NatĂŒrlich ist es nicht einfach, ein gescheites Buch ĂŒber FotobĂŒcher herauszubringen, schließlich haben Martin Parr und Gerry Badger mit „The Photobook: A History“ die Messlatte sehr hoch gelegt: Die zweibĂ€ndige Publikation gilt heute als Kanon, Standardwerk und Bestellkatalog fĂŒr Sammler zugleich. Der Taschen Verlag tut gut daran, sie nicht einfach zu kopieren. Gleichzeitig muss er dem Leser, der immerhin 50 Euro fĂŒr „Fotografen A-Z“ hinblĂ€ttern soll, inhaltlich mehr liefern als bloße Faksimiles aus BĂŒchern und Zeitschriften. In der jetzigen Form wirkt es jedenfalls wie ein Schnellschuss aus der HĂŒfte und verkommt zum bloßen Coffee Table Book. Und genau das sollen gute FotobĂŒcher ja eben nicht sein.

Links: Taschen Verlag

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„as we are“ von Just Loomis

Das Buch „as we are“ von Just Loomis liegt bereits ein paar Wochen bei mir im Regel, und ich war mir nicht sicher, was ich davon halten soll. ZunĂ€chst befĂŒrchtete ich, dass es bloß wieder eines dieser Schein-Dokumentationen ĂŒber das ach so trostlose Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft ist, wie sie meiner Meinung nach zurzeit inflationĂ€r auf den Markt kommen. Gleichzeitig merkte ich, dass viele Bilder viel zu stark sind, um mit eben solchen Publikationen in einen Topf geworfen zu werden – das irritierte mich.

Also habe ich mir „as we are“ (Hatje Cantz-Verlag, 39,80 Euro) heute wieder vorgenommen – und muss schließlich zugeben, dass ich mich geirrt habe. Dem 1957 in Reno, Nevada, geborenen Just Loomis ist mit dem Buch tatsĂ€chlich ein großer Wurf gelungen, denn es ist eben nicht bloß ein kleiner Ausflug an die Prekariatsperipherie, von dem man abends mit abgefahrenen Fotos von betrunkenen Halbnackten nach Hause kommt. Der PortrĂ€t- und Modefotograf, der Assistent und Freund von Helmut Newton war, hat in den vergangenen vier Jahrzehnten immer auch an seinem eigenen, sehr erzĂ€hlerischen Werk gearbeitet. Die 85 Aufnahmen zeugen von Direktheit und ZurĂŒckhaltung, vor allem aber von einer ganz merkwĂŒrdigen Mischung aus Ironie und MitgefĂŒhl. Loomis ist nicht auf Sensationen aus, er sucht sich die ruhigen Momente, die aber dennoch viel ĂŒber das Leben der Abgebildeten sagen – oder zumindest ĂŒber die Sichtweise des Fotografen. Das merkt man vielleicht am deutlichsten bei seinen Bild von Pete. Der liegt mit vernarbtem Oberkörper und Modellgesicht auf dem Bett. Dass er gar keine Beine hat, fĂ€llt erst auf dem dritten Blick auf. Und das PortrĂ€t vom unbekannten Mann mit dem furchtbar entstellten Gesicht nennt Loomis fast romantisch „ein Tag am Strand“.

Kinder spielen ebenfalls eine große Rolle – mal sind sie nachdenklich und fast erschrocken, als wĂŒrde schon auf den Teenagern eine große Last liegen, dann sind sie wieder leicht und vertrĂ€umt und klettern auf BĂ€ume. Wenn man sich daneben dann das Bild der TĂ€nzerin Danielle aus Las Vegas anschaut, die halbnackt und mit dem Kopf nach unten ihre erotische Showeinlage an einer billigen Kleiderstange vollfĂŒhrt, ist das natĂŒrlich sehr zynisch: Was ist von der Unbeschwertheit der Kindheit geblieben? Und was ist aus dem Traum vom Fliegen geworden?

Ganz Ă€hnlich das Schwarzweiß-PortrĂ€t von Mel, die in einem Diner in Hollywood arbeitet und die unter Garantie Schauspielerin ist oder es zumindest gerne wĂ€re. Ihr Blick verrĂ€t aber etwas anderes. Dabei verwendet Loomis keine formalen Kunstgriffe – er stellt niemanden bloß, die Menschen behalten ihre WĂŒrde. Und das kann man ihm gar nicht hoch genug anrechnen.

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