Portfolio Review beim Fotofestival Mannheim

Portfolio Review

Am Donnerstag, 17. September, er√∂ffnet das 6. Fotofestivals Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg – das gr√∂√üte kuratierte Fotofestival in Deutschland. Als Kurator f√ľr diese Ausgabe zeichnet Urs Stahel verantwortlich: [7] Orte [7] Prek√§re Felder hei√üt die Ausstellung, die an sieben Ausstellungsorten in drei St√§dten in zwei Bundesl√§ndern gezeigt wird und jeweils einem Unterthema gewidmet ist.

Im Rahmen des Fotofestivals findet am Samstag, 19. September, zudem ein Portfolio Review mit dem Thema “Neue Realit√§ten in der Dokumentarischen Fotografie” statt, an dem ich auch selbst als Reviewer neben Simone Demandt, Lukas Einsele, Alexandra Lechner, Frederic Lezmi, Esther Ruelfs, Thomas Schirmb√∂ck, Claude W. Sui und Henrik Spohler teilnehmen werde. Es richtet sich insbesondere an Studierende der Fotografie, Kunst und Gestaltung sowie an K√ľnstler und Fotografen.

Zusätzlich zu meinem Lebenslauf wurde ich um ein Statement zur zeitgenössischen Fotografie gebeten:

Je l√§nger ich mich mit dem Medium Fotografie besch√§ftige, desto unklarer wird f√ľr mich, was eigentlich unter dem Begriff ‚ÄěDokumentarfotografie‚Äú bzw. ‚ÄěFotografie im dokumentarischen Stil‚Äú, wie ihn Walker Evans gepr√§gt hat, zu verstehen ist. Nahezu jeder Fotografie haftet per se eine Zeugenschaft an, gleichzeitig ist ein Foto eben immer auch blo√ü eine von nahezu unendlich vielen Sichtweisen auf unsere Welt. Der Begriff suggeriert eine neutrale Sichtweise, die aber in den allermeisten F√§llen nicht vorhanden ist, so lange die Fotos von Menschen gemacht, ausgew√§hlt und betrachtet werden.

Link: Fotofestival Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg

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Können Fotografien Konflikte erklären?

Diese und √§hnliche Fragen hat sich das MiesińÖc Fotografii w Krakowie, auch bekannt als Photomonth Krakow, als Pr√§misse f√ľr ihr Festival 2015 gew√§hlt. Insgesamt neun Ausstellungen versuchen diese Frage zu beantworten – unter anderem die umfangreiche Schau “Track-22″ von Markus Schaden, in der er neun Fotob√ľcher “an die Wand” bringt als Beispiele f√ľr eine deutliche Autorenschaft und authentische Zeugnisse, um Konflikten zu folgen und sie als pers√∂nliches Erleben wahrzunehmen. Darin zeigt er unter anderem ‚ÄěThe World from my Front Porch‚Äú von Larry Towell, ‚ÄěHundred Portraits‚Äú von Emeric Lhuisset, “Taksim Calling” von Frederic Lezmi, “Esto ha sido” von Luis Weinstein und “The Legitimacy of Landscape” von Yaakov Israel. In anderen Ausstellungen sind beispielsweise Josef Koudelkas “Invasion Prague 68″, Sophie Ristelhuebers “Every One”, Indrńó ҆erpytytńós1944‚Äď1991″, Joanna Piotrowskas “Frowst” sowie Zhang Dalis “A Second History” zu sehen.

Mein ausf√ľhrlicher¬†Artikel ist in Der Standard erschienen. Weil es bislang ein paar Verwirrungen gab: Mein Text versucht den Ausgangsfragen des Krakauer Festivals auf die Spur zu gehen und aufzuzeigen, welche M√∂glichkeiten die Fotografie bei der Erkl√§rung und Vermittlung von Konflikten (und auch anderen komplexen Zusammenh√§ngen) hat. Mein Artikel ist in keinster Weise eine Besprechung des Festivals oder der einzelnen Ausstellungen selbst.

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Appropriation Art in der Fotokunst

In der zweiten Ausgabe des neuen Swiridoff-Magazins, das sich dem Schwerpunktthema Fotografie widmet, habe ich einen Artikel √ľber Appropriation Art und Found Footage in der zeitgen√∂ssischen Fotografie geschrieben. Dabei gehe ich auf die Arbeiten von Andrea Stultiens, KesselsKramer, Doug Rickard, Simon Menner, Martina Bacigalupo und Frederic Lezmi ein.

Den Artikel gibt es hier als PDF.



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Crowdfunding f√ľr “Elf Uhr Elf”

Normalerweise mache ich keine Aufrufe zu Crowdfunding-Projekten. Und dann auch noch mit einem Karnevalsthema! Dass ich es dennoch mache, liegt sicherlich daran, dass ich die H√§lfte der teilnehmenden Fotografen gut kenne (und mit einer auch verheiratet bin), zum anderen aber auch am mir sehr am Herzen liegenden Konzept der Gruppe: Die neun Fotografen Theo Barth, Ute Behrend, Thekla Ehling, Dirk Gebhardt, Matthias Jung, David Klammer, Frederic Lezmi, Nadine Prei√ü und Wolfgang Zurborn haben n√§mlich zwei Jahre lang den K√∂lner Karneval fotografiert – und zwar so, wie man ihn in den √ľblichen Klischee-Bildern der Touristenf√ľhrer, Tageszeitungen und Fernsehkameras nicht zu sehen bekommt: trivial, absurd, tiefgr√ľndig, kontr√§r, verspielt, trostlos, dreckig, verwirrend, ordin√§r, konspirativ, selbstverst√§ndlich. Ich war ja selbst lange genug¬† f√ľr die K√∂lnische Rundschau und den K√∂lner Stadt-Anzeiger in der K√∂lner Karnevalsperipherie unterwegs und kenne die √§sthetischen Codes der Berichterstattung und die Zensur-Argumente, wenn ein Foto das zeigt, was man vorgefunden hat, aber nicht das, was der Leser angeblich sehen m√∂chte – weshalb er auch seit Jahrzehnten die immer gleichen Bilder geliefert bekommt.

Am 14. Februar 2014 wird die Gruppe die Ergebnisse ihres Projektes “Elf Uhr Elf” in der Galerie der Bildagentur laif in einer Ausstellung pr√§sentieren. Aktuell aber sammeln die neun Fotografen √ľber die Crowdfunding-Plattform Startnext 11.111 Euro, um das geplante Buch zu finanzieren. Dabei gilt das “Alles oder nichts”-Prinzp: Wenn nach Ablauf der Frist am 22. Dezember die Zielsumme nicht erreicht wurde, bekommen die Unterst√ľtzer ihr Geld zur√ľck und Elf Uhr Elf keinen einzigen Cent. Und das w√§re √§u√üerst schade. Deshalb: Unterst√ľtzt das Projekt! Schon ab 5 Euro k√∂nnt ihr dabei sein. Oder bestellt am besten gleich das Buch und einen Abzug vor!

Link: Elf Uhr Elf

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#Taksim Calling von Frederic Lezmi

Mit großem Interesse und ebenso großer Sorge und Fassungslosigkeit habe ich im Juni die Proteste rund um den Gezi-Park und dem angrenzenden Taksim-Platz verfolgt Рnicht zuletzt auch deshalb, weil ich Freunde habe, die in Istanbul leben.

Nun hat einer von ihnen die Auseinandersetzungen in einer besonderen Publikation verarbeitet: “#Taksim Calling” hat Frederic Lezmi dieses Fotobuch genannt,das er gemeinsam mit Markus Schaden und Wolfgang Zurborn editiert hat und das in seinem kleinen Eigenverlag Sunday Books erschienen ist. Eigentlich ist es gar kein richtiges Buch, sondern eher eine Art zusammengelegte Postersammlung: Gro√ü wie eine Tageszeitung beinhaltet es Vergr√∂√üerungen von Postkarten mit alten Ansichten vom Taksim-Platz. Auf der R√ľckseite hat Lezmi dann seine pers√∂nlichen Gr√ľ√üe zu den idyllischen Ansichten verfasst – in Form von Fotos, die er vor Ort von den Demonstrationen, Tr√§nengasangriffen, provisorischen Barrikaden und √ľbermalten Parolen an H√§userw√§nden gemacht hat, aufgenommen mit seinem Handy und versehen mit dem f√ľr heute typischen digitalen Polaroid-Rand. “#Taksim Calling” wirkt dadurch leicht und verspielt, hat es mit seinen Andeutungen und Doppeldeutigkeiten aber in sich: Das Zeitungsformat als Kritik an den t√ľrkischen Medien, die nahezu nichts √ľber die Proteste gebracht haben; die Postkarten-Idylle, die es l√§ngst nicht mehr gibt; und die eigentlichen Fotos im Look eines harmlosen Facebook-Urlaubsfoto-Albums vom letzten Istanbul-Trip.

Als zus√§tzliches Zeichen der Solidarit√§t hat sich Lezmi au√üerdem dazu entschieden, sein Fotobuch jedem zu schenken, der einen t√ľrkischen Pass besitzt. Alle anderen m√ľssen 15 Euro f√ľr dieses besondere St√ľck bezahlen.

Link: Frederic Lezmi

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“The Americans List” von Jason Eskenazi

Vor ein paar Wochen hatte ich Besuch von Frederic Lezmi aus Istanbul. Im Gep√§ck hatte er ein kleines, d√ľnnes und dennoch ganz besonders B√ľchlein, das er mir da lie√ü: “By the Glow of the Jukebox: The Americans List” vom ebenfalls in Istanbul lebenden Jason Eskenazi. Es ist kein Fotobuch im klassischen Sinn, denn es zeigt kein einziges Bild und sieht auch von au√üen eher wie ein Notizbuch aus. Dennoch behandelt es, wie der Titel bereits andeutet, eines der ber√ľhmtesten Fotob√ľcher √ľberhaupt: “The Americans” von Robert Frank.

“The Americans List” ist aber auch keine Sekund√§rliteratur, obwohl es zahlreiche Texte enth√§lt, die sich mit “The Americans” besch√§ftigen. Vielmehr ist es eine Hommage an das gro√üartige und die Fotografiegeschichte massiv beeinflussende Projekt, das Frank mit Hilfe eines Guggenheim-Stipendiums zwischen 1955 und 1957 auf Reisen durch die USA realisieren konnte: Das B√ľchlein versammelt die Statements von 276 Fotografen, die Eskenazi nach ihrem Lieblingsbild aus “The Americans” befragt hatte – der Fotograf hatte fast zwei Jahre als W√§chter im Metropolitan Museum of Art gearbeitet und dabei auch auf die Ausstellung “The Americans” aufgepasst. Er nutzte die Gelegenheit, sich erstmals eingehend mit den Fotos auseinanderzusetzen. “‘The Americans’ ist wahrscheinlich das Buch, das die meisten Fotografen miteinander verbindet, und w√§hrend ich auf die Ausstellung aufgepasst habe, sah ich zahlreiche Fotografenkollegen, die sie besuchten.”

Diesen Umstand nutzte er f√ľr seine Befragung und auf diese Weise gelang er an Statements von unter anderem Joel Meyerowitz, Ken Schles, Josef Koudelka, Gary Winogrand, Ralph Gibson, Alec Soth, Martin Parr, Mark Steinmetz, Paul Fusco, James Nachtwey, Alex Webb, Anders Petersen, Annie Leibovitz, Roger Ballen, Stephen Gill, Boris Mikhailov und Wolfgang Zurborn. Und er bekam auch eine Antwort von Robert Frank selbst – sein Lieblingsbild ist “San Francisco”, auf dem ein auf einer Wiese liegendes schwarzes Paar zu sehen ist, dass ihn gerade dabei ertappt, wie er sie fotografiert, was ihm offensichtlich schrecklich unangenehm war. Der Blick des Mannes auf dem Bild sieht jedenfalls auch nicht sonderlich freundlich aus. “Diesen Moment werde ich niemals vergessen”, sagt Frank.

Einen Nachteil gibt es allerdings: Weil “The Americans List” keine Fotos hat, muss man “The Americans” immer parallel aufgeschlagen haben. Das w√§re noch halb so wild, doch das Problem ist, dass die Seiten nicht nummeriert sind – zumindest nicht in der mir vorliegenden, aktuellen Ausgabe von Steidl. Ich habe mir deshalb erst einmal alle zehn Seiten kleine Post-Its hineingeklebt, um die entsprechenden Fotos schneller zu finden. Mit dieser Kr√ľcke geht es dann ganz gut und es macht Spa√ü, immer wieder in beiden B√ľchern nachzuschlagen und zu lesen, was dieser oder jener Fotograf zu seinem Lieblingsbild ernannt hat.

“By the Glow of the Jukebox: The Americans List” ist bei Red Hook Editions erschienen und kostet 10 Euro. “The Americans” von Robert Frank gibt es bei Steidl und kostet 30 Euro.

Link: Jason Eskenazi

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“Poor Politicians” von Frederic Lezmi

Den Kölner Fotografen Frederic Lezmi habe ich bereits mit seinem sehr schönen Leporello Beyond Borders vorgestellt, in dem er eine Reise quer durch Europa bis in den Nahen Osten zeigt, auf der die Grenzen zu verschwimmen scheinen.

Nun hat Lezmi gleich doppelt nachgelegt – und dabei wieder zwei Fotob√ľcher produziert, die im strengen Sinne gar keine B√ľcher sind. Getreu dem Motto “Made on Sundays for Sundays” hat er in seinem kleinen Nebenprojekt “Sunday Books” zwei Boxen mit jeweils 28 Foto-Karten herausgebracht: “Poor Politicians” und “Poor Politicians II” zeigen zerst√∂rte Wahlplakate aus Beirut und Pristina, die Lezmi w√§hrend seiner Aufenthalte dort immer wieder entdeckte und nebenbei mit seinem Smartphone und einer Polaroid-App fotografierte.

Das Sujet ist dabei durchaus spannend, weil an ihnen auch der Zustand einer Demokratie und die Erwartungen der Menschen an die Politik abgelesen werden k√∂nnen- werden Wahlplakate hierzulande gerne mit unreflektierten Einheits-Hitlerb√§rtchen “verziert” oder bestenfalls mit zynischen Sprechblasen kommentiert, werden die Konterfeis der politischen Gegner im Kosovo und im Libanon nicht ausgelacht und blo√ügestellt, sondern regelrecht zerst√∂rt. Auf den ersten Blick scheint es daher ein wenig erstaunlich, dass Lezmi beiden St√§dten eine eigene Ver√∂ffentlichung gewidmet hat. Als ich genauer hingeschaut habe, sind mir jedoch Unterschiede aufgefallen: W√§hrend die Plakate aus Pristina eher melancholisch und wie aus einer vergangenen Zeit wirken und es durch die √úberlagerung von Alten und Neu, von Vorder- und Hintergrund durchaus zu poetischen Momenten kommt, habe ich in Beirut eher den Eindruck, dass dort Aggressionen abgebaut und die Kandidaten symbolisch gedem√ľtigt und exekutiert werden: Augen und M√ľnder wurden ausgekratzt und das Gesicht h√§ngt in Fetzen herunter. Lezmi selbst schreibt dann auch, dass die Lebenserwartung libanesischer Politiker nicht sonderlich hoch sei.

Die Boxen kosten jeweils 24 Euro, sind auf 100 Exemplare limitiert und können direkt beim Fotografen bestellt werden.

Link: Frederic Lezmi

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“Street Photography Now”-Ausstellung in K√∂ln

Das im Herbst 2010 erschienene Buch “Street Photography Now” war innerhalb k√ľrzester Zeit ausverkauft und avancierte zum Kultbuch und Standardwerk zugleich. In der K√∂lner Galerie Lichtblick, die von Wolfgang Zurborn mitbetrieben wird, ist noch bis zum 30. Januar die dazugeh√∂rige Wanderausstellung mit Arbeiten von 23 der insgesamt 46 im Buch vertretenen Fotografen zu sehen.

Meine Besprechung aus dem Kölner Stadt-Anzeiger findet ihr hier.

Links: Galerie Lichtblick, Thames & Hudson

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Photoszene: Pimp the Timp

Die Galerie Lichtblick hat gemeinsam mit dem FENZkunstraum und dem Kunstwerk Nippes eine au√üergew√∂hnliche Ausstellung auf die Beine gestellt: Zehn Tage lang bespielen die drei Einrichtungen das leerstehende Hotel Timp, in dem 30 Jahre lang t√§glich Travestie-Shows stattgefunden haben. Der Titel der Ausstellung “Pimp the Timp – Kunst im Etablissement” verr√§t ein wenig, was den Besucher in den 15 Zimmern, drei Suiten und dem Tanzsaal so alles erwartet: Von erotisch bis pornografisch, von der feinen Komposition bis zum Snapshot ist alles dabei. Dabei ist die K√ľnstlerauswahl mitunter weltklasse, denn zu sehen sind unter anderem Ann Simmons Myers, Antoine D’Agata, Bogi Bell, Edward Weston, Evgenij Mochorev, Frederic Lezmi, Harvey Benge, J. Jackie Baier, J√ľrgen Wassmuth, Ken Rosenthal, Larry Fink, Michael Grecco, Pelle Kronestedt, Sergio Purtell, Vasil Stanko, Wolfgang Schulz und Wolfgang Zurborn.

Der Eintritt kostet zwar f√ľnf Euro, aber der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Wer mehr wissen m√∂chte, kann sich meinen¬†Artikel aus dem K√∂lner Stadt-Anzeiger durchlesen.

Dar√ľber hinaus sind im Ksta auch meine n√§chsten¬†Tipps mit neuen Ausstellungen w√§hrend der 20. Internationalen Photoszene K√∂ln erschienen.

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Fotobook Festival Kassel

In Kassel hat von Donnerstag bis Sonntag das 3. Internationale Fotobook Festival stattgefunden. Ich habe mir gleich alle vier Tage gegeben und bin auch sehr froh dar√ľber, denn abgesehen von der etwas unvorbereitet wirkenden Organisation war die Veranstaltung ein Treffpunkt des “Who’s who” der internationalen Fotobuchszene: Martin Parr, Gerry Badger, Rinko Kawauchi, Alec Soth und Paul Graham geh√∂ren sicherlich zu den bekanntesten Vertretern (wobei mich der eitle Vortrag Grahams eher aggressiv gemacht hat). Sehr gut gefallen hat mir hingegen der informative und kurzweilige Beitrag des Kunsthistorikers und Experten f√ľr japanische Fotografie, Ferdinand Br√ľggemann, √ľber “Japanische Fotografinnen der Gegenwart” und Rob Hornstra, der nicht nur tolle Bilder und B√ľcher macht, sondern der auch ein eigensinniges, aber ausget√ľfteltes Marketing- und Finanzierungssystem daf√ľr entwickelt hat.

Sehr gefreut hat mich ebenfalls, dass neben Nollywood von Pieter Hugo auch Beyond Borders von Frederic Lezmi unter den 24 B√ľchern des Photobook Awards waren, unter denen ansonsten vor allem “Black Passport” des Kriegsfotografen Stanley Greene hervorstach – ein verst√∂rendes Buch in einer sehr eigenen, direkten Gestaltung.

Viel Zeit habe ich auch bei den B√ľchern des Dummy-Preises verbracht, wobei die drei Preistr√§ger Werner Amann mit¬†American. (hier als kleiner Auszug), Chad States mit “Cruisin’” und Axel Beyer mit¬† Bebra Curiosa nicht unbedingt meine Favoriten waren. Ziemlich gut fand ich Richard Kurc Konzeptportr√§ts mit¬†Kinder, Eltern, Autos – Familienportraits in mobilen Rahmen und Alexander Labrentz mit seiner Dokumentation Arbeit und Leben √ľber Massentierhaltung. √úber die Fotos aus dem Buch Wunschkinder von Ursula Becker habe ich gelacht wie selten bei einem Fotobuch, allerdings fand ich das Buch selbst ziemlich schwach gestaltet. √Ąhnlich erging es mir bei Arnd Weider und seinem theater – starke Fotos und ein angemessenes Layout, aber eine furchtbare Typo. Etwas zu lang, aber insgesamt dennoch ganz gut fand ich Florian Generotzky mit Risse im Beton (vor allem das Bild auf Seite 26 hat es mir angetan). Sehr sch√∂n fand ich auch “Rented Rooms” von Torben H√∂ke √ľber die Billigunterk√ľnfte der Individualreisenden in Indien – ein schlichtes, aber liebevoll gestaltetes Buch mit ruhigen, guten Einzelbildern. Insgesamt am auff√§lligsten war zudem sicherlich das Projekt “Erholungszone Deutschland” des Duos Valeska Achenbach/Isabela Pacini, das aus insgesamt f√ľnf Einzelb√ľchern besteht und mit deutschen Klischees spielt.

Wer mehr √ľber das Festival erfahren m√∂chte, kann sich auch meinen¬†Artikel aus der taz durchlesen.

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