Fotostadt Köln: Kontrast Labor

Kontrast ist das letzte Fotofachlabor in K√∂ln, in dem noch analoge Handabz√ľge angefertigt werden. Das wissen K√ľnstler wie Benjamin Katz, Boris Becker, Candida H√∂fer und Gerhard Richter genauso zu sch√§tzen wie ambitionierte Amateurfotografen.

F√ľr die Serie zur Fotostadt K√∂ln im K√∂lner Stadt-Anzeiger habe ich mich mit den Inhabern Hermann Plum und Dieter Zettner getroffen. Den Artikel gibt es¬†hier als PDF.

Link: Kontrast

Geschrieben in Allgemein, Porträt | 1 Kommentar

Geschichte der zeitgenössischen Photographie

Ich werde immer skeptisch, wenn ein Buch einem die Geschichte der Fotografie erkl√§ren will – weil es meistens sehr oberfl√§chig ist und nur die ohnehin schon bekannten Positionen zeigt oder weil es, meist aus rechtlichen Gr√ľnden, nur ein sehr eingeschr√§nktes Bildmaterial zur Verf√ľgung hat und die Auswahl entsprechend reduziert und unter Umst√§nden auch subjektiv gef√§rbt ist.

Das nun erschienene Buch ‚ÄěDie gro√üe Geschichte der zeitgen√∂ssischen Photographie ‚Äď 1960 bis heute‚Äú ist da allerdings etwas anders. Herausgegeben von Quentin Bajac, Lucy Gallun, Roxana Marcoci und Sarah Hermanson Meister wirft es unaufgeregt einen Blick auf die vergangenen Jahrzehnte und bedient sich dabei aus der fotografischen Sammlung des Museum of Modern Art in New York, die zu den gr√∂√üten der Welt z√§hlt. Zwei weitere, sich noch in Planung befindliche B√§nde sollen den √úberblick abschlie√üen – und die Reihe vielleicht zum neuen Standardwerk machen. Ich bin gespannt.

Anbei meine Kurzvorstellung aus der aktuellen Photographie als PDF.

Amazon: Die große Geschichte der zeitgenössischen Photographie: Von 1960 bis heute

Geschrieben in Allgemein, Bildung, Fotob√ľcher | Keine Kommentare

“Foto A-Z” im NRW-Forum

Das war’s also. Nach 15 Jahren schlie√üt das D√ľsseldorfer Ausstellungshaus NRW-Forum zum Jahreswechsel seine T√ľren. Die beiden Initiatoren und Ausstellungsmanager Werner Lippert und Petra Wenzel haben nach der vierten Vertragsverl√§ngerung entschieden, dass sie definitiv aufh√∂ren wollen. Zum Abschluss zeigen sie nun noch einmal ‚ÄěFotografen, die wir gezeigt haben, und die, die wir immer schon gerne gezeigt h√§tten‚Äú. Der Titel der Ausstellung lautet schlicht ‚ÄěFoto A-Z‚Äú und pr√§sentiert unter anderem Arbeiten von Nobuyoshi Araki, Guy Bourdin, Anton Corbijn, Philip-Lorca diCorcia, William Eggleston, Nan Goldin, Joel Sternfeld, Wolfgang Tillmans, David LaChapelle, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Paul Outerbridge,¬† Thomas Ruff, Cindy Sherman und Jeff Wall.

Und auch Candida H√∂fer ist dabei mit ihrer “On Kawara”-Serie, die hier sehr sch√∂n in Vitrinen ausgelegt ist – es bleibt eine der wenigen Serien, die ich von ihr mag. √Ąhnliches gilt f√ľr Richard Prince, dessen Marlboro-Cowboys ich noch nie so √ľberzeugend gesehen habe wie hier. Die Ausstellung l√§uft noch bis zum 5. Januar 2014.

In der aktuellen Photonews ist ein l√§ngerer Artikel erschienen, indem ich auch ausf√ľhrlich auf die Geschichte und die Zukunft des NRW-Forums eingehe. Den Text gibt es hier.

Link: NRW-Forum

Geschrieben in Allgemein | 1 Kommentar

“Untitled Horrors” von Cindy Sherman

Zu Cindy Sherman ist eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Die 1954 geborene Amerikanerin geh√∂rt mit ihren Selbstinszenierungen zu den wichtigsten und erfolgreichsten Fotografinnen der Gegenwart √ľberhaupt: Im Kunstkompass hat sie nicht nur seit Jahren einen sicheren Platz unter den Top 10, sondern ist dort √ľberhaupt die einzige Vertreterin aus dem Bereich Fotografie. F√ľr mich pers√∂nlich sind ihre Arbeiten eher uninteressant ‚Äď ich habe mich an ihnen satt gesehen und zudem lassen mich ihre Gender-Themen kalt.

Dennoch ist nun ein Buch auf den Markt gekommen, dass meiner Meinung nach besondere Beachtung verdient, weil es sich auf den Aspekt des Gruselns und des Horrors in Cindy Shermans Werk konzentriert. Bereits die Aufmachung gef√§llt mir sehr gut ‚Äď anstatt den Umschlag klassisch nach innen zu klappen, sind die Seiten nach au√üen geklappt und verdecken das Titelmotiv zu zwei Drittel: Man sieht lediglich Finger und ein Ohr, die aus einem Haufen feuchter Erde ragen. Klappt man das Cover aus, finden sich noch eine Nase, Lippen, zwei weitere Finger und ‚Äď weiter unten ‚Äď sogar Z√§hne in der von konspirativem Seitenlicht erhellten Szenerie. Au√üerdem liegt auf der Erde ein aufgeklappter Schminkspiegel, in dem das Gesicht einer Person zu sehen ist, die sich das ganze Gemetzel offensichtlich regungslos anschaut. Der T√§ter ist also anwesend, wir k√∂nnen ihn allerdings nicht genau verorten ‚Äď und das Gruseln im Kopf nimmt seinen Lauf.

Das Buch ‚ÄúUntitled Horrors‚ÄĚ ist im Rahmen der gleichnamigen Ausstellung im Moderna Museet in Stockholm und im Astrup Fearnley Museet in Oslo im Hatje Cantz Verlag erschienen (232 Seiten, 135 Abbildungen, 39,80 Euro), wurde aber um Texte von Autoren wie Kathy Acker, Miranda July,¬†Karl Ove Knausg√•rd und Sibylle Berg erg√§nzt, die das Buch wiederum in Kapitel unterteilen. Und die haben es mitunter ganz sch√∂n in sich und zeigen Frauenportr√§ts und Frauenleichen, fickende Puppen und k√ľnstliche Geschlechtsteile, verschimmeltes Essen und Selbstportr√§ts als Clowns und mit Schweinsnase. Kurzum: Es sind mitunter wirklich ekelhafte Bilder. Und das sage ich selten.

Doch gerade deshalb ist ‚ÄúUntitled Horrors‚ÄĚ ein starkes Buch. Nicht ‚Äúsch√∂n‚ÄĚ im konventionellen Sinne, aber konzentriert. Und so, wie Sherman ihre Bilder nicht benennt, so ist das Grauen hier ebenfalls selten konkret festzuhalten. Nat√ľrlich liegt vieles an ihrer Art der Pr√§sentation: Die unnat√ľrlichen Farben von Gr√ľn bis Lila, die harten, nicht aufgehellten Schatten, die eher an Inszenierungen von Hobbyfotografen und an private Dokumentationen erinnern und dadurch besonders k√ľnstlich und authentisch zugleich wirken. Paradox, ich wei√ü. Aber vielleicht macht ja genau dieses Paradoxon die Faszination ihrer Bilder in dieser Zusammenstellung aus: Wir wissen sofort, dass das alles inszeniert ist, dass das alles Puppen und Plastikk√∂rperteile sind ‚Äď und dennoch sind wir davon abgesto√üen, weil hier zusammenkommt, was nicht zusammenkommen darf.

Link: Hatje Cantz


Geschrieben in Fotob√ľcher | Keine Kommentare

“Fotonovelas” von George Friedman

Ich erinnere mich noch gut an die Foto-Lovestories aus der Bravo, diese comicartigen Geschichten mit Fotografien statt Illustrationen. Die waren damals schon schlecht produziert, und gerade habe ich mich davon √ľberzeugt, dass sich daran bis heute nichts ge√§ndert hat.

Mit dieser Billig-Variante des Fotoromans haben die Fotonovelas von George Friedman allerdings nichts gemein – seine Inszenierungen sind im wahrsten Sinne des Wortes “ganz gro√ües Kino”. Der 1910 als Gy√∂rgy Friedmann geborene Ungar arbeitete als Kameramann bei Filmproduktionen in London und Hollywood sowie als Fotograf f√ľr diverse Magazine wie Vu, Paris Match, Time und Life bevor er 1939 nach Buenos Aires zog. Dort gr√ľndete er in den 50er Jahren die lose Fotografengruppe “La Carpeta de los Diez” (”Die Gruppe der Zehn”) mit, die einen gro√üen √§sthetischen Einfluss auf die argentinische Fotografie hatte. Friedman (der √ľbrigens seinen Landsmann Andr√© Friedman dazu gebracht haben soll, sich in Robert Capa umzubenennen, um nicht l√§nger mit ihm verwechselt zu werden) stand auf der einen Seite in der humanistischer Tradition, wurde von Edward Steichens “Family of Man”-Ausstellung gepr√§gt und fotografierte das Leben einfacher Menschen wie Minenarbeiter und Gauchos. Auf der anderen Seite war er aber auch ein gro√üartiger Inszenierer, Auftrags- und Publikumsfotograf, der seine Erfahrungen als Spielfilm-Kameramann nutzte, um Fotos auf hohem technischen und gestalterischen Niveau f√ľr eben jene Fotonovelas zu produzieren.

Aber das Genre war f√ľr ihn mehr als blo√ü ein Broterwerb – auch in seinem k√ľnstlerischen Schaffen setzte sich Friedman mit dem Medium dieser Popkultur auseinander. Dabei schuf er Bilder, die nicht einfach blo√ü an Filme erinnern sollen wie es etwa Cindy Sherman mit ihren “Untitled Film Stills” tat (und die ich f√ľr nicht einmal besonders gut gelungen halte), sondern die der Leinwand geradezu entsprungen zu sein scheinen – Filmstills im w√∂rtlichen Sinne also.

Das Forum f√ľr Fotografie in K√∂ln zeigt noch bis zum 30. Juni eine Auswahl dieser Fotografien, und ich habe es sehr genossen, zwischen ihnen zu wandeln, sie zu betrachten und mich zu wundern. Zu wundern √ľber die Wirkung, die Pr√§zision, die Technik. Was zeichnet die Fotografien aus, was ist ihr Geheimnis, warum funktionieren sie als Filmstills besser als die Fotos von eben Cindy Sherman oder auch Gregory Crewdson, der ja nicht nur Fotos macht, die wie Filmszenen aussehen, sondern der sie ja auch genauso aufw√§ndig inszeniert.

Zwei Gr√ľnde habe ich daf√ľr gefunden. Zum einen ist es das Licht, dieses mond√§ne Filmlicht der fr√ľhen Hollywood-Jahre, das nicht gespenstisch wirkt wie bei Crewdson, sondern glamour√∂s. Das von irgendwo her zu kommen scheint und das keinen zus√§tzlichen Aufheller ben√∂tigt, der alles weichsp√ľlt. Das deshalb auch tiefe Schatten verursacht, die man als heutiger Betrachter sofort mit den “guten alten Zeiten” von Hollywood verbinden, in denen M√§nner noch M√§nner und Frauen noch Frauen waren. Zumindest auf der Leinwand.

Der andere Grund, warum diese Bilder so gut funktionieren, ist schlicht die hervorragende Regie Friedmans. Er fotografiert die Fotos nicht wie Fotos, sondern wie Filme. Die Menschen scheinen tats√§chlich zu agieren und nicht f√ľr den Fotoapparat in einer plakativen Schl√ľsselszene zu erstarren. Das klingt banal, macht aber den entscheidenen Unterschied. Diese Mischung aus der K√ľnstlichkeit des Lichts und der Authentizit√§t der Bewegung¬† und Handlung macht den Reiz aus, l√§sst die Bilder lebendig werden und sie Geschichten erz√§hlen. Diese Wirkung ist so stark, dass den meisten Betrachtern wahrscheinlich erst auf den zweiten Blick (oder auch gar nicht) auff√§llt, dass der Gro√üteil der Fotos Hochformate sind, womit es ja schon per se kein Filmstill sein kann.

In der Ausstellung kann man √ľbrigens auch sehen, was passiert, wenn einer dieser beiden Aspekte fehlt. Dann wird das Bild entweder zum Modefoto oder zur Reportage. Die sind dann noch immer gut, aber es fehlt der Zauber, das gewisse Etwas. Und wer sehen will, was passiert, wenn man weder die eine noch die andere Zutat ber√ľcksichtigt, der kann sich ja die Foto-Lovestories in der Bravo anschauen.

Link: Forum f√ľr Fotografie

Geschrieben in Ausstellungen | Keine Kommentare

“Fotografen A-Z” von Hans-Michael Koetzle

Das Fotobuch lebt. Das merke ich nicht nur daran, dass die Zahl der Publikationen, speziellen Buchl√§den, Internetblogs, Festivals und nicht zuletzt auch die Preise f√ľr vergriffene Exemplare st√§ndig steigen. Ich merke es auch, weil der K√∂lner Taschen Verlag, der ja eher f√ľr Mainstream-Ware bekannt ist, nun einen dicken W√§lzer (444 Seiten, 49,99 Euro) zu diesem Thema herausgebracht hat. Der Titel “Fotografen A-Z” suggeriert eher ein Fotografen-Lexikon wie die ebenfalls bei Taschen erschienene Foto:Box, doch es geht in dem Buch von Autor Hans-Michael Koetzle tats√§chlich weniger um die Fotografen, sondern vielmehr um ihre “sch√∂nsten Monografien”, wie es in der Pressemitteilung hei√üt.

So ist das Buch nun auch eine Art Enzyklop√§die geworden, streng alphabetisch (und nicht etwa chronologisch) geordnet, die kompetent Auskunft geben will, die aber nicht den Anspruch auf Vollst√§ndigkeit erhebt. Wie soll sie auch? Daf√ľr l√§dt sie ein zum ziellosen Bl√§ttern, St√∂bern, Surfen – kurz: zum Entdecken. Und zu entdecken gibt es viel, denn das Buch geizt nicht mit gro√üen, popul√§ren Namen wie Nobuyoshi Araki, Diane Arbus, Richard Avedon, Anton Corbijn, Peter Lindbergh, Man Ray, Robert Mapplethorpe, Helmut Newton, Leni Riefenstahl, Cindy Sherman, Wolfgang Tillmans, Ellen von Unwerth und Weegee, stellt aber auch weniger bekannte vor.

Das ist zwar alles sch√∂n und gut und lockt sicherlich auch Kunden an, die sich sonst eher nicht mit dem Thema Fotobuch auseinandersetzen w√ľrden. Wahrscheinlich aber auch nur die. Denn die Texte, die Koetzle dem interessierten “Leser” liefert, sind wenig aufschlussreich: Ein als Flie√ütext getarnter Lebenslauf wird durch die Auflistung von Ausstellungen und weiteren B√ľchern des Fotografen angereichert. Auf die Bilder geht Koetzle kaum, auf die vorgestellten Monografien gar nicht ein. Daf√ľr werden Journalisten, Kuratoren, Sammler, Fotografen und weitere “Foto-Prominente” kurz zitiert und beziehen so wenigstens ein wenig Stellung.

Nat√ľrlich ist es nicht einfach, ein gescheites Buch √ľber Fotob√ľcher herauszubringen, schlie√ülich haben Martin Parr und Gerry Badger mit “The Photobook: A History” die Messlatte sehr hoch gelegt: Die zweib√§ndige Publikation gilt heute als Kanon, Standardwerk und Bestellkatalog f√ľr Sammler zugleich. Der Taschen Verlag tut gut daran, sie nicht einfach zu kopieren. Gleichzeitig muss er dem Leser, der immerhin 50 Euro f√ľr “Fotografen A-Z” hinbl√§ttern soll, inhaltlich mehr liefern als blo√üe Faksimiles aus B√ľchern und Zeitschriften. In der jetzigen Form wirkt es jedenfalls wie ein Schnellschuss aus der H√ľfte und verkommt zum blo√üen Coffee Table Book. Und genau das sollen gute Fotob√ľcher ja eben nicht sein.

Links: Taschen Verlag

Geschrieben in Fotob√ľcher | Keine Kommentare

Most Popular Tags