Karl Hugo Schmölz bei Van der Grinten Galerie

Nach der wunderbaren Retrospektive “Wie sich Deutschland neu erfand” im LVR-Landesmuseum Bonn zeigt nun auch die Van der Grinten Galerie in Köln bis zum 15. Dezember eine Ausstellung mit Vintage-Abzügen von Karl Hugo Schmölz. Unter dem Titel „Die Stadt als Bühne“ demonstriert die Schau, wie Schmölz seine Umgebung wahrnahm: Seine Ansichten wirken oft realer als real und bisweilen unwirklich schön – so wie auf seinen Fotos hat man die Architektur der Zeit jedenfalls selten erstrahlen sehen. Schmölz schien geradezu besessen von der Linie, von Proportion und dem Willen nach gestalterischer Perfektion: In seinen Aufnahmen von Theatern, Kinosälen, Geschäften und Verwaltungsgebäuden gibt es keinen störenden Akzente, alles ist auf das Wesentliche reduziert. Dass Schmölz (natürlich) in Schwarzweiß gearbeitet hat, mag man manchmal bedauern – zu schön wäre es, könnte man diese Zeitreise in Farbe erleben. Gleichzeitig ist gerade dieses Schwarzweiß ein Teil seines Geheimnisses, schließlich lässt es sich zum einen gestalterisch besser kontrollieren, zum anderen sind diese alten Vintages in ihrer technischen Brillanz unübertroffen.

Im Verlag Schirmer/Mosel ist zudem das sehr empfehlenswerte Buch “Köln – Architekturfotografien der fünfziger Jahre” erschienen. Es versammelt Karl Hugo Schmölz’ Fotografien und verdeutlicht zudem eindrücklich, wie er nun als fehlendes Bindeglied der neu-sachlichen Fotografie im Rheinland zwischen August Sander und Bernd und Hilla Becher neu entdeckt wird (176 Seiten, 49,80 Euro).

Links: Van der Grinten, Schirmer/Mosel


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August Sander und die SK Stiftung Kultur

Im Rahmen des Tätigkeitsberichts 2011, den ich im Auftrag der SK Stiftung Kultur geschrieben habe, habe ich mich auch intensiv mit der grundlegenden Bedeutung von August Sander für die Photographische Sammlung auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt meines Artikels steht dabei die Ausstellung Sardinien 1927, die im letzten Jahr gezeigt wurde. Aber auch die Rekonstruktion von New Topographics sowie das Fotografenpaar Bernd und Hilla Becher sind natürlich wichtige Referenzen darin.

Meinen ausführlichen Artikel gibt es hier.

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Paareprojekt on Tour

Zum dritten und letzten Mal fahren Nadine und ich los, um Paare zu fotografieren. Dieses Mal verschlägt es uns in die neuen Bundesländer – wir fotografieren am 20. April in der Nähe von Templin in der Uckermark, am 22. und 23. April in Berlin sowie am 27. April in Leipzig. Da wir noch in allen Städten freie Termine haben, können sich interessierte Paare, die mitmachen möchten, sehr gerne bei uns melden! Weitere Infos bekommt ihr auf der Internetseite des Paareprojektes.

Für damianzimmermann.de bedeutet dies (wie bereits bei der Südtour auch), dass ich in den nächsten zwei, drei Wochen wohl eher nichts online stellen kann. Ab Mai geht es dann aber auch hier wieder los – unter anderem mit Besprechungen der Ausstellungen von Lewis Baltz in Bonn, von Wilhelm Schürmann in Köln sowie mit einer ausführlichen Fotobuchrezension zu “Die Fabrik” von Jakob Tuggener. Außerdem werde ich “The Sochi Project” von Rob Hornstra vorstellen sowie über die Bedeutung von August Sander für die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur berichten. Also: Schaut einfach regelmäßig hier vorbei.

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Sherrie Levine bei Jablonka Pasquer Projects

Es ist schon starker Tobak, was Sherrie Levine da macht: 1981 hat sie ihren Werkzyklus “After Walker Evans” vorgestellt, für den sie die bekannten Fotografien von eben Walker Evans, die er in der Zeit der Großen Depression in den USA aufgenommen hatte, aus einem Katalog abfotografiert und anschließend ausgestellt hat. Das war damals provokativ und in gewisser Weise auch “richtig”, denn es geht bei der so genannten Appropriation Art und besonders bei der Fotografie immer auch um die Frage nach dem Original und der Kopie. 30 Jahre später macht Levine das allerdings immer noch – und hat für die Ausstellung bei Jablonka Pasquer Projects Arbeiten von August Sander abfotografiert.

Auf mich wirkt diese Vorgehensweise wie eine moderne Variante des Hans Christian Andersen-Märchens “Des Kaisers neue Kleider” – und ich fühle mich ein wenig wie das Kind, das schreit “Aber er hat ja gar nichts an!”. Man kann sich zu jedem Thema einen fantastisch-theoretischen Überbau konstruieren – man sollte allerdings darauf achten, dass am Ende keine Kopfgeburt herauskommt. Und vor allem sollte man den Betrachter nicht für dümmer verkaufen als er ist.

Meine Besprechung, die heute im Ksta erschienen ist, findet ihr hier.

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“Thank you, Darling!” bei Schaden.com

Vergangenes Jahr fragte der Kölner Fotobuchhändler und Fotografie-Experte Markus Schaden befreundete Fotografen, ob sie ihm für das Projekt A Picture for Home jeweils einen Abzug zur Verfügung stellen könnten. Im  November 2011 wurden schließlich 210 Arbeiten während der Fotomesse Paris Photo verlost.

Am Freitag, 2. März, ab 18 Uhr wird diese Veranstaltung quasi fortgesetzt – mit der Vernissage “Thank you, Darling!” in der Buchhandlung Schaden.com in der Körnerstraße 6-8. Gezeigt werden Fotografien von William Klein, Thomas Höpker, Peter Basch, Bruce Davidson, Lisette Model, Marc Riboud, Lilian Bassman, Gottfried Helnwein, Walde Huth, Jacques-Henri Lartigue, Inge Morath, Heinz Held, Werner Hannappel, Lucien Clergue, Eliott Erwitt, Will McBride und vielen anderen. Die Bilder stammen aus der Privatsammlung von Renate Gruber. Sie werden erstmals gezeigt und zu Preisen zwischen 50 und 3500 Euro zu Gunsten von Schaden.com verkauft.

Link: Schaden.com

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Judith Joy Ross in der SK Stiftung Kultur

In der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur wurde am Freitag die Ausstellung der amerikanischen Porträtfotografin Judith Joy Ross eröffnet. In der Retrospektive werden fast 20 Serien gezeigt, an denen Ross seit 1982 gearbeitet hat.

Bemerkenswert sind neben ihrer konsequente Beschäftigung mit dem Individuum, das die direkte Auswirkung der Politik zu spüren bekommt, auch ihre anachronistischen Papierabzüge, die Kontakte der 8 mal 10 Inch-Negative sind. Ihre Nähe zu August Sander und Diane Arbus ist dabei nicht von der Hand zu weisen, gleichzeitig ist auch der Einfluss auf junge Fotografen wie beispielsweise Ted Partin erkennbar.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Februar 2012 zu sehen. Außerdem ist bei Schirmer/Mosel ein Katalog mit empfehlenswerten Texten erschienen.

Meine Besprechung, erschienen heute im Ksta, gibt es hier.

Link: SK Stiftung Kultur

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Jeff Wall im Bozar in Brüssel

Der Kanadier Jeff Wall gehört zu den wichtigsten Fotografen der Gegenwart. In seinen Bildern zitiert er häufig die Kunstgeschichte, ohne dass sie deshalb nüchtern oder akademisch wirken. Vor allem gelingt es ihm meist, dass seine Bilder wie Dokumentationen wirken, tatsächlich aber bis ins kleinste Detail inszeniert sind.

In der großen Ausstellung “The Crooked Path” zeigt der Palast der Schönen Künste – Bozar in Brüssel nun 25 Arbeiten von Jeff Wall und stellt sie 130 Arbeiten anderer Künstler gegenüber, die Wall inspirieren und begleiten – darunter natürlich auch zahlreiche Fotografen wie August Sander, Bernd und Hilla Becher, Hans-Peter Feldmann, Andreas Gursky, Thomas Struth, Stephen Shore, Walker Evans und Robert Frank.

Meine ausführliche Besprechung über diese besondere Ausstellung ist heute im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen und gibt es hier.

Link: Bozar

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Die Sardinienbilder von August Sander

August Sander ist vor allem für sein Porträtwerk “Menschen des 20. Jahrhunderts” und das daraus resultierende Buch “Antlitz der Zeit” bekannt und gilt als typischer Vertreter der “Neuen Sachlichkeit” in der Fotografie. Im Jahr 1927, als er sich bereits auf dem Zenit seines Schaffens befand, unternahm er seine einzige mehrwöchige Auslandsreise: Gemeinsam mit seinem Freund, dem Schriftsteller Ludwig Mathar, fuhr er für gut einen Monat nach Sardinien. Die Aufnahmen, die er dort von Menschen und ihren Lebensverhältnissen, Bauwerken und der Landschaft gemacht hat, gelten bis heute als eine der bedeutendsten fotografischen Dokumentationen der Insel – sie zeigen ein vormodernes Leben, das es so nicht mehr gibt.

Gleichzeitig liefern sie einen ungewohnten Blick auf Sanders Œuvre, denn es scheint, als habe der Formalist alle Überzeugungen und Konzepte über Bord geworfen. Seine typischen Porträts, Landschafts- und Architekturaufnahmen ergänzt er um Alltagsszenen, die mich in ihrer Präzision ein wenig an die alten Japan-Fotografien von Kimbei Kusakabe oder Felice Beato erinnern – nur, dass Sander alles tatsächlich vorfand, während Kusakabe und Beato längst vergangene Zeiten (teilweise im Studio) nachstellten. Bei Sander sehen die Weberin und die Magd am Brunnen hingegen aus, als hätte sie Jan Vermeer gemalt, während seine Architekturaufnahmen dramatisch-expressiv und sogar kubistisch wirken, allen voran die Treppe, die er in Cagliari vorfand.

Dort hat er auch die Kirche der heiligen Anna fotografiert – strikt von vorne, aber mit einem extrem harten Schlagschatten von rechts. Der zerschneidet das Bild regelrecht und ist gleichzeitig ein Gegenpol zum linken und einzigen Kirchturm – der rechte war damals noch gar nicht gebaut. Für mich ist dies eine der eindrucksvollsten Aufnahmen in der an eindrucksvollen Aufnahmen nicht gerade armen Ausstellung. Offensichtlich hat Sander auch selbst gewusst, wie wichtig seine Serie ist: Die Sardinienbilder hat er mit als Erstes vor den Bombardierungen in Köln während des Zweiten Weltkrieges in den Westerwald gerettet.

In der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur sind nun 150 dieser seltenen Aufnahmen zu sehen – flankiert von Italienbildern von Ruth Hallensleben aus dem Jahr 1952 sowie historischen Reisefotografien von u.a. Henri Béchard, Francis Frith, Pascal Sébah und Félix Bonfils, die zwischen 1850 und 1890 entstanden sind. Die Ausstellung läuft bis zum 21. August 2011.

Im Verlag Schirmer/Mosel ist zudem ein Band mit allen rund 300 Sardinienaufnahmen von Sander erschienen. Das Buch hat 288 Seiten und kostet 49,80 Euro. Außerdem gibt es einen 26-minütigen Dokumentarfilm von Reiner Holzemer: “August Sander – Eine Reise nach Sardinien” zeigt auf den Spuren von Sanders Reiseroute seine Fotografien, das Leben der Sarden und das Charakteristische der Insel Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Film wird am 11. Mai um 20 Uhr im Komed, Im Mediapark 7, aufgeführt. Der Eintritt ist frei. Auf Arte ist der Film am 26. Juni zu sehen.

Links: SK Stiftung Kultur

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Ted Partin im Haus Esters in Krefeld

Im Ksta ist meine Besprechung über die Ausstellung von Ted Partin erschienen – da sie allerdings doch stark gekürzt und ohne Bild abgedruckt wurde, gibt es sie hier noch einmal in voller Länge:

Ted Partin ist im Rheinland zurzeit das, was gerne ein „Geheimtipp“ genannt wird. Kaum einer kennt den jungen Fotografen aus Brooklyn, aber wer seine Ausstellung im letzten Jahr in der Düsseldorfer Galerie Thomas Flor oder aktuell im Museum Haus Esters in Krefeld (noch bis zum 19. September) gesehen hat, spricht meist voller Begeisterung und Bewunderung von den intensiven Porträts des 33-Jährigen.

Ihre Wirkung entfalten die Originalabzüge sicherlich auch auf Grund der eingesetzten Technik – schließlich fotografiert Partin mit einer großen und schweren Fachkamera der Marke Deardorff, mit der auch schon Richard Avedon gearbeitet hat. Das Negativ, das dabei belichtet wird, ist mit 20 mal 25 Zentimetern etwa sechs mal so groß wie eine durchschnittliche, digitale Kompaktkamera – die Brillanz der Abzüge lässt jeden neuen Megapixelrekord und jede Bildstabilisatoren-Neuheit wie einen Treppenwitz der Fotografiegeschichte dastehen.

Doch all diese technischen Feinheiten nutzen nur wenig, würde es am entsprechenden Inhalt fehlen. Tut er bei Partin aber nicht. Denn der Amerikaner bewegt sich mit der Ausstellung „Eyes look through you“ souverän in der Sphäre zwischen Dokumentar- und Inszenierter Fotografie und zeigt junge Erwachsene zwischen Rebellion und Resignation, zwischen Selbstreflektion und Selbstaufgabe. Partin fotografiert sie durch Fenster und Spiegel, um räumliche Situationen zu verschachteln und neue Perspektiven zu kreieren – dadurch gewinnt er Nähe und Distanz zugleich. Aber auch ohne solche Hilfsmittel gibt es immer wieder Barrieren, die er zu überwinden versucht – zum Beispiel der Hund mit dem Maulkorb auf dem Steg vor ihm, der Mann unter der Wasseroberfläche oder der frisch nach einer Operation verklammerte Hinterkopf eines anderen.

Faszinierend ist auch das Porträt einer Frau. Sie wirkt merkwürdig fremdartig, als wäre sie eine Afroamerikanerin mit Albinismus. Doch als würde dies alleine noch nicht ausreichen, lässt Partin sie während der Langzeitbelichtung die Lieder schließen. Auf dem Abzug wirkt dies wie ein milchiger Schleier über den Augen als wäre sie blind. Direkt unter der Oberfläche seiner Bilder liegt häufig etwas Dunkles, etwas Verborgenes – so auch wie bei der grandiosen Farbaufnahme einer anderen jungen Frau. Männerhände ziehen an ihrer Bluse, so dass eine große, sternförmige Narbe auf ihrem Dekolleté erscheint, die sie sich offensichtlich freiwillig zugezogen hat. Dass Partin dieses Bild direkt auf Cibachromepapier belichtet hat, kann auch als Respekt seinem Modell gegenüber verstanden werden, denn bei dieser Technik existiert kein Negativ mehr, und der Abzug wird somit zum Unikat – in der Fotografie eigentlich ein Absurdum.

Der Vergleich mit anderen Porträtfotografen wie August Sander, Diana Arbus und Judith Joy Ross drängt sich auf, schließlich fotografiert Partin ganz in ihrer Tradition. Aber auch Larry Clark, der Jugendliche im Drogen- und Sexrausch fotografierte, steht in gewisser Weise Pate – nur, dass Partins Bilder subtiler und weniger aggressiv, seine Modelle eher abgeklärt, einsam und melancholisch statt provokativ sind. Ihre Tattoos, Piercings und Narben sind ein Teils ihres Ichs – und nicht allein dafür da, um andere zu schockieren oder weil ihnen langweilig ist. Und anders als bei Clark, bei dem der Betrachter zum Voyeur wird, sind es bei Partin häufig die Betrachter selbst, die angeschaut werden. Es sind ganz flüchtige Augenblicke, und deshalb wirken Partins Fotografien auch so beiläufig, so schnappschussartig – obwohl sie in Wirklichkeit von langer Hand geplant und perfekt durchkomponiert sind. Da kommt dann Gregory Crewdson ins Spiel, bei dem er studiert hat – nur sind Partins Arbeiten deutlich leichter und viel weniger cineastisch, weil sein Licht natürlich und nicht dramatisch zugespitzt wirkt.

Trotz der zahlreichen Vergleiche und Parallelen hat sich Ted Partin also eine sehr eigenständige Handschrift erarbeitet und öffnet dem Betrachter somit eine fotografische Welt, die sich erfrischend von der des vorherrschenden Kunstmarktes abhebt. Für mich ist „Eyes look through you“ jedenfalls die bislang beste Fotoausstellung des Jahres.

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