„Theatre of Real Life“ in der Galerie Lichtblick

Für den Fotografen, Galeristen und Dozenten Wolfgang Zurborn gibt es keine Fotografie, die die Wirklichkeit objektiv abbildet und damit die „Wahrheit“ sagt. Eine Fotografie sei auch immer eine persönliche Konstruktion der Welt – und somit eine Inszenierung. In der von ihm und Tina Schelhorn vor einem Jahr gegründeten Lichtblick School haben sich die 17 Teilnehmer seiner beiden sechsmonatigen Seminare „The Theatre of Real Life“ auf die Suche nach ihrer eigenen fotografischen Wahrheit gemacht und die Ergebnisse nun in einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert.

Die Bandbreite reicht dabei von sehr persönlichen Erfahrungen, wie sie Bogi Bell während eines Krankenhaus-Aufenthaltes in düsteren und stark vignettierten Schwarzweißbildern festgehalten hat („Agatha – a personal leg“) und geht bis zum scheinbar neutralen Architekturfotografen Wolfgang Sümmermann, der die mitunter absurde Ordnung eines Parkhauses interpretiert („Kein Winterdienst“). Diese extrem gegensätzlichen Positionen veranschaulichen vielleicht am deutlichsten, wie frei der Seminartitel ausgelegt werden kann, ohne deshalb beliebig zu wirken. In der Ausstellung werden sie deshalb auch gemeinsam präsentiert, während die übrigen 15 Positionen die Bandbreite eher differenzieren.

Da wäre beispielsweise Peter Susewind mit seiner Serie „Zustände“, die als kleine, aber feine Wandinstallation aus Einzelbildern und Gegenüberstellungen hervorragend funktioniert: Der Wandverputzer behauptet sich neben dem verhüllten Motorrad und die Interieur-Aufnahme mit einem alten Fernseher gegen die Palme, die ein wenig an eine Trauerweide erinnert. Werner Mansholts „Senegal“-Serie lässt hingegen auf einen starken Einfluss durch Magnum-Fotograf Alex Webb schließen: Der Titel „Theatre of Real Life“ trifft vielleicht auf niemanden so gut zu wie auf seine Aufnahmen, die tatsächlich wie Theaterfotografien wirken, nur, dass er eben keine Bühneninszenierung, sondern im westafrikanischen Alltag fotografiert hat.

Keine einheitliche Bildsprache hat die Serie „Esperanto“ von Linn Phyllis Seeger – dafür aber eine klare Handschrift. Die poetisch-surrealen Aufnahmen stammen von Reisen durch ganz Europa, verlieren sich in Spiegelungen und finden sich in beiläufigen Entdeckungen wieder. Seegers Bilder wirken auf den ersten Blick wie Schnappschüsse, sind aber dennoch klar gestaltet. Mit gleich zwei Serien dabei ist zudem „The Sonic Blog“-Betreiber Peter Feldhaus: In seinem Langzeitprojekt „Ordentlich Studierende“ stellt er Porträts von Studenten Interieuraufnahmen gegenüber, und in „Wilde Gärtner“ geht es um das aktuelle Phänomen des „Urban Gardening“ als Alternative zum deutschen Schrebergarten.

Weitere Fotografen der Ausstellung sind Eric Alexander, Marion M. Dittmer, Enrico Duddeck, Christine Fischer, Stefan Hammer, Susanne Heincke, Christian Kosfeld, Can Mileva Rastovic, Gottfried Scheel-Häfele, Michael Schoberth und Ortrun Stumpf. Die Ergebnisse sind noch bis zum 29. Januar in der Galerie Lichtblick, Steinbergerstraße 21, zu sehen.

Links: Lichtblick School, Linn Phyllis Seeger