„Afropolis“ im Rautenstrauch-Joest-Museum

Jahrelang mussten die Kölner auf ihr Völkerkundemuseum warten – nun wurde endlich das neue Rautenstrauch-Joest-Museum eröffnet. Auf mich macht die interaktive und multimedial angelegte Museumsarchitektur einen sehr spannenden Eindruck und ist weit vom üblichen „Tonscherben in Glasvitrinen“-Geschnarche entfernt. Gleichzeitig ist aber auch die erste Sonderausstellung „Afropolis“, die sich mit dem Thema Urbanität in den afrikanischen Metropolen Kairo, Lagos, Nairobi, Kinshasa und Johannesburg beschäftigt und die durch 30 künstlerische Positionen ergänzt wird, sehr gut gelungen. Wer mag, kann sich meine ausführliche Besprechung aus dem Ksta hier durchlesen.

Mein Hauptaugenmerk möchte ich in diesem Zusammenhang vor allem auf drei fotografischen Arbeiten richten, die ich in der Ausstellung entdeckt habe und die sich alle um die informellen Arrangements der Bevölkerung beschäftigen. Da wäre zum einen die Serie „Under Bridge Life“ von Uche Opka-Iroha. Er hat die Ansiedlungen unter den Brücken und Hochstraßen, die in Lagos vorwiegend in den 1960er Jahren gebaut wurden, fotografiert – fast mystisch bricht sich die Sonne durch den schmalen Spalt zwischen den beiden Fahrbahnen auf die in der Dunkelheit lebenden Menschen, die meist nur verzerrt und verwackelt dargestellt werden.

Ebenfalls mit Licht spielt Cédrick Nzolo: Da in Kinshasa elektrischer Strom Mangelware ist, basteln sich viele Bewohner ihre eigenen Petroleumlampen, die den Verkaufsständen ein flackerndes, gelbes Licht geben. Nzolo hat das Thema durch nächtliche Langzeitbelichtungen festgehalten. Das wirkt zunächst ein wenig belanglos, weiß der Betrachter jedoch um die Umstände in Kinshasa, bekommen die Bilder plötzlich etwas im wahrsten Sinne des Wortes „erhellendes“.

Bereits seit 20 Jahren erkundet der in Berlin lebende Akinbode Akinbiyi mit seiner Mittelformatkamera die nigerianische Hauptstadt Lagos und hält die informellen Arrangements und Lebensformen fest, die die Metropole überhaupt erst zu konstituieren scheinen. Dabei entstehen dokumentarische bis poetische Schwarzweiß-Aufnahmen vom Alltag der Menschen und den von ihnen geschaffenen Strukturen. So hat Akinbiyi neben Hinweis- und Werbeschildern auch das Leben unter den bereits erwähnten Hochstraßen dokumentiert und präsentiert dem Betrachter mitunter eine ganz eigene, fast romantische, aber doch schnell bröckelnde Welt.

Links: Afropolis