Streulicht

Nach Album möchte ich noch ein zweites, junges Magazin vorstellen: Streulicht – Magazin für Fotografie und Artverwandtes lautet der vollständige Titel. Im Gegensatz zu Album, das ja als übergroße Tageszeitung daherkommt, sieht Streulicht fast schon wie ein gebundenes Buch aus. Ein Buch, mit einem kreisrunden Loch in der Mitte, durch das man auf die dahinterliegende Seite schauen kann/soll/muss. Das gefällt mir sehr gut, ist es doch ein konsequentes Spiel sowohl mit den technischen als auch mit den gestalterischen Möglichkeiten des Mediums Fotografie.

Herausgegeben wird Streulicht von Amelie Zadeh und Roland Fischer-Briand aus Wien, die Artdirektion hat Mario Kiesenhofer übernommen. Zwei monothematische Ausgaben (1. Performance, 2. Order/Disorder) sind bislang erschienen, und während man sich bei Album aussuchen kann, ob man lieber die deutsche oder die englische Ausgabe hat, ist Streulicht komplett bilingual. Inhaltlich versteht sich Streulicht selbst als “Ausstellungsformat, um sich innerhalb fotografischer Bildpraxis zu artikulieren. Durch die Verschaltung von Theorie und Praxis verstehen wir Fotografie als Kulturtechnik. Diese dialogische Form (Theorie / Praxis 1:2) bildet den Raster, durch den Bildwelten abgetastet werden, ohne sie zu zersetzen und festzuschreiben. Demnach halten wir die Grenze zwischen Text- und Bildbeiträgen permeabel – sie soll einen individuellen Zugang der Beitragenden ermöglichen, Gedanken auch in Bildern zu formulieren und vice versa.”

Leider lesen sich manche Texte in Streulicht genauso hölzern-akademisch wie diese Selbstdarstellung, was meine Begeisterung für das Magazin ein wenig dämpft – die Beiträge stammen unter anderem von Kulturwissenschaftlern und Kunsthistorikern. Nicht, dass ich etwas gegen Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker hätte, aber meist sind die nicht gerade für eine flotte Schreibe, Praxisbezogenheit und Leidenschaft bekannt. Natürlich gibt es auch andere Texte, vor allem aber gibt es auch sehr gute fotografische Arbeiten zu entdecken. Fotografische Arbeiten, die sich allerdings nicht selten in die Bereiche Konzeptkunst, Performance, Bildhauerei (eben Artverwandtes) ausbreiten. Im Kunstbetrieb würde man dazu wohl „Es sind Künstler, die das Medium Fotografie nutzen“ statt einfach „Fotograf“ sagen. Aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema.

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