Können Fotografien Konflikte erklären?

Diese und ähnliche Fragen hat sich das Miesiąc Fotografii w Krakowie, auch bekannt als Photomonth Krakow, als Prämisse für ihr Festival 2015 gewählt. Insgesamt neun Ausstellungen versuchen diese Frage zu beantworten – unter anderem die umfangreiche Schau “Track-22″ von Markus Schaden, in der er neun Fotobücher “an die Wand” bringt als Beispiele für eine deutliche Autorenschaft und authentische Zeugnisse, um Konflikten zu folgen und sie als persönliches Erleben wahrzunehmen. Darin zeigt er unter anderem „The World from my Front Porch“ von Larry Towell, „Hundred Portraits“ von Emeric Lhuisset, “Taksim Calling” von Frederic Lezmi, “Esto ha sido” von Luis Weinstein und “The Legitimacy of Landscape” von Yaakov Israel. In anderen Ausstellungen sind beispielsweise Josef Koudelkas “Invasion Prague 68″, Sophie Ristelhuebers “Every One”, Indrė Šerpytytės1944–1991″, Joanna Piotrowskas “Frowst” sowie Zhang Dalis “A Second History” zu sehen.

Mein ausführlicher Artikel ist in Der Standard erschienen. Weil es bislang ein paar Verwirrungen gab: Mein Text versucht den Ausgangsfragen des Krakauer Festivals auf die Spur zu gehen und aufzuzeigen, welche Möglichkeiten die Fotografie bei der Erklärung und Vermittlung von Konflikten (und auch anderen komplexen Zusammenhängen) hat. Mein Artikel ist in keinster Weise eine Besprechung des Festivals oder der einzelnen Ausstellungen selbst.

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„Escape“ von Danila Tkachenko

Das letzte Foto in dem Buch zeigt uns eine dünne Linie aus Fichtenzapfen und kleinen Steinen, die über den Waldboden gezogen wurde. Es ist eine fragile Grenze. Sie sagt uns: Hier fängt das Grundstück eines anderen an.

So fragil wie diese Linie sind auch die Fotografien in “Escape” von Danila Tkachenko, erschienen bei Peperoni Books, 40 Euro. Zunächst „laufen“ wir durch einen dichten, dunklen Wald bis uns schließlich unvermittelt ein älterer Mann anschaut. Die Falten sind tief, das Haar wirr, die Jacke dreckig. Er ist der erste von acht „Entkommenen“, die Tkachenko porträtiert hat. Acht Männer, die der Gesellschaft den Rücken gekehrt haben, und die nun als Einsiedler in Hütten, Höhlen oder Erdlöchern in russischen und ukrainischen Wäldern leben. Manches sieht fast paradiesisch oder zumindest fantastisch aus, anderes geradezu mitleiderregend erbärmlich.

Die Gründe für ihre „Flucht“ werden am Ende des Buches genannt. Einer konnte sich den Mord an einen Mann nicht vergeben, jemand anderes hat den Tod seiner Frau nicht verkraftet, andere suchen einfach die Einsamkeit. Für jemanden, der sich fest in der Gesellschaft verankert fühlt, ist das nicht immer nachvollziehbar. Aber immer sehr berührend.

Link: Peperoni Books

Amazon: Escape

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Pep Bonet in der Michael-Horbach-Stiftung

Der mit 10.000 Euro dotierte Fotopreis der Michael-Horbach-Stiftung geht in diesem Jahr an den spanischen Fotografen und Gründer der Agentur NOOR, Pep Bonet.

Zum Preis gehört auch eine große Einzelausstellung mit dem Titel “Heaven and Hell”, in der Arbeiten aus den vergangenen 13 Jahren gezeigt werden – von Bonets “Faith in Chaos”-Projekt über die physischen und psychischen Folgen des Bürgerkriegs in Sierra Leone und “All Imperfect Things” über Transsexuelle in Brasilien bis zu “Forced” über moderne Sklaverei und Kinderarbeit in Bangladesch. Leicht sind Bonets Themen nie – mit Ausnahme vielleicht von “Röadkill”, für die er seine Lieblingsband Motörhead während mehrere Touren als Fotograf begleitet hat und die auch nicht so richtig in die Ausstellung passen will, aber sei’s drum.

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Juni zu sehen. Meine Besprechung aus der taz gibt es hier als PDF.

Links: Pep Bonet, NOOR, Michael-Horbach-Stiftung

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“Miracle Village” von Sofia Valiente

Was für ein Thema!!! Im Niemandsland östlich der Kleinstadt Pahokee in Florida hat sich vor sechs Jahren eine Gemeinde gegründet, in der fast ausschließlich verurteilte Sexualstraftäter leben: Miracle Village. Das Dorf mit den etwa 55 kleinen, weißgestrichenen Häuschen ohne Terrassen und Gartenzäune war früher die Basis der karibischen Saisonarbeiter der umliegenden Zuckerrohrplantagen. Die christliche Hilfsorganisation „Matthew 25: Ministries“ hat die Häuser übernommen und renoviert und bietet den mehr als 100 Bewohnern so die Möglichkeit auf ein halbwegs geschütztes Leben – schließlich hat nicht nur die Öffentlichkeit Angst vor den vermeintlichen Wiederholungstätern, auch die Männer leben in Furcht vor den Übergriffen aus der Bevölkerung.

Die Fotografin Sofia Valiente hat elf Männer und eine Frau porträtiert und interviewt. Das gleichnamige Buch, das wie ein schlichtes Notizbuch oder eine Aktenkladde samt Gummiband gestaltet ist, versammelt diese Fotografien und Geschichten. Wirklich überzeugen kann mich das Buch, das bei La Fabrica erschienen ist, allerdings nicht, dafür hat es in zu vielen Bereichen Mängel.

Welche genau könnt ihr in meiner Besprechung, erschienen in der aktuellen Photonews, lesen.

Link: La Fabrica

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