“View, Kyoto” von Jacqueline Hassink

Die niederländische Fotografin Jacqueline Hassink beschäftigt sich viel mit der Identität von Räumen, die den meisten Menschen vorenthalten bleiben. In ihrer Serie “The Table of Power” hat sie die Konferenztische der 40 größten multinationalen Unternehmen in Europa fotografiert hat – an ihnen werden Entscheidungen getroffen, die Einfluss auf Millionen, wenn nicht sogar Milliarden von Menschen haben. Und für “Haute Couture Fitting Rooms” war sie bei Dior, Chanel und Armani in den privaten Umkleideräumen, die für Normalsterbliche ebenfalls unzugänglich sind.

In der Galerie Kaune, Posnik, Spohr zeigt sie nun ihre aktuelle Serie “View, Kyoto” über buddhistische Tempelanlagen. Meinen Artikel, erschienen im Kölner Stadt-Anzeiger, gibt es hier.

Außerdem möchte ich noch auf das Buch “View, Kyoto” aufmerksam machen. Es wurde von Irma Boom gestaltet, ist bei Hatje Cantz erschienen und kostet 68 Euro. Und es ist ganz wunderbar geworden mit seinem “falschen” amerikanischen Schutzumschlag, der das Innere nach Außen kehrt und doch nicht vollständig zu entfalten. Die Fotografien sind schlicht aber intelligent platziert und es geht kaum etwas durch die Buchfalz verloren. Im Gegenteil: Einige Innenraumansichten wie beispielsweise  “Kaisan-do/summer” gewinnen sogar dadurch, weil die Zweiteilung des Bildes sogar noch dezent unterstrichen wird.

Links: Kaune, Posnik, Spohr, Hatje Cantz

Amazon: Jacqueline Hassink: View, Kyoto On Japanese Gardens and Temples

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“Vienna MMIX” von Jules Spinatsch

Sehen und gesehen werden – das scheint für viele Besucher das Credo des Wiener Opernballes zu sein. Doch was passiert, wenn die sorgsam arrangierte Schau der Eitelkeiten als Basis für eine Reflexion über Planung und Zufall, Inszenierung und Überwachung wird?

Der Schweizer Jules Spinatsch installierte 2009 zwei Netzwerkkameras mitten im Wiener Opernhaus – sie waren so programmiert, dass sie den gesamten Raum vom Boden bis zur Decke in sich leicht überlappenden Einzelaufnahmen erfassten. Vom Einlass bis zum Ende des Wiener Opernballes nahmen sie so alle drei Sekunden ein Foto auf, insgesamt acht Stunden und 45 Minuten lang.

Diese Bilderflut aus insgesamt 10.008 pixeligen Fotografien hat Spinatsch in einem fast 600 Seiten starken Panoptikum zusammengefasst, durch das der Betrachter zum unsichtbaren Beobachter einer voyeuristischen Gesellschaft wird. Durch die Anordnung im Buch mit jeweils 36 Fotos pro Doppelseite entstehen neue Bedeutungs-Zusammenhänge, bei denen der Zufall zum unverzichtbaren Komplizen wird.

Im wesentlich schmaleren Band “71 Photographs” des insgesamt dreiteiligen Schubers hat Spinatsch zusätzlich einige Fotografien versammelt, die er besonderer Aufmerksamkeit widmen möchte. Das ist verständlich, denn einige Fotografien stechen besonders hervor und würde man sich gerne größer und vor allem isoliert von den anderen betrachten. Das Problem ist nur, dass diese Auswahl nicht wirklich nachvollziehbar ist und sich unter den 71 Fotos auch zahlreiche nichtssagende Bilder von monochromen Flächen und Strukturen befinden, am spannendsten aber doch die Personenaufnahmen sind, weil dort (unfreiwillige) Interaktionen stattfinden. Auch halte ich die Bindung, die wichtige Teile der Fotos zerstückelt, für nicht sehr gelungen. Schade eigentlich, denn insgesamt ist “Vienna MMIX” (130 Euro, Verlag Scheidegger & Spiess) ein sehr starkes Projekt, für das das Medium Fotobuch wie gemacht zu sein scheint.

Link: Scheidegger & Spiess

Amazon: Jules Spinatsch. Vienna MMIX

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“Die Berliner Mauer” von P. Bösel und B. Maus

Streng, seriell, sachlich, schwarzweiß – mit diesen vier S habe ich das Projekt “Die Berliner Mauer 1984 von Westen aus gesehen” zusammengefasst und es damit zugleich als “typisch deutsch” in der Umsetzung beschrieben. Aber genau deshalb funktioniert es meiner Meinung nach auch so gut.

Worum geht es? Vor 30 Jahren haben Philipp J. Bösel und Burkhard Maus gemeinsam die komplette westdeutsche Seite der Berliner Mauer abfotografiert. 30 Jahre später und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer wurden diese Fotos nun als Buch veröffentlicht. Es ist im Verlag Kettler erschienen, hat 192 Seiten mit insgesamt 1144 Fotografien und kostet 75 Euro. Jedem Buch liegt zudem ein Print bei – so wird der Käufer fast zum Berlin-Touristen, der sich von Souvenirhändlern ein Stück Mauer mit nach Hause nimmt. Allerdings mit dem Unterschied, dass man sich hier sicher sein kann, dass es „echt“ ist.

Meine Besprechung aus der Photonews gibt es hier als PDF.

Link: Kettler

Amazon: Die Berliner Mauer 1984 von Westen aus gesehen

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