Scott McFarland in der Galerie Choi & Lager

Die Arbeiten des Kanadiers Scott McFarland waren mir bislang völlig unbekannt – und ich muss sagen, dass sie mir auf den ersten Blick auch nicht wirklich zusagten: Sie erinnerten mich zu sehr an Jeff Wall (bei dem er auch studiert hat) und Gregory Crewdson – nur ohne das gewisse Etwas.

Doch das ist ein Irrtum: McFarlands Arbeiten sind deutlich komplexer und raffinierter als sie zunächst erscheinen – damit ist er für mich ein typischer Vertreter der sehr konzeptionellen “Vancouver School”. Leider kommt das in der aktuellen Ausstellung in der Kölner Galerie Choi & Lager nicht so richtig rüber, weil sie keine Rücksicht auf seine Sequenzen nimmt und statt den Gegenüberstellungen nur Einzelbilder zeigt. Sein Buch “Snow Shacks Streets Shrubs” vermittelt da einen deutlich besseren Überblick.

Wer neugierig geworden ist, kann sich meine Kurzbesprechung aus dem heutigen Ksta durchlesen. Und sich natürlich die Ausstellung bei Choi & Lager anschauen, die noch bis zum 27. Februar 2014 läuft.

Link: Choi & Lager

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Vanessa Winship in der Fundación Mapfre

Vanessa Winship zählt zu den großen Unbekannten in der Fotografie-Szene. In Deutschland und selbst in ihrer Heimat Großbritannien muss das Werk der 54-Jährigen erst noch entdeckt werden. Das ist ein wenig verwunderlich, denn in Spanien und Frankreich hat sie sich längst einen Namen gemacht: 2011 erhielt sie – als erste Frau überhaupt – den renommierten International Award der Fondation Henri Cartier-Bresson. Ihr 2013 bei Mack Books erschienenes Buch „She dances on Jackson“ gilt als eines der besten des Jahres und wird bei Amazon mittlerweile für den fünffachen Preis angeboten. Und die Fundación Mapfre in Madrid hat ihr in diesem Sommer nicht nur eine umfangreiche und äußerst eindrucksvolle (und von Carlos Martin kuratierte) Retrospektive, sondern auch gleich eine entsprechende Publikation gewidmet, die einen hervorragend Überblick über ihre Arbeiten der vergangenen 15 Jahre liefert.

All das völlig zu Recht, wie ich finde, denn je länger ich mich mit ihrem Werk beschäftige, desto größer ist meine Begeisterung und Verehrung. Für mich steht sie klar in der Porträttradition von August Sander, Judith Joy Ross oder Rineke Dijkstra, ist dabei aber vollkommen eigenständig und unverwechselbar. Auch hatte ich die Gelegenheit ein Interview mit Winship führen zu können und dadurch ein bisschen mehr von dieser sehr sensiblen und zutiefest am Menschen interessierten Fotografin zu erfahren.

Mein ausführlicher Artikel ist in der Photographie 11/2014 erschienen und gibt es hier als PDF.

Leider ist die Ausstellung bereits vorbei, aber auf der Seite der Fundación Mapfre könnt ihr sie euch als virtuelle Tour anschauen. Das vermittelt zumindest einen kleinen Eindruck. Und das Buch zur Retrospektive ist ebenfalls sehr toll geworden!

Link: Fundación Mapfre

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“World Wide Order” von Julian Röder

Acht Jahre lang hat Julian Röder die Proteste während diverser G8-Gipfel begleitet und fotografiert. Angefangen hat alles 2001 in Genua. Damals gingen mehr als 300.000 Menschen auf die Straße und ein Demonstrant wurde von der Polizei erschossen, aber Röder war auch in Thessaloniki, Gleneagles, Heiligendamm und Hokkaido mit dabei. Seine Fotos von den Auseinandersetzungen wirken auf den ersten Blick wie die üblichen Aufnahmen der Nachrichtenagenturen, doch mit ihnen haben sie tatsächlich nur die Motive gemein: Zu unspektakulär als Porträt, zu kleinteilig in den Details und zu komplex in der Komposition erinnern sie eher an klassische Schlachtengemälde oder Landschaftsaufnahmen denn an die eher einfach gestrickten Bilder für Online-Klickstrecken auf den gängigen Nachrichtenseiten.

Ergänzt wird „The Summits“ dabei um weitere Serien – unter anderem besuchte er für „World of Warfare“ 2011 die „International Defense Exhibition and Conference“ in Abu Dhabi, an der 50.000 Militärs und Waffenhändler teilnahmen. Hier hat sich auch seine Bildsprache radikal geändert: Er zeigt uns den Kontrast zwischen den Besuchern, Ausstellern und Hostessen, die zwischen Panzerfahrzeugen, Maschinengewehren und Raketenwerfern entlang schlendern. Sein Blitzlicht sorgt zugleich für eine Amateurfotografen-Ästhetik, die den Blick eines üblichen Messebesuchers imitiert. Einen so radikalen Wechsel in der Bildsprache finde ich äußerst bemerkenswert.

Und in seiner neuesten Arbeit „Mission and Task“ zeigt er uns, wie sich die Europäische Union entlang ihrer Außengrenze vor Eindringlingen schützt: Mit Grenzposten und Schäferhunden, Wärmekameras, Grenzzäunen und Überwachungssatelliten. Ein Thema, an dem auch andere wie beispielsweise Yann Mingard und Alban Kakulya (East of a New Eden) oder Eva Leitolf (Postcards from Europe 03/13) arbeiten – aber jeder mit einem eigenen Zugang. Und auch für diese Serie bedient sich Julian Röder einer anderen Bildsprache. Er wechselt zur inszenierten Dokumentarfotografie mit Porträts von Grenzsoldaten, deren Ausrüstung und Panoramaansichten der zu kontrollierenden Gebiete.

Das Buch “World Wide Order” fasst insgesamt vier Serien zusammen. Es ist bei Hatje Cantz erschienen, hat 132 Seiten und kostet 35 Euro.

Link: Hatje Cantz

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Dougie Wallace: “Stags, Hens and Bunnies”

Eigentlich mochte ich “Stags, Hens and Bunnies” von Dougie Wallace nicht besonders, als ich es zum ersten Mal durchgeblättert habe. Es war mir viel zu laut, vor allem aber störte mich die Ästhetik der Bilder, bei denen die Farben alle aussehen, als wäre bei der Umwandlung von RGB zu CMYK etwas richtig schief gelaufen. Vielleicht ist es auch einfach der Tiefen/Lichter-Filter, der ohne Rücksicht auf Verluste zum Einsatz kam. Am Ende sehen die Menschen jedenfalls sehr krank aus.

Aber sei’s drum, irgendwie hat es mir “Stags, Hens and Bunnies” dann doch angetan – in dieser direkten, ungeschönten Art gefällt mir das Buch mittlerweile doch sehr. Das liegt sicherlich auch am Thema, das es behandelt: Junggesellenabschiede. Das rangiert auf meiner persönlichen Abneigungsliste sogar noch vor Karneval – und als Kölner weiß ich ganz genau, warum ich sowohl um das eine als auch um das andere einen großen Bogen mache. Doch die mir bekannten Junggesellenabschiede sind offensichtlich nichts gegen die Partys, die jedes Wochenende in der englischen Hafenstadt Blackpool gefeiert werden. Und das ist jetzt nicht unbedingt positiv gemeint.

Die Fotografien von Dougie Wallace zeigen uns quasi vom ersten bis zum letzten Bild die Abgründe kostümierter, enthemmter und extrem sexualisierter Saufgelage: Bereits während der anfänglichen Zugreise kündigt sich der Wahnsinn deutlich an. In Blackpool angekommen sehen wir dann auch erst einmal einen mit Frischhaltefolie an einen Laternenpfahl gefesselten Mann mit heruntergelassener Hose, der zu allem Überfluss auch noch von Freunden (?) fotografiert wird. Warum einer von ihnen eine Rolle Küchenpapier unter seinen Arm geklemmt hat, erfahren wird nicht. Und ich will es auch gar nicht wissen. Normalerweise beendet man ein Buch mit einem solchen Bild – doch bei Wallace geht die Reise hier erst los. Die Sonne ist noch nicht untergegangen, da sehen wir schon nackte Ärsche, am Boden Liegende, aufgeschlagene Knie und den Totalverlust von Kontrolle und Selbstachtung sowieso. Großartig!

Aufgebaut sind Wallace Bilder dabei häufig gleich: Es gibt einen Hauptakzent in der Bildmitte, doch zahlreiche weitere Akzente drum herum, die das Bild erweitern oder ironisch brechen. Irgendwo passiert immer etwas. Das macht die Bilder zwar weniger pointiert, dafür aber vielschichtiger. Ich könnte auch sagen: subtiler. Wobei das Wort “subtil” in diesem Zusammenhang eher deplatiert wirkt. Im Grunde ist die gesamte Serie eine Aneinanderreihung von Würdelosigkeiten.

Das steigert sich später entsprechend und endet in noch unschöneren Ansichten von … ich will es gar nicht beschreiben. Mit dem allerletzten Bild kriegt Wallace allerdings noch die Kurve und beweist Humor: Es zeigt eine lachende und extrem entspannt wirkende Frau, die nicht ihren Junggesellinnenabschied, sondern ihre Scheidung feiert. Über ihrem Bauch hängt eine Scherpe mit dem Aufdruck “Just divorced”. Sie ist (fast) die einzige Person, die wirklich glücklich aussieht auf den Bildern.

“Stags, Hens and Bunnies” von Dougie Wallace ist bei Dewi Lewis Publishing erschienen. Das Buch hat 96 Seiten und kostet etwa 35 Euro.

Link: Dewi Lewis

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