Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

- Die helle Kammer von Roland Barthes

- Über Fotografie von Susan Sontag

- Das Leiden anderer betrachten von Susan Sontag

- Für eine Philosophie der Fotografie von Vilém Flusser

- Fotografische Werke von Ulf Erdmann Ziegler

- Photography Changes Everything von Marvin Heiferman

Zwei Wochen Zeit zum Lesen, Entdecken, Notieren, Nadine nerven, Zweifeln, erneutem Lesen, Staunen, Grübeln, Zurückblättern, Gähnen, Ignorieren, neugierig sein, Zitieren, Verzweifeln, Empfehlen, Lachen, Weinen, an die Stirn packen, seelig Lächeln.

Vielleicht liege ich aber auch einfach nur in der Sonne. Wir werden sehen.

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“Life’s a beach” von Martin Parr

Passend zur Urlaubszeit nun ein Buch, das sich mit dem Leben am Strand auseinandersetzt. Ach was, für Martin Parr ist das ganze Leben ein Strand – entsprechend heißt das neue Buch auch “Life’s a beach”.

Eigentlich ist es ein längt überfälliges Buch, schließlich treibt sich Parr schon sein Leben lang an touristischen Promenaden und Stränden herum, was ihm 1986 mit “Last Resort” ja auch internationale Anerkennung gebracht hat. Sein New Brighton-Klassiker mit der Frau, die direkt unter einem riesigen Bagger auf dem Beton-Boden liegt, um sich zu sonnen, darf in seinem neuen Buch deshalb natürlich nicht fehlen. Allerdings sind in “Life’s a beach” so viele komische bis absurde Alltäglichkeiten dabei, dass man sie hier kaum aufzählen kann. Unterm Strich kann man aber sagen, dass der Parr’sche Mensch mit dem Betreten der Naherholungszone Strand auch seine Würde ablegt und sich merkwürdig bis grotesk verhält z.B. um halbwegs bequem lesen zu können und gleichzeitig nahtlos gebräunt zu werden. Eine Beobachtung, die sicherlich nicht neu ist, die aber selten so konzentriert und komisch aufgearbeitet und zusammengefasst wurde wie hier.

Der einzige Wermutstropfen des Buches ist, dass es sich nun um die günstige Volksausgabe handelt. Sie ist für 19,90 Euro bei Schirmer/Mosel erschienen. Die ist zugegeben sehr erschwinglich und in sich auch wirklich schön aufbereitet: Mit dem kleinen Fotoalbum-Format, dem Haiwaii-Hemd-Look auf dem Cover und der Gesamtanmutung hat “Life’s a beach” das Zeug zum Klassiker, den man auch gerne mal verschenkt. Dennoch: Vor einem halben Jahr habe ich die Limited Edition des Buches (erschienen bei Aperture für 150 Euro oder so, kostet jetzt aber schon eher 300 Euro und mehr, sic!) gesehen. Es ist aufbereitet wie ein großes, schweres Familienalbum mit schweren Seiten und Transparentpapier dazwischen, in dem jedes Foto einzeln gedruckt und mit Fotoecken eingeklebt wurde und wo der Titel handschriftlich daneben steht. Gleichzeitig wird durch diese enorm aufwendige Aufmachung deutlich, wie absurd doch eigentlich die Fotos sind, die die meisten Menschen in Fotoalben kleben (oder früher geklebt haben), weil dort häufig bereits der gesamte Parr’sche Kosmos verankert ist – nur ohne, dass man es weiß oder bemerkt.

Link: Schirmer/Mosel

Amazon: Life’s a Beach

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“Son” von Christopher Anderson

Ich habe ja erst kürzlich das sehr persönliche Buch Easter and Oak Trees von Bertien van Manen vorgestellt. Nun kommt direkt ein weiteres hinterher: “Son” von Christopher Anderson ist ebenfalls klein, intim, einfach und ohne viel Schnickschnack gestaltet. Allerdings hat der Magnum-Fotograf nicht in seiner Archivkiste gekramt, sondern er zeigt aktuelle Fotos. Entstanden sind sie in seiner Familie, die er mit der Geburt seines Sohnes ebenfalls zu fotografieren begonnen hat. Gleichzeitig geschieht auch eine Auseinandersetzung in seiner eigenen Rolle als Sohn, indem er auch seinen mittlerweile erkrankten Vater fotografiert. Das Buch wirkt deshalb ein wenig wie eine Mischung aus “Letzte Tage mit meinem Vater” von Phillip Toledano, “Closer” und “Recent” von Elinor Carucci und “Sommerherz” von Thekla Ehling – und das alles oftmals gepaart mit Andersons ganz besonderem Umgang mit dem (Gegen)Licht, die seine Bilder regelrecht magisch und fast wie für Modeaufnahmen inszeniert erscheinen lassen, und was mit dem goldenen Vorsatzpapier auch gestalterisch aufgegriffen wird.

Das Buch kommt zudem fast komplett ohne Text aus. Lediglich am Ende erklärt Anderson selbst kurz in einem Statement, dass er sein gesamtes fotografisches Leben lang weit gereist ist, um die Erfahrungen von Fremden zu fotografieren. “Vielleicht habe ich gehofft, etwas über mich selbst zu verstehen, wenn ich Zeuge werde bei intimen Momenten von Menschen, die ich nicht kenne.”

Ein wenig verwunderlich finde ich, dass Anderson niemals damit gerechnet hat, dass seine Privatfotos irgendetwas mit seinen “Arbeiten” zu tun haben könnten – bei einem Magnum-Fotografen habe ich ein wenig mehr Selbstreflexion erwartet. “Ich begann zu verstehen, dass alles, was ich zuvor fotografiert habe, bloß eine Vorbereitung war, um diese Fotos zu machen. Diese Fotos kann man nicht von meiner Arbeit trennen … they were my most important life work.” Für Anderson sind diese Bilder deshalb weder eine Dokumentation noch eine Erzählung noch Kunst. “They are declarations of love…”

Auffällig finde ich übrigens die Häufung von Fotos, die vor großen Fenster- und Glasflächen entstehen. Manchmal dienen sie als Großstadtkulisse im Hintergrund, dann wieder als trennendes oder auch als verbindendes Element zwischen Innen und Außen, zwischen der Familie und dem Rest der Welt. Und gegen Ende des Buches fotografiert Anderson eine Haustür von außen, durch deren Glasscheibe man eigentlich in das dunkle Innere schauen würde. Können wir aber nicht, denn die Spiegelung zeigt uns den grünen Garten, der außerhalb unseres Blickfeldes liegt und der wie durch Geisterhand plötzlich im Inneren des Hauses aufzutauchen scheint. Das steht dann im krassen Gegensatz zum Cover-Motiv, auf dem wir seinen Sohn und seine Frau (?) unter der Dusche sehen. Sie sind ihm ganz nah und wirken doch unerreichbar, weil die Glasscheibe von den Wassertropfen fast undurchsichtig wird. Die kleinen Handflächen, die sein Sohn gegen die Scheibe presst, lassen die Distanz zwischen ihnen noch unerreichbarer erscheinen.

Link: Kehrer

Amazon: Christopher Anderson – Son

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“Made in Germany” von Leonard Freed

Noch bis zum 1. September ist im Museum Folkwang in Essen die Ausstellung “Made in Germany” des 2006 verstorbenen Magnum-Fotografen Leonard Freed zu sehen. Er reiste in den 50er und 60er Jahren mehrfach durch Deutschland, weil er ein Panorama des vergangenen und gegenwärtigen Landes einfangen wollte. Entstanden ist dabei eine Art Zivilisationsstudie, die er schließlich 1970 unter dem Titel “Made in Germany” als Fotobuch veröffentlichte.

Die große Stärke dieser Serie ist der interessierte, liebevolle, teilweise fast zärtliche, aber immer auch skeptische und deshalb hinterfragende Blick des Amerikaners auf die Deutschen. Das sieht man in seinen Bildern alltäglicher und bisweilen skurriler Szenen, das liest man aber vor allem auch in den begleitenden Texten, in denen er seine Verwunderung und sein Staunen beschreibt: Beim Bild einer Anti-Nazi-Demonstrantion, bei der ein Teilnehmer mit Hitler-Schnäuzer und -Frisur in die Kamera lächelt, fragt sich Freed, wie er sich heute sicher sein kann, dass der Mann schon immer ein Nazi-Gegner gewesen ist und “How do we know who is who in this land? Who has been the concentration camp inmate and who the guard?”. Das Buch ist voll von solchen Reflexionen und am Ende fragt sich Freed „In twenty-five years from now France will still be France, England will remain England and what can we expect to change in Italy … but Germany, what will be of Germany in twenty-five years?“.

In der Ausstellung wirkt diese Text-Lastigkeit in Kombination mit den kleinen Vintage-Abzügen hingegen etwas ermüdend und die Ausstellungsarchitektur zusätzlich etwas verwirrend: Ständig fragt man sich, ob man bereits in diesem und in jenem Raum gewesen sei. Eine eindeutige Führung wäre hier von Vorteil gewesen.

Umso schöner, dass es das Original-Fotobuch nun wieder als Reprint gibt: Der Steidl-Verlag hat es anlässlich der Ausstellung gemeinsam mit dem Folkwang veröffentlicht – zusammen mit einem 80-seitigen Beiheft mit dem Titel “Re-Made”, in dem es um die damalige Rezeption des Buches in den USA geht und in dem weitere, noch unbekannte und teilweise erst später entstandene Fotos gezeigt werden. Im Handel kostet es 48 Euro, im Folkwang Museum 38 Euro.

Links: Museum Folkwang, Steidl

Amazon: Leonard Freed Made in Germany

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DGPh-Bildungspreis verliehen

Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) hat erstmals ihren Bildungspreis verliehen. Die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung ging in diesem Jahr an die Anna-Freud-Schule und an die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln für ihr Projekt “August Sander – Sich zur Schau stellen”.

Mehr über das Siegerprojekt und den Bildungspreis erfahrt ihr in meinem Artikel in der aktuellen Photonews.

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