Studie zur Lage der deutschen Galerien

Mal etwas Artverwandtes: Das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) führt gerade eine Studie zur Lage der Galerien in Deutschland durch. Die Ergebnisse der Umfrage hat Geschäftsführer Hergen Wöbken nun in Berlin, Köln, Stuttgart und München vorgestellt. Dabei wird manches Berlin-Klischee bestätigt, vor allem aber bekommt die Szene mal harte Fakten geliefert, mit denen sie sich an die Politik um Kultur- und Wirtschaftsförderungen bemühen kann.

Meinen Artikel, veröffentlicht heute im Kölner Stadt-Anzeiger, gibt es hier.

Link: IFSE

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“Das Paradies ist hier” von Frank Darius

Gerade noch geschafft: Eine halbe Stunde vor dem Ende der Ausstellung “Das Paradies ist hier” von Frank Darius bin ich in die Alfred-Ehrhardt-Stiftung in Berlin gehuscht, um mir die Fotos im Original anzuschauen. Das gleichnamige Buch (erschienen im Kehrer Verlag, 88 Seiten, 47 Fotos, 39,90 Euro) hatte ich bereits gesehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich auch nach Jahren noch immer von der unterschiedlichen Wirkung von Fotos überrascht werden kann – je nachdem, ob ich sie auf dem Bildschirm, in einem Buch oder eben an einer Wand hängen sehe. Natürlich spielen viele Faktoren eine Rolle und kein Medium ist per se besser oder schlechter. In diesem konkreten Fall bin ich allerdings eindeutig ein Fan des Buches.

Denn im Vergleich zu seiner sinnlichen Haptik mit dem groben und zugleich feinen Papier, dem Umschlag wie aus einem Guss und dem Rhythmus der Bilder berührten mich die Abzüge in der Ausstellung nicht wirklich. Es war mir ein Zuviel des Immergleichen – zu viel Weiß, zu viel Minimalismus (ein hübsches Paradoxon), zu viel das gleiche Motiv. Ich war jedenfalls dankbar, als ich den “Teufelsberg” und “Wall” entdeckte, weil diese Landschaften Abwechslung in die Ausstellung brachten.

Aber um was geht es in “Das Paradies ist hier” überhaupt? Wie bereits erwähnt, sind Darius’ Fotografien vollgestopft mit Leere. Meist zeigt er Pflanzen wie Schilf, Gras oder hängende Birkenzweige, die im Nichts zu schweben scheinen. Tatsächlich spiegeln sie sich im Wasser oder befinden sich in einer verschneiten oder vernebelten Landschaft, in der nichts weiter außer sie selbst zu existieren scheinen. Es ist, als hätte Darius die Natur in ein Studio geholt und sie vor einer Hohlkehle fotografiert. In dem Foto “Landschaft I” geht er sogar soweit, ein komplett weißes Bild auszustellen. Nein, entschuldigung – wer ganz genau hinschaut, entdeckt eine zarte Horizontlinie und einen winzigen Helligkeitsunterschied. Hiroshi Sugimotos Meeresbilder sind dagegen pures Geschwätz! Ästhetische und gestalterische Abwechslung bringen nur die bereits erwähnten, wenigen Aufnahmen von Alleen, Bächen, Seen und Feldern, deren Grundstimmung sich jedoch kaum von den melancholisch-minimalistischen Schnee- und Nebellandschaften unterscheiden.

Hatte sich Darius in seinen bisherigen Veröffentlichungen wie “Tunichtgut” und “Willkommen im Garten” (beide erschienen bei Hatje Cantz) meist mit den Absurditäten des Alltags beschäftigt, ist sein neues Buch eine stille, fast andächtige Meditation über den Zustand der Welt und zugleich eine Flucht vor ihrem Trubel. Und eine Selbstreflexion, wie das Cover verrät. Dort ist der titelgebende Schriftzug grob und hart in einen Spiegel gekratzt, in dem sich der wolkenverhangene Himmel zeigt. Oder in dem man sich selbst widerspiegeln könnte. In der Ausstellung hing dieser Spiegel, der von seinem Künstlerfreund Felix Höfner angefertigt wurde, direkt am Eingang, so dass man an einer direkten Auseinandersetzung mit dem Ich, dem Paradies und dem Hier nicht vorbei kam. Dies war dann wiederum der Vorteil der Ausstellung gegenüber dem Buch.

Link: Alfred-Ehrhardt-Stiftung, Kehrer

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Neue Fotobuch-Tipps im Ksta

Eigentlich sollte an dieser Stelle mein Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger stehen, doch leider wurde meine Text, in dem ich wieder vier aktuelle Fotobücher vorstelle, zehn Wochen lang geschoben und nun endgültig gecancelt. Aber was soll’s – dann gibt es drei Bücher-Tipps schon einmal an dieser Stelle hier, das vierte Buch wird eventuell doch noch gesondert im Ksta vorgestellt.

Zugegeben: Unter einem Garten stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor. Dennoch hat der Italiener Alessandro Imbriaco den richtigen Titel für sein mit dem European Publisher Award for Photography geadelten und vom Kehrer Verlag in Deutschland veröffentlichten Buch „Der Garten“ gewählt (72 Seiten, 32 Fotografien, 35 Euro). Der Betrachter läuft darin durch ein undurchdringlich scheinendes, waldiges Sumpfgebiet, auf dem zweiten Bild ist schemenhaft eine Person zu sehen, dann folgen wieder Bäume und Gestrüpp, die den „Paradies“-Bildern eines Thomas Struth nicht unähnlich sind – nur deutlich dunkler, fast düster, denn Imbriaco fotografiert offensichtlich immer erst spät am Abend und belichtet seine Fotos mindestens zwei Blenden unter. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt in den nur scheinbar chaotischen Kompositionen aber auch Anzeichen von Zivilisation – ein Straßenschild etwa oder ein Häuserblock. Und dann taucht plötzlich ein Mädchen auf, das geborgen an einem Baumstamm lehnt und schläft. Später ist noch eine Hütte im Wald zu sehen, woanders eine provisorische Küche, noch später eine Art Notunterkunft unter einer Schnellstraßenbrücke mitten in Rom. Sie ist das Zuhause der sechsjährigen Angela und ihrer Eltern Piero und Lupa. Imbriaco hat sie entdeckt und ihren harten Alltag unter der Brücke ohne fließend Wasser und Strom in stillen, etwas verträumten, aber dennoch nicht beschönigenden Bildern festgehalten. Im Anschluss gibt es zudem einen exzellenten und kurzweiligen Text von Bill Kouwenhoven, der nicht nur Informationen zu den Bildern, sondern zur Fotografiegeschichte allgemein liefert.

Von einem harten Leben und vor allem von der dazugehörigen harten Arbeit berichtet auch Tomasz Gudzowaty in seinem Fotoessay „Keiko“ (Hatje Cantz Verlag, 148 Seiten, 66 Fotografien, 45 Euro). Bereits das Cover ist überwältigend und fast grausam – es zeigt einen riesigen Schiffsspropeller, unter dem zwei Männer stehen beziehungsweise vor dem sie sich ducken müssen. „Keiko“ ist der Name dieses Schiffes und das Buch handelt davon, wie es Stück für Stück auseinandergenommen und verschrottet wird. Es ist gleichzeitig das Porträt der zweitgrößten Stadt Bangladeschs, Chittagong, in der etwa ein Drittel der jährlich 700 außer Dienst gestellten Hochseeschiffe ausgeschlachtet werden. Und Gudzowaty lässt keinen Zweifel daran aufkommen, was er davon hält, denn seine Schwarzweiß-Bilder sind vor allem von harten Hell-Dunkel-Kontrasten und einem außergewöhnlich groben Korn geprägt. Gestalterisch dominiert fast immer das Schiff, dieses stählerne Monstrum, das wie der Kadaver eines gestrandeten Wales am Strand liegt, verfaulend, und in das die Arbeiter hinein klettern wie kleine, hungrige Tiere, wie Ameisen, die ihn zersägen und auf ihn einhämmern, an ihm ziehen und seine Einzelteile wegtragen. „Keiko“ ist kein Buch, das Mitleid weckt. Es zeigt vielmehr den Wahnsinn dieser Arbeit, die keinen Platz für Träume und Zukunftspläne der Einzelnen lässt.

Wem das alles zu schwer verdaulich ist, dem sei „World without men“ des 2004 verstorbenen Helmut Newton empfohlen. Der gilt als einer der einflussreichsten Fotografen überhaupt und ist für seine erotischen Fotografien bekannt, auf denen – stark vereinfacht gesagt – meist nackte Frauen in Stöckelschuhen zu sehen sind. Im Taschen Verlag ist nun eine Auswahl seiner Bilder erschienen, die die Entwicklung seines Stils als Modefotograf zwischen Mitte der 1960er und den 1980er Jahren dokumentiert („World without Men“, 188 Seiten, 39,99 Euro ). Hin und wieder sind tagebuchartige Notizen eingestreut, die durchaus interessante Einblicke in Newtons Arbeitsalltag zulassen. Da sie allerdings fast nie zu den dazugehörigen Fotos, sondern quer durch das ganze Buch verteilt abgedruckt sind, ist die Zuordnung leider mit viel Blätterei verbunden.

Links: Kehrer, Hatje Cantz, Taschen

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“Fotonovelas” von George Friedman

Ich erinnere mich noch gut an die Foto-Lovestories aus der Bravo, diese comicartigen Geschichten mit Fotografien statt Illustrationen. Die waren damals schon schlecht produziert, und gerade habe ich mich davon überzeugt, dass sich daran bis heute nichts geändert hat.

Mit dieser Billig-Variante des Fotoromans haben die Fotonovelas von George Friedman allerdings nichts gemein – seine Inszenierungen sind im wahrsten Sinne des Wortes “ganz großes Kino”. Der 1910 als György Friedmann geborene Ungar arbeitete als Kameramann bei Filmproduktionen in London und Hollywood sowie als Fotograf für diverse Magazine wie Vu, Paris Match, Time und Life bevor er 1939 nach Buenos Aires zog. Dort gründete er in den 50er Jahren die lose Fotografengruppe “La Carpeta de los Diez” (”Die Gruppe der Zehn”) mit, die einen großen ästhetischen Einfluss auf die argentinische Fotografie hatte. Friedman (der übrigens seinen Landsmann André Friedman dazu gebracht haben soll, sich in Robert Capa umzubenennen, um nicht länger mit ihm verwechselt zu werden) stand auf der einen Seite in der humanistischer Tradition, wurde von Edward Steichens “Family of Man”-Ausstellung geprägt und fotografierte das Leben einfacher Menschen wie Minenarbeiter und Gauchos. Auf der anderen Seite war er aber auch ein großartiger Inszenierer, Auftrags- und Publikumsfotograf, der seine Erfahrungen als Spielfilm-Kameramann nutzte, um Fotos auf hohem technischen und gestalterischen Niveau für eben jene Fotonovelas zu produzieren.

Aber das Genre war für ihn mehr als bloß ein Broterwerb – auch in seinem künstlerischen Schaffen setzte sich Friedman mit dem Medium dieser Popkultur auseinander. Dabei schuf er Bilder, die nicht einfach bloß an Filme erinnern sollen wie es etwa Cindy Sherman mit ihren “Untitled Film Stills” tat (und die ich für nicht einmal besonders gut gelungen halte), sondern die der Leinwand geradezu entsprungen zu sein scheinen – Filmstills im wörtlichen Sinne also.

Das Forum für Fotografie in Köln zeigt noch bis zum 30. Juni eine Auswahl dieser Fotografien, und ich habe es sehr genossen, zwischen ihnen zu wandeln, sie zu betrachten und mich zu wundern. Zu wundern über die Wirkung, die Präzision, die Technik. Was zeichnet die Fotografien aus, was ist ihr Geheimnis, warum funktionieren sie als Filmstills besser als die Fotos von eben Cindy Sherman oder auch Gregory Crewdson, der ja nicht nur Fotos macht, die wie Filmszenen aussehen, sondern der sie ja auch genauso aufwändig inszeniert.

Zwei Gründe habe ich dafür gefunden. Zum einen ist es das Licht, dieses mondäne Filmlicht der frühen Hollywood-Jahre, das nicht gespenstisch wirkt wie bei Crewdson, sondern glamourös. Das von irgendwo her zu kommen scheint und das keinen zusätzlichen Aufheller benötigt, der alles weichspült. Das deshalb auch tiefe Schatten verursacht, die man als heutiger Betrachter sofort mit den “guten alten Zeiten” von Hollywood verbinden, in denen Männer noch Männer und Frauen noch Frauen waren. Zumindest auf der Leinwand.

Der andere Grund, warum diese Bilder so gut funktionieren, ist schlicht die hervorragende Regie Friedmans. Er fotografiert die Fotos nicht wie Fotos, sondern wie Filme. Die Menschen scheinen tatsächlich zu agieren und nicht für den Fotoapparat in einer plakativen Schlüsselszene zu erstarren. Das klingt banal, macht aber den entscheidenen Unterschied. Diese Mischung aus der Künstlichkeit des Lichts und der Authentizität der Bewegung  und Handlung macht den Reiz aus, lässt die Bilder lebendig werden und sie Geschichten erzählen. Diese Wirkung ist so stark, dass den meisten Betrachtern wahrscheinlich erst auf den zweiten Blick (oder auch gar nicht) auffällt, dass der Großteil der Fotos Hochformate sind, womit es ja schon per se kein Filmstill sein kann.

In der Ausstellung kann man übrigens auch sehen, was passiert, wenn einer dieser beiden Aspekte fehlt. Dann wird das Bild entweder zum Modefoto oder zur Reportage. Die sind dann noch immer gut, aber es fehlt der Zauber, das gewisse Etwas. Und wer sehen will, was passiert, wenn man weder die eine noch die andere Zutat berücksichtigt, der kann sich ja die Foto-Lovestories in der Bravo anschauen.

Link: Forum für Fotografie

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“Ages” in der SK Stiftung Kultur

Um die äußere Erscheinung von Dingen, Lebewesen oder Zuständen miteinander vergleichen zu können, bietet sich kein anderes Medium so gut an wie die Fotografie. Gleichzeitig führt uns wohl auch kein anderes unsere eigene Vergänglichkeit so sehr vor Augen, ist doch der Moment der Aufnahme, dieses leise Klicken des Verschlusses, genauso ein akustisch-metaphorisches Signal wie das Ticken einer Uhr, die uns geradezu anbrüllt: “Deine Zeit läuft ab”.

In der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Köln ist aktuell die Ausstellung “Ages – Porträts vom Älterwerden” zu sehen, in der sich 15 meist seriell angelegte Arbeiten mit genau diesem Phänomen auseinandersetzen – unter anderem die von mir sehr geliebten Serien “The Brown Sisters” von Nicholas Nixon und “Almerisa” von Rineke Dijkstra sowie Positionen von Richard Avedon, Christian Borchert, Seiichi Furuya, Stefanie Grebe, Roni Horn, Wilma Hurskainen, Anna Jermolaewa, Friedl Kubelka, Andreas Mader, Michael Mauracher, Roman Opalka, Helga Paris und Thomas Struth. Die sind mal dokumentarisch-nüchtern (z.B. bei Friedl Kubelka), meist jedoch sehr emotional – kein Wunder, schließlich geht es beim Älterwerden immer auch um unsere eigene Vergänglichkeit.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Juli in der SK Stiftung Köln zu sehen, im November wird “Ages” dann in der Landesgalerie Linz gezeigt. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen (168 Seiten, 25 Euro).

Meine ausführliche Besprechung aus der aktuellen Photonews gibt es hier.

Link: SK Stiftung Kultur

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“Breathing the Same Air” von Nelli Palomäki

Als weitere Vertreterin der seit einigen Jahren vielbeachteten Helsinki-School hat die 1981 geborene Porträtfotografin Nelli Palomäki nun ihr Buch “Breathing the Same Air” im Hatje Cantz-Verlag veröffentlicht. Für sie ist jedes Porträt auch eine Art Selbstporträt. Gleichzeitig interessiert sie sich für die unterschiedlichen Rollen, die Männer und vor allem Frauen einnehmen.

Meine ausführliche Besprechung ist in der aktuellen Photonews erschienen.

Link: Hatje Cantz

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