Gebirgsfotografie früher und heute

In der neuen Ausgabe der Photonews habe ich zwei aktuelle Bücher von Fotografen vorgestellt, die sich beide mit der Hochgebirgsfotografie auseinandersetzen – allerdings zu sehr unterschiedlichen Zeiten. Bei “Jules Beck – Der erste Schweizer Hochgebirgsfotograf” verrät der Titel bereits viel über den Inhalt, und die Aufnahmen Becks waren allein deshalb schon etwas Besonderes, weil Ende des 19. Jahrhunderts kaum jemand in Höhen über 4000 Meter mit einer Kamera unterwegs war.

Das Buch “The Aspen Series” stammt hingegen von Walter Niedermayr, spielt im Hier und Jetzt und stellt das Gegenteil von Beck dar: Das Hochgebirge ist nicht länger etwas für Extremsportler, sondern dient längst als Kulisse für den Masssentourismus mit seinen Folgen.

Meinen Text gibt es hier als PDF.

Link: Scheidegger & Spiess, Hatje Cantz

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“Out of Focus” von Peter Olpe

Das Design des Buches ist so schlicht wie das einer selbstgebauten Camera Obscura – der Buchblock ist nackt und zeigt die gebundenen Seiten, die graue Pappe des Covers könnte (sieht man einmal von der Prägung des Titels ab) funktionaler kaum sein. Dennoch hat es ein Highlight versteckt – ein klitzekleines Highlight, möchte ich sagen, denn der Titel hat in der Mitte eine zwei Zentimeter große, kreisrunde Öffnung, in der wiederum eine schwarze Lochblende eingelassen wurde – theoretisch könnte man dadurch also fotografieren. Das braucht man aber nicht, denn das haben schon drei Dutzend andere Fotografen für uns gemacht. Aber der Reihe nach.

25 Jahre lang hat der Schweizer Grafiker Peter Olpe Lochkameras entworfen, gebaut und zeitweise auch vertrieben. Bei den Renovierungsplanungen für sein Haus stellte er sich 2008 schließlich die Frage, was mit den ganzen schwarzen Kästen in seinen Schränken geschehen soll. Auf der einen Seite nehmen sie nur Platz weg, auf der anderen Seite konnte er sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass sie nach seinem Tod möglicherweise einfach so in der “Kehrichtverbrennung” entsorgt werden würden (obwohl sie seiner Meinung nach bestimmt “hervorragend brennen” würden). Also fasste er sich ein Herz und fragte im Musée suisse de l’appareil photographique in Vevey nach, ob sie vielleicht Interesse hätten, seine bescheidenen Kameras in ihrer Sammlung aufzunehmen. Und das hatten sie. Und sogar mehr, denn die Direktoren Pascale Bonnard und Jean-Marc Yersin boten Olpe sogar an, eine Ausstellung mit seinen Kameras zu machen. Und weil Olpe ja zusätzlich Grafiker ist, bot er an, den Katalog zur Ausstellung selbst zu gestalten.

Dies alles wäre nun eine feine, aber nicht weiter aufregende Anekdote über die Hintergründe einer Ausstellung. Doch Peter Olpe wollte noch mehr. “Geben bekannte Hersteller [...] nicht auch Bücher heraus, die dokumentieren, was bedeutende Fotografen mit ihren Produkten anstellen? Wenn ich schon einmal – wenn auch nur kurz – dazugehört habe, möchte ich auch so ein Buch mit Bildern, die Fotografen und Künstler mit meinen Kameras realisiert haben”, sagt er in selbstironischer Bescheidenheit in seinem sehr lesenswerten Vorwort zum Buch “Out of Focus”.  Mit 36 Gestaltern, Künstlern und Fotografen ging er deswegen einen Tauschhandel ein (übrigens ganz ähnlich wie es beispielsweise früher Polaroid gemacht hat): Jeder bekam eine von Olpe selbst hergestellte Lochkamera und konnte sie auch behalten, wenn er im Gegenzug mit dieser Kamera eine kleine Serie von mindestens drei Bildern aufnimmt, die Olpe für seinen Ausstellungskatalog verwenden darf. Die Teilnehmerliste ist dabei durchaus interessant und vor allem sehr gemischt. Mit dabei sind unter anderem Georg Aerni, Alec Soth (von dem nur ein einziges Bild zu sehen ist),Volkmar Herre, das Duo Taiyo Onorato/Nico Krebs, Marc Räder, Joël TettamantiOliviero Toscani, Christian Vogt (der gleich drei Kameras erhalten hat) und Herlinde Koelbl.

Unter den Bildstrecken findet man jeweils eine Biografie, einen kurzen Text sowie ein Foto der Kamera, mit der die Bilder aufgenommen worden sind, samt “Datenblatt”. Das ist insofern interessant, weil Hobbyfotografen sich ja meistens nur über genau diese Daten austauschen, selten aber über Bildgestaltung und -konzeption. In diesem Fall macht es aber Sinn, weil die Kameras erstens schön und skurril und extrem zugleich sind (eine Blende von 1:190 kommt in der klassischen Fotografie ja eher selten vor) und sie zweitens natürlich großen Einfluss auf das Bild selbst haben. Letztlich bleibt es aber beim Nutzer selbst, was er daraus macht – und da ist die Bandbreite auch in diesem Buch gewaltig.

Darüber hinaus gibt es diverse Statements und zahlreiche Abbildungen der Kameras, die Olpe dem Museum vermacht hat. Allein die sind schon aufregend anzuschauen, weil sie so archaisch und individuell und vor allem extrem einfach sind.

Das Buch “Out of Focus” ist im Schweizer Niggli Verlag erschienen. Es zeigt rund 850 Fotografien auf 432 Seiten und kostet 62 Euro.

Link: Niggli, Cameramuseum Vevey

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Neue Website online!

Nach monatelangem “Vor-mir-Herschiebens” und gut einem Monat Arbeit ist heute endlich meine neue Fotografen-Website online gegangen. Darauf zeige ich nun nicht mehr nur meine freie Arbeiten, sondern vor allem auch Auftragsfotografien, meist aus den Bereichen Porträt und Architektur, aber auch Editorial und Commercial.

Im Gegensatz zu den meisten Webauftritten von Fotografen habe ich mich allerdings dagegen entschieden, bloß ein Best-of aus einzelnen Bereichen zu präsentieren, und zeige stattdessen die einzelnen Aufträge, womit die Website auch eher einen Blog-Character erhält, auf der neue Aufträge einfach und übersichtlich hinzugefügt werden können.

Die neue Seite wird mittelfristig auch zu Veränderungen auf diesem Blog führen. Ursprünglich hatte ich ja geplant, hier neben den Besprechungen von Fotobüchern und Fotoausstellungen auch eigene Fotoaufträge zu posten, aber das wurde mit der Zeit immer weniger und ich schätze mal, dass die meisten Leser ohnehin mehr an den Kunstbesprechungen interessiert sind als an meinen Auftragsarbeiten. Die beiden Rubriken “freie Arbeiten” und “Auftragsfotografie” werde ich deshalb entfernen und eventuell durch andere, passendere Kategorien für meine Texte ersetzen. Falls jemand Ideen hat: Ich freue mich über Vorschläge.

Parallel denke ich darüber nach, dem Blog ein ganz neues Erscheinungsbild zu verpassen und es insgesamt eher “magaziniger” aussehen zu lassen. Noch hält mich allerdings die Angst, meine bisherigen 300 Einträge nicht einfach übernehmen zu können, davon ab.

Link: damianzimmermann.de

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Friederike von Rauch im Forum für Fotografie

“Sleeping Beauties” nennt Friederike von Rauch ihre aktuelle Serie, für die sie seit 2011 in unterschiedlichen Museen in Europa fotografiert. Mit den Museumsfotografien eines Thomas Struth haben ihre Arbeiten allerdings wenig gemein – das fängt schon damit an, dass sie die Räume außerhalb der Öffnungszeiten und entsprechend auch ohne Besuchermassen fotografiert. Häufig ist die Kunst selbst auch gar nicht auf den Bildern zu sehen, sondern bloß die Leerstellen, die sie hinterlassen, wenn sie für Wartungs- oder Restaurierungsarbeiten entfernt worden sind. Oder von Rauch fotografiert die Objekte in Folien oder Papier eingepackt, so dass man nur ahnen kann, welche Schätze sich möglicherweise unter den abstrakten Formen verbergen mögen.

Durch meist nur enge Bildausschnitte, ihr feines Gespür für die Gestaltung von Flächen und das Spiel mit dem vorhandenen Licht gelingen Friedrerike von Rauch poetische, verträumte und sehr persönliche Ansichten, die zudem in der Präsentation mit dem Baumwollpapier und der hervorragenden Schattenfugen-Rahmung eine weitere Ebene finden: Ihre Fotografien wirken fast wie Malerei, die auf ihnen ja eigentlich fehlt. Es geht also gleich in doppelter Hinsicht um Wahrnehmung und Interpretation von Wirklichkeit.

Die Ausstellung ist noch bis zum 21. April im Forum für Fotografie zu sehen.

Link: Forum für Fotografie

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Joseph Rodriguez und Christopher Williams

Die Hardhitta Gallery von Bene Taschen zeigt noch bis zum 6. April eine kleine Retrospektive des in Deutschland noch wenig bekannten amerikanischen Sozialdokumentaristen Joseph Rodriguez, der die Underdogs und Außenseiter der Gesellschaft fotografiert hat, und mich teilweise an Bruce Davidson und Jacob Holdt erinnert.

In der Galerie Gisela Capitain sind zudem bis zum 13. April neue Fotoarbeiten des Konzeptkünstlers Christopher Williams zu sehen. Er hat sich in “For Example: Dix-Huit Leçons Sur La Société Industrielle (Revision 17) – The Production Line of Happiness” mit der legendären Exakta Varex IIa beschäftigt, die als eine der qualitativ besten Kameras überhaupt gilt, die er aber auch als Symbol für den Kalten Krieg sieht.

Meine beiden Besprechungen findet ihr hier im Sammelartikel aus dem Ksta.

Links: Hardhitta, Gisela Capitain

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Wolfgang Tillmans im Düsseldorfer K21

Das K21 Ständehaus in Düsseldorf zeigt bis zum 7. Juli eine große Überblicksausstellung von Wolfgang Tillmans. Der 44-Jährige hat 14 Räume mit seinen All-Over-Installationen bespielt und zeigt dabei Arbeiten aus den vergangenen 25 Jahren – eine gute Gelegenheit, um sich einmal intensiv mit dem gebürtigen Remscheider, der den Turner-Prize genauso erhalten hat wie den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie, auseinanderzusetzen.

Meine ausführliche Besprechung ist heute in der taz erschienen.

Link: Kunstsammlung NRW

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Fotografische Antworten auf Peter Bialobrzeski

“Acht serielle fotografische Arbeiten nach einem ‘alten Meister’“ lautet der Titel einer kleinen Ausstellung, die noch bis zum 12. April in der VHS-Galerie im Komed in Köln zu sehen ist. Entstanden sind sie im Rahmen eines VHS-Kurses unter der Leitung von Karl von Westerholt und Ausgangspunkt war die Ausstellung Habitat von Peter Bialobrzeski im Forum für Fotografie vor genau einem Jahr. Die Schüler setzten sich mit der Ausstellung intensiv auseinander und haben anschließend eigene fotografische Ideen für das Thema entwickelt – teilweise auch direkt als kritische Reaktion auf Bialobrzeskis Serien.

Die Ergebnisse sind sehr reflektiert. Natürlich gibt es den ein oder anderen technischen Mängel in den Bildern und in der Hängung zu entdecken, aber da die Ausstellung ja in der VHS und nicht im Museum Ludwig gezeigt wird, kann man darüber gut hinwegsehen. Die Bandbreite ist dafür umso enormer. Sie reicht von einer direkter Antwort auf Bialobrzeskis Slumhütten (René Sikkes hat illegale Holzhütten im Stadtbild fotografiert während sich Anne Hochgürtel auf die Verschönerungstechniken in Privatwohnungen, den “informal arrangement”, konzentriert hat), geht über distanzierte Übersichten von Wohnblöcken wie bei Martin Junius‘ “Urban Nexus”-Serie und endet schließlich beim düsteren, menschenfeindlichen Architekturaufnahmen von Hartmut Schneider.

Der Grundton der Ausstellung ist dabei unüberhörbar: Warum vermeintlich exotische Motive suchen und aus der westlichen Perspektive darüber urteilen, wenn man ganz ähnliche Zustände auch vor der eigenen Haustür findet. Und vor allem: Warum betrachten wir die Bilder aus den Slumhütten mit Arroganz und Mitleid? Wer sagt uns, dass die Bewohner Manilas oder Kliptowns unseren Lebensstandard positiv oder gar als erstrebenswert empfinden?

Zur Ausstellung ist auch ein Buch mit allen gezeigten Arbeiten erschienen, das man sich auch online anschauen kann.

Link: Blurb

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