Time to say goodbye, fotocommunity!
Ich habe es getan. Heute Mittag habe ich meinen Account bei der fotocommunity gelöscht. Besser gesagt: Ich habe ihn löschen lassen, denn alleine kann man das natürlich nicht machen. Da gibt es keinen Knopf für.
Kein großes Ding, sollte man meinen. Und dennoch war es für mich nicht leicht – schließlich hat (wenn man es pathetisch ausdrücken will) mit der Mitgliedschaft in der fc alles angefangen. Das war Ende 2002, ich kam von meiner Kambodscha-Reise und mit 30 vollgeknipsten Filmen zurück und habe plötzlich kapiert, dass mir die Fotografie mehr gibt als das literarische Schreiben, das ich bis dahin versucht habe und mit dem ich kläglich gescheitert bin.
Neben Besuchen in der Fotoschule-Koeln wurde der virtuelle Aufenthalt in der fotocommunity zu einem festen Bestandteil meines Alltags. Der Austausch mit Gleichgesinnten war eine unglaubliche Bereicherung, und ich habe so viele unterschiedliche, inspirierende Arbeiten gesehen, dass ich täglich stundenlang durch die Bildergalerien der damals jungen und noch überschaubauren Plattform klicken konnte – und das zu einer Zeit, als DSL-Anschlüsse noch eine Seltenheit waren!
Wirklich gelernt habe ich in der fc allerdings nicht das Fotografieren, sondern das Auseinandersetzen mit und das Diskutieren über Fotografie: Im Gegensatz zum allgegenwärtigen Facebook, in dem es nur einen “Gefällt mir”-Button gibt und die Mitglieder ansonsten auch meistens nur lobend kommentieren, ging es in der fotocommunity nicht selten ordentlich zur Sache. Das fand nicht jeder gut, und sicherlich habe ich auch das ein oder andere Mal etwas über die Stränge geschlagen mit meiner Kritik – vor allem bei den Blümchen- und Eichhörnchenfotografen: Ich habe sie nicht verstanden und sie mich nicht. Der legendäre “Ignore”-Button wurde jedenfalls häufig gegen mich eingesetzt.
Auch die Auseinandersetzung mit fc-Göttern wie Stefan Rohner, die ihre Jünger um sich scharten, die sofort angerannt kamen und die Zähne fletschten, wenn ich Kritik an seinen Fotos äußerte, bleiben mir in (trauriger) Erinnerung. Absurder Höhepunkt war allerdings die Diskussion mit einem in der fc sehr beliebten Naturfotografen, der mir nach einigem Hin und Her tatsächlich sinngemäß schrieb: “Du bist ein Nikon-Fotograf, ich bin ein Nikon-Fotograf. Wir sollten hier doch zusammenhalten und uns nicht gegenseitig kritisieren.” Diese Art der Banden-Bildung ist für mich bis heute vollkommen unverständlich, vor allem aber auch unerträglich und hat mir die fc leider vergrätzt.
Das gilt natürlich nicht für die Fotografie an sich. Und ohne es zu wissen habe ich damals wohl den Grundstein für meine spätere berufliche Entwicklung gelegt: Heute schreibe ich über Fotografie.
Immerhin dafür warst du gut, und dafür danke ich dir, geliebte und gehasste fotocommunity. Nach über zehn Jahren Mitgliedschaft ist es jetzt aber wirklich an der Zeit, “Auf Wiedersehen” zu sagen. Mach’s gut, fc!
Link: fotocommunity

































