Vier neue Fotobücher im Ksta

In der Spezialausgabe des Kölner Stadt-Anzeiger-Magazins “Bücher – Das Beste zum Fest” habe ich auch wieder vier aktuelle und dabei sehr unterschiedliche Fotobücher vorgestellt: Die Retrospektive “hier weit entfernt” des Finnen Pentti Sammallahti, “Unconscious Places”, in dem Thomas Struth seine Werkgruppe der Straßen- und Stadtansichten vereint, “America” mit Panorama-Fotografien von Horst Hamann sowie eine opulente Blumen- und Pflanzen-Enzyklopädie von Makoto Azuma und Shunsuke Shiinoki.

Meine Besprechung aus dem Kölner Stadt-Anzeiger gibt es hier als PDF.

Links: Kehrer, Schirmer/Mosel, Edition Panorama, Lars Müller Publishers

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Das Buch “Gestalten mit Licht und Schatten”

An dieser Stelle möchte ich das vor wenigen Wochen erschienene Lehrbuch “Gestalten mit Licht und Schatten – Vom Porträt bis zur Landschaft” von Oliver Rausch vorstellen. Rausch hat Fotografie an der “Royal Academie” in Den Haag und an der “Rijksakademie” in Amsterdam studiert und ist Mitgründer der Fotoschule-Koeln und der Fotoakademie-Koeln. Mit seinem Wissen und seiner Leidenschaft hat er wesentlich zu meiner Begeisterung und mein Verständnis für die Fotografie beigetragen.

Im Pearson Verlag ist nun sein erstes Buch erschienen (336 Seiten, 39,95 Euro), in dem er sich, wie der Name bereits sagt, mit den Möglichkeiten der Bildgestaltung beschäftigt, die einem die Lichtsetzung bietet. Natürlich ist es deshalb (auch) ein technisches Buch, doch vor allem will Rausch, dass seine Leser ihre Wahrnehmung schulen, damit sie “die einzelnen Wirkungen von Licht im Bild spürbar und damit gestalterisch nutzbar” machen können: “Mein Ziel ist es, Ihnen ein Grundverständnis für Licht und seine Wirkungsgewalt in Bildern zu vermitteln, mit dem Sie das Licht anderer Fotografen selbst analysieren und verstehen können, um es für sich selbst zu nutzen und auch nach eigenen Wünschen und Ideen frei abzuwandeln.”

Natürlich liefert Oliver Rausch zunächst einmal Erklärungen für die drei Hauptlichtarten Seitenlicht, Rembrandtlicht und hochfrontales Licht und erklärt deren Aufbau und Wirkung sehr detailiert. Aber auch das Gegenlicht sowie die “unnatürlichen” Lichtarten wie Unterlicht, Zangenbeleuchtung und der Ringblitz kommen in langen und sehr ausführlichen Kapiteln vor.

Genauso wichtig wie die Detailtiefe der technisch-gestalterischen Erklärungen sind für mich persönlich jedoch die zahlreichen kunstgeschichtlichen und popkulturellen Verweise – unter anderem verwendet Rausch Fotos von seinen Studenten, um Wirkungen aufzuzeigen, er baut aber auch immer wieder “Exkurse” ein, in denen er mit QR-Codes auf weitere Bilder und Videos wie beispielsweise die Edgar-Wallace-Filme und Stanley Kubricks “Shining” verweist. Dies ist insofern wichtig, da ich immer wieder bemerke, dass gerade in der Rezension und der Reflexion künstlerischer Fotografie meist auf die Bildmotive, aber viel zu selten auf die Bildgestaltung eingegangen wird. Bestenfalls wird der gestalterische Aufbau einer Fotografie mit der Malerei verglichen, aber in den seltensten Fällen werden die Gestaltung und ihre Wirkung analysiert.

Am dramatischsten ist mir dies während der Pressekonferenz zur “Lebensmittel”-Ausstellung von Michael Schmidt im Museum Morsbroich aufgefallen. Dort waren zwei von mir ansonsten sehr geschätzte Journalisten-Kollegen (beides Kunsthistoriker) vollkommen erstaunt darüber, dass die Mortadella bei Michael Schmidt so abschreckend aussieht, während sie im Werbeprospekt vom Edeka immer so lecker wirke – schließlich sei es doch die gleiche Wurst. Das die Aussage einer Fotografie nicht zwangsläufig vom Motiv, sondern von der Gestaltung (und somit auch vom Licht) abhängt, war für sie offensichtlich vollkommen neu. Insofern kann ich “Gestalten mit Licht und Schatten” nicht nur angehenden Fotografen, sondern grundsätzlich allen Menschen empfehlen, die sich regelmäßig mit Fotografien auseinandersetzen wollen und müssen, um diese besser verstehen und hinterfragen zu können. Und letztlich auch, um vor Manipulationen gewappnet zu sein.

Link: Pearson, Fotoschule-Koeln

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Shômei Tômatsu in der Galerie Priska Pasquer

Sein Foto von der Glasflasche, die von der Atombombe in Nagasaki bis zur Unkenntlichkeit deformiert wurde, gehört zu den Ikonen der japanischen Fotografie, die Provoke-Bewegung wäre ohne ihn nicht denkbar gewesen und für Daidō Moriyama ist er schlicht “the Godfather”: Shômei Tômatsu.

Die Galerie Priska Pasquer zeigt nun in einer Einzelausstellung Arbeiten aus Serien wie “Protest”, “Eros, Tokyo” und “Chewing Gum and Chocolate”. Vor allem aber sind auch seine Farbfotografien aus den 1960er und 70er Jahren zu sehen – die wurden bislang noch nie in einer Galerieausstellung außerhalb Japans gezeigt.

Wer mehr erfahren will, kann sich meine Besprechung aus dem heutigen Ksta durchlesen.

Link: Priska Pasquer

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“Berlin, Fruchtstraße am 27. März 1952″

Was für ein Projekt! Am 27. März 1952 ist der Vermessungstechniker und Photogrammeter Fritz Tiedemann durch die Berliner Fruchtstraße gegangen, hat alle zwölf bis 15 Meter sein Stativ mit der Kamera aufgestellt und hat insgesamt 32 Fotografien der Häuser angefertigt. Vor einigen Jahren entdeckte dann der Stadtfotograf Arwed Messmer die Aufnahmen in der Architektursammlung der Berlinischen Galerie – und plötzlich wurde aus den Fotografien zu bloßen Dokumentationszwecken ein Stück visualisierte Zeitgeschichte, die den großen Straßenporträts von Ed Ruscha und Georg Aerni in nicht nachstehen.

Meine ausführliche Besprechung zu dem nun vorliegenden Buch “Berlin, Fruchtstraße am 27. März 1952″ ist in der aktuellen Photonews erschienen. Das PDF dazu gibt es hier.

Link: Hatje Cantz

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