Drei Jahre Fotobuch-Tipps im Ksta

Vor drei Jahren habe ich dem Kölner Stadt-Anzeiger vorgeschlagen, neben Besprechungen von Literatur und Hörbüchern doch auch Kritiken von Fotobüchern zu veröffentlichen. Aus dieser Idee ist eine regelmäßige Serie geworden, die ich seit dem betreue und die heute bereits zum zwölften Mal erschienen ist. Das macht mich sehr froh und auch ein bisschen stolz, schließlich kommt das Medium Fotobuch bislang auch trotz des allgemeinen Booms in den deutschen Tageszeitungen noch viel zu selten vor.

In meiner heutigen Besprechung stelle ich “One and a half meter” von Peter Puklus, “Geschlossene Gesellschaften” von Tomas van Houtryve, “Winter Wonderland” von Lois Hechenblaikner sowie “Von Amts wegen” von Benedikt Steinmetz vor.

Den gesamten Artikel findet ihr hier als PDF.

Links: Kehrer, Benteli, Steidl, Schaden.com

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Das Fotobuch als Sammelobjekt

Im Artnet-Magazin ist heute mein umfangreicher Artikel “Zwischen Boom und Krise – Das Fotobuch als Sammelobjekt” erschienen. Darin geht es um eine kleine Bestandsaufnahme, die Entwicklung in den vergangenen Jahren und eine Aussicht auf die nahe Zukunft. Dafür habe ich verschiedene Verleger wie Klaus Kehrer, Gerhard Steidl und Lothar Schirmer sowie Hatje Cantz-Programmleiter Markus Hartmann nach ihren Erfahrungen befragt. Anlass für diesen Artikel war allerdings ein ausführliches Interview, das ich mit Markus Schaden geführt habe und das in zwei Tagen in der neuen Ausgabe der Photonews erscheinen wird.

“Zwischen Boom und Krise” wird wohl übrigens mein letzter Beitrag sein, der im Artnet-Magazin veröffentlicht wurde – ich habe gestern erfahren, dass das Magazin noch diesen Monat komplett eingestellt werden soll. Diese plötzliche Entscheidung überrascht mich sehr und macht mich fassungslos. Alles weitere werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

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“East of a New Eden” im Forum für Fotografie

Bereits beim Deutschen Fotobuchpreis 2011 ist mir das außergewöhnliche Buch “East of a New Eden” von Yann Mingard und Alban Kakulya aufgefallen - nun widmet das Forum für Fotografie dem bereits zehn Jahre alten Projekt eine ganze Ausstellung.

Im Jahr 2002 haben sich die beiden Schweizer auf den Weg gemacht, um die damals neue, 1600 Kilometer lange und streng bewachte Grenze der EU zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer zu erkunden: Diese streng bewachte Pufferzone entlang der Länder Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien trennt den reichen Westen vom armen Osten wie einst der Eiserne Vorhang die verschiedenen politischen Ideologien – was die Menschen nicht daran hindert, dennoch nach Europa gelangen zu wollen.

Meine ausführliche Besprechung ist heute im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen.

Link: Forum für Fotografie

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“Geflutete Kathedralen” von Silvio Maraini

Eine Stärke der Fotografie liegt unter anderem darin, dass sie dem Betrachter Dinge, Zustände und Ereignisse zeigen kann, die er sonst niemals zu sehen bekäme. Die Kriegsfotografie und die Aufnahmen der Apollo-Missionen zählen da sicherlich zu den drastischten Genres.

Weit weniger spektakulär, aber dennoch ungewöhnlich sind hingegen die Arbeiten von Silvio Maraini. Der Schweizer hat sich in die unterirdischen Wasserbehälter seiner Heimat begeben, um ihre mitunter abstrakte, erhabene Architektur, die auch an Kirchen und Tempel oder an verlassene U-Bahn-Stationen erinnern, zu dokumentieren. Viel Zeit blieb ihm dabei freilich nicht, schließlich konnte er die “Gefluteten Kathedralen”, wie er auch sein Buch genannt hat, nur fotografieren, wenn das Wasser fehlte. Und das ist genau an einem Tag im Jahr der Fall, wenn die Behälter, die zwischen 330 und 14.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen, geleert und gereinigt werden. Für seine Aufnahmen blieben ihm dann meist nur wenige Minuten.

Entstanden sind in dieser Zeit aber wunderbare Architekturaufnahmen von seltener Schönheit und mit einem fast spirituellen Charakter – irgendwie ist es ein schöner Gedanke, dass unser Trinkwasser und damit unser Lebenselixier in so überwältigenden Räumen zu Hause ist. Oder, um es mit den Worten Benedikt Loderers, der das Vorwort verfasst hat, zu sagen: “Später, nach der nächsten Eiszeit, werden Archäologen diese noch unversehrten Grabkammern finden und über den Kult rätseln, der hier stattfand.”

Erschienen ist “Geflutete Kathedralen” im Benteli Verlag. Das Buch zeigt 56 Fotografien auf 112 Seiten und kostet 38 Euro.

Link: Benteli

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“Before Tomorrow” von Yannik Willing

Die Tage habe ich Post aus Brooklyn bekommen. Darin befand sich das Buch “Till Human Voices Wake Us” von Kramer O’Neill, auf das ich mich sehr gefreut habe. Leider wurde ich enttäuscht – nicht von den Bildern, aber von der Qualität des Buches, an dem eigentlich nichts stimmte: Das Layout war uninspiriert und unruhig, das Papier gruselig, das Format schlecht gewählt und Umschlag und Bindung sahen aus wie bei Cewe bestellt. Leider hat es mir die eigentlich starke Serie, die ich bislang nur als Diashow auf seiner Internetseite gesehen hatte, gründlich vermiest. Der einzige Grund, warum ich es nicht sofort verkauft, verschenkt oder in die Tonne geworfen habe: Es ist immer noch ein gutes Beispiel dafür, was man alles falsch machen kann.

Erfreulicherweise ist es mir mit dem Buch (oder vielmehr mit der Zeitschrift) “Before Tomorrow” von Yannik Willing eher anders herum gegangen. Willing beschäftigt sich in seiner Bachelorarbeit mit dem extremen Wandel, den das vom Bürgerkrieg gebeutelte Sri Lanka aktuell durchmacht und der auch noch nicht abgeschlossen ist. Dabei konzentiert er sich auf die Tourismusregionen, in denen die Vermarktung für einen internationalen Markt bereits begonnen hat, für das die Infrastruktur aber meist noch gar nicht vorhanden ist. Gleichzeitig interessiert ihn die Wechselwirkung von Postkolonialismus, Neokolonialismus und Tourismus im Zeitalter der Globalisierung.

Auch seine Arbeit habe ich zunächst im Internet gesehen: Die Mischung aus Porträts, Details und (urbanen) Landschaften spiegelt sehr den Geist und die Bildsprache der zeitgenössischen Dokumentarfotografie wider: Sie ist gut, aber sie haut mich auch nicht vom Hocker. Umso begeisterter war ich jedoch, als ich das fertige Buch in Form einer Zeitung und auch im entsprechenden Format (45 x 32 cm!) in den Händen hielt. Willing hat sich das sehr gut überlegt, denn weil sein Projekt noch nicht abgeschlossen ist, sollte auch nicht der Eindruck eines fertigen Buches entstehen: Die flüchtige Form der Zeitung, deren Informationen morgen schon wieder veraltet sein können, unterstreichen diese Absicht und gleichzeitig erhalten die Fotos den Raum, den sie brauchen. Selbst der eigentlich eher schwache Zeitungsdruck schadet den Bildern nicht – im Gegenteil. Form und Funktion gehen eine sinnvolle und ästhetisch äußerst ansprechende Symbiose ein und sind somit ein ganz klarer Beweis dafür, dass wir in Zukunft verstärkt auf die Layouter und Designer der Fotobücher achten sollten – und eben nicht nur auf die Fotografen.

“Before Tomorrow” hat 60 Seiten, 31 Fotografien, kostet 18 Euro und kann über Yannik Willings Internetseite bestellt werden.

Link: Kramer O’Neill, Yannik Willing

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