Zoltán Jókay in der Sabine Schmidt Galerie

Zoltán Jókay ist vor allem für seine Porträts von Kindern und Jugendlichen bekannt. Dass er auch sehr alte Menschen fotografiert, mag zunächst überraschen – letztlich scheint es aber eine logische Konsequenz zu sein, sich sowohl mit dem Anfang als auch mit dem Ende des Lebens, mit Hoffnungen und Desillusion, auseinanderzusetzen.

In der Galerie von Sabine Schmidt ist gerade seine neue Serie “Mrs. Raab wants to go home” zu sehen. Durch seine Arbeit als Quartiersbetreuer hat Jókay Kontakt zu vielen alten und sozialbenachteiligten Menschen bekommen. Als seine Stelle gestrichen wurde, besuchte er die Frauen und Männer dennoch weiter und hat zudem als Demenzbetreuer in einem Altersheim angefangen. Seit einiger Zeit fotografiert er sie auch dabei.

Im Kölner Stadt-Anzeiger ist heute meine Kurzbesprechung erschienen.

Link: Sabine Schmidt Galerie

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August Sander und die SK Stiftung Kultur

Im Rahmen des Tätigkeitsberichts 2011, den ich im Auftrag der SK Stiftung Kultur geschrieben habe, habe ich mich auch intensiv mit der grundlegenden Bedeutung von August Sander für die Photographische Sammlung auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt meines Artikels steht dabei die Ausstellung Sardinien 1927, die im letzten Jahr gezeigt wurde. Aber auch die Rekonstruktion von New Topographics sowie das Fotografenpaar Bernd und Hilla Becher sind natürlich wichtige Referenzen darin.

Meinen ausführlichen Artikel gibt es hier.

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Lewis Baltz im Kunstmuseum Bonn

Der Amerikaner Lewis Baltz zählt zu den wichtigsten Vertretern der New Topographic-Bewegung, die 1975 mit der gleichnamigen Ausstellung für einen Paradigmenwechsel in der künstlerischen Fotografie sorgte. Im Kunstmuseum Bonn ist nun seine erste Retrospektive in Deutschland zu sehen.

Warum die Ausstellung dennoch nicht das bietet, was sie verspricht, könnt ihr in meiner ausführlichen Besprechung auf Artnet lesen.

Link: Kunstmuseum Bonn

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“Kleider machen Leute” von Herlinde Koelbl

“Kleider machen Leute” heißt es im Volksmund. Dabei meint der Satz weniger, was die Kleidung selbst aussagt, sondern vor allem, was sie ganz konkret aus dem Menschen macht, der sie trägt.

Herlinde Koelbl hat sich diesem Phänomen fotografisch genähert und somit den Fotobeweis für eine scheinbare Binsenweisheit geliefert, weil sie Menschen sowohl in ihrer beruflichen Uniform als auch im privaten Wohlfühl-Outfit abgelichtet hat. Zudem unterstreichen kurze Statements der Fotografierten, was man auf den Fotos sehen kann: Die Kleidung gibt ihnen Halt, verändert ihre Körperhaltung, den Gang und sogar die Mimik – und somit die gesamte Ausstrahlung. Dabei spielt es fast keine Rolle, ob man die Uniform von McDonald’s oder die des Generalinspekteurs der Luftwaffe trägt.

Beim privaten Outfit verändert sich das ganz schnell – man präsentiert sich betont leger und meist lächeln die Abgebildeten dann auch. Wobei dieses Lächeln nicht falsch interpretiert werden darf. Auch bei unserem Paareprojekt ist Nadine und mir die starke Tendenz der Teilnehmer zum Lächeln aufgefallen. Andersherum kann man aber auch sagen, dass man nicht lächeln muss (oder darf?), wenn man in der Berufskleidung und somit in der seriösen und klar definierten Berufsrolle steckt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, was Koelbl beobachtet hat: “Fast allen Menschen fiel es wesentlich leichter, sich in ihrer Uniform zu präsentieren, als nur sie selbst zu sein.” Umso wichtiger, dass Koelbl ihnen keine Anweisungen gab.

Was ich allerdings nicht ganz verstehen kann, ist die meiner Meinung nach viel zu unruhige und verspielte Gestaltung des Buches. Über den wechselnden und sehr nachlässigen Hintergrund der Bilder kann ich ja gerne hinweg sehen, aber wenn man Wert auf ein vergleichendes Sehen legt, sollte man dem Betrachter auch die Möglichkeit dazu bieten. Wie man in der Ausstellungsansicht erkennt, werden die Bilder dort auch zumindest als Bild-Paar gleichwertig behandelt. Warum im Buch hin und wieder das Berufs-Bild groß und das Privat-Bild fast winzig gezeigt wird, und warum Koelbl zwei verschiedene Anschnitte (Ganzkörperporträt und amerikanische Einstellung) wählt, erschließt sich mir leider nicht (Hatje Cantz, 232 Seiten, 39,80 Euro).

Link: Hatje Cantz

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“7 Rooms” in 7 Räumen der Körnerstraße

Am vergangenen Samstag fand in der Körnerstraße in Köln-Ehrenfeld eine etwas ungewöhnliche Ausstellung statt: Kuratorin Inga Schneider und Fotobuchfachmann Richard Sporleder haben an sieben verschiedenen Orten das Buch 7 Rooms von Rafał Milach präsentiert. Besucher konnten also die Straße entlang spazieren und wurden hier und dort in private Gärten und Hinterhöfe, in Hinterzimmer von Gaststätten oder in den gekachelten Vorraum einer türkischen Metzgerei gelockt.

Zu sehen waren dort keine klassischen Ausstellungsabzüge, sondern die Druckbögen des Buches, das im Kehrer-Verlag erschienen ist. Die wurden an die Fensterscheiben geklebt und an die Tapeten gepint und stellten so meist sehr schöne Bezüge zwischen den Personen in dem Buch und den realen Orten her: Obwohl die Geschichten in drei russischen Städten spielen, hatte der Betrachter plötzlich den Eindruck, als würden sie auch in den jeweiligen Orten zu Hause sein können. Die Atmosphäre tat das übrige hinzu: Bei Familie Knoblauch im Garten wurden selbstgebackene Muffins gereicht, in der Kneipe “Em Höttche” fluchten die 1. FC Köln-Fans beim Abstiegsspiel gegen den FC Bayern München, während man im Hinterzimmer die Fotos von feiernden und sich synchron besaufenden Russen betrachten konnte. Und in einem halb verfallenen, halb kernsanierten Privatraum sahen die uralten Tapeten an den Wänden den Tapeten auf Milachs Fotografien fast zum Verwechseln ähnlich.

Von manchen Besuchern wurde zwar bemängelt, dass die Texte neben den Fotos auf kyrillisch waren, was daran lag, dass der Kehrer-Verlag nur noch diese Druckbögen zur Verfügung hatte. In dem Fall war es jedoch sogar gut, dass man die Texte nicht entziffern konnte – sie gehörten ohnehin nicht zum Foto, neben dem sie standen: Erst im fertig gebundenen Buch wären sie an der richtigen Stelle gewesen.

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Wilhelm Schürmann in der SK Stiftung Kultur

Wilhelm Schürmann ist heute vor allem als Sammler und Kurator für zeitgenössische Kunst sowie als Mitgründer der legendären Fotogalerie “Lichttropfen” bekannt. Hin und wieder finden aber auch Ausstellungen mit seinen eigenen Fotografien statt – so wie gerade in der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur in Köln. Dort zeigt Schürmann “Wegweiser zum Glück – Bilder einer Straße 1979-1981″. In diesen drei Jahren ist er in die Steinhammerstraße nach Dortmund, dem Ort seiner Kindheit und Jugend, zurückgekehrt und hat sie immer wieder fotografiert. Dabei sind rund 2000 Mittelformat- und Kleinbild-Negative entstanden.

Der Wiederkehrer Schürmann fotografierte Straßen- und Häuseransichten, Geschäfte, Wohnungen, das Mobiliar und Einrichtungsdetails, aber auch die Bewohner des Viertels, die er häufig noch von früher kannte: Karl Heinz Ollesch zum Beispiel, der gebannt am Küchenfenster und vornübergebeugt vor dem kleinen Radio sitzt, um der Fußballbundesliga-Live-Übertragung zu lauschen. Oder Willy Rackowitsch, der mit seiner Kassengestellbrille auf dem Sofa sitzt. Im Hintergrund weisen zwei Vogelbilder dezent, aber bestimmt auf seine Erfolge als Taubenzüchter hin.

Parallel dazu werden Bilder von Petra Wittmar gezeigt. Auch sie ist in ihren Geburtsort im Hochsauerlandkreis zurückgekehrt – und zwar exakt 30 Jahre nachdem sich Schürmann in Dortmund herum trieb. In ihren Bildern konzentriert sich Wittmar allerdings allein auf die Architektur.

Meine ausführliche Besprechung ist in der aktuellen Photonews erschienen und gibt es hier als PDF.

Link: SK Stiftung Kultur

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