Magnum Contact Sheets

Im Kölner Stadt-Anzeiger habe ich den viereinhalb Kilogramm schweren Wälzer, der Kontaktbögen zahlreicher berühmter Magnum-Fotografen wie Philippe Halsman, Herbert List, Robert Capa, Martin Parr, Thomas Hoepker und Henri Cartier-Bresson versammelt, bereits vorgestellt.

In der heute erschienenen Februar-Ausgabe der Photonews tue ich es noch einmal – dafür aber deutlich ausführlicher. Meinen Artikel findet ihr hier.

Link: Schirmer/Mosel

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Aus für die Visual Gallery auf der Photokina

Die Photokina hat bekannt gegeben, dass es ab der kommenden Messe im September keine “Visual Gallery” mehr mit Ausstellungen zur künstlerischen Fotografie geben wird. Zwar soll mit dem “Boulevard of Competition” Ersatz geschaffen werden – allerdings nur für die Profi-Fotowettbewerbe, die in der Regel weichgespülte Einheitsfotografie präsentieren. Die Zusammenarbeit mit dem Bund Freischaffender Foto-Designer (BFF) und der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh), die seit 2002 vielbeachtete Ausstellungen unter anderem mit Martin Parr, Anton Corbijn, Michael von Graffenried und Thomas Hoepker auf die Beine gestellt haben, wird jedenfalls nicht länger benötigt.

Warum dies ein großer Verlust für den Standort Köln ist und die Messe enorme Kurzsichtigkeit beweist, könnt ihr in meinem ausführlichen Artikel auf Artnet oder kommentiert im Kölner Stadt-Anzeiger nachlesen.

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Sharon Harper in der Galerie Stefan Röpke

Das Medium Fotografie hat seit jeher die Frage nach der (konstruierten) Wirklichkeit und neuen Betrachtungsmöglichkeiten aufgeworfen. Gleichzeitig macht sich eine immer größer werdende Skepsis – besonders der Digitalfotografie gegenüber – breit, werden ihr bisherige Attribute wie „Objektivität“ und „Wahrhaftigkeit“ quasi per se abgesprochen.

Die Amerikanerin Sharon Harper spielt mit diesen Erwartungen und Ansprüchen, Behauptungen und Widersprüchen an und in der Fotografie. Als Motiv wählt sie dafür meist den Himmel mit seinen Erscheinungen wie Sonne, Mond und Sterne, die ansonsten meist eher Ziel wissenschaftlicher Fotografien sind. Doch ihr Interesse liegt nicht darin, die Himmelskörper möglichst exakt darzustellen. Harper geht es um die Analyse und um das Experiment mit den Phänomenen des Sehens, schließlich kann man nicht in die Sonne schauen und vom Mond sieht man die meiste Zeit über nur einen Teil und bei gutem Wetter alle vier Wochen mal die Vorderseite.

In ihrer zweiten Einzelausstellung in der Galerie Stefan Röpke (zu sehen bis zum 20. Januar) präsentiert sie nun drei neue Werkreihen – darunter die Langzeitstudie des Himmels über Banff in Kanada. Langzeitstudie ist dabei im doppelten Sinne zu verstehen, denn zum einen fotografierte sie einen Monat lang jede Nacht an der Serie, zum anderen arbeitete sie eben auch mit Belichtungen von bis zu zehn Stunden. Zudem belichtete Harper Negative mehrfach, wofür sie die Kamera aber offensichtlich drehte: Die gebogenen Streifen, die die Sterne auf den Bildern hinterlassen, laufen plötzlich nicht mehr parallel zueinander, sondern kreuzen sich willkürlich. Die jahrtausendealte Ordnung des Firmaments wird sichtbar und gleichzeitig zerstört.

Für ihre jüngste Serie hat Harper mit einer Digitalkamera durch ein Teleskop hindurch fotografiert.  Auf den Bildern sieht man Teile der Sonne und des Mondes. Jedes einzelne Bild ist zurückhaltend und doch sehr präzise gestaltet, doch das geht fast ein wenig unter, weil 44 Einzelbilder zu jeweils einem Tableau und drei Tableaus direkt nebeneinander angeordnet wurden. Es entsteht eine Art Fotomosaik, dessen Bilder alle innerhalb sehr kurzer Zeitabstände von nur wenigen Minuten entstanden, als sowohl Sonne als auch Mond am Himmel sichtbar waren. Wirklich sehen kann der Betrachter sie dennoch nicht – vor allem von der Sonne sind es nur unscharfe gelbe Lichtflächen, die mehr an Stefan Heynes abstrakte Farbflächen denn an einen Stern erinnern.

Überhaupt lassen die Fotografien von Sharon Harper viele Verbindungen und Assoziationen zu anderen zeitgenössischen Fotografen und Künstlern zu: Da wäre Trevor Paglen, der ebenfalls Langzeitbelichtungen vom Sternenhimmel gemacht hat – nur, dass seine Bahnen von denen der Spionagesatelliten durchkreuzt werden. Auch Bezüge zu Michael Lights Mond-Bildern aus dem Nasa-Archiv, Hans-Christian Schinks Langzeitaufnahmen des Sonnenverlaufs sowie den Sternenhimmelzeichnungen einer Vija Celmins liegen auf der Hand. Und ihre Nahaufnahmen der Sonne ähneln in der Abstraktion den unscharfen Räumen Stefan Heynes. Doch all dies schmälert nicht den Genuss an Harpers Bildern, sondern vergrößern ihn eher noch, weil sie trotz der formalen Ähnlichkeiten und Parallelen ihren ganz eigenen, konsequenten Weg geht.

Links: Galerie Stefan Röpke, Sharon Harper

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“Swarm” von Lukas Felzmann

Schon wieder ein Fotobuch mit Vögeln als Titelhelden. Doch “Swarm” von Lukas Felzmann kommt gänzlich anders daher als Paloma al Aire von Ricardo Cases – wo Cases männliche Rituale, das Balzverhalten von Tauben und einen eigenwilligen mallorquinischen Volkssport in bunt-absurden Bildern einfängt und miteinander vermischt, interessiert sich Felzmann für die Schwarmbewegungen von Zugvögeln – und hält diese in melancholischen bis düsteren Schwarzweißfotografien fest, die manchmal sogar eine gewisse abstrakte zeichnerische Qualität haben.

Das Individuum spielt dabei keine Rolle: Während bei Cases jede einzelne Taube durch einen speziellen Farbcode (zumindest für die Teilnehmer des Wettbewerbs) identifizierbar bleibt, wirkt bei Felzmann jeder Vogel wie der andere, so dass der Laie nicht einmal im Stande sein dürfte, Arten zu unterscheiden. Den 1959 in Zürich geborenen Felzmann interessieren vielmehr komplexe Verhaltens- und Bewegungsmuster. Schwarmintelligenz ist das Schlagwort, das sich gerade in den vergangenen Jahren zum Mode-Unwort für zahlreiche passende und unpassende Zusammenhänge vor allem im Bereich Social Media entwickelt hat.

Das Verhalten der Vogelschwärme bleibt hingegen ein faszinierendes, weil für den Menschen nicht wirklich nachzuvollziehendes Phänomen. Wir können lediglich beobachten und die pulsierende Struktur der Masse bewundern und darüber staunen. Felzmann zeigt uns dazu neben Einzelbildern auch Sequenzen, in denen er die ständige Veränderung des durch die Landschaft gleitenden Schwarms eindrucksvoll dokumentiert. Die Tiere verdunkeln den Himmel und besetzen, nein: überfallen Straßen, Felder und Bäume. Und manchmal wirken seine Aufnahmen dabei so skurril, dass ich mich stark an die analogen Bildmanipulationen von Taiyo Onorato und Nico Krebs in The Great Unreal erinnert fühle.

Genau das macht die Stärke des insgesamt auch sehr schön gestalteten Buches aus. Ein wenig erschöpfend ist allerdings der Umfang – nach einer gewissen Zeit kann sich die Lektüre des 240 Seiten starken Buches durchaus in die Länge ziehen und eine gewisse Übersättigung stellt sich ein. Ein bisschen weniger der sich wiederholenden Motive wäre mehr gewesen (Lars Müllers Publishers, 50 Euro).

Link: Lars Müller Publishers

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“Theatre of Real Life” in der Galerie Lichtblick

Für den Fotografen, Galeristen und Dozenten Wolfgang Zurborn gibt es keine Fotografie, die die Wirklichkeit objektiv abbildet und damit die “Wahrheit” sagt. Eine Fotografie sei auch immer eine persönliche Konstruktion der Welt – und somit eine Inszenierung. In der von ihm und Tina Schelhorn vor einem Jahr gegründeten Lichtblick School haben sich die 17 Teilnehmer seiner beiden sechsmonatigen Seminare “The Theatre of Real Life” auf die Suche nach ihrer eigenen fotografischen Wahrheit gemacht und die Ergebnisse nun in einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert.

Die Bandbreite reicht dabei von sehr persönlichen Erfahrungen, wie sie Bogi Bell während eines Krankenhaus-Aufenthaltes in düsteren und stark vignettierten Schwarzweißbildern festgehalten hat (”Agatha – a personal leg”) und geht bis zum scheinbar neutralen Architekturfotografen Wolfgang Sümmermann, der die mitunter absurde Ordnung eines Parkhauses interpretiert (”Kein Winterdienst”). Diese extrem gegensätzlichen Positionen veranschaulichen vielleicht am deutlichsten, wie frei der Seminartitel ausgelegt werden kann, ohne deshalb beliebig zu wirken. In der Ausstellung werden sie deshalb auch gemeinsam präsentiert, während die übrigen 15 Positionen die Bandbreite eher differenzieren.

Da wäre beispielsweise Peter Susewind mit seiner Serie “Zustände”, die als kleine, aber feine Wandinstallation aus Einzelbildern und Gegenüberstellungen hervorragend funktioniert: Der Wandverputzer behauptet sich neben dem verhüllten Motorrad und die Interieur-Aufnahme mit einem alten Fernseher gegen die Palme, die ein wenig an eine Trauerweide erinnert. Werner Mansholts “Senegal”-Serie lässt hingegen auf einen starken Einfluss durch Magnum-Fotograf Alex Webb schließen: Der Titel “Theatre of Real Life” trifft vielleicht auf niemanden so gut zu wie auf seine Aufnahmen, die tatsächlich wie Theaterfotografien wirken, nur, dass er eben keine Bühneninszenierung, sondern im westafrikanischen Alltag fotografiert hat.

Keine einheitliche Bildsprache hat die Serie “Esperanto” von Linn Phyllis Seeger – dafür aber eine klare Handschrift. Die poetisch-surrealen Aufnahmen stammen von Reisen durch ganz Europa, verlieren sich in Spiegelungen und finden sich in beiläufigen Entdeckungen wieder. Seegers Bilder wirken auf den ersten Blick wie Schnappschüsse, sind aber dennoch klar gestaltet. Mit gleich zwei Serien dabei ist zudem “The Sonic Blog”-Betreiber Peter Feldhaus: In seinem Langzeitprojekt “Ordentlich Studierende” stellt er Porträts von Studenten Interieuraufnahmen gegenüber, und in “Wilde Gärtner” geht es um das aktuelle Phänomen des “Urban Gardening” als Alternative zum deutschen Schrebergarten.

Weitere Fotografen der Ausstellung sind Eric Alexander, Marion M. Dittmer, Enrico Duddeck, Christine Fischer, Stefan Hammer, Susanne Heincke, Christian Kosfeld, Can Mileva Rastovic, Gottfried Scheel-Häfele, Michael Schoberth und Ortrun Stumpf. Die Ergebnisse sind noch bis zum 29. Januar in der Galerie Lichtblick, Steinbergerstraße 21, zu sehen.

Links: Lichtblick School

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Drei Fotografen, zwei Ausstellungen, ein Motiv

Gleich drei Künstler beschäftigen sich in zwei Ausstellungen mit Geschäftsläden und Schaufenstern und deren Außenwirkung. Trotz formalästhetischen wie inhaltlichen Parallelen gibt es natürlich auch große Unterschiede zu entdecken, so dass ein direkter Vergleich durchaus lohnt.

So hat Anna Malagrida Pariser Schaufenster fotografiert, die während Renovierungsarbeiten im Laden zu abstrakt-poetischen Leinwänden aus Glas werden. Die Bilder sind in der Galerie Figge von Rosen zu sehen. In der Galerie Kaune, Sudendorf widmet sich hingegen Immo Klink den Filialen großer Luxus-Modemarken kurz vor den 1. Mai-Krawalldemonstrationen in London, und Jacqueline Hassink hat die privaten Ankleideräume dieser Boutiquen fotografiert, die Normalsterbliche sonst nicht zu sehen bekommen.

Meinen vollständigen Artikel aus dem Ksta gibt es hier als PDF.

Links: Galerie Figge von Rosen, Galerie Kaune, Sudendorf

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