“Illuminance” von Rinko Kawauchi

Als ich die Bilder der Japanerin Rinko Kawauchi vor fünf Jahren das erste Mal in der Galerie Priska Pasquer gesehen habe, war ich sofort fasziniert von ihrer sehr eigenen Bildsprache und ihrem gefühlvollen Blick für die Alltäglichkeiten. In ihrer Heimat zählt sie zu den wichtigsten Fotografinnen und hat dort als völlig Unbekannte im Jahr 2001 drei Fotobücher gleichzeitig herausgebracht – das war selbst im Fotobuch-Land Japan etwas ganz Besonderes.

Nun ist ihr zwölftes Buch bei Aperture und im Kehrer Verlag und damit erstmals außerhalb Japans erschienen. “Illuminance” bietet dem Kawauchi-Fan zwar nicht viel Neues, aber trotzdem viel Gutes. Beim Betrachten des Buches habe ich jedenfalls gemerkt, dass viele Arbeiten Kawauchis tatsächlich besser im Buch als an der Wand funktionieren – ihr poetischer Blick und die direkten Gegenüberstellungen auf den Buchseiten wecken fast zwangsläufig Assoziationen.

Meine Besprechung aus der aktuellen Photonews gibt es hier.

Link: Kehrer Verlag

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Judith Joy Ross in der SK Stiftung Kultur

In der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur wurde am Freitag die Ausstellung der amerikanischen Porträtfotografin Judith Joy Ross eröffnet. In der Retrospektive werden fast 20 Serien gezeigt, an denen Ross seit 1982 gearbeitet hat.

Bemerkenswert sind neben ihrer konsequente Beschäftigung mit dem Individuum, das die direkte Auswirkung der Politik zu spüren bekommt, auch ihre anachronistischen Papierabzüge, die Kontakte der 8 mal 10 Inch-Negative sind. Ihre Nähe zu August Sander und Diane Arbus ist dabei nicht von der Hand zu weisen, gleichzeitig ist auch der Einfluss auf junge Fotografen wie beispielsweise Ted Partin erkennbar.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Februar 2012 zu sehen. Außerdem ist bei Schirmer/Mosel ein Katalog mit empfehlenswerten Texten erschienen.

Meine Besprechung, erschienen heute im Ksta, gibt es hier.

Link: SK Stiftung Kultur

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Fotofestival “The eye is a lonely hunter”

Die Städte Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg laden noch bis zum 6. November zum 4. Fotofestival ein. Der Titel lautet in diesem Jahr “The eye is a lonely hunter – Images of Humankind”, und das von Katerina Gregos und Solvej Helweg Ovesen kuratierte Festival umfasst fünf Gruppen- und zwei Einzelausstellungen sowie eine Außeninstallation mit insgesamt über 1000 Arbeiten von 56 Künstlern aus 32 Ländern – darunter auch bekannte Fotografen wie Beat Streuli, Rinko Kawauchi, Pieter Hugo, Tobias Zielony, Jacob Holdt, Roger Ballen, Boris Mikhailov, Taryn Simon, Otto Olaf Becker, Ryan McGinley und Edward Burtynsky.

Da das Festival quasi die Neuauflage und Fortführung der legendären “The Family of Man”-Ausstellung aus dem Jahr 1955 sein soll, ist die Künsterauswahl und -zusammensetzung sehr interessant und spannend. Denn im Gegensatz zu Edward Steichen damals geht es Gregors und Ovesen nicht darum, mit den Bildern auf die Gemeinsamkeiten aller Menschen hinzuweisen, sondern möglichst viele unterschiedliche Facetten des Menschseins zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufzuzeigen. Das haben sie insgesamt sehr schön gelöst. Dennoch gibt es auch Kritikpunkte am Festival als solches, das viel zu verstreut ist, als dass wirkliche Festivalstimmung aufkommen könnte.

Wer mag, kann sich meine ausführliche Besprechung, die heute im Artnet Magazin erschienen ist, durchlesen.

P.S. Im Kölner Stadt-Anzeiger ist zudem eine Kurzversion meines Textes erschienen.

Link: 4. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg

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Thomas Wiegand: “Deutschland im Fotobuch”

Ganz schön schwergewichtig kommt es daher, das neue Fotobuch über Fotobücher. Zu Recht, denn nach Martin Parrs und Gerry Badgers zweibändigen “The Photobook: A History” könnte das von Thomas Wiegand verfasste und von Manfred Heiting herausgegebene “Deutschland im Fotobuch” ebenfalls zum Klassiker unter den Nachschlagewerken und Bestellkatalogen für Fotobuch-Sammler avancieren. Das Zeug dazu hat der 492 Seiten starke Wälzer, der insgesamt 273 Bücher auflistet, diese bespricht und Faksimiles der Originalseiten abbildet, jedenfalls schon jetzt.

Zwar beinhaltet “Deutschland im Fotobuch” (erschienen bei Steidl, 75 Euro), wie der Name vermuten lässt, nur Fotobücher, die sich in irgendeiner Weise mit dem Thema Deutschland beschäftigen – das macht es allerdings sehr umfassend, so dass das Buch in zahlreichen Kapiteln wie Landschaften, Städte, Menschen, Arbeit, Architektur, Zeitgeschehen und Grenzen aufgeteilt wurde. Selbstverständlich kommen viele bekannte Fotografen und Bücher wie “Café Lehmitz” von Anders Petersen, “Antlitz der Zeit” von August Sander, “Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes” von Bernd und Hilla Becher und “Agrarlandschaften” von Heinrich Riebesehl darin vor.

Aber ich habe auch viel Spannendes und für mich Neues entdeckt – beispielsweise “Der ’statistische’ Mensch” von Hubert Troost, “Reichsautobahn” von Erna Lendvai-Dircksen und “Bundeskanzleramt” von Charles Wilp. Sehr gut gefallen hat mir auch das Kapitel “Typisch deutsch”, in dem “Die Deutschen” von René Burri natürlich nicht fehlen darf, das aber auch Überraschungen wie “The German Soul” von Enver Hirsch und “Schönes Wochenende” von Hartmut Mirbach im New Topographic-Stil bereithält. Ich persönlich habe mich natürlich am meisten darüber gefreut, dass auch “Paare: Menschenbilder aus der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn der siebziger Jahre” von Beate Rose vorgestellt wird – Nadine und mich motiviert das zusätzlich, unsere Hommage und Fortführung des Projektes weiter voranzutreiben.

Bemerkenswert finde ich übrigens, dass Wiegand und Heiting in ihrer Einleitung die Kriterien, nach denen sie Fotobücher beurteilen, klar offengelegt haben. Dazu gehören Beispielsweise der innovative Charakter, die historische Bedeutung, der Stellenwert im Oeuvre des Fotografen sowie der Druck und die Ausstattung eines Buches. Dies ermöglicht auch den interessierten Laien Entscheidungen nachzuvollziehen – und in Zukunft selbst welche zu treffen.

Link: Steidl

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Zum Tod von Bernhard Johannes Blume

Bernhard Johannes Blume ist tot. Er ist am Donnerstag in seiner Wahlheimat Köln im Alter von fast 74 Jahren gestorben – und mit ihm ein Pionier der inszenierten Fotografie in Deutschland. Jahrzehntelang haben er und seine Frau Anna Blume in ihren narrativen Sequenzen über sich selbst und die gesellschaftlichen Konventionen gelacht. In ihren Bildern gerät der ordentliche deutsche Alltag ins Taumeln – sie sind eine augenzwinkernde Rebellion gegen die eigene Herkunft und die „ganze verklemmte, unfreie, autoritäre Situation in unserer Kindheit und Jugend im Nachkriegsdeutschland“, wie Bernhard Blume selbst einmal erklärte.

Meinen Nachruf aus dem heutigen Kölner Stadt-Anzeiger findet ihr hier.

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