Thomas Baumgärtel und die Spraybanane

Die gelbe Spraybanane ist längst zum Markenzeichen von Thomas Baumgärtel geworden – schließlich hat er sie bereits zwischen 4000 und 5000 Mal an die Wände von Galerien und Museen auf der ganzen Welt gesprüht und diese somit auf seine ganz spezielle Art als besondere Kultureinrichtungen “geadelt”.

In diesem Jahr wird die Spraybanana 25 Jahre alt – 1986 hat Baumgärtel die ersten im Belgischen Viertel in Köln gesprüht. Grund genug, ihn einmal für die Prinz-Serie “Hausbesuch” in seinem Atelier zu besuchen

Den Artikel gibt es hier als PDF (2,6 MB).

Link: Bananensprayer

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“Slinky Springs to Fame” in Oberhausen

Tobias Rehberger ist zwar kein Fotograf, aber einer der wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart. In Oberhausen hat er eine Brücke über den Rhein-Herne-Kanal gebaut. Der Kanal ist 60 Meter breit, seine Brücke aber über 400 Meter lang. Warum? Weil sie sich Zeit lässt – und das ist auch gut so.

Ich bin in den Kaisergarten nach Oberhausen gefahren und habe mich dort umgeschaut. Die Bilder meiner Entdeckungen seht ihr unten. Wenn ihr wissen wollt, was ich über die Brücke denke, könnt ihr es bei Artnet und im Ksta nachlesen.

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Mit dem Paareprojekt auf der Süd-Tour

Für Nadine und mich startet heute die Süd-Tour unseres Paareprojektes. Wir fotografien morgen in Wiesbaum in der Eifel und danach in Bruchsal bei Karlsruhe, in Landshut und in Andechs. Einige lokale Zeitungen wie der Trierischer Volksfreund, die Landshuter Zeitung und der Starnberger Merkur haben bereits zugesagt, uns bei den Shootings zu besuchen. In Landshut kommt zudem unser Freund Stefan Ditner hinzu, um uns zu filmen, sowie Kathy Ziegler von DRadio Wissen, die ja auch schon in Dortmund und Hamburg dabei war. Außerdem hat die Journalistin und Filmemacherin Ellen Rudnitzki ihr Kommen für Wiesbaum angekündigt. Es wird also wieder eine spannende und abwechslungsreiche Tour, auf die wir uns sehr freuen. Wer mag, kann uns dabei auf unserem Blog, bei Twitter oder Facebook begleiten.

Für damianzimmermann.de bedeutet dies aber auch, dass ich in den nächsten zwei, drei Wochen wenig online stellen kann – es stehen noch ein paar Texte aus, aber Arbeit und Vorbereitungsstress haben es leider nicht zugelassen, viel für den Stehsatz produzieren zu können. Ab August wird das dann aber wieder anders – versprochen!

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“Power” von Platon Antoniou

Fünf Tage lang konnte Platon Antoniou während der UN-Vollversammlung im Jahr 2009 die Staatschefs aus aller Welt für “The New Yorker” fotografieren. Er hatte sich mit seinem Mini-Studio direkt hinter dem Vorhang aufgebaut und fing dort die Präsidenten und Premierminister, Diktatoren und Revolutionsführer auf dem Weg zur und von der Bühne ab. Viele machten dann auch mit, hatten aber nicht viel Zeit: Meist musste der 1968 geborene Platon, wie er kurz genannt wird, seine Fotos in wenigen Minuten schießen – manchmal hatte er sogar nur ein paar Sekunden. Im Schirmer/Mosel Verlag sind diese Porträts nun in dem Buch “Power” zusammengefasst (192 Seiten, 29,80 Euro).

Nach Nicolas Sarkozy und Angela Merkel sucht man darin leider vergeblich – aus Zeitmangel (oder Interesse) bekam Platon sie nicht vor die Kamera. Andere haben sich hingegen weniger geziert – Silvio Berlusconi beispielsweise. Der grinst auf seinem Foto mal wieder so selbstgefällig und diabolisch als würde er quasi darum bitten, ihm ein Marmor-Modell des Mailänder Doms ins Gesicht zu rammen (was drei Monate später dann ja tatsächlich passiert ist). Und Wladimir Putin, dessen Porträt übrigens als einziges bereits ein Jahr zuvor in Moskau entstanden ist, hat einen so eiskalten KGB-Killer-Blick drauf, dass ich davon fast eine Gänsehaut bekomme. An Absurdität kaum zu übertreffen ist auch das Foto von Muammar al-Gaddafi, der “wie von einem Barhocker in ‘Star Wars’ geholt” aussieht, wie David Remnick in seinem Vorwort schreibt. Sehr schön ist auch der Beginn des Buches: Nicht Barack Obama ist dort zu sehen – sondern Wen Jiabao, der den Betrachter zufrieden anlächelt wie ein Sparkassenangestellter aus Bergisch Gladbach.

Was mich stört, ist jedoch der sehr unterschiedliche Umgang mit den einzelnen Politikern. Auf den meisten Bildern sind nur die Köpfe zu sehen, aber manche sind an der Stirn angeschnitten, andere nicht. Außerdem gibt es einige Staatschefs, die in der amerikanischen Einstellung fotografiert wurden – Gaddafi zum Beispiel, aber auch Abdelaziz Bouteflika aus Algerien, der völlig steif und in einem schlecht sitzenden Anzug steckend, mit geballten Fäusten und einem unsicheren Lächeln vor der Kamera steht. Außerdem wechseln Farb- und Schwarzweiß-Aufnahmen sowie weiße, schwarze sowie blaue Hintergründe mit starken (nachträglich eingebauten) Vignettierungen ab.

Vielleicht sehe ich das durch die Arbeit an meinem eigenen Paareprojekt etwas zu dogmatisch, aber ich finde, dass die “demokratische” Behandlung der Staatschefs, die Platon ja selbst suggeriert, leider bewusst ignoriert wird. Der Fotograf greift mit den Mitteln der Gestaltung deutlich ein, arbeitet mit Klischees und Mythen. Das einzig Demokratische an diesem Buch ist, dass sie alle, egal ob gut oder böse, harmlos oder bedrohlich, sympathisch oder angsteinflößend darin vereint sind. Aber das schaffen Telefonbücher auch.

Vor allem aber gilt dies auch für Richard Avedon und seine Serie “The Family” aus dem Jahr 1976, die sich als Referenz ja geradezu aufdrängt: Avedon hatte damals die politische, finanzielle und intellektuelle Elite der USA (u.a. Henry Kissinger, Jimmy Carter, Gerald Ford, Ronald Reagan, George Bush und Donald Rumsfeld) fotografiert – wie immer vor weißem Hintergrund, dieses Mal jedoch mit sehr wenig Regie und alle in der gleichen amerikanischen Einstellung. Vielleicht will Platon sich bewusst von Avedon distanzieren – für klug würde ich dies jedoch nicht halten. Denn wie sehr würden sich Barack Obama, Mahmud Ahmadinedschad und beispielsweise Bingu Wa Mutharika aus Malawi unterscheiden, wenn sie tatäschlich unter den gleichen Bedinungen fotografiert worden wären?

Bei Benjamin Netanjahu und Mahmud Abbas hat Platon es ja sogar gemacht und beide fotografisch exakt gleich behandelt. Im Buch befinden sie sich zudem direkt nebeneinander: Links der straighte und selbstsichere Hardliner Netanjahu: Er wirkt nicht unfreundlich, aber auch nicht so, als würde er sich auch nur einen Zentimeter bewegen wollen. Und rechts dann Abbas: Mit seinem etwas unsicheren und fast skeptischen Lächeln, dem etwas kleineren Auge rechts, dem optischen Versprung durch die Brille am linken Auge und der minimal schrägen Kopfhaltung wirkt er skeptisch und mitgenommen, fast enttäuscht. Es macht deutlich mehr Freude, diese kleinen, subtilen Unterschiede zu entdecken anstatt sie direkt vorgesetzt zu bekommen.

Link: Schirmer/Mosel, Platon

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Buchbeitrag zum “Kultur & Schule”-Projekt

Gestern habe ich meine Belegexemplare von “Schule. Künstler. Kunstpädagogen.” erhalten. Darin befindet sich ein Beitrag, den Anna-Maria Loffredo und ich über unser gemeinsames Fotografieprojekt im Rahmen des Landesprogramms “Kultur & Schule” am Gymnasium Kerpen verfasst haben. Neben der Vermittlung eines technischen und fotogestalterischen Basiswissens sollten die Schüler Gruppenselbstporträts entwickeln und sich dabei an verschiedenen Berufsgruppen orientieren. Das Buch ist im Athena-Verlag in der Reihe “Artificium – Schriften zu Kunst und Kunstvermittlung” erschienen, hat 192 Seiten und kostet 19,50 Euro.

Im nächsten Schuljahr werden Anna-Maria und ich übrigens erneut gemeinsam am Landesprogramm teilnehmen, worauf ich mich schon sehr freue – die Zusammenarbeit mit Schülern, zumal es sich erneut um einen Kunst-LK handelt, finde ich sehr motivierend und inspirierend. Am Kölner Gymnasium Kreuzgasse werde ich ebenfalls ein “Kultur & Schule”-Projekt mit Viola Kügler umsetzen.

Link: Athena, Anna-Maria Loffredo

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Thomas Struth und das Queen-Porträt

Die Nachricht erreichte mich über den Presseverteiler des Schirmer/Mosel-Verlages: Thomas Struth hat das offizielle Porträt von Queen Elisabeth II. zum 60. Jahrestag ihrer Thronbesteigung 2012 fotografiert. Das kommt einem Ritterschlag gleich – vor allem aber ist es eine große Bereicherung für seine Werkgruppe der Familienporträts – schließlich hat er die Queen gemeinsam mit ihrem Mann, Prinz Philip, auf Schloss Windsor abgelichtet.

Meinen Artikel, der als Struth-Porträt angelegt und im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen ist, gibt es hier als PDF.

Link: Schirmer/Mosel

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“World Press Photo” on Tour

Der World Press Photo Award gilt als weltweit größter Wettbewerb für Pressefotografie und wird seit 1955 verliehen. Viele „Pressefotos des Jahres“ werden durch die Auszeichnung zu Ikonen der Fotografie – so wie beispielsweise die Aufnahme von Malcolm W. Browne, die einen vietnamesischen Mönch zeigt, der sich selbst verbrannt hat, das Bild Eddie Adams‘ vom südvietnamesische Polizeichef, der ein Vietcong-Mitglied auf offener Straße durch einen Kopfschuss hinrichtet, oder das Bild von Charlie Cole, das einen Unbekannten zeigt, der sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens einer Gruppe von Kampfpanzern entgegenstellt.

Das Siegerbild des World Press Photo Awards 2010 kann bereits jetzt ebenfalls als Ikone bezeichnet werden, obwohl es zugleich auch eines der grausigsten Bilder ist: Es stammt von Jodie Bieber und zeigt die junge Afghanin Aisha, der die Nase abgeschnitten wurde. Es ist Teil einer Wanderausstellung, in der es zusammen mit 176 weiteren Fotografien aus insgesamt neun Kategorien zu sehen sein wird.

Ich hatte die Gelegenheit, mir die Ausstellung bereits im Mai bei Gruner+Jahr in Hamburg anzuschauen. Schwerpunkte sind dabei das Erdbeeben in Haiti, aber auch die bewaffneten Konflikte in Mexiko – darunter gibt es eine auf den ersten Blick poetische Serie mit Landschaftsaufnahmen von Fernando Brito – nur, dass in diesen Landschaften ein oder mehrere Leichen liegen. Im Grunde bekommt der Besucher in der Ausstellung die Bilder zu sehen, die Zeitungen sich sonst nur selten abzudrucken wagen. Es sind Bilder voller Gewalt und Elend und mit teilweise schrecklich zugerichteten Leichen. Aber es gibt auch Porträts, Sport-, Landschafts-, Natur- und klassische Reportageaufnahmen mit viel Humor. Sehr gut gefallen hat mir beispielsweise die knallbunte Serie über weibliche Wrestlerinnen in Bolivien von Daniele Tamagni.

Ausgestellt werden die Bilder in sieben Bahnhöfen der Deutschen Bahn. Die Stationen sind München (bis 11. Juli), Mannheim (15. bis 25. Juli), Stuttgart (29. Juli bis 8. August), Köln (19. bis 29. August), Halle (2. bis 12. September), Braunschweig (16. bis 26. September) und Berlin-Friedrichstraße (14. bis 24. Oktober). Da viele Bilder sehr schockierend sind, sind diese im Inneren der Ausstellung zu sehen, während die Porträts und Naturaufnahmen außen hängen. Der Eintritt ist frei.

Links: World Press Photo

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“Life in Photographs” von Linda McCartney

Vielleicht hatte Linda McCartney, die als Linda Eastman 1941 in New York geboren wurde, eine ähnliche Karriere vor sich wie Annie Leibovitz. Mit ihren Bilder der Rolling Stones, die sie 1966 auf einer Yacht fotografierte, wurde sie jedenfalls schlagartig bekannt und hatte eine vielversprechende Karriere als Musiker-Fotografin vor sich. Ein Jahr später lernte sie jedoch bei einem Shooting mit den Beatles Paul McCartney kennen – und lieben. Sie heirateten und bekamen drei gemeinsame Kinder. Zwar fotografierte sie bis zu ihrem frühen Tod 1998 weiter, doch mit ihrer künstlerischen Karriere war es im Grunde vorbei – oder wer hat schon konkrete Bilder vor Augen, wenn er an Linda McCartney denkt?

Im Taschen Verlag ist nun das Fotobuch “Life in Photographs” (280 Seiten, 49,99 Euro) erschienen, das dies ändern möchte – und es auch schafft. Entstanden ist eine Art übergroßes Tagebuch, in dem die Bilder mehr oder weniger chronologisch erscheinen – von den ersten bereits erwähnten Aufnahmen der Stones 1966 bis zu einem bewegenden Selbstporträt, das sie 1997 im Atelier von Francis Bacon aufgenommen hat. Dort ist sie als schemenhafte Figur in einer zerbrochenen Spiegelwand zu sehen. Im Vordergrund steht ein leeres Sofa, rechts die Totenmaske des englischen Dichters William Blake, die bereits Lindas eigenen Tod wenige Monate später vorweg nimmt.

Zwischen diesen beiden Aufnahmen erstreckt sich eine Retrospektive, die aus dem rund 200.000 Fotografien umfassenden Archiv und in enger Zusammenarbeit mit Paul McCartney und ihren Kindern ausgewählt wurde. Allerdings ist die Auswahl so heterogen wie ihr gesamtes Œuvre: Starporträts folgen auf private Familienbilder, Schnappschüsse auf Stillleben und Surreales auf Belangloses – wobei vor allem die späten Fotos von Schauspielern wie Dustin Hoffman, Johnny Depp, Steve McQueen und Ali McGraw fast erschreckend banal wirken.

Großartig sind hingegen ihre fast schon surrealen Landschaften und privaten Entdeckungen: Da balanciert Paul im Morgenmantel auf einem Zaun während Tochter Stella am Boden kauert und Sohn James gerade vom Auto springt. Auf mich wirkt die Aufnahme, als wäre sie direkt aus Kamaitachi von Eikoh Hosoe entliehen. Gerne hat sie auch ihre Pferde fotografiert, die mal als Turngerät auf der Weide oder als deplatziertes Möbelstück im Wohnzimmer herhalten müssen.

Grundsätzlich muss ich für mich feststellen, dass das Buch erst dann wirklich gut wird, wenn die Beatles und andere Starmusiker nicht mehr oder nur noch selten auftauchen und der Starkult um Paul McCartney und die Gruppe nachlässt. Dann aber bekommt der Betrachter intime und emotionale, surreale und lustige, verträumte und melancholische (Innen-)Ansichten von einer sehr privaten Linda McCartney zu sehen.

Links: Taschen

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