Paare gesucht in Dortmund und Hamburg!

In zwei Wochen starten Nadine und ich mit unserer Nordtour für das Paareprojekt – und wir brauchen noch dringend Paare in Dortmund am 12. Mai und in Hamburg am 22. Mai. Bitte leitet diesen Aufruf an alle weiter, die sich vielleicht fotografieren lassen würden!

Vielen Dank

Damian

Geschrieben in Paareprojekt | Keine Kommentare

Die Sardinienbilder von August Sander

August Sander ist vor allem für sein Porträtwerk “Menschen des 20. Jahrhunderts” und das daraus resultierende Buch “Antlitz der Zeit” bekannt und gilt als typischer Vertreter der “Neuen Sachlichkeit” in der Fotografie. Im Jahr 1927, als er sich bereits auf dem Zenit seines Schaffens befand, unternahm er seine einzige mehrwöchige Auslandsreise: Gemeinsam mit seinem Freund, dem Schriftsteller Ludwig Mathar, fuhr er für gut einen Monat nach Sardinien. Die Aufnahmen, die er dort von Menschen und ihren Lebensverhältnissen, Bauwerken und der Landschaft gemacht hat, gelten bis heute als eine der bedeutendsten fotografischen Dokumentationen der Insel – sie zeigen ein vormodernes Leben, das es so nicht mehr gibt.

Gleichzeitig liefern sie einen ungewohnten Blick auf Sanders Œuvre, denn es scheint, als habe der Formalist alle Überzeugungen und Konzepte über Bord geworfen. Seine typischen Porträts, Landschafts- und Architekturaufnahmen ergänzt er um Alltagsszenen, die mich in ihrer Präzision ein wenig an die alten Japan-Fotografien von Kimbei Kusakabe oder Felice Beato erinnern – nur, dass Sander alles tatsächlich vorfand, während Kusakabe und Beato längst vergangene Zeiten (teilweise im Studio) nachstellten. Bei Sander sehen die Weberin und die Magd am Brunnen hingegen aus, als hätte sie Jan Vermeer gemalt, während seine Architekturaufnahmen dramatisch-expressiv und sogar kubistisch wirken, allen voran die Treppe, die er in Cagliari vorfand.

Dort hat er auch die Kirche der heiligen Anna fotografiert – strikt von vorne, aber mit einem extrem harten Schlagschatten von rechts. Der zerschneidet das Bild regelrecht und ist gleichzeitig ein Gegenpol zum linken und einzigen Kirchturm – der rechte war damals noch gar nicht gebaut. Für mich ist dies eine der eindrucksvollsten Aufnahmen in der an eindrucksvollen Aufnahmen nicht gerade armen Ausstellung. Offensichtlich hat Sander auch selbst gewusst, wie wichtig seine Serie ist: Die Sardinienbilder hat er mit als Erstes vor den Bombardierungen in Köln während des Zweiten Weltkrieges in den Westerwald gerettet.

In der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur sind nun 150 dieser seltenen Aufnahmen zu sehen – flankiert von Italienbildern von Ruth Hallensleben aus dem Jahr 1952 sowie historischen Reisefotografien von u.a. Henri Béchard, Francis Frith, Pascal Sébah und Félix Bonfils, die zwischen 1850 und 1890 entstanden sind. Die Ausstellung läuft bis zum 21. August 2011.

Im Verlag Schirmer/Mosel ist zudem ein Band mit allen rund 300 Sardinienaufnahmen von Sander erschienen. Das Buch hat 288 Seiten und kostet 49,80 Euro. Außerdem gibt es einen 26-minütigen Dokumentarfilm von Reiner Holzemer: “August Sander – Eine Reise nach Sardinien” zeigt auf den Spuren von Sanders Reiseroute seine Fotografien, das Leben der Sarden und das Charakteristische der Insel Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Film wird am 11. Mai um 20 Uhr im Komed, Im Mediapark 7, aufgeführt. Der Eintritt ist frei. Auf Arte ist der Film am 26. Juni zu sehen.

Links: SK Stiftung Kultur

Geschrieben in Ausstellungen | 1 Kommentar

“Brasilia” von René Burri

Das Buch beginnt mit dem Blick durch die Windschutzscheibe auf eine wolkenverhangene Straße in einer kargen Landschaft. Ein Auto und ein Lkw fahren vorweg, gleichzeitig kommt dem Betrachter ein Flugzeug im Tiefflug entgegen, als wolle es auf der Straße landen. Es könnte aber auch gerade erst starten, also den Ort verlassen, dem der Fotograf gerade entgegenfährt. Es steckt viel Aufbruchsstimmung in diesem Bild. Aber auch Größenwahn, denn es macht deutlich, wo man sich gerade befindet: Mitten im Nirgendwo.

Das letzte Bild im Buch ist von ähnlichem Symbolcharakter: Es zeigt wieder eine Straße in einer kargen Landschaft, allerdings stehen links und rechts bereits große Häuserblöcke in Reih und Glied. Im Vordergrund hockt ein Mann, vermutlich ein Arbeiter, ungeschützt in der prallen Sonne auf einem erhöht liegenden Betonfußboden. Ob er arbeitet oder eine Pause macht, weiß man nicht so recht, aber es wirkt, als throne er über der Stadt, die er gerade mit seinen eigenen Händen baut.

Zwischen diesen beiden Aufnahmen wird nichts Geringeres als die Entstehungsgeschichte einer ganzen Stadt erzählt: Der Schweizer Magnum-Fotograf René Burri dokumentierte die aus dem Boden gestampfte Hauptstadt Brasiliens von 1958 bis 1997. Immer wieder ist er zurückgekehrt, hat erst ihren Aufbau und ihre Einweihung am 21. April 1960, später dann das Alltagsleben festgehalten. In dem Buch “Brasilia”, das im Verlag Scheidegger & Spiess (224 Seiten, 77 Euro) erschienen ist, sind nun 104 Farb- sowie 118 Schwarzweißaufnahmen zusammengefasst. Es zeigt die ungeheuren Anstrengungen und die Aufbruchsstimmung der damaligen Zeit sowie die visionären Dimensionen Brasilias: Der Betrachter sieht, wie eine Utopie verwirklicht wird, er sieht die Stadt fernab jeglicher Zivilisation wachsen, Architekten und Arbeiter, Schlamm und Beton, öde Landschaft und visionäre Gebäude. Burri richtet den Blick genauso auf die Architektur wie auf den Menschen, er zeigt Arbeiter, die wie geplättet im Schatten eines Baggerauslegers liegen, und das berühmte Kongressgebäude mit seiner Kuppel und zahlreichen Menschen davor – allerdings so schräg fotografiert, als würde das Haus gleich umkippen und die Passanten rechts aus dem Bild purzeln.

Vor allem zeigt Burri den Wahnsinn und die Ambivalenz, die hinter diesem Bauprojekt stecken und die ihresgleichen suchen. Zu meinen Lieblingsbildern gehört dann auch die Aufnahme eines am Bau beteiligten Arbeiters mit seiner Frau und den vier Kindern, die unter den eleganten Bögen des Palácio do Planalto stehen: Sie haben sich schick gemacht, sind alle im festlichen Weiß erschienen, denn der Ehemann und Vater präsentiert seiner Familie das Resultat seiner jahrelangen, harten Arbeit. Die sechs Personen fügen sich in das Bild ein und sind gleichzeitig Fremdkörper, wirken erhaben und winzig klein, deplatziert und zugehörig zugleich. Vor allem wirken sie wie Menschen, die stolz sind auf das, was sie geleistet haben, und die zugleich vom Ergebnis vollkommen fasziniert sind. Kein Wunder, denn wer kann schon von sich behaupten, eine ganze Hauptstadt mit aufgebaut zu haben?

Links: Scheidegger & Spiess

Geschrieben in Fotobücher | Keine Kommentare

Paareprojekt: Im Mai unterwegs

Im Mai geht es endlich los für uns: Wir starten unser Paareprojekt mit der Nord-Tour. Unsere Stationen werden sein:

Donnerstag, 12. Mai: Dortmund

Sonntag, 15. Mai: Sellstedt bei Bremerhaven

Mittwoch, 18. Mai: Sylt

Sonntag, 22. Mai: Hamburg

Jeder, der sich fotografien lassen möchte, ist willkommen und bekommt zum Dank einen Abzug von uns. Das einzige Kriterium zur Teilnahme: Ihr müsst euren Wohnsitz in Deutschland haben. Also bitte sendet diesen Aufruf auch an alle weiter, die vielleicht Lust haben könnten: Eltern und Großeltern, Freunde und Arbeitskollegen. Wer mehr Infos möchte, schaut bitte auf unseren Blog: www.paareprojekt.de

Wir freuen uns auf euch!

Damian & Nadine

Geschrieben in Paareprojekt | Keine Kommentare

Martina Sauter bei Marion Scharmann

Die 1974 geborene Martina Sauter zeigt in der Galerie Marion Scharmann neue Arbeiten. Besonders ist dabei ihr Vorgehen: Die Meisterschülerin von Thomas Ruff an der Kunstakademie in Düsseldorf nutzt meist zwei Fotografien, die sie trotz ihrer sehr klassischen Präsentation auf Dibond oder im gerahmten Passepartout übereinander legt.

Meine Besprechung, die heute im Ksta erschienen ist, findet ihr hier.

Link: Galerie Marion Scharmann

Geschrieben in Ausstellungen | Keine Kommentare

Most Popular Tags