Deutscher Fotobuchpreis 2011

Während ihrer Tour hat die Wanderausstellung Deutscher Fotobuchpreis 2011 im Kölner Forum für Fotografie einen Halt eingelegt. Zu sehen sind die 20 mit “Gold” und “Silber” ausgezeichneten Bücher sowie die zahlreichen Nominierungen aus den Kategorien “Fotobildbände”, “Fototheorie” und “Fotolehrbuch” – darunter auch einige Fotobücher, die ich bereits auf meinem Blog oder im Kölner Stadt-Anzeiger vorgestellt habe: “Gold” haben beispielsweise Black Passport – Journal eines Kriegsfotografen, Yangtze – The Long River und Tropical Gift: The Business of Oil and Gas in Nigeria erhalten, “Silber”  unter anderem Recollection und Tokyo Compression.

Aber natürlich sind noch zahlreiche weitere großartige Bücher vertreten wie zum Beispiel “Latitude Zero” von Monique Stauder und “Oil” von Edward Burtynsky. Außerdem habe ich drei sehr schöne Neuentdeckungen gemacht. Da wäre zum einen das sehr schön gestaltete und mit sehr straighten Porträts und Landschaftsaufnahmen bebilderte “East of a New Eden” von Yann Mingard und Alban Kakulya über die neue Ostgrenze der EU von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Sehr gut gefallen hat mir auch das ironische “Fluffy Clouds” von Jürgen Nefzger: Es zeigt mehr oder weniger idyllische Landschaften in Europa – allerdings mit eingebauten Bildstörungen, denn im Hintergrund sind immer auch Kühltürme und Kernreaktoren zu sehen, die das romantische Bild zerstören.

Meine persönliche Neuentdeckung Nummer Drei ist außerdem “Die letzten Jäger der Arktis” des isländischen Fotografen Ragnar Axelsson. Bereits der Anfang mit den Farbfotos ist sehr gut, mir persönlich aber ein wenig zu bunt und glatt. Der zweite Teil mit den Schwarz-Weiß-Aufnahmen hat mich dann aber fast von den Socken gehauen. Das hat nichts mehr von irgendeiner gefälligen Reportagefotografie für den Massengeschmack einer Geo-Leserschaft. Axelsson zeigt den Alltag der Inuit auf Grönland und ihre Jagd auf Wale, Seehunde und Robben bei minus 40 Grad – und das ist selten idyllisch. Auf YouTube gibt es dazu auch eine beeindruckende Diashow.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. März in Köln und danach in Friedrichshafen, Brüssel, Dornbirn, Karlsruhe, Hamburg, Frankfurt und sogar in Jakarta und in Manila zu sehen.

Links: Deutscher Fotobuchpreis, Forum für Fotografie

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Andy Warhol und Josef Schulz in Köln

In einem gemeinsamen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger habe ich zwei Ausstellungen besprochen, die zurzeit in Köln zu sehen sind: Die Galerie Priska Pasquer zeigt Polaroids, die Andy Warhol mit einer so genanten “Big Shot” aufgenommen hat, und die Galerie Fiebach, Minninger präsentiert von Josef Schulz veränderte Reklameschilder.

Meinen Text findet ihr hier als PDF.

Links: Galerie Priska Pasquer, Galerie Fiebach, Minninger

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“Brut” von Paul Kranzler

Das neue Buch “Brut” des Österreichers Paul Kranzler ist eine Art Familienalbum, denn es zeigt sein sehr persönliches und direktes Umfeld. “Man wird so wie man ist in seiner Umgebung. Verwandte sind Bestandteil der genetischen Umgebung, und Unverwandte, die zu Verwandten werden, sind überhaupt die nächste Umgebung”, sagt Kranzler selbst. Dementsprechend wimmelt es nur so von Bildern, auf denen seine Onkeln, Tanten und Großeltern, Geschwistern und Cousins, Vater und Mutter, Freunde und Nachbarn zu sehen sind. Mal sind seine Aufnahmen streng dokumentarisch, dann wieder inszeniert; mal sind sie nüchtern, dann wieder lustig und emotional; mal sind sie etwas ganz besonders, dann wieder scheinbar gewöhnlich.

Ein wenig irritierend und trotzdem sehr gut sind die vier plötzlich auftauchenden Nacktaufnahmen (was mich ein wenig an Alec Soths “Niagara” erinnert): Zwei zeigen Melanie, die offensichtlich seine Freundin ist, die zwei anderen seinen Vater – einmal unter der privaten Höhensonne (sehr lustig), und einmal im begehbaren Kleiderschrank auf dem Boden sitzend und nur mit “Mutters Fuchspelz” bedeckt, während neben ihm der Korb mit den schmutzigen Socken liegt (sehr surreal). Zwischendurch gibt es immer wieder Dokumentarisches wie tote Motten auf Klebepapier, die alte Walther P38 von Onkel Edmund sowie sein absurdes Schlafzimmer, in dem die beiden Betten zwar direkt nebeneinander liegen, aber durch eine extra eingezogene Wand getrennt werden.

Das Buch selbst ist schlicht, aber gut gestaltet. Es gibt zwei begleitende Texte, die sich jedoch in einem separaten, 16-seitigen Booklet am Ende des Buches befinden: Das ist elegant und unaufdringlich gelöst, weil es den Ablauf der Bilder nicht stört – schließlich will ich bei einer CD auch nicht erst alle Credits hören, bevor die Musik startet.

Das Buch “Brut” ist bei Fotohof Edition erschienen. Es hat 144 Seiten und kostet 39 Euro.

Links: Fotohof Edition

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Herbert Hoffmann bei Susanne Zander

Im vergangenen Sommer ist mit Herbert Hoffmann einer der bekanntesten deutschen Tätowierer im Alter von 90 Jahren gestorben. Aber er war nicht nur eine lebende Legende seiner Zunft, sondern hat auch zahlreiche wunderbare Fotografien hinterlassen: In den 1950er bis 70er Jahren hat er Tätowierte mit seiner gebraucht gekauften Rolleiflex fotografiert – dabei ging es ihm nie um das einzelne Tattoo, sondern immer um den ganzen Menschen.

Einige seiner Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind noch bis zum 2. April in der Galerie Susanne Zander in Köln zu sehen. Meine ausführliche Besprechung könnt ihr außerdem bei Artnet nachlesen.

Link: Galerie Susanne Zander

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Thomas Böing bei Kudlek van der Grinten

Thomas Böing ist kein klassischer Fotograf, aber er arbeitet mit den Mitteln der Fotografie. Danach nimmt er sein Skalpell zur Hand und schneidet Fenster und Türen, Bilder und Tiere aus seinen Fotos heraus, rahmt sie und hängt sie an die Wand. Klingt simpel und ist es auch – aber es hat eine große Wirkung auf seine Arbeiten.

Wer mehr erfahren möchte, dem  möchte ich meinen Text aus dem Kölner Stadt-Anzeiger ans Herz legen. Außerdem ist im Kölner Salon Verlag unter dem Titel “Cut Out” eine Monografie mit Arbeiten von 2008 bis 2010 erschienen. Das Buch hat 84 Seiten und kostet 25 Euro.

Links: Kudlek van der Grinten Galerie, Salon Verlag

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“Zeitgeist & Glamour” in Düsseldorf

Nach Sternstunden des Glamour im Museum Ludwig wurde am Freitag die Ausstellung “Zeitgeist und Glamour” im NRW-Forum Düsseldorf eröffnet. Beabsichtigt war diese Parallelität nicht, ermöglicht dem interessierten Besucher jedoch, sich intensiver mit den Themen Starkult und Mode zu beschäftigen, denn “Zeitgeist und Glamour” setzt zeitlich da an, wo die Kölner Ausstellung aufhört: Gezeigt werden in Düsseldorf über 400 Fotografien aus der “Nicola Erni Collection”, die mehr oder weniger unter der Klammer des Jet-Sets der 1960er und 70er Jahre zusammengehalten werden.

Inhaltlich gehen die beiden Ausstellungen allerdings vollkommen andere Wege: Ruhig, sachlich und bescheiden punktet das Museum Ludwig mit den Schätzen aus seiner Fotografischen Sammlung, während das NRW-Forum fast ein wenig aufgeregt überwiegend B-Ware präsentiert – wenn auch aufwändig und sehr schön aufbereitet. Mit dabei sind unter anderem Arbeiten von Richard Avedon, David Bailey, Bert Stern, Jeanloup Sieff und Diane Arbus, Ron Galella, Edward Quinn, Milton Gendel, Fred W. McDarrah, Thomas Hoepker und Rudi Meisel. Wer mehr wissen möchte, kann sich meine ausführliche Besprechung, die heute bei artnet erschienen ist, hier durchlesen.

Außerdem ist im Prestel-Verlag ein sehr schön gestalteter, großformatiger Katalog (368 Seiten, 59 Euro) erschienen. Der ist ganz ähnlich wie die Ausstellung in die Orte, an denen die Szenen spielen, unterteilt: Côte d’Azur/St. Moritz, Paris, London, Rom und New York sowie in die Kapitel “Fashion” und “Faces”. Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, aber “gefühlt” gefällt mir der Katalog sogar besser als die Ausstellung – aber vielleicht ist das gesamte Thema ja auch einfach besser für ein Buch als für eine Ausstellung geeignet.

Links: NRW-Forum, Nicola Erni Collection, Prestel Verlag

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“Sternstunden des Glamour” in Köln

Nach “Meisterwerke aus der Fotografischen Sammlung” und “Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Japan und China” zeigt das Museum Ludwig in Köln erneut eine kleine, aber äußerst feine Auswahl aus seinem riesigen fotografischen Archiv. Thematisch geht es um die “Sternstunden des Glamour – Gesellschaftsbilder, Künstlerporträts und Modefotografien des 20. Jahrhunderts”, wobei die Fotos überwiegend aus der Sammlung L. Fritz Gruber stammen.

Der Fokus liegt auf der ersten Generation der führenden Mode- und Werbefotografen des 20. Jahrhunderts: Cecil Beaton, George Hoyningen-Huene und vor allem Horst P. Horst, von dem fast die Hälfte der 56 gezeigten Arbeiten stammen. Sie profitierten von der allgemeinen Medieneuphorie der 1920er Jahre mit der expandierenden illustrierten Presse und der Filmindustrie sowie von der Entwicklung der Modewelten, die nach dem Ersten Weltkrieg auch ein völlig neues Lebensgefühl entstehen ließ. Dass sie sich selbst mehr als Künstler denn als einfache Fotografen sahen, erklärt auch die suggestive und die Aufmerksamkeit auf sich ziehende Wirkung ihrer Bilder. Auffällig ist vor allem die dramatische Lichtsetzung und die meisterhafte Inszenierung: “Bei Horst P. Horst sieht alles nach Marmor aus – obwohl alles Pappe war”, sagt der Kurator der Ausstellung, Bodo von Dewitz.

Mit ihren Bildern haben Horst, Hoyningen-Huene und Beaton, der sich selbst als “fanatischen Ästheten” bezeichnete, Stars wie Marlene Dietrich, Audrey Hepburn oder die Jet-Set-Ikone Barbara Hutton weiter popularisiert – und das teilweise mit absurden Mitteln und surrealen Effekten wie die in Cellophanfolie eingewickelte Nancy Beaton, die auch das Ausstellungsplakat ziert. Entsprechend groß war ihr Einfluss auf die nächste Generation der Modefotografen wie Richard Avedon, Irving Penn und Angus McBean, von denen ebenfalls Arbeiten zu sehen sind – unter anderem Avedons ikonenhafte “Dovima mit Elefanten”, das erst im November für über eine Million Dollar versteigert wurde (allerding als deutlich größerer Abzug).

Die Ausstellung ist bis zum 4. September im Museum Ludwig zu sehen.

Links: Museum Ludwig

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