Fünf neue Fotobücher im Ksta

Kurz vor Weihnachten gibt es hier wieder fünf Fotobuchbesprechungen, die heute im Magazin vom Kölner Stadt-Anzeiger erschienen sind. Dieses Mal dabei: “Yangtze” von Nadav Kander, der drei Jahre lang dem 6380 Kilometer langen Jangtse von seiner Mündung im Ostchinesischen Meer bis zu seiner Quelle im Himalaya gefolgt ist, um die Folgen der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zu dokumentieren. John Gossage hat sich hingegen mit seinem direkten Wohnumfeld beschäftigt, als er am 12. September 2001 erfuhr, dass er in direkter Nachbarschaft zu Donald Rumsfeld, dem damaligen US-Verteidigungsminister, lebt.

Der Argentinier Gustavo Germano hat alte Familienfotos aus den 1960er und 70er Jahren nachfotografiert – nach Möglichkeit am gleichen Ort und mit den gleichen Menschen. Allerdings fehlen auf ihnen immer ein oder mehrere Personen – sie sind während der Diktatur der Militärjunta spurlos verschwunden. Zuletzt stelle ich das Buch “1979″ des in Deutschland lebenden persischen Fotografen Maziar Moradi vor. Er verarbeitet die Eindrücke, Ängste und Erlebnisse seiner Familie zur Zeit der islamischen Revolution und des Iran-Irak-Kriegs.

Darüber hinaus bespreche ich noch die “Foto:Box”. Der Text war eigentlich als eigenständige Rezension geplant, ist nun aber zusammen mit den anderen Texten erschienen.

Den gesamten Text gibt es hier als PDF .

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Neu erschienen: frame #3

Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) hat mit frame #3 ihr neues Jahrbuch veröffentlicht.  Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe sind die vier Dr.-Erich-Salomon-Preisträger Horst Faas (2005), Martin Parr (2006), Letizia Battaglia (2007) und Anders Petersen (2008) sowie die beständig wachsende Popularität des Mediums Fotobuch.

Letzterer beginnt mit der Laudatio, die F.C. Grundlach 2008 anlässlich der Kulturpreisverleihung an Sarah Moon und Robert Delpire gehalten hat, und geht weiter mit einem kurzweiligen Text von Andrea Holzherr über “Mr. Ordinary” alias Martin Parr und seine zahlreichen Fotobücher, die mit Ausnahme seiner Künstlerbücher auch alle einzeln vorgestellt werden.

Das Jahrbuch “Frame #3″ ist im Steidl-Verlag erschienen, hat 224 Seiten und kostet 18 Euro.

Links: Deutsche Gesellschaft für Photographie

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Google Self View

Ich habe gestern die neue Art der Selbstporträtfotografie für mich entdeckt: Google Street View. Gut – ich musste nun über zwei Jahre auf die “Kontaktbögen” warten und wirklich gut vorbereiten konnte ich mich auch nicht. Aber dafür habe ich beim Bildausschnitt quasi Panoramafreiheit. Dass ich auf dem letzten Bild in die Kamera schauend in der Nase popel ist natürlich etwas unvorteilhaft, sollte aber eigentlich nur meinen Protest zum Ausdruck bringen. Das nächste Mal hebe ich vielleicht einfach den Mittelfinger – das kann Google wenigstens nicht wegpixeln.

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Künsterporträts für das neue MOFF

Als im Sommer das neue und sehr ambitioniert betriebe “Magazin – Kölner Künstler im Gespräch” erschien, las ich im Vorwort von Stefanie Klingemann, dass für jede Ausgabe “andere in Köln lebende Künstler, Graphiker und Designer eingeladen würden, Layout, Cover, grafische Arbeiten, Fotoporträts und Editionen zu gestalten.” Ich fühlte mich angesprochen und schrieb Stefanie eine Mail. Ein paar Wochen später stand fest, dass ich für die zweite Ausgabe alle Künstlerporträts übernehme – natürlich “für lau”, was mich aber nicht störte, da dass gesamte Magazin ehrenamtlich betrieben wird. Dass der bekannte Kölner Grafikdesigner Otto Dietrich die Art Direktion sowie die Grafik der nächsten Ausgabe übernehmen sollte, freute und motivierte mich nur noch zusätzlich.

Am Freitag, 19. November, erscheint nun endlich die neue Ausgabe, die ab jetzt übrigens MOFF – Magazin der Kölner Off-Szene heißt. Mit dabei sind Gespräche und natürlich meine Fotos von Charlotte Desaga, Christiane Rasch, dem Künstlerduo Dan Dryer alias Jörg Koslowski & Astrid Piethan, David Ostrowksi, Dirk Vollenbroich, Eli Cortiñas, Kathrin Sehl, Patrick Rieve und Ralf Witthaus. Dass David Ostrowski auf dem Foto mal wieder nicht erkannt werden wollte (bei unserem gemeinsamen Besuch im Museum Ludwig für die Prinz-Serie “gesehen mit” trug er eine große Sonnenbrille), fand ich erst ein wenig anstregend, aber sobald ich sein Atelier betrat und seine aktuellen Arbeiten sah, war mir klar, dass wir für sein Bild eine sehr elegante Lösung finden würden. Und dass alle Bilder letztlich nur in Schwarzweiß gedruckt werden konnten, fand ich natürlich auch sehr einschränkend, aber ich muss beim ersten Blick auf das PDF sagen, dass es sogar Bilder gibt, die dadurch eher gewonnen haben. Aber – das mögt ihr vielleicht am besten selbst beurteilen.

“MOFF – Magazin der Kölner Off-Szene” liegt in Galerien, Ausstellungsräumen, Cafés und Bars kostenlos aus.

Links: MOFF, Otto Dietrich

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“Afropolis” im Rautenstrauch-Joest-Museum

Jahrelang mussten die Kölner auf ihr Völkerkundemuseum warten – nun wurde endlich das neue Rautenstrauch-Joest-Museum eröffnet. Auf mich macht die interaktive und multimedial angelegte Museumsarchitektur einen sehr spannenden Eindruck und ist weit vom üblichen “Tonscherben in Glasvitrinen”-Geschnarche entfernt. Gleichzeitig ist aber auch die erste Sonderausstellung “Afropolis”, die sich mit dem Thema Urbanität in den afrikanischen Metropolen Kairo, Lagos, Nairobi, Kinshasa und Johannesburg beschäftigt und die durch 30 künstlerische Positionen ergänzt wird, sehr gut gelungen. Wer mag, kann sich meine ausführliche Besprechung aus dem Ksta hier durchlesen.

Mein Hauptaugenmerk möchte ich in diesem Zusammenhang vor allem auf drei fotografischen Arbeiten richten, die ich in der Ausstellung entdeckt habe und die sich alle um die informellen Arrangements der Bevölkerung beschäftigen. Da wäre zum einen die Serie “Under Bridge Life” von Uche Opka-Iroha. Er hat die Ansiedlungen unter den Brücken und Hochstraßen, die in Lagos vorwiegend in den 1960er Jahren gebaut wurden, fotografiert – fast mystisch bricht sich die Sonne durch den schmalen Spalt zwischen den beiden Fahrbahnen auf die in der Dunkelheit lebenden Menschen, die meist nur verzerrt und verwackelt dargestellt werden.

Ebenfalls mit Licht spielt Cédrick Nzolo: Da in Kinshasa elektrischer Strom Mangelware ist, basteln sich viele Bewohner ihre eigenen Petroleumlampen, die den Verkaufsständen ein flackerndes, gelbes Licht geben. Nzolo hat das Thema durch nächtliche Langzeitbelichtungen festgehalten. Das wirkt zunächst ein wenig belanglos, weiß der Betrachter jedoch um die Umstände in Kinshasa, bekommen die Bilder plötzlich etwas im wahrsten Sinne des Wortes “erhellendes”.

Bereits seit 20 Jahren erkundet der in Berlin lebende Akinbode Akinbiyi mit seiner Mittelformatkamera die nigerianische Hauptstadt Lagos und hält die informellen Arrangements und Lebensformen fest, die die Metropole überhaupt erst zu konstituieren scheinen. Dabei entstehen dokumentarische bis poetische Schwarzweiß-Aufnahmen vom Alltag der Menschen und den von ihnen geschaffenen Strukturen. So hat Akinbiyi neben Hinweis- und Werbeschildern auch das Leben unter den bereits erwähnten Hochstraßen dokumentiert und präsentiert dem Betrachter mitunter eine ganz eigene, fast romantische, aber doch schnell bröckelnde Welt.

Links: Afropolis

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Kleiner Kunstkauf am Rande II

Ein bisschen verwunderlich ist es ja schon, dass Nadine und ich von Uwe Müller ausgerechnet ein streng inszeniertes Porträt kaufen – denn eigentlich ist der Meisterschüler von Arno Fischer ein klassischer Reportagefotograf.  Aber seine Version des Jan Vermeer-Bildes “Das Mädchen mit dem Perlenohrring” hat uns sofort von den Socken gerissen, als wir es das erste Mal in der Ausstellung “First Class” in der Fotoakademie-Koeln gesehen haben. Mal abgesehen davon, dass Müller das Bild mit einfachsten Mitteln nachstellt, schafft es sein Modell (das er übrigens spontan in einer Konditorei angesprochen hat) dem Mädchen mit diesem ganz besonderen Blick zwischen Neugierde und Schüchternheit, Nähe und Distanz eine ganz neue, moderne Rolle zuzuschreiben, ohne das Original jedoch zu verraten.

Fasziniert bin ich außerdem, dass vor allem der Stoff so weich aussieht wie gemalt, während das Ölgemälde von 1665 fast wie fotografiert wirkt. Insofern finde ich Uwe Müllers Bild eine perfekte Mischung aus Nachinszenierung und Neuinterpretation. Die andere, sehr bekannte Version im Rahmen der Verfilmung mit Scarlett Johansson wirkt hingegen eher platt und banal, weil es das Original ja nur kopiert – und das ja noch nicht einmal besonders gut.

Links: Uwe Müller, Fotoakademie-Koeln

Uwe Müller: "Das Mädchen mit dem Perlenohrring", 2009

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