Victor Burgin bei Thomas Zander

Unter die Rubrik “Klein, aber fein” fällt die Ausstellung “Dovedale” des bekannten Konzeptkünstlers Victor Burgin in der Galerie Thomas Zander. Neben einer Videoarbeit, in der Burgin das Gemälde „Dovedale im Mondlich“ von Joseph Wright of Derby aus dem Jahr 1785 “abfährt” und es so dekonstruiert und zugleich neue Landschaften kreiert, gibt es noch eine kleine Fotostrecke mit Schwarzweiß-Aufnahmen. Die entstanden an dem Ort, der in Wrights Gemälde dargestellt wird – allerdings mit einigen Unterschieden.

Hier der Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger.

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Entdeckungen auf der Art Cologne 2010

Zwar hat die Art Cologne – dem neuen Direktor Daniel Hug sei Dank – wieder zu ihrer alten Größe zurückgefunden – aus fotografischer Sicht konnte die “Mutter aller Kunstmessen” allerdings nicht sonderlich viel bieten. Ein paar Künstler, die mir während des Rundgangs aufgefallen sind, will ich an dieser Stelle dennoch erwähnen.

Neben den zusammengesetzten Architekturen und Landschaften von Andreas Gefeller (gesehen bei der Galerie Thomas Rehbein aus Köln) und Peter Bialobrzeskis “Paradise Now” in der Koje der L.A. Galerie von Lothar Albrecht (die ich ja just erst in Berlin gesehen habe), habe ich mich sehr über die Serie “One Sun” von Izima Kaoru bei Kudlek van der Grinten aus Köln gefreut. Seine Einzelausstellung im März habe ich leider verpasst und war deshalb sehr froh, wenigstens einen großen sowieso mehrere kleinere Abzüge seiner faszinierenden und einfach auch wunderschönen Langzeitbelichtungen vom Verlauf der Sonne während eines gesamten Tages anzuschauen! Ich liebe es, wie in seinen Bildern Form und Inhalt eine geradezu poetische Symbiose eingehen. Technisch höchst anspruchsvoll, versprühen die kreisrunden Abzüge hingegen Leichtigkeit und, ja: gute Laune!

Baff war ich hingehen bei den Arbeiten von Dorothee Golz am Stand der Wiener Galerie Charim. Sie kombiniert bekannte Köpfe aus Renaissance-Gemälden mit modernen Körpern. Zugegeben – das ist manchmal sehr nahe am Kitsch und leider wirkt es auch unentschlossen, wenn sie uns manche kunsthistorische Figuren gleich in mehrfachen Ausführungen präsentiert. Und dennoch: Einige Einzelbilder haben mich sehr überzeugt – z.B. der lässige “Dürer mit Freundin”, der wie ein rebellierender Kunststudent vor einer Graffiti-Wand lehnt. Und Golz’ sehr präzise komponierte Variante vom “Mädchen mit dem Perlenohrring”, das in einer Küche steht, fasziniert mich absolut. Bei diesem Bild merke ich am klarsten, was sie meint, wenn sie ihre Arbeiten “Digitale Gemälde” nennt.

Hängen geblieben bin ich auch am Stand von Neon Parc aus Melbourne. Die Galerie zeigte Arbeiten von Paul Knight, der Liebespaare im Bett fotografiert hat. Anschließend hat Knight den großen Papierabzug zweimal geschickt gefaltet, so dass die beiden Personen zu einer einzigen zusammenwachsen. Diese Figuren sehen grotesk und zärtlich zugleich aus und geben dem Gefühl des “Einswerden” eine ganz neue visuelle Ebene.

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Jochen Lempert im Museum Ludwig

Zwei Jahre lang hing eine wunderschöne Einladungskarte mit einem unscharfen und sehr grobkörnigen Storch an der Wand meiner alten Wohnung. Jetzt habe ich das Bild endlich auch in “groß” gesehen – und meine Begeisterung ist sofort zurückgekehrt. Der Hamburger Fotograf Jochen Lempert zeigt bis zum 13. Juni im Museum Ludwig rund 60 Arbeiten aus den letzten 15 Jahren. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung und der hohen ästhetischen Wirkung fasziniert mich auch das betont Handwerkliche seiner Arbeiten – denn statt Pixel über den Monitor zu verschieben, lässt der gelernte Biologe Frösche über das teure Barytpapier springen und kippt auch schon mal etruskischen Sand darüber, um es anschließend zu belichten. Das klingt archaisch – und ist es auch. Autonome Fotografie at its best!

Meine ausführliche Bespechung aus dem Kölner Stadt-Anzeiger gibt es hier.

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Roger Melis & Giorgia Fiorio in der C/O Berlin

Zum Pflichtprogramm während einer Berlin-Reise gehört für mich immer auch ein Besuch der C/O Berlin im Kaiserlichen Postfuhramt an der Orangienburger Straße. Zurzeit kann man sich dort gleich drei empfehlenswerte Ausstellungen mit Schwarzweiß-Fotografien anschauen: Neben Andy Spyra, der im Rahmen des “Talents”-Wettbewerbes seine Bilder vom Konflikt in Kaschmir zeigt, haben mich vor allem die Roger Melis-Retrospektive und die Ausstellung “Ritus” von Giorgia Fiorio interessiert.

Der “Chronist und Flaneur” Roger Melis (1940 bis 2009) war zusammen mit Arno Fischer und Sibylle Bergemann Gründungsmitglied der ostdeutschen Fotogruppe “Direkt” und zählt zu den wichtigsten Fotografen der DDR. Neben seinen Porträts von Schriftstellern und Künstlern schuf er auch wunderbare Alltags-Aufnahmen im Sinne der Street-Photography und war auch viel im europäischen Ausland wie Paris, London, Warschau, Krakau und Moskau unterwegs. Interessant und bemüht zugleich finde ich allerdings seine Betonung, dass Melis “die Wahrheit des Unsensationellen spannend” finde und nicht das Besondere, sondern das Alltägliche suche. Das alarmierte mich sofort, denn einen ganz ähnlichen Satz musste ich in der Arno Fischer-Retrospektive in Bonn lesen und anschließend feststellen, dass das (leider) nicht als Koketterie gemeint war. Bei Melis sehe hingegen sehe ich diesen “belanglosen Augenblick” nicht – dafür sind seine Bilder viel zu gut komponiert und zielen eben doch auf einen ganz bestimmten Augenblick hin – auch, wenn dieser erst einmal unspektakulär wirken mag

Begeistert hat mich aber auch die Ausstellung der Italienerin Giorgia Fiorio. Seit 2001 reist sie auf der Suche nach Ritualen um die Welt – von den Ufern des Ganges, Klöstern in Polen, Tempelanlagen in Kambodscha bis hin zu Meditationszentren in Myanmar und Wasserfällen in Japan. Bereits der Eingang der sehr schön gestalteten Ausstellung, die übrigens unter der Unesco-Schirmherrschaft steht, hat fast etwas Spirituelles und erinnerte mich an das Gefühl, das ich (immer noch) beim Betreten von alten Kirchen und buddhistischen Tempeln habe. Die großformatigen Bilder zeigen Menschen, die ihren Glauben im wahrsten Sinne des Wortes leben. Fiorio macht diesen Glauben sicht- und spürbar, denn fast immer geht die spirituelle Verbindung mit schweren körperlichen Anstrengungen einher – ob sich Menschen kreuzigen lassen, durch Wasserfälle laufen, sich von Gerüsten stürzen, Yoga-Übungen machen oder sich in Trance und Ekstase versetzen. Dabei entdeckt man erstaunliche Parallelen zwischen den einzelnen Religionen, und ich als Agnostiker musste mir tatsächlich die profane Frage stellen, ob diese Massen an Gläubigen ganz unterschiedlicher Herkunft nicht vielleicht doch irgendwie Recht haben.

Die beiden Ausstellungen laufen noch bis zum 2. Mai 2010.

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Peter Bialobrzeski / Alfred Ehrhardt Stiftung

Dass die Alfred Ehrhardt Stiftung zum Jahreswechsel vom Rhein an die Spree gezogen ist, hat man in Köln zwar beklagt, nicht jedoch ohne hinter vorgehaltener Hand ein beleidigtes  “Na, wenn ihr meint, dass ihr da mehr Erfolg haben wird” hinterherzuschicken. Nun habe ich die Stiftung in der Auguststraße 75 in Berlin besucht und war von den sehr schönen, neuen Räumen und der aktuellen Ausstellung “Paradise Now” von Peter Bialobrzeski gleichermaßen begeistert. Offensichtlich hat sich der Umzug für die Stiftung gelohnt, denn in Köln fristete sie tatsächlich eher ein Schattendasein, während sie im beliebten Galerienviertel Berlins ein zigfaches der Besucherzahlen verzeichnen kann.

Das könnte natürlich aber auch einfach mit der tollen Ausstellung zusammenhängen. Bialobrzeskis Buch Paradise Now kannte ich bereits, doch die Bilder entfalten als Großabzug eine ganz andere, sehr intensive Wirkung. Inhaltlich und ästhetisch hat er es geschafft, die vom Menschen gepflanzte oder aber auch von der Stadt unberührt gelassene, fast urwaldartige Natur in asiatischen Metropolen auf eine sehr individuelle Art und Weise zu dokumentieren – und dabei die Grenze der Dokumentarfotografie regelrecht auszuloten. Oberflächig schön wie romantische Gemälde, werden seine Nachtaufnahmen aus Jakarta, Singapur, Bangkok und Kuala Lumpur gebrochen durch die künstliche Lichtführung der Neonleuchten, die Unschärfe der achtminütigen Belichtungszeit und die modernen Wolkenkratzer und Baukräne, die buchstäblich ihre Spuren in den Bildern hinterlassen. Während es Gang und Gäbe ist, kümmerliche Reste von Natur in der urbanen Landschaft festzuhalten, dreht der 1961 geborene Bialobrzeski den Spieß um: Durch das fast surreale Tropengrün erkennt der Betrachter, dass sich die Natur und damit die Hoffnung nicht länger werden halten können. Wer mag, kann aber auch das Gegenteil darin erkennen – ich fühle mich jedenfalls angenehm an die (alten) Aufnahmen aus Angkor Wat erinnert, auf denen deutlich zu erkennen ist, dass sich die Natur ihren Lebensraum irgendwann wieder zurückholen wird – selbst, wenn es ein wenig länger dauern sollte.

Tipp: Zur Finnisage am Sonntag, 18. April , findet um 14 Uhr ein Künstlergespräch mit Peter Bialobrzeski und der Leiterin der Alfred Ehrhardt Stiftung, Dr. Christiane Stahl, statt.

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Für Rentex in Mainz

Für die Firma Rentex bin ich Ende März nach Mainz gefahren. Das Landesmuseum hat für die Abteilung “Kunst der Moderne” zur Neueröffnung auch neuer Lichtdecken erhalten. Die Kunsthalle in Mainz wurde hingegen bereits vor zwei Jahren mit diesen Lichtdecken aus Spannfolien ausgestattet – aber da ich ja schon einmal vor Ort war, habe ich auch diese neu fotografiert. Während die Kunsthalle ein Paradebeispiel für das White Cube-Konzept ist und auch die gezeigten Arbeiten von Martina Essig eher minimalistisch anmuten, musste ich im Landesmuseum beim Gestalten schon genauer schauen, die ständig eine Wand, eine Vitrine, eine Skulptur oder ein Bild etwas anderes überlappte.

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Vier Fotobuch-Empfehlungen im Ksta

Im Magazin vom Kölner Stadt-Anzeiger ist wieder ein sehr schön gestalteter Artikel mit vier Fotobuchempfehlungen von mir erschienen: Andrew Zuckerman zeigt seine “Wild Birds” während Riitta Päiväläinen und Jorma Puranen für “Imaginary Meetings” und “Icy Prospects” hinaus in die Natur ihrer Heimat Finnland gegangen sind. Ebenfalls unter war das Fotografenduo Taiyo Onorato und Nico Krebs: Für “The Great Unreal” reisten sie mehrere Monate durch die USA und setzten sich mit Realität und der Erfindung von Realität auseinander.

Die ausführlichen Rezensionen gibt es hier – viel Spaß beim Lesen.

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Die Altmeister Hosoe und Tômatsu in Köln

In Köln gibt es derzeit die seltene Gelegenheit, sich gleich in zwei Ausstellungen Arbeiten der beiden japanischen Fotografielegenden Eikoh Hosoe und Shômei Tômatsu anzuschauen. Zum einen zeigt das Japanische Kulturinstitut noch bis zum 22. Mai Arbeiten aus drei Serien Eikoh Hosoes – unter anderem seine wohl bekannteste Kamaitachi, die mich sehr begeistert hat. In der Galerie Priska Pasquer gibt es zudem noch bis zum 17. April Bilder von Shômei Tômatsu zu sehen – und somit erstmals in einer Einzelausstellung in Deutschland überhaupt. Ich kann jedem, der sich auch nur ansatzweise für Fotografie aus Japan interessiert, beide Ausstellungen nur ans Herz legen – schließlich haben sowohl Hosoe als auch Tômatsu die Arbeit späterer Generationen entschieden mitgeprägt.

Meine leider etwas gekürzte Besprechung aus dem Kölner Stadt-Anzeiger gibt es hier.

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