Für Rentex in die City Galerie Aschaffenburg

Im Januar bin ich in die City Galerie nach Aschaffenburg gefahren. Dort hat die Firma Rentex über 200 kleinere Lichtdecken und Lichtvouten eingebaut, die ich nun fotografieren sollte – im laufenden Betrieb eines großen und gut besuchten Einkaufszentrums gar nicht so einfach. Da heißt es dann selbst in der Architekturfotografie, den richtigen Moment abzuwarten – und die Leute dabei beobachten, wie sie mich beobachten, wie sie Kommentare abgeben und sich schreckhaft ducken oder einfach stehen bleiben, um nicht durchs Bild zu laufen.

Geschrieben in Auftragsfotografie | Keine Kommentare

Takashi Homma und Tim Davis

Am letzten Wochenende haben zahlreiche Kölner Galerien ihre erste Ausstellung des Jahres eröffnet – darunter auch mit einigen interessanten Fotoarbeiten von Takashi Homma und Tim Davis:

Der Japaner Takashi Homma beschäftigt sich seit Jahren mit dem Leben  in  Tokio  und  zeigt  uns saubere, aber menschenleere sowie funktionale, aber seelenlose Vororte. Mit  ‘Tokyo Suburbia’ beeinflusste er die aktuelle Fotografie seines Landes.  In der Galerie Claudia Delank kombiniert er nun  seine  Vorortansichten  mit Kinderporträts, wobei vor allem seine kleine Tochter immer wieder auftaucht. Neugierig spinkst sie  aus  einem Autofenster  oder steht mit einer rosafarbenen Einwegkamera im Haus. Fast immer wirkt  sie  einsam  und  verloren. Man kann es nachvollziehen: In einer Gesellschaft,  in der  alles geprägt ist von Funktionalität, Mobilität  und  Wirtschaftlichkeit bleibt nur wenig Raum  für  individuelle Träume und das, was man romantisch  eine  ‘unbeschwerte Kindhei’ nennen würde. [...] Tim Davis’ „Retail“-Serie gehört ebenfalls zu dieser Gruppenausstellung (in der Galerie Stefan Röpke). Dazu hat er amerikanische  Einfamilienhäuser fotografiert,  in  deren  Fenstern sich  die  Leuchtreklame  von Großkonzernen  spiegeln.  Subtil suggeriert er, dass die Marken einen auch durch die eigenen vier Wände verfolgen.

Wer sich für den gesamten Artikel interessiert, findet ihn hier.

Geschrieben in Ausstellungen | Keine Kommentare

Porträts eines Blinden

Das Alexianer-Magazin hat mich nach Aachen geschickt, um für eine Geschichte über berufstätige Menschen mit Behinderungen Fotos zu machen. Also traf ich mich dort mit Norbert Kofferschläger, der vor etwa 20 Monaten komplett erblindet, mittlerweile aber wieder an seinen alten (umgerüsteten) Arbeitsplatz zurückgekehrt ist. Es war sehr beeindruckend zu sehen, mit wieviel Ehrgeiz und Elan er sein neues Leben meistert, aber auch, mit welchen Hürden er zu kämpfen hat und wie ihm sein Humor und manchmal auch sein Zynismus dabei helfen, nicht die Hoffnung zu verlieren. Wegen der Kürze des Textes und des Besuches war eine klassische Reportage ausgeschlossen, so dass ich ihn in seinem alltäglichen Arbeitsumfeld porträtierte.

Geschrieben in Auftragsfotografie | 2 Kommentare

“The Family of Man” in Clervaux

An meinem Geburtstag habe ich mir selbst ein Geschenk gemacht und bin in den kleinen Ort Clervaux nach Luxemburg gefahren. Im dortigen Schloss befindet sich seit 1994 die wohl legendärste und nach eigenen Angaben “größte Fotoausstellung der Welt”: The Family of Man.

Die Ausstellung wurde ursprünglich 1951 von niemand Geringerem als Edward Steichen für das MoMA in New York kuratiert, dessen Leiter er damals war. Die Zusammenstellung von ca. 500 Aufnahmen bekannter und vollkommen unbekannter Fotografen zeigt ein sehr umfassendes Porträt der Menschheit, unterteilt in insgesamt 37 Bereiche wie Geburt, Arbeit, Familie, Kinder, Glaube, Liebe, Krieg und Frieden. Nach dem enormen Erfolg der Ausstellung in New York gingen die Bilder auf Welttournee, bis sie schließlich als Geschenk nach Luxemburg kamen, wo sie nun permanent zu sehen sind.

Es mag aus heutiger Sicht arg naiv wirken, wenn ein Amerikaner kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Menschen dazu auffordert, ihre Bilder einzureichen, um durch diese Humanismus und Nächstenliebe zu verbreiten – und vielleicht sogar zukünftige Kriege zu verhindern. Vielleicht ist es sogar schon naiv zu glauben, durch eine Fotografieausstellung überhaupt ein umfassendes “Porträt der Menschheit” zu erhalten, bilden die Aufnahmen doch nur ein sehr enges historisches Zeitfenster ab und überwiegt doch das eindeutig westlich geprägte Menschenbild.

Auf der anderen Seite ist diese Ausstellung tatsächlich ein Geschenk für die Menschheit – das muss ich so pathetisch formulieren. Diese große Menge an Bildern unterschiedlicher Fotografen – von Berühmtheiten wie Henri Cartier-Bresson, Robert Capa und Robert Frank bis hin zu eher Vergessenen wie Howard Sochurek, Wayne Miller, Gjon Mili und Carl Perutz – findet man kein zweites Mal auf so engen Raum und für eine so lange Zeit. Nicht umsonst wurde „The Family of Man“ 2003 in das “Memory of the World Register” der Unesco aufgenommen.

Last not least ist es für jemanden, der regelmäßig in Galerien und Museen ist, extrem spannend zu sehen, wie Ausstellungskonzpte vor 50 Jahren entwickelt und umgesetzt wurden – schließlich ist “The Family of Man” in Clervaux nahezu so aufgebaut, wie sie auch ursprünglich in New York zu sehen war. Dieses Wirrwarr von dicht neben- und übereinander (und sogar an der Decke!) hängenden Bildern ist in einer Zeit des alles beherrschenden und häufig auch kritisierten “White Cubes” absolut beachtenswert. Insofern ist die Ausstellung auch eine kleine Zeitreise zurück in die 1950er Jahre.


Geschrieben in Ausstellungen | 4 Kommentare

“Surrealismus Paris – Prag” in Ludwigshafen

Im Rahmen der großen Ausstellung Gegen jede Vernunft. Surrealismus Paris – Prag widmet sich der Kunstverein Ludwigshafen am Rhein ausschließlich der surrealistischen Fotografie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gezeigt werden über 180 Fotografien, überwiegend Vintage-Abzüge aus renommierten privaten und öffentlichen Sammlungen, sowie Zeitschriften und Bücher, wobei diese in insgesamt neun Einheiten wie “Porträt”, “Der fragmentierte Körper” und “Traum und Vision” gegliedert sind.

Die Schau ermöglicht dadurch einen umfangreichen Einblick in die Geschichte, die Entwicklung und Denkweise sowie in die Ästhetik  der surrealistischen Fotografie und ihrer Protagonisten. So beginnt sie mit Paris-Ansichten Eugène Atgets, die heute eher als Dokumentation durchgehen würden, die gleichzeitig aber die Absurditäten des Alltags aufzeigen, von denen sich viele inspirieren ließen. Ganz groß sind in diesem Zusammenhang auch die Aufnahmen von Éli Lotar aus den Schlachthöfen von la Villette sowie ihr Bild “Strafe”, das zwei abgetrennte und in Schuhe steckende, aber aufrecht stehende Jungenbeine zeigt. Die gehören offensichtlich nur zu einer Schaufensterpuppe, wirken aber dennoch (oder vielleicht auch gerade deshalb) faszinierend und verstörend zugleich.

Natürlich darf in einer Surrealistenausstellung Platzhirsch Man Ray nicht fehlen, der dann auch mit entsprechend vielen Aufnahmen, Collagen und seinen typischen “Rayogrammen” vertreten ist. Er nahm in Paris eine herausragende Stellung ein und schuf mit eigens entwickelten Mitteln und Techniken Ikonen der inszenierten Fotografie. Viel spannender ist es jedoch weniger bekannte Bilder und Fotografen zu entdecken – Karel Teige zum Beispiel oder Emila Medková mit ihren häufig sehr düsteren und morbiden Inszenierungen. Oder aber Jindřich Štyrský, dessen “reale Collagen” von Schaufenstern und Schaustellern, Spiegelungen und Überlagerungen mich stark an aktuelle Fotografen wie Wolfgang Zurborn oder den erst kürzlich von mir vorgestellten Frederic Lezmi erinnern.

Ebenfalls beachtenswert finde ich die Arbeiten, aber auch die Arbeitsweise Erwin Blumenfelds. Seine Begeisterung für den weiblichen Körper, aber auch für die Dunkelkammer und seine fast schon alchemistischen Nachbearbeitungstechniken erstaunen noch heute: Sogar Schimmel und Blitze eines Gewitters setzte er für die Vollendung seiner Werke ein.

Die Ausstellung “Gegen jede Vernunft” im Kunstverein Ludwigshafen ist noch bis zum 14. Februar geöffnet.

Geschrieben in Ausstellungen | Keine Kommentare

Most Popular Tags